Angebot eines Partners

S.S. One Tourer von 1933 - ein Sportwagen wie kein anderer

Erstellt am 20. Mai 2013
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
42
Archiv 
7

Anfangs der Dreissigerjahre sahen die meisten Autos wie Schachteln aus, schmal, kurz und hochbauend. Da verwundert es nicht, dass William Lyons’ S.S. One wie eine Bombe einschlug, denn dieser Wagen war lang, niedrig und elegant. Und sportlich war er obendrein.

S.S. One Tourer (1933)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vom Klavier zum Autobauer

Logo Swallow SidecarsDabei war dem jungen Bill Lyons das Autobauen nicht in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war nämlich Klavierhändler und keineswegs darüber erbaut, dass sein Sohn sich mit donnernden Motoren beschäftigen wollte. Doch dieser sah viel Potential in der Motorisierung der Nachkriegsjahre und gründete mit 1’000 Pfund in Blackpool seine erste Firma, die Swallow Sidecar Co. Ltd..

Zuerst konzentrierte man sich auf den Bau von Seitenwagen für Motoräder, doch schon 1926 begann Lyons mit der Produktion von Karosserien für gängige Automobil-Fahrgestelle, vornehmlich Austin Seven und später auch Wolseley Hornet, Standard Nine, Morris Cowley, Swift Ten und Fiat 509 A. Diese meist schnittig aussehenden und mit dem Beinamen “Swallow” beschrifteten Fahrzeuge waren aber nur die Vorstufe für Lyons eigene Sportwagen.

Ein Gefühl für Formen und Kundenbedürfnisse

William Lyons hatte ein untrügliches Gefühl für Formen und gleichzeitig wusste er genau, was machbar war und was sich im Markt absetzen liess. Anfangs der Dreissigerjahre gab es zwar formschöne und schnelle Sportwagen von Alfa Romeo, Delahaye oder Bugatti, diese waren aber für den Grossteil der potentiellen Autokäufer unerschwinglich. Lyons wollte deren Ansprüche an Form und Fahrleistungen erfüllen, die Autos aber wesentlich günstiger anbieten können.

Also griff er soweit möglich zu Standardkomponenten, die er günstig beschaffen konnte. Mit der Firma Standard wurde er handelseinig, vielleicht auch, weil Captain John Black, der die Firma ab 1929 leitete grosse Stücke auf Lyons hielt.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Porsche 997 GT2 (2009)
Mini Cooper Works (2019)
Austin Healey 3000 MKI BN7 (1959)
Mini Metro Moritz (1984)
+41 (0)71 450 01 11
St. Margrethen, Schweiz

Das erste Auto unter der eigenen Marke

Am 9. Oktober 1931 stellte William Lyons seinen ersten eigenen Wagen vor, genannt wurde er S.S. One. Es handelte sich um ein Coupé mit 2+2 Plätzen, aufgebaut auf dem verlängerten Chassis des Standard Ensign.

S.S. One Sixteen (1931) - Durchsichtszeichnung durch den ersten "Jaguar"
Archiv Automobil Revue

Durch eine Reihe von Massnahmen konnten der Motor weiter hinten und tiefer montiert werden, die Gesamthöhe des Wagens betrug glatte 35 cm weniger als die des Standard-Modelles. Als Aufhängungen dienten Starrachsen vorne und hinten, verzögert wurde mit Trommelbremsen, die über Seilzüge angesteuert wurden.

Auf dieses Fahrgestell setzte Lyons eine elegante Karosserie mit überlanger Motorhaube und  relativ kurzer Passagierkabine. Den Reihen-Sechszylinder-Motor mit 2054 cm3 und 48 PS bei 3600 U/min übernahm er weitgehend unverändert. 

S.S. One (1932) - fast ein wenig comic-mässiger Look mit dieser langen Haube und der kurzen Passagierkabine
Archiv Automobil Revue

Gerade einmal 310 Pfund verlangte Lyons für seinen neuen Sportwagen, der ihm aber noch nicht ganz gefiel, weshalb er bereits für das Jahr 1932 umfangreiche Design-Anpassungen ausführte. Der Radstand wurde um 20 cm verlängert, die Spurbreite um 5 cm vergrössert, die Chassis-Längsträger unter der Hinterachse geführt (“underslung”). Die veränderten Proportionen liessen eine noch eleganter Linienführung für den Aufbau zu und die Trittbretter zwischen den vorderen und hinteren Kotflügeln halfen zusätzlich dabei, aus dem S.S. One eine richtige Schönheit zu machen.

Auch einen grösseren Motor mit nunmehr 2552 cm3 und 62 PS bei 3’600 U/min bot er ab dem 30. September 1932 an.

Begeisterte englische Presse

Die englische Presse stürzte sich geradezu auf den Neuankömmling. Die beiden grossen Autozeitschriften “The Motor” und “The Autocar” verfassten Fahrberichte und beschrieben den Sportwagen in allen Facetten.

Die Schreiber lobten die schöne Karosserieform, die gute Fahrerposition, die beindruckenden Fahrleistungen und insbesondere auch die Fahreigenschaften, wonach Kurven um 30% schneller gefahren werden konnten als mit anderen Automobilen.

