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Bild (1/4): Triumph TR6 (1974) - Auf der Landstrasse fühlt er sich zu Hause (© Daniel Reinhard, 2019)
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    Triumph TR6 – ehrlicher Sportwagen von der Insel

    Erstellt am 11. November 2019
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    ZGIPWerk 
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    Als der Triumph TR6 vor 50 Jahren vorgestellt wurde, war dies hiesigen Autozeitschriften keine Titelgeschichte wert. Grosse technische Neuerungen hatte er nicht aufzuweisen, denn die hintere Einzelradaufhängung war bereits mit dem TR4A IRS 1965 eingeführt worden, sechs Zylinder hatte man mit dem TR5 1968 vorgestellt. Umso überraschter waren Beobachter, dass bereits im Januar 1969 der Triumph TR6 angekündigt wurde. Und die Abschlussvorstellung der seit 1961 gebauten TR4-5-6-Baureihe war die erfolgreichste.

    Triumph TR6 (1974) - Für die Ausfahrt ins Grüne bestens geeignet
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Beliebter britischer Sportwagen

    1961 stellte Triumph den von Michelotti entworfenen TR4 vor, der mit Vierzylindermotor und hinterer Starrachse den Erfolg des Vorgängers TR3 fortsetzte. Nach rund vier Jahren wurde das Fahrgestell komplett überarbeitet und die Hinterräder des TR4A IRS waren nun unabhängig aufgehängt. Im Juli 1967 ersetzte ein Sechszylindermotor den Vierzylinder und der für Amerika bestimmte Wagen hiess nun TR250, im Oktober 1967 folgte der TR5 PI, dessen Motor mit einer Lucas-Einspritzung ausgerüstet war. Nur gerade 2947 TR5 PI wurden gebaut, dazu kamen noch 8484 TR250. Gemeinsam war all diesen Modellen, dass sie auf eine treue Gefolgschaft zählen konnten und immer sehr beliebt waren. Und eigentlich hatte niemand eine Ablösung des TR5/TR250 erwartet, zumindest nicht so früh.

    Überraschungscoup

    Als daher im Januar 1969 die ersten Fotos des Triumph TR6 die Runde machten, rieben sich manche Käufer des Vorgängers zunächst einmal ungläubig die Augen.

    Triumph TR6 (1974) - die von Karmann geprägte deutsche Linie beim Engländer
    © Zwischengas Archiv

    Doch Triumph hatte gute Gründe für eine Modellerneuerung, denn die Konkurrenzsituation hatte sich umfassend verändert. Waren zu Beginn der Sechzigerjahre MGA und MGB sowie der Austin-Healey die Widersacher, so erblickte Ende der Sechzigerjahre eine komplett andere Sportwagengeneration das Licht der Welt: Opel GT, Ford Capri oder VW-Porsche 914.

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    SC76_Sujet_1

    Die Kosten im Auge

    Grosse Sprünge konnte sich British Leyland allerdings nicht leisten und so fragte man zuerst bei Giovanni Michelotti nach, ob er das Äussere des etwas in die Jahre gekommenen TR4/5 auffrischen könne. Doch der Meister war ausgebucht und nicht bereit, die Zeitvorgaben einzuhalten. Also schaute man sich um und fand mit Karmann in Deutschland einen neuen Partner.

    Triumph TR 6 (1969) - Damals waren Roadster noch richtig offen
    © Copyright / Fotograf: ZGIPWerk

    Natürlich musste das Fahrgestell erhalten bleiben und sogar die Türen und die Frontscheibe sollten nicht verändert werden. Front und Heck aber waren zur Neugestaltung freigegeben. Karmann lieferte: Bereits im September 1967 lag ein Tonmodell vor und wurde gutheissen. In Windeseile wurden die Pressteile fabriziert und schon Ende 1968 konnten die ersten TR6 zusammengebaut werden.

    Weniger konservativ

    Die Automobil Revue berichtete Mitte Januar 1969 über den neuen TR6: “Unter Beibehalt der gleichen Karosseriestruktur und der mit dem Vorgänger identischen Türen wurden die Kotflügel, das Wagenheck, das Verdeck, vor allem aber die Frontpartie neugezeichnet. Das Resultat: ein eleganteres und ansprechenderes Gewand. Hinten und vorne findet man neue Beleuchtungskörper, vorne neben den Scheinwerfern grosse Standlichter.”

    Triumph TR6 (1974) - Dank eines durchaus nutzbaren Kofferraums auch für ein Wochenende zu zweit geeignet
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die Beschreibung zeugt zwar nicht von vorbehaltloser Begeisterung, aber doch von einem gewissen Wohlwollen. Positiv aufgenommen wurden die Verbesserungen am Fahrwerk (Stabilisatoren vorne, breitere Räder) und im Interieur (gepolstertes Holz-Armaturenbrett, neugestaltete Sitze). Mit CHF 16’800 oder DM 14’418 gehörte der Triumph vor allem dank des Sechszylinders zu den günstigen Angeboten.

    Heel Porsche Fahrer Banner: Porsche Fahrer

    Klassischer Aufbau

    Der Triumph TR6 war ein Sportwagen klassischer Machart. Ein robuster Kastenrahmen mit Kreuzverstrebungen bildete die Basis. Vorne waren die Räder an Trapezdreieckslenkern aufgehängt, hinten sorgten Dreieckslängslenker für die Radführung. Vordere Scheiben- und hintere Trommelbremsen sorgten für die Verzögerung. Etwa 1090 kg schwer war der 394 cm lange und nur 147 cm breite Sportwagen. Er bot Platz für zwei Personen und 170 Liter Gepäck. Das Vierganggetriebe gab es mit oder ohne Overdrive.

