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Land Rover Serie II - Dalai Lamas Allzweckauto für über 30 Jahre

Erstellt am 12. August 2019
, Leselänge 9min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Jaguar Land Rover 
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Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's 
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RM/Sotheby's 
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Theodore W. Pieper - Courtesy RM Sotheby's 
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RTheodore W. Pieper - Courtesy RM Sotheby's 
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Land Rover 
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Sie sind beides Legenden auf Ihre Art: Der Land Rover und der Dalai Lama. Der Dalai Lama ist das weltliche und geistliche Oberhaupt der buddhistischen Tibeter, sein Titel bedeutet übersetzt “Ozean der Weisheit”. Der Buddhismus ist einer der grossen Weltreligionen und insbesondere in Asien verbreitet.

Tenzin Gyatso ist der gegenwärtige 14. Dalai Lama und wurde am 6. Juli 1935 in einem kleinen Bauerndorf in der tibetischen Provinz Amdo geboren. Seine Eltern gaben ihm den Namen Lhamo Thöndup.

Nach dem Tod des 13. Dalai Lamas wurde Lhamo 1939 von einem Suchtrupp hochrangiger Mönchen durch Hinweise und Prophezeiungen gefunden und in die tibetische Hauptstadt Lhasa gebracht. Dort erhielt er seinen heutigen Namen, bestieg mit viereinhalb Jahren den Löwenthron und wurde zum 14. Dalai Lama.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - der kurze Land Rover
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Für die Fahrt ins Unbekannte

“Besuche einmal im Jahr einen Ort, den du noch nicht kennst”. Keines der Zitate des Dalai Lama passt wohl besser zum Land Rover als dieses. Mit einem Land Rover ist es möglich, so ziemlich jeden Ort besuchen, den man sich vorstellen kann - das perfekte Fahrzeug für jeden Entdecker!

Er sagte auch: “Leid adelt den Menschen. Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren.” In den frühen Land Rover war eine gute Ergonomie keine Priorität, er wurde als Nutzfahrzeug konzipiert. Komfort und Gemütlichkeit standen nicht im Pflichtenheft, daher ist eine gewisse Leidensfähigkeit durchaus notwendig. Kann man im Land Rover leiden, dann wird man geadelt und glücklich am Ziel ankommen, könnte man daraus schliessen. Wer jemals schon in einem alten Land Rover eine längere Strecke zurück gelegt hat, der kann diese Aussage durchaus nachvollziehen.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - Heckansicht
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Weltpremiere der Serie I 1948

An der Amsterdamer Motor Show 1948 wurde der Land Rover vorgestellt. Die Serie I war als reines Nutz- und Landwirtschafts-Fahrzeug konzipiert. Mit Starrachse vorne und hinten, einem steifen Rahmen, Alu-Aufbau und robusten Vierzylinder-Motoren waren die Ansprüche dieser Zielgruppe erfüllt.

Schon während der Ausstellung gingen mehr Bestellungen ein als erwartet und der Grundstein zur Legende Land Rover war gelegt. Die Serie I wurde ohne Dach und Türen ausgeliefert, welche aber als Option dazu bestellt werden konnten. Die Scheinwerfer waren hinter dem Kühlergrill geschützt eingebaut. Komfort war nicht mit an Bord, der Land Rover war ganz auf Funktionalität ausgelegt. Der 1.6l Motor leistete bescheidenen 50 PS.

Land Rover (1948) - der erste Land Rover
Copyright / Fotograf: Jaguar Land Rover
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Als Nutzfahrzeug zugelassen

Beim Kauf musste keine Erwerbssteuer entrichtet werden, da der Land Rover als Nutzfahrzeug zugelassen werden konnte. Dies machte den Kauf eines Land Rovers neben dem ohnehin günstigen Preis von GBP 450 sehr attraktiv.

Land Rover (1955) - die erste "Overland Expedition
Copyright / Fotograf: Jaguar Land Rover

Weitere Varianten schon nach dem ersten Produktionsjahr

Im Jahr 1948 wurden bereits rund 8000 Fahrzeuge verkauft, weshalb Rover weitere Karosserie Varianten entwickelte. So wurde der Land Rover bereits im Oktober desselben Jahres auch mit einem festen Dach angeboten.

1949 wurde aufgrund des Erfolges eine weitere Version produziert, der “Station Wagon”. Dieser wurde beim Hersteller Tickford (der u.a. Spezialaufbauten für Rolls Royce und Aston Martin herstellte) in aufwändiger Bauweise auf einen Holzrahmen montiert. Nach rund 650 Station Wagon war jedoch Schluss, die Produktion erwies sich als zu teuer.

Der Radstand des Land Rover wuchs bis 1956 moderat von 80 auf 86 resp. auf  88 Zoll (2032/2184/2235 mm). Erst im Jahr 1956 beschloss Rover, endlich einen Land Rover mit langem Radstand zu produzieren. Die erste Variante mit 107 Zoll (2718 mm) bis 1957, und danach den zwei Zoll längeren mit 109 inch (2769 mm). Der Radstand in Zoll (Inch) findet sich immer auch im Modell Namen wieder.

