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Renault 5 GT Turbo - die 200-km/h-Kompaktlimousine

Erstellt am 31. Juli 2019
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Patrick Sautelet 
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Bruno von Rotz 
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Renault Communication 
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Renault Communications 
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Renault 
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Vor 40 Jahren feierte Renault mit dem RS10 den ersten Sieg eines Turbo-Formel-1-Rennwagens. In der Folge wurde der Turbomotor auch bei den Serienfahrzeugen breit eingesetzt und befeuerte meist die Topversionen der verschiedenen Baureihen.

Es lag also nahe, auch bei der erfolgreichen Baureihe R5 einen Turbomotor zu nutzen und dies geschah mit dem Renault 5 Alpine Turbo von 1980 bis 1984.

Renault 5 Alpine Turbo - limitierte Sonderversion namens "Gordini" - am Genfer Automobilsalon 1984
Archiv Automobil Revue

Im Jahr 1984 wurde dann die erste Generation des über 5,5 Millionen mal gebauten R5 abgelöst. Keine leichte Aufgabe!

Einmal komplett erneuert

Obwohl die zweite Ausgabe des Renault 5, in der Werbung gerne “Der Kleine Freund” genannt, sich für viele Betrachter gar nicht so klar vom Vorgänger unterschied, war eigentlich fast alles neu.

Renault 5 TSE (1984) - modernisiert, ohne den Vorgänger vergessen zu lassen
Archiv Automobil Revue

Das Fahrwerk und damit auch die Quermotorbauweise stammten vom Renault 9/11, die Karosserie und das Interieur wurden, mithilfe von Marcello Gandini, neu gestaltet.

Sechs bis 13 Zentimeter wuchs der Renault 5 im Innern, obschon die Länge nur um sechs, die Breite nur um 3,5 Zentimeter zunahm. Die neue etwas flacher geratene Version wies somit die Dimensionen 359 x 158,5 x 140 cm. Die Spur wurde etwas breiter, der Radstand blieb praktisch unverändert, war nun aber im Gegensatz zum Vorgänger links und rechts identisch.

Renault 5 TSE (1984) - ungewohnter Blick ins Interieur
Archiv Automobil Revue

Beim Karosseriekleid führte die Neugestaltung zu einem von 0,38 auf 0,35 reduzierten Luftwiderstandsbeiwert und zu einem geringeren Gewicht der Rohkarosserie (207 anstatt 231 kg).

Trotz verbessertem Unfallschutz und mehr Komfort wog die leichteste R5-Version gemäss Werk nur 695 kg.

Die Motoren waren alte Bekannte, deren Lebenslinie bis in die Sechzigerjahre zurückverfolgt werden konnte.

“Alles in allem ein gelungener Wurf”, notierte die Automobil Revue anlässlich der Vorstellung im September 1984.

Turbo-Nachschlag

Schon bei der Vorstellung des neuen Modells war bereits von einem Turbo gemunkelt worden, am Pariser Autosalon erschien dann noch im selben Jahr die Version “5 Turbo Coupe”, gedacht für den Sporteinsatz.

Renault 5 GT Turbo (1984) - frühe Version
Copyright / Fotograf: Renault Communication

Die Strassenvariante wurde dann der Öffentlichkeit am Genfer Autosalon im März 1985 präsentiert, sie hiess “GT Turbo” und bot 115 PS bei 1397 cm3 Hubraum, die mit 851 kg Leergewicht (gewogen) leichtes Spiel hatten.

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Umfangreiche Anpassungen

Möglich wurde die beachtliche spezifische Leistung von 82,3 PS pro Liter durch Einbau eines Abgasturboladers T2 von Garret und einem Ladedruck von 0,7 bar (bei der ECE-Version). Die Höchstleistung lag bei 5750 U/min an, als maximales Drehmoment wurden 165 Nm bei 3000 Umdrehungen angegeben.

