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SwissClassics Nr 72
Bild (1/2): Glasspar G2 (1953) - einer der ersten amerikanischen Nachkriegssportwagen (© Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's, 2018)
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    Glasspar G2 - oder wie eine kleine amerikanische Firma den Sportwagenbau revolutionierte

    23. Februar 2019
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (1)
    Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's 
    (27)
    Archiv www.forgottenfiberglass.com 
    (1)
    Archiv 
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    Man stelle sich vor, wie Enzo Ferrari, Battista Pininfarina,  Gioacchino Colombo und Sergio Scaglietti auf dem Bug eines Ferrari 250 GT Lusso stehen, um dessen Stabilität und Zukunftsorientierung zu demonstrieren. Undenkbar und vermutlich schlecht für die Blech-/Aluminium-Haut des Sportcoupés.

    Um die Stabiilität ihrer Glasfaserkarosserie zu demonstrieren, stehen die Glasspar-Macher Jerry Niger, William Tritt, Otto Bayer und Louis Solomon darauf
    © Copyright / Fotograf: 

    Doch genau dies taten vier Männer in den frühen Fünfzigerjahren in den Kalifornien, nur dass sie Jerry Niger, William Tritt, Otto Bayer und Louis Solomon hiessen. Das Auto, auf das sie sich stellten, nannte sich Glasspar G2 und es war einer der ersten amerikanischen Sportwagen mit Kunststoff-Karosserie.

    Kunststoff-Pioniere

    Niger, Tritt, Bayer und Solomon hatten bereits 1951 in Costa Mesa begonnen, Kunststoffrümpfe für Boote zu bauen. Mit einigem Erfolg. Kurz darauf wurden sie von einem Major Brooks der US Navy beauftragt, eine Sportwagenkarosserie zu bauen. Diese sollte auf ein Grossserienchassis mit entsprechend breit verfügbarer Technik gesetzt werden.

    Tritt und seine Kollegen entschieden sich für ein Ford-Fahrgestell und fabrizierten eine Roadster-Karosserie mit fliessenden Formen und kurzen Türen, so dass Fahrer und Beifahrer hinter der eigentlichen Öffnung zu sitzen kamen, um bei einer sich versehentlich öffnenden Türe nicht aus dem Auto zu fallen.

    Die Neukonstruktion, genannt “Brooks Boxer”, wurde an der Los Angeles Motorama im Jahr 1951 präsentiert, zusammen mit drei anderen Kunststoffsportwagen (Eric Erwins “Lancer” sowie der “Skorpion” und dessen Prototyp “Wasp” von Jack Wills und Ralph Roberts).

    Eigentlich nur Karosserien

    Es folgte ein weiterer Prototyp namens “Alembic I”, dann entschieden sich Tritt & Co, die Karosserie in Serie zu fertigen, um sie an geschickte Heimwerker zu verkaufen, die sie dann auf ein Grossserienchassis von Ford oder einem anderen Hersteller montieren konnten.

    Glasspar G2 im Jahr 1952

    Die Automobil Revue war eine jener Zeitschriften, die als erste über diese Innovation berichtete:

    “Obwohl zurzeit noch keine Kunstharzkarosserien in Serie gebaut werden, findet dieses
Material von Seiten der Hersteller immer grössere Aufmerksamkeit.
Die kalifornische Glasspar Co., die Boote aus geschichtetem Plexiglas herstellte, hat kürzlich ein Willys-Chassis mit einer etwas über 80 kg schweren Roadster-Karosserie ausgerüstet.