Land Rover (1955) - die erste "Overland Expedition
Copyright / Fotograf: Jaguar Land Rover
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Allradantrieb und robuste Technik

Das Viergang-Getriebe verfügte über einen synchronisierten dritten und vierten Gang, die ersten beiden Gänge waren unsynchronisiert. Bis 1950 wurde ein halbpermanenter Allradantrieb mit permanent angetriebener Vorderachse und einem sperrbaren Freilauf verwendet. Danach wurde ein System verbaut, bei dem der Antrieb der Vorderachse mittels eines Hebels ein- und ausgeschaltet werden konnte.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - zusätzliche Armaturen
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Motorisierung und Fahrleistung

Die Benzinmotoren mit 1.6 bis 2.0 Liter Hubraum leisteten zwischen 50 und 52 PS. Ab 1958 wurde auch ein Dieselmotor mit 2.0l Hubraum und 52 PS angeboten. Das maximale Drehmoment wurde mit 108 Nm bis 137 Nm angegeben und die Höchstgeschwindigkeit betrug je nach Modell bis zu 88 km/h.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - 52 PS aus 2 Liter Hubraum
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Karosserie und Innenraum

Die Karosserie wurde von Anfang an aus Stahlprofilen gebaut, auf welche Aluminium Panele genietet wurden. Dadurch war die Alu-Haut rostresistent, was man vom Chassis nicht behaupten konnte: Dieses war lediglich lackiert, aber nicht korrosionsgeschützt. Im Innenraum wurden je nach Variante drei bis zwölf Sitzplätze angeboten, wobei die vordere Reihe immer über drei Sitze verfügte.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - 3 Sitzplätze vorne
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's
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Von der Serie I zur Serie II

Der Land Rover der Serie II wurde 1958 vorgestellt und unterschied sich zum Vorgänger vor allem durch etwas gewachsene Höhe und Breite sowie leicht abgeänderte Karosserie-Teile. Er war nach wie vor unmissverständlich als Land Rover erkennbar.

Die Serie II wurde 1961 von der Serie IIA abgelöst. Sie war, was man heute wohl ‘Facelift’ nennt. Die wichtigste Änderung war das neue Getriebe, das erstmals synchronisiert war. Ansonsten können auch Kenner die beiden Serien kaum voneinander zu unterscheiden, die sichtbaren Unterschiede beschränken sich auf kleine kosmetische Änderungen. Die Scheinwerfer waren immer noch in den Kühlergrill integriert. Erst 1969 wurden sie in die Kotflügel verlegt.

Als Antrieb wurden 2.0 und 2.25 Liter Benzin-Motoren sowie eine 2.0l Diesel Variante angeboten. Ab 1967 stand in der langen Version des Land Rover auch ein 2.6l Benzinmotor zur Auswahl. Während der gesamten Laufzeit der Serie II/IIA konnte zudem ein ein 2.0l Diesel Motor geordert werden. Über die ganze Bauzeit des Land Rovers waren eine Vielzahl von Motorisierungen erhältlich.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - Front mit den innen liegenden Scheinwerfern
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Modernisiert zur Serie III

Bei der dritten Serie ab 1971 wurden die Aussenmasse der Serie II beibehalten. Neu gab es im Innenraum ein Kunststoff-Armaturenbrett, aussen wurden die Rückspiegel vergrössert und der Kühlergrill war aus Kunststoff. Die grösste sichtbare Änderung war aber, dass die Scheinwerfer nun in die Kotflügel eingebaut waren, was das Gesicht des Land Rover veränderte. Diese Neuerung wurde bereits bei den letzten Modellen der Serie IIA eingeführt.

Technisch wurde der Antrieb aufgewertet: Neu standen neben dem 2.25l Diesel Motor mit 62 PS drei Benzin-Motoren zur Auswahl, der bekannte 2.25l mit 62 PS, der 2.6l mit 86 PS und ein 3.5l V8 mit 91 PS. Dieser 3.5l V8 Motor wurde in unterschiedlichen Ausbaustufen auch in anderen englischen Fahrzeugen verwendet, so zum Beispiel im Rover SD1, dem Range Rover Classic sowie in diversen TVR Modellen. Der robuste, relativ leichte und mit einfachen Mitteln zu optimierende Motor ist auch in vielen Kitcars anzutreffen.

Land Rover (1976) - verschiedene Generationen beieinander
Copyright / Fotograf: Jaguar Land Rover

Als Defender in die letzte Serie

Ab 1983 wurde der Land Rover unter dem Modell-Namen Defender angeboten. Aussen gut erkennbar am neuen Kühlergrill, der nun durchgehend gestaltet war sowie den Kotflügel-Abdeckungen. Die Frontscheibe war jetzt einteilig, und der Innenraum wurde leicht modernisiert.