Angebot eines Partners

Das vierplätzige Cabriolet

Zu Beginn des Jahres 1933 wurde zum Coupé auch ein viersitziges Cabriolet angeboten, ein Jahr darauf folgte ein vierplätziges Coupé mit Stromlinienkarosserie und ein Drophead Coupé. Ende 1936 verschwand dann die S.S. One Baureihe zugunsten neuer “Jaguar”-Modelle.

S.S. One Tourer (1933) - im Bug werkelt ein gut 2 Liter grosser Sechszylinder von Standard
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das Cabriolet wurde “Tourer” genannt und bot vier Personen gute Platzverhältnisse. Mit 4,72 Metern Länge und 1,6 Metern Breite war der Tourer keineswegs kompakt, der Radstand betrug volle 3,02 Meter. Viel Gewicht legte Lyons auf eine gediegene Innenausstattung, entsprechend wurden wertvolle Materialien (Leder, Holz) mit viel Liebe zum Detail verarbeitet.

Ab 1934 gab es als Motorvarianten 2143 oder 2663 cm3 Hubraum mit 53 und 68 PS bei jeweils 3600 U/min. Und auch das Getriebe konnte mit Synchronringen beruhigt werden.

Erste Versuche im Motorsport

Auch als Basisgerät für den Rennsport wurde der S.S. One genutzt. 1933 zum Beispiel sandte Lyons drei offene Tourer in den Farben Rot, Weiss und Blau an das Alpen-Rallye. Zwei der Tourer mussten wegen Überhitzungsproblemen aufgeben, der dritte aber, am Steuer sass Charles Needham, beendete das Rallye an achter Stelle. Der richtig grosse Durchbruch im Rennsport aber gelang mit dem S.S. One nicht.

Berühmte Nachkommen

Der ganz grosse Erfolg trat erst mit den Modellen S.S. 90 und SS 100 ein. Sie waren noch eleganter geformt und dank selber entwickelten Zylinderköpfen für die Standard-Motoren auch wesentlich leistungsfähiger.

Angebot eines Partners

Moderne Manieren

S.S. One Tourer (1933) - das Lenkrad sitzt natürlich rechts
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Luftig geht es zu im offenen S.S. One. Natürlich steht das Lenkrad rechts und gestartet wird der Wagen erwartungsgemäss mit einem Startknopf, der auf der linken Seite des Steuers sitzt, während die Zündung rechtsseitig einzuschalten ist. Der Motor stimmt ein melodisches und angenehmes Lied an, keinesweg laut.

Das Schaltschema für das Vierganggetriebe entspricht dem üblichen “H”, die Gänge sind nicht synchronisiert, lassen sich nach etwas Übung aber gut einlegen.

Üppig Leistung ist nicht vorhanden. die rund 48 PS haben es immerhin mit annähernd 1’200 kg zu tun. Was vor 80 Jahren für ein “Ultra Sports Car” reichte, fühlt sich heute dorch recht schmächtig an und es lohnt sich, Ausfahrten genauer zu planen, um Staus und starken Steigungen auszuweichen.

Im Vergleich zu manchem seiner Zeitgenossen fühlt sich der S.S. One aber fahrwerkstechnisch durchaus modern an, der lange Radstand hilft und sorgt auch für überraschenden Komfort. Auch die Bremsen lassen kein Gefühl der Unsicherheit aufkommen und so steht eigentlich auch längeren Überlandsfahrten nichts im Weg.

Der Blick über die lange Motorhaube auf jeden Fall ist phantastisch und dass man dieses Vergnügen sogar mit drei weiteren Leuten teilen kann, macht den Briten nur noch sympatischer.

S.S. One Tourer (1933)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ungefähr 4’200 S.S. One sollen gebaut worden sein, nur wenige dürften überlebt haben und die frühen Modelle sind besonders selten und entsprechend wertvoll. Vom ursprünglichen Tourer wurden gerade einmal 150 Exemplare gebaut zwischen März 1933 und Januar 1934, mit dem kleinen Motor kostete er damals 325 Pfund.

Der für diesen Bericht portraitierte S.S. One Tourer von 1933 wird am 8. Juni 2013 von der Oldtimer Galarie Toffen anlässlich der Dolder Classics Versteigerung unter den Hammer kommen.

Weitere Informationen

  • The Motor, 13. Oktober 1931, ab Seite 407: Entirely New Sports Car
  • The Autocar, 9. Oktober 1931: The “S.S.” Sixteen Coupe
  • The Motor, 26. Januar 1932, ab Seite 1150: The S.S.1 - a new ultra sports car
  • Automobil Revue Nr. 36/1997, Seite 68: Fahren mit einem SS 1

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Angebote unserer Partner

Originaldokumente / Faksimile

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 253 PS, 5359 cm3
Coupé, 325 PS, 6482 cm3
Coupé, 295 PS, 5700 cm3
Cabriolet, 335 PS, 4930 cm3
Coupé, 335 PS, 4930 cm3
Coupé, 220 PS, 2965 cm3
Cabriolet, 95 PS, 1596 cm3
Limousine, zweitürig, 32 PS, 594 cm3
Cabriolet, 81 PS, 2443 cm3
Cabriolet, 155 PS, 3769 cm3
Coupé, 250 PS, 6489 cm3
Roadster, 304 PS, 5351 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Roggliswil, Schweiz

062 754 19 29

Spezialisiert auf Jaguar, SS

Spezialist

Muhen, Schweiz

+41793328191

Spezialisiert auf AC, Adler, ...

Angebot eines Partners
Angebot eines Partners

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 2,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.