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Renault 5 TL – der kleine Freund aus/in Frankreich

Erstellt am 29. August 2018
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Renault / Werk 
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Bruno von Rotz 
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Renault 
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Renault Communication 
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Hallo Fahrerlager / Archiv Rainer Braun 
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Archiv 
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Eigentlich entstand der Renault 5 fast durch Zufall. Er war die Idee eines jungen Designers namens Michel Boué, der in seiner Freizeit im Jahr 1969 an einem kleinen Auto tüftelte. Als die Führungsriege von Renault darauf aufmerksam wurde, beschloss man, den Wagen praktisch unverändert zu realisieren.

Renault 5 TL (1977) - bei jedem Wetter ein lieber Freund
Copyright / Fotograf: Renault

Für die junge urbane Frau

Der Renault 5 füllte exakt eine neue Nische, die sich geöffnet hatte. Bereits in den Sechzigerjahren machten in Frankreich mehr Frauen den Führerschein als Männer, da musste es sich doch lohnen, ein Auto auf deren Bedürfnisse auszurichten. Der R5 tat genau das. Er war kompakt, sogar sehr kompakt. 350,5 cm betrug seine Länge, 152,5 cm die Breite.

Renault 5 TL (1972) - der praktische Alltagswagen aus Frankreich
Archiv Automobil Revue

Der Radstand, wie beim Renault 16 unterschiedlich je nach Seite, von 240,5/243,5 cm ermöglichte vier Sitzplätze und einen vernünftigen Kofferraum dazu. Das Heck war schräg und mit einer Heckklappe abgeschlossen. Grosse Fenster ergaben einen hellen Innenraum und sicherten die gute Übersichtlichkeit.

Die grauen Kunststoffstossfänger kamen mit kleinen Remplern bis ca. sieben km/h klar, so dass auch beim Parkieren in der Innenstadt von Paris kein Stress aufkam.

Längs statt quer

Technisch setzte man auf Komponenten die sich bereits beim R4 millionenfach bewährt hatten. Der wassergekühlte Vierzylinder-Motor wurde längs eingebaut, das Getriebe lag davor und wurde zunächst mit demselben Pistolengriff-Schalthebel bedient wie beim R4.

Renault R5 (1972) - das Armaturenbrett braucht nicht viele Erklärungen
Archiv Automobil Revue

Während die Franzosen mit 782 cm3 und 34 PS vorliebnehmen mussten, gab es für die Exportländer, sobald sie bedient wurden, 845 cm3 und 36 PS bei 5500 Umdrehungen, die der mit hängenden Ventilen und seitlicher Nockenwelle ausgerüstete Motor mit Leichtmetallzylinderkopf ohne grosses Aufheben produzierte.

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0443059904
Schlieren, Schweiz

Moderne Konstruktion

Der R5 war im Gegensatz zum R4, der noch einen Plattformrahmen hatte, selbsttragend ausgeführt. Alle vier Räder waren einzeln aufgehängt, die Federwege waren lang und ermöglichten so einen überdurchschnittlichen Komfort, waren aber auch für die fast schon abenteuerlichen Schräglagen verantwortlich, die der R5 in schnell gefahrenen Kurven einnahm.

Gebremst wurde mit Trommeln an allen vier Rädern, gelenkt via Zahnstange.

Renault R5 (1972) - Durchsichtszeichnung - Blick auf die Technik
Archiv Automobil Revue

Das gesamte Paket war gerade einmal 730 kg schwer und der 41-Liter-Tank reichte für über 500 km Reichweite.

Der Prototyp für eine neue Fahrzeugklasse?

