Mercedes Benz 220 Cabriolet A - Kunst auf dem Oldtimer oder Oldtimer als Kunstobjekt?

Erstellt am 19. Januar 2014
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv Daimler AG 
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ted7 Photography - Courtesy RM Auctions 
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Archiv 
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Hiro Yamagata ist ein japanischer Künstler, der in Kalifornien lebt. Für seine Serie “Earthly Paradise” wählte er weder Leinwand noch Holz als Untergrund, sondern Fahrzeuge der Mercedes-Baureihe W 187.


Mercedes-Benz 220 A Cabriolet "Earthly Paradise" (1952) - angeboten als Lot 109 an der RM-Versteigerung vom 16./17. Januar 2014 in Arizona
Copyright / Fotograf: ted7 Photography - Courtesy RM Auctions

Auf dem Rückgrad des 170 S

Im April 1951 stellte Mercedes auf der IAA in Frankfurt eine neue Baureihe mit einem 2,2 Liter grossen Sechszylindermotor vor. Ab Produktionsbeginn waren die Wagen mit der Typenbezeichnung "220" als Limousine sowie in zwei Cabriolet-Varianten erhältlich.


Mercedes-Benz 170S - Ausstellungschassis des 170S - zweistufige Hinterradfederung durch doppelte Schraubenfedern ist gut sichtbar - Genfer Autosalon 1951
Archiv Automobil Revue

Technisch fusste der neue Wagen auf dem bewährten Mercedes 170 S. Ein x-förmiger Ovalrohrrahmen trug die Karosserie. Die Räder wurden vorne durch Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreieck-Querlenkern geführt, hinten sorgte eine Pendelachse für Bodenkontakt.

Die Trommel-Bremsen wurden hydraulisch angesteuert und wiesen vorne zwei Primärbacken auf, um mit der auf 80 PS angewachsenen Motorleistung fertig zu werden.


Mercedes Benz 220 Cabriolet A (1951) - Ausführung mit gerader Frontscheibe
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Auch die Karosserie orientierte sich am 170 S, die Scheinwerfer wurden allerdings in die Kotflügel integriert.

Kurzhuber mit Ausdauer


Mercedes Benz 220 (1951) - Reihen-Sechszylinder-Motor des Typs M 180
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

2195 cm3 gross war der Reihen-Sechszylinder. Seine Leistung gab er bei 4’600 U/min ab, das höchste Drehmoment betrug 14,5 mkg bei 2’500 U/min. Der "M 180” genannte Motor  war als moderner Kurzhuber ausgelegt und beschleunigte das rund 1,3 Tonnen schwere Cabriolet A auf rund 145 km/h.

Was damals niemand zu ahnen wagte, war, dass dieser Motor bis 1989 in immer neuen Varianten gebaut werden würde und unter anderem auch die Pagode (230 bis 280 SL) und deren Nachfolger R107 (280 SL) mit Vortrieb versorgte.

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Nur vier Jahre lang gebaut

Gerade einmal rund vier Jahre wurden die 220-er-Modelle der Baureihe W 187 gebaut. 1953 war “auf vielseitigen Wunsch” ein hübsches und exklusives Coupé dazugekommen, im gleichen Jahr kam ersetzte auch eine gewölbte Windschutzscheibe die bisherige gerade Ausführung.
Ein neuer Motor mit höherer Verdichtung und auf 85 PS angehobener Leistung erschien im April 1954.


Mercedes Benz 220 Coupé (1954) - mit Stahlschiebedach
Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

Als die Produktion eingestellt wurde, waren gerade einmal 1’278 Cabriolet A und 997 Cabriolet B sowie nur 85 Coupés hergestellt worden. Sie gelten allesamt als Raritäten heute.

Die Nachfolge trat die Baureihe W 180 mit der breit bekannten Ponton-Karosserieform an.

Harmonie von Technik und Natur

Dem Künstler Hiro Yamagata muss es das Mercedes Benz 220 A Cabriolet besonders angetan haben, denn er nutzte seit den frühen Neunzigerjahren gleich mehrere Dutzend dieser Wagen als Untergrund für seine Kunstwerke.

Die Fahrzeuge wurden rund um den Globus zusammengekauft und danach sorgfältig und originalgetreu restauriert.


Mercedes-Benz 220 A Cabriolet "Earthly Paradise" (1952) - angeboten als Lot 109 an der RM-Versteigerung vom 16./17. Januar 2014 in Arizona
Copyright / Fotograf: ted7 Photography - Courtesy RM Auctions

Nur der Lack unterscheidet sich von anderen Fahrzeugen derselben Serie, Hiros Autos wurden nämlich mit matt-weissem Acryllack gespritzt und danach an der Oberfläche aufgeraut, so dass Yamagata dann seiner Kreativität ihren Lauf lassen konnte.


Mercedes Benz 220 Cabriolet A (1952) - Sonnenblumen und Kühlergrill - versteigert als Lot 109 an der RM Auction Arizona 2014
Copyright / Fotograf: ted7 Photography - Courtesy RM Auctions

“Earthly Paradise” (ungefähr übersetzt: Paradies auf Erden) nennt sich die Serie dieser handbemalten Cabriolets, die Vögel und Blumen in exotischen leuchtenden Farben zeigen.

Der Kunst-Kritiker Sam Hunter schrieb dazu: ”Yamagata neutralisierte die Technik- und Industrie-Symbolisierung des Fahrzeugs und brachte es in Einklang mit der Natur ...”

Weltweit ausgestellt

Kunstkennern sind die Cabriolets von Yamagata ein Begriff, wurden sie doch unter anderem in der Los Angeles Municipal Art Gallery gezeigt und an der Biennale von Venedig im Jahr 1995 ausgestellt. Nachher tourten die Kunstwerke während rund zwei Jahren durch Europa.

Kunstwerk oder Fahrzeug?

Am 17. Januar 2014 wurde eines dieser Mercedes Benz 220 A Cabriolets mit Jahrgang 1952 an der RM Arzona-Versteigerung verkauft, der Hammer fiel bei USD 170’000, was einem Verkaufspreis inkl. Kommissionen von CHF 170’170 oder Euro 136’510 entspricht. Damit liegt der Preis rund 15-20% oberhalb den Marktnotierungen, die Marktbeobachter Classic Data für ein 220 A Cabriolet im gut erhaltenen Zustand 2 publiziert.

Der Käufer wird sich allerdings nun fragen, ob er den Wagen fahren soll, was grundsätzlich möglich ist, oder ob er ihn in seiner Kunstsammlung aufstellen soll, damit der Lackoberfläche auch nichts passiere ....

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von he******
21.01.2014 (19:56)
Antworten
Die Motoren der Pagoden(alles Einspritzer,M127,129,130)basierten nur bedingt auf dem M 180(immer Vergaser),der 280 SL Zweinockenwellenmotor M110,hat gar nichts mehr mit der"alten Garde"zu tun...
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