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Mini Moke - der Anti-Geländewagen mit den Kleinwagen-Genen

Erstellt am 27. Februar 2014
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Mark Staff - Courtesy RM Auctions 
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Archiv 
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Wenn man ihn von vorne betrachtet, dann erinnert er an den Willys Jeep, von der Seite sind Ähnlichkeiten zu einem Buggy sichtbar, aber in Tat und Wahrheit gab es kaum je Autos, mit denen sich der Mini Moke wirklich vergleichen liess.

Vielleicht könnten noch am ehesten der Citroën Méhari, der VW Typ 181 oder der Renault Rodeo als Konkurrenten herangezogen werden, doch kamen sie alle erst später auf den Markt als der Mini Moke, der 1964 erstmals seine offzielle Aufwartung machte.

Mini Moke (1971) - als Lot 102 an der RM Auction Amelia Island 2014 angeboten
Copyright / Fotograf: Mark Staff - Courtesy RM Auctions

Parallel zum Mini entwickelt

Zu jenem Zeitpunkt blickte der Mini Moke allerdings bereits auf eine längere Geschichte zurück, denn den seine Entwicklung begann bereits in den späten Fünfzigerjahre. Sein Schöpfer hiess Alec Issigonis, wahrlich kein Unbekannter. Dieser hatte sich überlegt, dass man die stetig wachsenden Militärbudgets nicht nur Konkurrenten wie Land Rover überlassen sollte und sich entschlossen auf Basis des entstehenden Minis (Austin Seven) auch noch ein Geländefahrzeug für den Armeeeinsatz zu konstruieren.

Alec Issigonis ersann sowohl den Kleinwagen Mini wie auch seinen "Bruder" Mini Moke
Archiv Automobil Revue

Die mechanischen Teile wurden vom Mini übernommen, die Karosserie aber richtete man auf den Einsatzweck aus und liess sich wohl vom Erscheinungsbild des Jeeps leiten.

Erste Prototypen wurden Armeeverantwortlichen gezeigt. Als leichtes Fahrzeug konnte man den “Buckboard”, so wurde der Mini Moke zu jener Zeit genannt, a aus einem Flugzeug werfen und per Fallschirm auf der Erde landen lassen. Wegen der geringen Bodenfreiheit, der schmächtigen Motorleistung und dem fehlenden Allradantrieb hätten sich die Fahrzeuge allerdings vermutlich des öfteren nicht mehr von der Stelle manövrieren lassen. Der kleine Wagen fiel beim Militär durch. Daran änderten auch Versionen mit zwei Motoren und zwei angetriebenen Achsen nichts.

Für das Militär untauglich

Dies hätte das Ende des kleinen Autos bedeuten müssen, doch die British Motor Company entschied 1963, den nun Mini Moke genannten Wagen für Zivilisten anzubieten und man dachte dabei wohl an Bauern, Förster und Golfplatz-Besitzer. Doch der Absatz harzte im Heimmarkt, nicht zuletzt deshalb, weil der Mini-Sprössling als Personenwagen besteuert wurde.

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0 74 43/ 1 73 47 04
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Ziemlich auffällig

Die hiesige Presse nahm kaum Notiz vom kauzigen Briten, immerhin aber publizierte die Zeitschrift “auto motor und sport” 1967 einen Testbericht unter dem Titel “ziemlich offen”.

Morris Mini Moke (1966) - eine Strandvariante aus englischer Fertigung
Archiv Automobil Revue

Klaus Westrup, der den Artikel verfasste, hatte offenbar Spass am luftigen Freizeitvehikel: “So merkwürdig es scheinen mag - der nach rüdem Geländebetrieb aussehende Mini Moke fühlt sich auf gut asphaltierten Strassen am wohlsten ... Es ist, um es klar auszusprechen, die grosse Gaudi. Wer dafür einen Nerv hat, wird - für relativ wenig Geld - bestens bedient. Denn alle Welt hält nach deinem heranrollenden Moke Umschau. Frauen, die gerade mit der Nachbarin sprechen, setzen Milchkanne und Einfaufskorb ab. Männer, ganz gleich welchen Alters, halten jäh im Laufen inne und bekommen glänzende Augen. Kinder stossen spitze Schreie aus und alarmieren die Mutti. Und Polizisten ... lächeln.”
Kein Ferrari der Sechzigerjahre bot diesen sympathischen Aufmerksamkeitswert und schon gar kein anderes Auto für DM 5200.

Günstig und trotzdem kein Bestseller

“Relativ wenig Geld” muss allerdings im Kontext der damaligen Preise betrachtet werden. Tatsächlich erhielt man für dasselbe Geld, das ein Mini Moke mit 848 cm3, 34 PS und minimalistischer Ausstattung kostete, auch fast einen Fiat 1100, eine Ford 12M oder einen Opel Kadett. Das VW Käfer Exportmodell war gar noch 50 DM günstiger.