    Diese besteht aus gepressten Schichten von Kunstharz und Fiberglasgeflecht, die auf eine Matrize aufgelegt wurden und angeblich weder Wärme noch Druck zum Verformen benötigte. Die erste Karosserie wurde der Firma U. S. Rubber geliefert; weitere sollen für 625 Dollar an andere Interessenten abgegeben werden, um der Kunstharzkarosserie neuen Auftrieb zu geben. Nach U. S. Rubber sollen diese stärker als Stahlblech sein, weder rosten, quietschen noch sich verbiegen. Auch Reparaturen sollen billiger auszuführen sein. Ein Riss von 20 cm Länge in einem Kotflügel wurde in einer halben Stunde mit einem Materialaufwand von 50 Cent wieder instandgesetzt.”

    Auch die ADAC Motorwelt erfuhr von Glasspar und schrieb:

    “Neuerdings sind in den Vereinigten Staaten von der Glasspar Co. Kunststoffkarosserien entwickelt worden, von denen es heißt, daß sie künftig in kleinen Serien hergestellt werden sollen. Dabei handelt es sich zunächst um eine offene Sportkarosserie für "Willys-Fahrgestelle von 2540 mm Radstand. Diese Karosserie wiegt knapp 85 kg und soll zu einem Preis von 650 Dollar auf den Markt gebracht werden können. Das Material, aus dem diese Karosserie gefertigt ist, heißt Vibrin und ist ein Polyesterkunst- harz, das mit Glasfasermatten und Glasfasergewebe verstärkt ist. Seine Zusammensetzung verteilt sich auf rund 65% Kunstharz und 35% Glasfasern. Das Material wird in einer Stärke von etwa 5 mm verwendet. Die Attrappe wird wie bei Stahlaufbauten aus Holz und Gips hergestellt. Als unterste Schicht dient Glasfasermatte, darüber kommen Glasfasergewebe und dann Kunststoff.”

    Auch im Kino erhielt man (z.B. in Grossbritannien) Kenntnis vom innovativen Kunststoff-Sportwagen.

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    Positive Erfahrungen

    Wieder war es die Automobil Revue, die im Jahr 1953 von den Fortschritten mit Kunststoffkarosserien berichtete. Inzwischen waren sowohl die Chevrolet Corvette als auch der Kaiser Darrin im Stadium der mehr oder weniger industriellen Serienproduktion. Im Bericht der AR war unter anderem zu lesen:

    “Bevor die technische Anwendbarkeit der armierten Kunststoffe im Karosseriebau den heutigen Stand erreichte, mussten vorerst viele Erfahrungen gesammelt werden. So baute die Glasspar Co. für ihre Kunststofflieferantin, die U.S.Rubber, einen Versuchswagen, der über mehr als 45’000 km geprüft wurde. Nach den ersten 6000 km Fahrt von Kalifornien bis Philadelphia verlor der Wagen die beiden Bolzen, mit denen die Kühlerverkleidung an der Karosserie befestigt war. Kurz nach Behebung dieses Schadens wurde das Heck von einem andern Wagen angefahren und leicht angekratzt; das Material erhielt jedoch keine Beulen, und es wurde lediglich die Farbe lädiert. Nach weiteren 3000 km und einem Winter, während dessen man den Wagen auch bei Temperaturen unter Null im Freien parkierte, mussten die Bolzen wiederum ersetzt werden; auch lösten sich drei der metallischen Verbindungsstücke zwischen Kunststoffkarosserie und Metallchassis. Eine Untersuchung ergab, dass die Verbindungsklammern nicht sachgemäss befestigt worden waren. Um einer Wiederholung vorzubeugen, wurden die einander zugehörigen Oberflächen aufgerauht und mit einer Glasfaser-Kunstharz-Mischung versehen, die nach rund 15 Minuten eine einwandfreie Verbindung herstellte.

    Einer der ersten verbürgten Unfälle, in die ein Kunststoffwagen verwickelt war, ereignete sich im Frühling dieses Jahres. Die Seitenpartie nahe der einen Tür wurde eingedrückt, aber der Rahmen blieb unbeschädigt. Der Fahrer wurde nicht verletzt, was er auf die starke Dämpfung des Zusammenpralles zurückführte.”