Renault 5 GT Turbo (1985) - Blick in den Motorraum
Copyright / Fotograf: Renault Communications

Die Renault-Ingenieure hörten allerdings nicht bei der Leistungssteigerung auf, sie verpasstem dem R5 auch eine geänderte Hinterachse mit verbreiterter Spur. Zudem wurden die hinteren Trommelbremsen durch Scheiben ersetzt und die vorderen Scheibenbremsen waren innenbelüftet.
Aussen erkannte man den Turbo an dicken Kotflügelverbreiterungen und einem Frontspoiler, sowie natürlich an den “GT Turbo”-Schildern.

Nicht von aussen zu sehen waren andere Anpassungen, etwas der Siebenliter-Zusatztank, der die Benzinmenge auf 50 Liter vergrösserte oder der zusätzliche Ölkühler.

Renault 5 GT Turbo (1984) - sportliche Aufmachung im Cockpit
Copyright / Fotograf: Renault Communication

CHF 17’200 kostete der schnellste Renault 5 der neuen Bauweise in der Schweiz und damit sogar noch etwas weniger als der Vorgänger Renault 5 Alpine Turbo. In Deutschland wurden DM 19295 verlangt, das Komfortpaket mit elektrischen Scheibenhebern, Zentralverriegelung und Infrarot-Fernbedienung kostete DM 750, ein Sonnendach DM 560.

Turbo-Zuschlag?

Natürlich lechzten die Journalisten danach, den sportlichen R5 zu testen, schliesslich verhiess Renault eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und das war 1985 noch etwas.

Bei Auto Motor und Sport lief der GT Turbo im Spätfrühling 1985 dann aber “nur” 198 km/h, den Spurt von 0 bis 100 km/h absolvierte der Wagen aber in beeindruckenden 8,2 Sekunden.

Die versprochenen niedrigen Durchschnittsverbräuche allerdings, die liessen sich nicht realisieren. Auto Motor und Sport kommentierte:
“Die hohe Leistung des Motors auszunutzen, heißt aber auch ein Plus an Verbrauch zu akzeptieren. Renault publiziert zwar einen Drittelmix-Verbrauch von 7,33 Litern auf 100 Kilometer, doch werden in der Praxis auch schon mal die doppelten Werte erreicht. Der Maximalverbrauch des Testwagens übersprang locker die 14 Liter-Grenze, während sich der Durchschnittsverbrauch bei immer noch saftigen 12,9 Litern einpegelte.”

Renault 5 GT Turbo (1985) - neutral, bei Leistungseinsatz leicht untersteuernd
Copyright / Fotograf: Renault

Deutlich mehr überzeugte das Fahrwerk, das ein “handliches, nicht zu hart abgestimmtes oder unkomfortables Auto, das problemlos geradeausläuft und flink um Kurven eilt, ergäbe”. Das Lenken erfordere keinen Krauftaufwand, die Seitenneigung halte sich in Grenzen, Wechselkurven nehme der GT behände wie ein Kart in Angriff, schrieben die überzeugten Testfahrer.

Renault 5 GT Turbo (1985) - in Fahrt
Copyright / Fotograf: Patrick Sautelet

Dem widersprach auch die Automobil Revue aus der Schweiz nicht, die mit einer speziellen CH-Version, nötig wegen der besonderen AGV-82-Abgas- und Lärmgesetze, vorliebnehmen musste. Nur 105 PS leistete die Schweizer Version, doch sie lief nach Turbo-Finetuning (Ladedruck 0,8 bar) kaum langsamer als die ECE-Variante. 8,6 Sekunden vergingen, bis der Wagen aus dem Stand 100 km/h erreicht hatte, 192 km/h wurden als Höchstgeschwindigkeit gestoppt. Der Gesamttestverbrauch wurde mit 10,3 Litern pro 100 km gemessen.

Das Resümee lautete:
“Mit dem neuen Renault 5 GT Turbo bieter Renault  noch echtes Fahrvergnügen, und zwar zu einem vernünftigen Preis.”

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Komfort und Sport

Natürlich musste sich die Turbo-Version des R5 auch gegen die damaligen Konkurrenten bestätigen und von denen gab es einige, etwa den Citroën Visa GTi, den Fiat Uno Turbo i.e., den Honda Civic 1,5i GT oder den Peugeot 205 GTI.