Und die meisten dieser Alternativen waren wesentlich ausgewachsener, als es der Mini Moke mit seinen 3 Metern Länge und knapp über 1 Meter Breite sein konnte.

In der Gesamtrechnung aber schnitt der Mini Moke, wenn man zu den Kompromissen bereit war, die seinen Besitz erforderte, gut ab, denn er verbrauchte nur wenig Benzin und auch die Unterhaltsarbeiten gestalteten sich dank seines offenen Wesens einfach.

Mr. Cool

Dies alles aber hätte nicht für sein Überleben gereicht, wäre nicht ein Coolness-Faktor dazugekommen. Tatsächlich trat der Mini Moke in mehreren James Bond Filmen auf und auch andere Filmproduktionen bedienten sich des kleinen Freizeitgefährts. Man sah ihn in der Werbung und auf Schallplatten-Hüllen.

Mini Moke (1971) - als Lot 102 an der RM Auction Amelia Island 2014 angeboten
Copyright / Fotograf: Mark Staff - Courtesy RM Auctions

So überlebte der Mini-Abkömmling selbst dann, als in England die Produktion im Oktober 1968 nach rund 15’000 produzierten Exemplaren eingestellt wurde.

Als Langläufer in Australien

Bereits 1966 nämlich hatte in “Down Under” begonnen, den Mini Moke für den dortigen Markt zu produzieren. Und man verbesserte den kleinen Viersitzer Schritt um Schritt. Der Hubraum des Motors wuchs zuerst auf 998 cm3, später sogar auf 1098 cm3. Sogar eine Variante mit 1275 cm3 wurde entwickelt und inzwischen war Europa wieder reif für den auch in der Breite deutlich gewachsenen Pseudo-Geländewagen.

So begann Leyland Australien, den inzwischen mit 13- statt 10-Zoll-Rädern ausgerüsteten California Moke mit dem 53 PS starken 1,3-Liter u.a. nach Deutschland zu liefern.

Mini Moke (1971) - als Lot 102 an der RM Auction Amelia Island 2014 angeboten
Copyright / Fotograf: Mark Staff - Courtesy RM Auctions

Und er stiess weiterhin auf Sympathie, auch bei Clauspeter Becker, der den Australier im Jahr 1974 für “auto motor und sport” testete. 132 km/h lief der kräftige knapp 600 kg schwere Viersitzer. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolvierte er in 18,3 Sekunden, der Verbrauch pendelte sich bei 9,1 Liter pro 100 km ein. “Sein wirkliches Areal sind nicht die Eselspfade abgelegener Gegenden, schon eher die die Boulevards der grossen Städte und die kleinen Nebenstrassen in der französischen Provinz, zu denen man als Moke-Besitzer spätestens im April aufbrechen möchte”, formulierte Becker als Schlusssatz seines Berichts. Der Verweis auf den Eselspfad gründete dabei übrigens im Namen des Wagens. “Moke” ist im Englischen ein Synonym zu Esel.

Preislich hatte der Mini Moke von 1967 bis 1974 kräftig zugelegt. DM 8650 kostete im Jahr 1974 der immerhin mit Heizung und Gurten ausgerüstete Kleinwagen, dafür erhielt man zu jener Zeit auch einen Opel Ascona oder einen Ford Taunus mit mehr Nutzwert, aber auch mit deutlich verringertem Spassfaktor.

Bis 1981 wurde der Mini Moke in Australien weitergebaut, in wechselnden Konfigurationen und Ausstattungen. Knapp über 26’000 Exemplare verliessen das Werk in Sydney.

Mini Moke (1971) - als Lot 102 an der RM Auction Amelia Island 2014 angeboten
Copyright / Fotograf: Mark Staff - Courtesy RM Auctions

Drittes Leben in Portugal

Mit dem Ende der Produktion in Australien war die Karriere des Mini Mokes aber noch nicht zu Ende. Denn das portugiesische Werk in Vendas Novas setzte die Herstellung fort und fertigte bis 1990 weitere 8500 Fahrzeuge.

Die MG Rover Group verkaufte dann die Fertigungsrechte an Cagiva und es entstanden weitere 1500 Mokes, so dass die Gesamtmenge der zwischen 1964 und 1993 gebauten Freizeitfahrzeuge fast 50’000 beträgt. Nicht schlecht für ein Konzept, dem man Anfangs der Sechzigerjahre noch keine Zukunft vorausgesagt hatte.

Immer wertvoller

Heute sind gut erhaltene Mini Moke gesucht, besonders die ursprünglichen englischen Fahrzeuge, die heute schnell für das Fünf- bis Zehnfache ihres Neupreises den Besitzer wechseln.

RM jedenfalls schätzt den in Amelia Island am 8. März 2014 zu versteigernden restaurierten australischen Mini Moke mit dem Einlitermotor auf USD 25’000 bis 35’000 ein und die Chancen, dass sich ein Fan dafür von soviel Geld trennen wird, stehen nicht schlecht, denn bis heute ist der Mini Moke ein Spassmobil, das kaum Konkurrenz kennt.

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