    Immer noch gut genug

    Allzu viele Testberichte zum TR6 erschienen Ende der Sechzigerjahre nicht, schliesslich war der Wagen in den Augen der Autojournalisten ja eigentlich nur ein nachgeschönter TR5 PI. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport aber klemmte sich hinter’s Lenkrad und liess die Stoppuhren laufen. Den Sprint von 0 bis 100 km/h schaffte der TR6 mit Einspritzung und 143 PS (bei 5700 Umdrehungen) in exakt neun Sekunden, als Spitze wurden 193,5 km/h notiert. Das liess sich hören, zumal der Verbrauch zwar nicht besonders günstig, aber ingesamt mit 15 Litern im Testdurchschnitt (von 12,8 bis 16,9 Liter) akzeptabel war damals.

    Triumph TR6 (1974) - Wunderbarer Klang des Triumph Sechszylindermotors
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Kritisiert wurde allerdings die zu Verwindungen neigende Karosserie, die zum Ächzen und Klappern neigte. Dafür konnte das Fahrverhalten weitgehend überzeugen.

    Kein Komfortmobil

    Weniger Begeisterung kam bei der Beurteilung des Themas Komfort auf: “Wer im engen TR 6-Cockpit Platz genommen hat, der kann sicher sein, dass nun harte Arbeit auf ihn wartet; denn praktisch alles, was mit der Bedienung dieses Triumph zusammenhängt, geht schwer und verlangt kräftiges Zupacken. Dieser Tatbestand muß nun freilich nicht unbedingt erschrecken, beweist er doch neben mancher technischen Unvollkommenheit eine mitunter gewünschte Abkehr von (auch sportlichen) Durchschnitts-Mobilen.”

    Triumph TR6 (1974) - Sportliches Cockpit
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Von einer schwergängigen Kupplung und einer kräftezehrenden Fussbremse war die Rede, dafür wurde die Ergonomie gelobt. Dass man Ende der Sechzigerjahre deutlich höhere Ansprüche hatte als zu Beginn, dies zeigte der abschliessenden Gedanken des AMS-Testredaktors: “Trotz seines nun gutmütigeren Fahrverhaltens und der hohen Motorleistung ist der TR6 kein typisches Schnellfahrer-Auto geworden, denn dazu fehlt es ihm an Ausgewogenheit und Fahrkultur. Seine Qualitäten liegen in einem anderen Bereich, der nicht nur von der Straßenbeschaffenheit, sondern sogar vom Wetter abhängt. Blauer Himmel und grüne Wiesen werden für den TR 6-Fahrer zu wichtigen Faktoren — eben so wie es der grollende Auspuffton und die aggressive Form sein können. Aber daß dieser moderne Klassiker altenglischen Roadsterbaues zu faszinieren vermag, können selbst Vernunftmenschen kaum bestreiten.”

    Heel Banner 2: Heel Oldtimer

    Selbstversuch

    Setzen wir uns also, 50 Jahre später, selber ans Lenkrad. Auf die 143 Einspritz-PS müssen wir zwar verzichten, denn der weisse TR6 ist ein US-Export und hat damit den 2,5-Liter-Vergasermotor, der mit zwei Stromberg-Vergasern knapp über 100 PS produziert. Aber das reicht allemal, um dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Im Vergleich zu modernen Cabriolets ist der TR6 wirklich offen, die Rundumsicht praktisch unbeschränkt. Der Reihensechszylinder verwöhnt mit einem melodiösen “Soundtrack” und dieser lässt sich mit dem Gaspedal und dem gut schaltbaren Vierganggetriebe nach Belieben modulieren.

    Triumph TR6 (1974) - Kein Überrollbügel stört das Roadster-Feeling
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Für den modernen Strassenverkehr reichen die gebotenen Fahrleistungen locker und man fühlt sich immer schnell genug. Der TR6 ist ein ehrliches Auto, das einen spüren lässt, wenn die Fahrbahnoberfläche nicht ganz eben ist. Aber anders würde man es ja auch gar nicht wollen, wenn man ein klassisches britisches Cabriolet kauft.

    Erfolgsmobil

    91’850 Triumph TR6 wurden vom September 1968 bis zum Juli 1976 gebaut, damit schlug der TR6 alle seine Vorgänger. Das Gros davon ging in den Export, weniger als ein Zehntel blieb auf der Insel. Vor allem die Amerikaner liebten den TR6. Nur der selbsttragende und mit allen Traditionen brechende TR7 wurde in noch grösseren Stückzahlen gefertigt. Heute gehört der Triumph TR6 zu den beliebten Klassikern und viele einst in die USA exportierten Fahrzeuge sind schon lange wieder nach Europa reimportiert worden.

    Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit, den TR6 von 1974 fotografieren zu können.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    po******:
    05.12.2019 (10:57)
    Habe lange einen TR6 mit Einspritzung im Alltagsbetrieb gefahren.Wer nicht schrauben konnte,für den wäre das Auto eine Quälerei gewesen.
    Man musste immer eine Reserve-Einspritzdüse mithaben.An die mangelnde Verwindungssteifigkeit hatte man sich ja irgendwann gewöhnt.Beim TÜV musste man die Einsritzanlage so verstellen,dass der Wagen kaum noch lief,aber die CO2-Werte waren prima...
    ba******:
    05.12.2019 (05:22)
    Der Prototyp für den TR6, der TR5 GINEVRA kam noch von Giovanni Michelotti.
    Präsentiert 1968 in Genf.
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