Der zunächst angebotene abschaltbare Allradantrieb konnte nur in kleinen Stückzahlen abgesetzt werden, weshalb diese Variante nur kurze Zeit produziert wurde. Die Kunden bestellten fast ausschliesslich permanenten Allradantrieb.

Land Rover Defender
Copyright / Fotograf: Jaguar Land Rover

Das Ende der Land Rover Produktion

Nach  68 Jahren Bauzeit wurde er 2016 in Rente geschickt. Es war aber schon lange ein Ende auf Raten für den eckigen, knurrigen Kumpel im viereckigen Design. Immer strengere Emissions- und Sicherheits-Vorschriften machten ihm das Leben schwer.

Zudem hatte der indische Konzern Tata die Firma Land Rover schon im Jahr 2008 gekauft und es schien bereits damals nicht wahrscheinlich, dass der inzwischen “Defender” genannte Land Rover noch lange bestehen würde. Er hat es aber dennoch acht weitere Jahre geschafft, bevor endgültig Ende war.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - berühmte Front
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Ein “Instant Classic” mit grosser Fangemeinde

Ein Land Rover kommt überall durch, er hat sich längst in den Herzen von Abenteurern eingenistet, Bauarbeiter, Förster und Bauern begeistert und so verwundert die lange Bauzeit und die vielen Verbesserungen im Laufe der Jahre nicht.

Nur wenige Fahrzeuge werden so lange produziert, dass sie schon während ihrer Bauzeit zum Classic Car werden. Der Land Rover hat das geschafft, und heute sind auch neuere Fahrzeuge schon veritable Klassiker. Umso mehr löste die Einstellung der Produktion ohne legitimen Nachfolger viel Kopfschütteln bei den Liebhabern aus.

Land Rover Defender Limited Edition Autobiography (2015) - bei der Feier des letzten Land Rover Defender in Solihull
Copyright / Fotograf: Land Rover

Ein ganz besonderer Land Rover Serie IIA

Der Dalai Lama entschied sich im Jahre 1966 für einen Land Rover der Serie IIA 88, was der kurzen Version entspricht. Dieser Allradler wurde am 17. Februar 1966 nach Nepal ausgeliefert und dann nach Indien gebracht. Seine Hoheit liess sich meistens von seinem Bruder Tenzin Cheogyal durch Provinz in der Region Dharamsala in Indien fahren. Die 52 PS des 2.0 Liter Vierzylinder Benzinmotors musste für die Fortbewegung ausreichen.

Der "Free Tibet" Aufkleber
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Im Familienbesitz

Das Fahrzeug blieb bis 2005 im Familienbesitz und wurde danach an die Dalai Lama Foundation in Palo Alto, California, USA gespendet. In den USA wurde es durch einen Land Rover Spezialisten komplett restauriert, was Rechnungen über fast USD 50’000 belegen. Für die Restauration wurden wenn immer möglich Original Teile verwendet, restauriert, oder hochwertige Neu-Teile eingebaut.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - Front mit den innen liegenden Scheinwerfern
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Ausführliche Dokumentation über die Geschichte

Der inzwischen 53 Jahre alte Land Rover ist umfangreich dokumentiert und verfügt über ein Zertifikat des British Motor Industry Heritage Trust sowie die Unterlagen zu den Restaurierungsarbeiten. Das Besitzer-Handbuch ist signiert von Tenzuin Cheogyal, dem Bruder des Dalai Lamas. Auf den indischen Papieren wird noch seine Hoheit als Besitzer geführt.

Land Rover Series IIA 88 (1966) - Zertifikat vom British Motor Heritage Trust
Copyright / Fotograf: Theodore W. Pieper - Courtesy RM/Sotheby's

Ein alter Land Rover für USD 100’000-150’000?

RM/Sotheby’s bietet den Land Rover am 1. September an der Auktion in Auburn an.  Der geschätzte Preis übersteigt natürlich den Marktwert für vergleichbare Fahrzeuge bei weitem. Aber es beweist eben, dass Autos mit einer Geschichte bei Auktionen oft hohe Preise erzielen können.Aufmerksamkeit erregen und Neugier erzeugen wird auch dieser Land Rover, egal zu welchem Preis der Zuschlag erfolgt.

Dass man durchaus auf einen überdurchschnittlichen Preis hoffen darf, bewies 2005 ein VW Golf mit Baujahr 1999, der früher auf den Papst Benedikt XVI zugelassen war, und für fast EUR 190’000 (damals ca. CHF 290’000) versteigert wurde.
Auch der Volvo 262C Bertone von 1981, den einst David Bowie besass, wurde für etwa das Achtfache des Markwertes für CHF 212’800 verkauft.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von fa******
06.09.2019 (13:40)
Antworten
Sehr informativer Bericht. Man merkt, dass du dir hier wirklich Mühe gegeben hast, einen informativen und guten Beitrag abzuliefern. Weiterbildung im Bereich Religion, Allgemeinwissen und Oldtimer. Besser konnte ich meine Mittagspause wohl kaum verbringen. ;-)
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