Als schon der Nachfolger in den Startlöchern stand, half Volkswagen dem Absatz des Golf GTI noch mit einem Sondermodell nach, das heute als “Pirelli-Golf” bekannt ist. Tatsächlich gehört gerade diese Variante heute zu den gesuchten Specimen des bis heute beliebten Golf 1 GTI.
Erfolgsmodell GTI
Die Geschichte des GTI ist bekannt und wurde schon anderswo erzählt , deshalb hier nur in Kürze: Vorgestellt wurde der VW Golf GTI im September 1975 auf der IAA und er unterschied sich von den Normal-Gölfen durch den 1,6-Liter-Einspritzmotor aus dem Audi 80 GT/E sowie durch eine sportliche Optik und Ausstattung, die Recaro-Sportsitze, einen Golfball als Schaltknopf, ein sportliches Fahrwerk, mattschwarze Akzente und natürlich den GTI-Schriftzug auf dem rot umrahmten Kühlergrill.
Das Rezept war ein Knüller, statt der geplanten 5000 Exemplare konnten deren 450'000 abgesetzt werden. Der Golf GTI wurde zum Vater eines ganzen Fahrzeugsegments.
Stetige Evolution
Volkswagen ruhte sich auf den anfänglichen Lorbeeren nicht aus, sondern verbesserte den Golf und die GTI-Variante fortwährten. 1978 erhielten alle Modelle Kunststoffstossfänger, vor allem aber einen besseren Rostschutz und eine wirksamere Geräuschisolation. Ab 1979 gab es den GTI mit Fünfganggetriebe.
1980 erhielt der Golf breite Rückleuchten und ein neues Armaturenbrett, das auch im GTI die bisher runden Anzeigen ersetzte. Auch das “Spucknapf”-Lenkrad verschwand und wich einer Variante mit Pralltopf.
1982 schliesslich erhielt der Golf GTI, den es jetzt auch fünftürig gab, einen 1,8-Liter grossen Motor mit 112 statt 110 PS.
CHF 18'130 oder DM 20'285 kostete inzwischen der GTI, aber er blieb der Liebling der Autotester. Der neue Motor gefiel. Die Automobil Revue kommentierte:
“Der 1,8-Liter-Einspritzmotor überzeugt in jeder Beziehung. Der hauptsächlichste Unterschied gegenüber dem bisherigen Triebsatz ist der Kraftzuwachs im unteren Drehzahlbereich: Das maximale Drehmoment, das von 140 auf 153 Nm kletterte, steht beim 1800er bereits bei 3500 und nicht erst bei 5000/min an, und auch für die Höchstleistung von 112 PS genügen 5800/min (1,6- Liter: 110 PS bei 6100/min). … In der Disziplin «Beschleunigung in den Gängen», die ein Mass für die Elastizität darstellt, lässt der 895 kg schwere GTI nicht nur seinen Vorgänger, sondern die meisten Konkurrenten hinter sich.”
Tatsächlich war der GTI 1800 mit einem Testverbrauch von 9,6 Litern pro 100 km sogar sparsamer als sein Vorgänger (10.2 Liter). Und er schlug diesen auch in dem Fahrleistungen, z.B. im Spurt von 0 auf 100 km/h in 8,9 anstatt 9,2 Sekunden. Mit 187 km/h Spitze im fünften Gang gab es auch keine Kritik an der Höchstgeschwindigkeit.
“Mit dem 1,8-Liter-Einspritzmotor hat VW den Leistungsvorsprung, den der erste GTI gegenüber seinen Wettbewerbern anfänglich aufgewiesen hat, zum grössten Teil wieder hergestellt. Der GTI behaupt sich – und das ist angesichts seiner nicht mehr ganz taufrischen Karosserie besonders bemerkenswert – nach wie vor als ungekrönter Leader seiner Klasse”, summierte die Automobil Revue im Test im Spätsommer 1982.
Konkurrenz holt auf
Tatsächlich erwuchs dem Golf GTI im neuen Opel Kadett GTE ab März 1983 ein weiterer starker Konkurrent. Mit 1,8 Litern Hubraum und 115 PS, sportlicher Aufmachung und insgesamt leicht höherem Nutzwert konnte der Opel durchaus punkten, zumal er preislich mit DM 20'255 sogar noch etwas günstiger lag.
Im Vergleichstest von “auto motor und sport” allerdings konnte sich der Golf GTI gut behaupten, beschleunigte er doch besser (8,6 anstatt 9,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h) und lief sogar schneller (192 anstatt 190 km/h als der eigentlich aerodynamischere Opel, der allerdings auch ein höheres Gewicht auf wiese als der VW. Beim Fahrkomfort konnte der Golf den Opel ebenfalls schlagen, so dass Thomas Fischer einen klaren Sieger erkürte:
“Am grundsätzlichen Ausgang dieses Duells ändert das jedoch nichts. In der Summe aller Eigenschaften ist auch der beste Opel Kadett bei weitem nicht gut genug, um den VW Golf GTI zu schlagen.”
Allerdings hatte der Golf GTI noch mit weiteren Konkurrenten zu kämpfen, insbesondere dem Ford Escort XR3i und dem Fiat Ritmo Abarth 125 TC. Letzter war günstiger und deutlich stärker, während der Ford Escort vor allem von der besseren Aerodynamik profitierte.
In den deutschen Zulassungszahlen schlug der Golf GTI denn auch 1982 seine “GTI”-Konkurrenten deutlich.