Natürlich bemühten sich die Autozeitschriften darum, den neuen Franzosen probe- und testfahren zu können. Manfred Jantke zeigte sich für Auto Motor und Sport ziemlich überzeugt:

«Der Renault 5 macht deutlich, was intensive Anstrengungen auf dem Kleinwagensektor heute möglich machen. Dreieinhalb Meter lange 1000 ccm-Autos können so geräumig, so komfortabel und so leistungsfähig sein wie vor wenigen Jahren ausgewachsene Mittelklassewagen, wenn man sie nicht wie verkleinerte Mittelklassewagen, sondern nach eigenen, speziellen Kleinwagenrezepten baut. Um den Absatz des R 5 wird sich Renault mit Sicherheit keine Sorgen machen müssen, weder in Frankreich noch in einem anderen europäischen Land. Dazu ist dieses Auto zu zweckmässig, zu sympathisch und rundum zu überzeugend.»

Renault 5 - Renault R5 an der Rallye Monte Carlo 1978
Archiv Automobil Revue

Jantke sollte Recht behalten, der R5 wurde zum Absatzerfolg, zu dem allerdings auch eine sagenhafte Rallye Monte Carlo des Jahres 1978 beitrug, als zwei sorgfältig vorbereite gelbe R5 mit Fréquelin/Delaval und Ragnotti/Andrie am Steuer fast die ganze Meute von Lancia Stratos, Fiat 131 Abarth und Porsche 911 niedermachten. Nur fast, weil am Schluss siegten Nicolas/Laverne auf einem privaten Porsche. Den Sympathiepokal aber gewannen die wilden Renault 5. Und dies wirkte sich sehr positiv auf den Absatz aus.

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Gepflegt und verbessert

Doch auch die Ingenieure trugen viel zum anhaltenden Erfolg des Renault 5 bei. Zum anfänglich gebauten R5 mit je nach Land 782 oder 956 cm3 grossem Motor gesellte sich 1974 eine 1,3-Liter-Variante mit 64 PS dazu, die auf die Bezeichnung LS und später TS hörte und nun an der Vorderachse Scheiben- anstatt Trommelbremsen aufwies. Bereits ein Jahr vorher hatte der normale auf dem Boden montierte Schalthebel, den es ursprünglich nur wahlweise gab, die Krückstockschaltung als Standardausführung abgelöst.

Renault 5 (1978) - als GTL-Variante noch komfortabler
Copyright / Fotograf: Renault / Werk

1976 wurde der Renault 5 Alpine lanciert, nun dank 1397 cm3 und einiger Feinarbeit 93 PS stark und ein richtiger Wolf im Schafspelz.

Für schaltfaule Naturen gab es ab 1978 einen 5 Automatic mit Dreigangautomatik.

Renault 5 Automatic (1978) - 11'500 Franken teure Komfortvariante mit dreistufigem Getriebeautomat - Genfer Autosalon 1978
Archiv Automobil Revue

1979 schliesslich kam die viertürige Variante auf den Markt.

Renault 5 GTL (1979) - mit fünf Türen
Copyright / Fotograf: Renault Communication

1991 machte ein Turbolader den R5 Alpine 110 PS stark. Für alle Varianten war unterdessen der Hubraum etwas angewachsen.

Über fünf Millionen Mal produziert

Über 5,5 Millionen R5 wurden bis 1986 gebaut, alleine die klassische Variante mit 3 oder 5 Türen verliess die französischen Fabriken fast 5,3 Millionen mal zwischen 1972 und 1985. Dazu gesellten sich Versionen aus anderen Ländern, inklusive der «Siete»-Stufenheck-Variante aus Spanien und Lizenzbauten in verschiedenen Länder, aber auch die breitbackigen Renault 5 Turbo mit Mittelmotor.

Nur der Schöpfer des Wagens, Michel Boué, erlebte den Erfolg leider nicht mehr, er verstarb schon 1971 an Krebs.

Renault 5 (1979) - zusammen mit Renault Supercinq von 1984
Copyright / Fotograf: Renault Communication

Der Nachfolger des R5 hiess übrigens «Supercinq» und war, wie es der Name verhiess, eine grössere Variante des R5, die durch Marcello Gandini gestaltet worden war und bis 1996 gebaut wurde.