Der Renault beschleunigte am besten der fünf getesteten Kompaktsportler, bei der Spitze musste er sich nur dem Fiat geschlagen geben, der einen km/h schneller lief. Beim Verbrauch lag der Renault allerdings am höchsten. Kritisiert wurde die nicht harmonische und ungleichmässige Kraftentfaltung des 1,4-Liter-Turbos.

Schliesslich landete der Renault hinter dem Peugeot und dem Fiat auf Rang 3.

Zwei Jahre später musste der Renault GT Turbo erneut zum Vergleichstest antreten, diesmal hiessen die Gegner Honda CRX 1.6i-16 (125 PS), Peugeot 205 GTI 1.9 (128 PS) und VW Polo G40 (115 PS). Diese liessen (mit Ausnahme des Polo) den Renault zumindest in der Höchstgeschwindigkeit fast stehen. Zudem verbrauchten sie alle weniger, waren teilweise aber auch teurer als der R5. Am Schluss reichte es wieder für Platz 3 für den Renault, am besten schlug sich der Peugeot 205 GTI 1.9 dank seinem durchzugsstarken Motor und dem sicheren Fahrverhalten. “Der Renault ist komfortabel abgestimmt und hat ein gutmütiges Fahrwerk. Die unharmonische Leistungscharakteristik seines Motors lässt ihn etwas zurückfallen”, stand es bei der Begründung des Ergebnisses.

Fünf Jahre lang

Im Jahr 1987 erhielt der GT Turbo einige Verbesserungen, so unter anderem eine Wasserkühlung für den Turbolader und ein neues Zündsystem. Die Anbauteile wurden so optimiert, dass der Luftwiderstandsbeiwert von 0,36 auf 0,35 sank.

Renault 5 GT Turbo (1987) - nach dem Facelift
Copyright / Fotograf: Renault Communication

Den Renault GT Turbo gab es hierzulande noch bis 1990, dann war Schluss mit Turbo in der Baureihe. Als Ersatz diente der GTE mit 1,7-Liter-Vierzylinder und je nach Ausführung 94 oder 97 PS.

Andere Versionen des “Super Cinq”, wie der R5 der zweiten Generation auch genannt wurde, wurden noch bis ins Jahr 1996 gebaut, bereits Mitte 1990 aber war der eigentliche Nachfolger Clio vorgestellt worden. Immerhin 3,44 Millionen der zweiten R5-Generation waren in den verschiedenen Produktionsstätten gebaut worden.

Echte Freude am Fahren

Gut erhaltene Renault 5 GT Turbo sind rar heutzutage, ein fast neuwertiges Exemplar mit rund 1400 km Laufleistung, wie es Renault Classic im Bestand hat, dürfte gar fast der Seltenheit einer blauen Mauritius entsprechen.

Renault 5 GT Turbo (1985) - modernes Cockpit
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wie frisch vom Band gelaufen fühlt sich der weisse R5 bei einer kurzen Probefahrt an, der anlässlich der Renault-Feierlichkeiten zu “40 Jahre Turbo” in der Nähe von Paris zum Selbstversuch bereitsteht.

Renault 5 GT Turbo (1985) - nur 3,6 Meter kurz
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ausserordentlich handlich wirkt der keine 900 kg wiegende und sehr kompakte Wagen an. Das damals häufig kritisierte Turboloch zeigt sich weniger deutlich als erwartet, dafür wirkt die Lenkung überaus agil, direkt und leichtgängig, obschon natürlich keine Servopumpe beim Drehen hilft.

Renault 5 GT Turbo (1985) - lief damals rund 200 km/h schnell
Copyright / Fotograf: Renault

Behände lenkt das kleine Auto in Kurven, beim Bremsen spürt man das Fehlen eines ABS, wenn die Hinterräder zu pfeifen beginnen. Die geringe Seitenneigung und die guten Sitze machen das schnelle Kurvenfahren zum reinen Vergnügen. Mehr Auto benötigt man eigentlich gar nicht, denkt man sich und peilt den nächsten Scheitelpunkt an.

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