Nachfolger am Horizont
Dass der Golf 1 einen Nachfolger erhalten sollte, der alles besser können musste, war schon früh im Jahr 1983 klar. Angekündigt wurde der Golf II schliesslich an der IAA im September 1983, Erlkönig-Fotos des “Neuen” machten aber schon deutlich früher die Runde.
Es gab also auch jenseits der erstarkten Konkurrenz gute Gründe, etwas Verkaufsförderung selbst für das Spitzenmodell GTI zu organisieren. Im Frühling 1983 wurde ein “Sondermodell” angekündigt, “auto motor und sport” charakterisierte das Angebot so:
“Zusätzlich zum unveränderten VW Golf GTI bietet das Wolfsburger Unternehmen ab sofort eine Sonderversion der leistungsstarken Sportlimousine an. Leichtmetallräder der Dimension 6J X 14 mit Pirelli P6-Pneus im Format 185/60 HR 14, ein Lederlenkrad sowie Doppelscheinwerfer dokumentieren den sportiven Charakter des Bestsellers. Ein zweiter Außenspiegel und grün getönte Scheiben runden die Sonderausstattung ab, für die kein Mehrpreis berechnet wird. Der zweitürige GTI kostet 20 285 Mark, der Viertürer 20 980 Mark.”
Preiswerte Mehrausstattung
Erhältlich war der “Pirelli-Golf” zudem in drei exklusiven Farbastimmungen, nämlich in Alpinweiss, Heliosblau Metallic, Marsrot und Lhasa Metallic, kombiniert mit passenden Innenausstattungen.
Die innenverstellbaren Rückspiegel und die Stossfänger waren genauso wie die Kotflügelverbreiterungen in Wagenfarbe lackiert, der Doppelscheinwerfer-Grill war serienmässig.
Auch die digitale Multifunktionsanzeige (MFA) gehörte zum Ausstattungsumfang und erlaubte das Überprüfen von Öltemperatur, Aussentemperatur, zurückgelegter Fahrtstrecke, Fahrzeit und Durchschnittsverbrauch.
Das wichtigste Erkennungsmerkmal waren aber natürlich die 14-Zoll-Felgen mit dem “P”-Muster und die aufgezogenen Pirelli-P6-Breitreifen, die allerdings auf Montieren von Schneeketten verhinderten.
Rund 10'500 Exemplare
Der “Pirelli-Golf” war ein Verkaufserfolg, rund 10'500 Exemplare konnten zwischen Mai und Oktober 1983 gebaut werden. Er war eine würdige Abschiedsvorstellung und bot viel Ausstattung für's Geld, denn er kostete nicht mehr als das normale Modell. Es wurden wohl auch Pirelli-Golf ohne lackierte Kunststoffteile und in anderen Farben ausgeliefert, man verhielt sich damals halt sehr flexibel.
Die Pirelli-Räder wurden zudem auch bei anderen GTI-Modellen genutzt, um die Autos aufzuwerten, so dass es heute gar nicht so einfach ist, originale “Sondermodelle” von nachgerüsteten Normal-GTIs zu unterscheiden.
Am Lenkrad
Gerne setzt man sich in den gut ausgerüsteten “Pirelli-Golf”, sofort fallen die lackierten Spiegel und Verbreiterungen auf, aber auch das im Vergleich zum früheren Sportlenkrad wenig attraktive Lenkrad, das dafür aber einen Lederüberzug aufweist.
Funktionell gibt es am seit 1980 montierten Armaturenbrett mit den rechteckigen Instrumenten wenig auszusetzen, eine Verbrauchsanzeige erscheint im GTI eher etwas fehl am Platz.
Natürlich startet der Motor auf Anhieb und sowieso bereit das Fahren im kompakten Golf keinerlei Probleme. Das Wechseln der Gänge mit dem Golfball macht Freude, dank guter Rundumsicht, niedrigem Fahrzeugewicht und kompakten Dimensionen macht Landstrassen-Räubern viel Spass. Da muss man es nicht einmal bis zum lastwechselgeförderten Übersteuern kommen lassen.
Die breiten Räder sorgen für zusätzliche Haftung, auch wenn man die optisch attraktiven damaligen P6-Reifen (eine Art verschmälerte P7) vermisst. Heute sehen P6-Reifen leider aus wie andere Gummis, das charakteristische Muster ging verloren.
An Vorwärtsdynamik hat es dem GTI sowieso noch nie gefehlt, schliesslich können 112 PS bei knappen 900 kg schon einiges ausrichten. Dass der VW Golf GTI im Jahr 2026 50 Jahre alt wird, dies spürt man dem rüstigen Pirelli-Golf auf jeden Fall nicht an.
Der für diesen Beitrag fotografierte VW Golf GTI Pirelli von 1983 wird von der Oldtimer Galerie am 30. Mai 2026 anlässlich der Versteigerung im Rahmen der Swiss Classic World versteigert. Wir danken für die Gelegenheit zur Fotofahrt.









































































































































































































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