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Nissan Figaro - Mitbegründer des Retrodesigns

Erstellt am 4. März 2020
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Bruno von Rotz 
43
Werk Nissan 
21
Archiv Automobil Revue 
1
Courtesy Bonhams 
1
Archiv 
1

Die Besucher der Tokyo Motor Show 1989 waren verzückt, als Nissan den Figaro vorstellte, denn er traf mitten ins Herz der designverliebten Japaner. Er sah aus, als wäre er mit einer Zeitmaschine aus den Fünfzigerjahren in die japanische Metropole katapultiert worden. Und er war der Star der Show. Aus dem Konzeptfahrzeug wurde nach nur wenig mehr als einem Jahr ein Retro-Kleinwagen, der tatsächlich zu kaufen war. Allerdings war der Ansturm so gross, dass Nissan gezwungen war, die geplanten 20'000 Stück unter den Käufern zu verlosen.

Retro-Design

Der Entwurf stammte aus der Feder von Naoki Sakai und Shoji Takahashi.  Sie waren ebenfalls verantwortlich für den Nissan Be-1, dem ersten Kleinwagen im Retro-Design, der 1985 vorgestellt wurde.

Nissan Be-1 (1987) - Der erste Kleinwagen der "Pikes Series" genannten Nissan-Kleinwagen im Retrodesign
Copyright / Fotograf: Werk Nissan

1989 folgte der Pao, der Stilelemente des Austin Mini, des Citroën 2CV und des Austin A40 Farina in einem modernen Kleinwagen vereinte. 

Nissan Pao (1989) - Aussen angeschlagene Türscharniere
Copyright / Fotograf: Werk Nissan

Auch der ab 1994 erhältliche Nissan Rasheen, der an einen geschrumpften Land Rover Discovery erinnerte, stammte von den beiden Japanern.

Nissan Rasheen (1994) - Allradzwerg
Copyright / Fotograf: Werk Nissan

Der S-Cargo schliesslich war das einzige Nutzfahrzeug in dieser "Pike-Car" genannten Serie der Retro-Fahrzeuge. Da der winzige Lieferwagen aussah, als würde er ein Schneckenhaus auf dem Rücken tragen, liessen sich die Kreativen bei Nissan für den Namen ein Wortspiel einfallen, das sich in das französische Wort "escargot" (Schnecke) transformieren liess.

Nissan S-Cargo (1989) - Kompakt-Transporter
Copyright / Fotograf: Werk Nissan

Design des Figaro aus Deutschland inspiriert?

Die Form des Figaros erinnert stark an einen deutschen Kleinwagen aus den Fünfzigerjahren mit dem Namen Gutbrod Superior. Ob dieser im Designstudio Pate gestanden ist oder ob die Ähnlichkeit Zufall war, bleibt unklar.

Gutbrod Superior (1950) - Kleiner Zweisitzer
Zwischengas Archiv

Der kleine, adrette Strassenfloh war in verschiedenen Pastellfarben lieferbar und kam mit dezentem Chromschmuck daher. Im Innenraum hatte er einiges an Luxus zu bieten, so gab es Sitze und Verkleidungen aus Leder, die Fenster und die Aussenspiegel waren elektrisch zu betätigen. Die Glasheckscheibe konnte beheizt werden.

Nissan Figaro (1991) - Als wäre er aus den Fünfzigerjahren direkt in die Neuzeit gefallen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das gelungene Design setzte sich im Innenraum fort, die Schalter und Instrumente waren alle im Retro-Stil gehalten. Um auch im Sommer gut gekühlt unterwegs zu sein, gab es sogar eine Klimaanlage und für die musikalische Unterhaltung ein Radio-CD/Kassetten-Gerät.

Nissan Figaro (1991) - Klassisch anmutendes Lenkrad
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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Die Sonne reinlassen

Wer offen fahren wollte, konnte das Verdeck nach hinten schieben und es unter einem Blechdeckel versorgen. Durch diese Konstruktion blieb jedoch nur ein winziger Kofferraum, aber dafür konnten auch die Rücksitze für Gepäck genutzt werden.

Nissan Figaro (1991) - Das Verdeck wird unter eine Klappe am Heck verstaut
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aufwändiger Umbau

Ursprünglich war der Figaro nur für den japanischen Markt bestimmt, aber einige Fahrzeuge fanden dennoch den Weg nach Europa oder in die USA. In Grossbritannien und in Holland gibt es Spezialisten, die den kleinen Retro-Floh für Kunden auf dem Kontinent auf Linkslenkung umbauten. "Das Armaturenbrett wird dazu in vier Teile zersägt, und umgekehrt wieder zusammengesetzt. Die Oberfläche muss neu aufgebaut werden. Um die Lenkung nach links zu versetzen, muss an der Spritzwand das bestehende Loch rechts zugeschweisst und links ein entsprechender Ausschnitt ausgeschnitten werden. Der Umbau beim holländischen Spezialisten kostet etwa 6000 Euro und und es ist mit einer Wartezeit von vier bis sechs Monaten zu rechnen. Dank der Automatikschaltung fährt sich der Figaro auch im Rechtsverkehr problemlos, und dank des gemütlichen Charakters will er sowieso nicht gerne andere Autos überholen", so Mario von nissanfigaro.de , wo viele Informationen über die Restaurierung des Nissan Figaro nachgeschlagen werden können.