Kein Zulassungskönig

Während der Renault 5 in Frankreich über Jahre auf den Spitzenplätzen der Zulassungsstatistiken zu finden war, musste der Renault in der Schweiz und auch in Deutschland meist grösseren Konkurrenten (Golf, Kadett, Taunus) oder lokalen Platzhirschen den Vortritt lassen. Knapp über 60’000 Renault 5 wurden zwischen 1972 und 1985 in der Schweiz immatrikuliert. Das Spitzenjahr war 1980, als 6959 neue R5 verkauft werden konnten, was Platz 6 in der Zulassungshitparade bedeutete. Die Schweizer griffen halt schon immer lieber zu luxuriöseren, kräftigeren und auch grösseren Fahrzeugen.

In Deutschland verkaufte sich der Renault gut, doch setzte ihm ab Mitte der Siebzigerjahre die herangewachsene Konkurrenz wie Audi 50 oder VW Polo zu, so dass die Zulassungszahlen unter Druck gerieten. Immerhin konnten z.B. 1976 29’166 Renault 5 verkauft werden.

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Ein wirklicher Freund

Wer sich heute in den Renault 5 TL von 1977 setzt, wundert sich, wie modern und ohne Allüren dieser kleine Wagen fährt. Man fühlt sich auch heute noch sofort im kompakten Fronttriebler zuhause, schätzt die gute Rundumsicht und die für die Grösse beeindruckenden Platzverhältnissen.

Renault 5 TL (1977) - praxisorientiertes Interieur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Man könnte ihn problemlos im Alltag fahren, denkt man sich. Selbst die für heutige Begriffe niedrige Motorleistung genügt problemlos zum Mitschwimmen im Verkehr, zumindest auf Landstrassen und innerorts. An Autobahnsteigungen wünscht man sich dann doch ein paar Pferdestärken zusätzlich über die vorhandenen 44 PS hinaus, aber wer will schon mit einem R5 Autobahnkilometer fressen, wenn eine Fahrt durch die Weinberge, durch Dörfer oder am Strand entlang so viel unterhaltsamer ist. Und auch für allfällige gekaufte Weinflaschen findet sich im Kofferraum genügend Platz. Und den edlen Tropfen möchte man dann ja auch nicht allzu sehr durchschütteln, somit reichen 20,6 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h und 140 km/h Spitze.

Renault 5 TL (1977) - überraschend geräumiger Kofferraum
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die 74 dBA, die bei 100 km/h anliegen, wirken zwar nicht wie ein Säuseln, zeugen aber von Charakter. Und die 8 is 9 Liter Superbenzin, die man in den 41-Liter-Tank schüttet pro 100 km, machen einen auch heute noch nicht zum armen Mann. Im Jahr 1977 kostete ein Renault 5 TL CHF 10’460 oder DM 8995, heute ist ein inzwischen rar gewordenes Exemplar vermutlich kaum weniger wertvoll.

Renault 5 TL (1977) - viertürige Varianten gab's erst später
Copyright / Fotograf: Renault

Natürlich sind heutige Autos deutlich sicherer gebaut, aber praktischer und geräumiger sind sie auf 3,5 Meter Länge gewiss nicht geworden.

Wir danken Renault Schweiz , die uns anlässlich des 120-Jahres-Jubiläums von Renault die Gelegenheit gab, den Renault 5 TL von 1977 probezufahren.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Joerg Ranchero
09.09.2018 (17:36)
Antworten
Der 79er in froschgrün war mein erstes Auto. Man was hat der gerostet, später war er dann schwarz. Aber Spaß hat er gemacht und Kurven waren einfach Klasse mit dem Fahrwerk, aber er ist nie umgekippt.
Ich erinnere mich noch gerne an den Kleinen.
von Rosenwegler
04.09.2018 (08:28)
Antworten
Schöner Beitrag! Aber müsste es hier im Text " ... und nun an der Vorderachse Trommelbremsen aufwies." nicht Scheibenbremsen heissen?
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
04.09.2018 (08:34)
Absolut richtig und gut beobachtet. Wir haben das korrigiert. Danke für den Hinweis.
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