Nissan Figaro (1991) - Es existieren nur wenige Linkslenker
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Für den bescheidenen, aber ausreichenden Vortrieb sorgte ein Vierzylindermotor mit 998 ccm aus dem Micra, der über einen Abgasturbolader mit Ladeluftkühlung verfügte. Bei 4400 U/min wurden 106 Newtonmeter auf die Kurbelwelle übertragen – nicht gewuchtet, wie wir sonst gerne schreiben. Die Leistung lag bei 76 PS, und das Sortien der Gänge übernahm ein Automatikgetriebe.

Nissan Figaro (1991) - 998 ccm Motor aus dem Nissan Micra
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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Micra-Grösse

Mit einer Länge von 374 cm war der 163 cm breite und 136,5 cm hohe Strassenfloh nur wenige Zentimeter grösser als der Nissan Micra, von dem die Technik stammte. Das Fahrwerk mit Federbeinen vorne, und einer Starrachse mit Längs- und Schrägstreben sowie Schraubenfedern hinten sorgten für ein sicheres, unspektakuläres Fahrverhalten. Die Zahnstangenlenkung hat Nissan serienmässig mit einer Servounterstützung versehen, für die Verzögerung sorgten vorne innenbelüftete Scheibenbremsen, und hinten Trommelbremsen.

Nissan Figaro (1991) - Offen macht er am meisten Spass
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Fachpresse verteilt gute Noten

Die AR-Zeitung schrieb am 4. April 1991 zum Figaro: "Der Innenraum, welcher Platz für zwei Erwachsene und zwei kleinere Kinder bieten dürfte, soll nicht bloss den Charme vergangener Zeiten vermitteln, sondern er ist auch betont luxuriös aufgemacht. So bestehen die Polster und Verkleidungen aus weissem Leder, und die Bedienung des stilistisch ausgezeichnet ins Gesamtbild des Autos passenden Faltdachs, der Fenster und der Aussenspiegel erfolgt durch Elektromotoren".

Nissan Figaro (1991) - Sogar die Kontrollleuchten sind im Retrodesign gehalten
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und weiter: "Mobile Stoffdächer sind übrigens in Japan seit einigen Jahren wieder gross in Mode, und ihre Machart ist heute weit aufwendiger als bei den früheren europäischen Vorbildern. So besitzt das Exemplar beim Figaro nicht nur eine heizbare Scheibe aus Glas, sondern es verschwindet beim Öffnen vollständig unter einer Klappe über dem eigentlichen Kofferraum, welcher über einen zweiten Deckel am Heck erreichbar ist."

Fast 30 Jahre später

Wie fährt sich so ein Figaro heute? Trotz des Automatikgetriebes ist der kleine Japaner recht flott unterwegs, was sicher nicht zuletzt am Turboschub liegt, aber ein Sportwagen ist er nicht. Er ist eher ein Gute-Laune-Auto, das auffällt, und jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das manuelle Dach lässt sich einfach öffnen, und mit der Sonne im Auto wird die Reise zwar nicht schneller, aber fröhlicher.

Im Innenraum gefallen die liebevoll gestalteten Armaturen, Schalter und Kontrollleuchten, und Platz ist auch genügend vorhanden. Das Gepäck wird der Figaro-Fahrer öfters auf den Rücksitz werfen als im Kofferräumchen zu versorgen, dessen Deckel nach oben geklappt und mit einer kleinen Stange offengehalten wird. Die Japaner haben wirklich an jedes Detail gedacht!

Wird das Auto parkiert, kann es durchaus sein, dass man einen kleinen Menschenauflauf verursacht, und Fragen zu Marke, Typ und Baujahr beantworten muss. Der perfekte Kleinwagen für Individualisten, die das Aussergewöhnliche suchen.

Nissan Figaro (1991) - Die technische Basis stammt vom Nissan Micra
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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An der Schwelle zum Oldtimer

Unser porträtierter Nissan Figaro wird im Jahr 2021 schon zum Oldtimer, und wer sich ein solches Exemplar sichern will, sollte sich beeilen. Linkslenker kommen fast nie auf den Markt, es wurden vermutlich nur wenige Dutzend (um-)gebaut, und schon Rechtslenker haben auf Auktionen bereits $ 50'000 (CHF 48'000 oder EUR 45'000) erzielt.

Wir bedanken uns bei www.classic-autos.ch , dass wir den angebotenen Figaro Probe fahren und fotografieren durften.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ed******
26.03.2020 (17:16)
Antworten
Hallo und Guten Tag,
ich habe vor zwei Jahren anl. eines Oldtimer Treffens in Langquaid einen Nissan Figaro gesehen und auch Fotografiert. Das Fahrzeug erinnerte mich aber eher schmerzlich an einen Maico 5oo Champion den mein Vater als NSU Händler in Kassel für einen NSU Prinz in Zahlung genommen hatte. Schmerzlich daher, der Wagen war seinerzeit nicht mehr zu verkaufen. Er musste täglich aus der Halle gefahren
werden. Da der Heckmotor aber im Standgas nicht richtig lief , wollte ich das Standgas einstellen. Was ich nicht wußte, oder sehen konnte, war das das Lüfterrad des Kühlers keine Abdeckung besaß. Ich speitzte den rechten Ringfinger ab, zum letzten mal, ich ich die Hand wieder raus zog war das erste Glied des Ringfingers nicht mehr vorhanden. Googeln Sie einmal PKW Maico 500 Sie werden mir recht geben, wie ähnlich sich die Fahrzeuge sind.
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