    Glasspar G2 Herstellung im Jahr 1953

    Das Geschäft lief nicht schlecht, doch schliesslich erkannten die Glasspar-Leute, dass ein für den Aufbau optimiertes Fahrgestell bessere Fahreigenschaften und Stabilität bieten würde, als ein Standard-Ford-Chassis. So entwickelten sie ihre eigenes Fahrgestell, das natürlich weiterhin mit Grossserienkomponenten komplettiert wurde. Sie liessen das Chassis bei MAMECO bauen und konnten daher ab 1953 das gesamte Paket aus Fahrgestell und Karosserie anbieten, sogar Komplettfahrzeuge waren möglich.

    Vergessene Kunststoffautos aus den USA - Glasspar G2 (1954)
    © Copyright / Fotograf: Archiv www.forgottenfiberglass.com

    Nach etwa 100 bis 150 Karosserien aber wandte sich William Tritt neuen Herausforderungen zu, eine war es wohl, für Volvo den P1900 mit Kunststoffkarosserie zu entwickeln.

    Auch beim Woodill Wildfire war Glasspar beteiligt, genauso wie beim Kaiser Darrin. In beiden Fällen lieferte Glasspar zumindest die Karosserien für die ersten Exemplare.

    Einer der wenigen Überlebenden

    Der Glasspar G2 war eventuell nicht der erste amerikanische Kunststoff-Sportwagen, aber sicherlich eine Pionierleistung. Etwa 30 (bis 50) dieser Fahrzeuge mit den unterschiedlichsten Komponenten an Bord sollen (grossteils in den USA) überlebt haben.

    Glasspar G2 (1953) - lange Haube, kurzes Heck - klassisches Sportwagen-Rezept
    © Copyright / Fotograf: Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's

    Eines von ihnen wurde 1953 durch Emilio Pistoresi gekauft, der Chrysler-Händler in Madera war. Er wollte einen DeSoto Hemi-V8 mit 4,7 Litern Hubraum (291 cubic inch) samt Getriebe montiert haben. Die starre Hinterachse stammte von einem Ford aus dem Jahr 1940. Bis in die Siebzigerjahre diente der G2 der Pistoresi-Familie als Transportmittel, dann wurde er für eine Restaurierung demontiert.

    Glasspar G2 (1953) - gestartet wird per Zündschlüssel, geschaltet mit dem Knüppel am Lenkrad
    © Copyright / Fotograf: Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's

    Wie so manches derartige Projekt wurden diese Arbeit nie fertiggestellt, dann kaufte Gary Hatfield, ein Restaurierer aus Texas, das Auto in Teilen Pistoresis Sohn ab.

    Glasspar G2 (1953) - tiefe Türausschnitte versprechen viel Frischluft
    © Copyright / Fotograf: Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's

    Hatfield machte keine halben Sachen und brachte den Glasspar auf Concours-Standard, wovon der erste Preis beim Concours von Santa Fe im Jahr 2016 hinweist.

    Glasspar G2 (1953) - gehörte damals zu den Schnellen auf den amerikanischen Strassen
    © Copyright / Fotograf: Rasy Ran - Courtesy RM/Sotheby's

    Gefahren wurde der Sportwagen nur wenig und jetzt kommt er an der Amelia-Island-Versteigerung von RM/Sotheby’s am 7./8. März 2019 unter den Hammer. USD 65’000 bis 90’000 mögen nach viel Geld tönen, aber erstens wird der Wagen auch zugeschlagen, wenn weniger geboten wird (no reserve), zweitens dürfte dieser hübsche Roadster  ein günstiges “Eintritts-Ticket” für Concours-Platzierungen sein, und drittens dürfte alleine die Restaurierung deutlich mehr Geld verschlungen haben.

    Oldtimer Galerie Toffen Versteigerung Toffen März 2019: Oldtimer Galerie Toffen Versteigerung Toffen März 2019

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    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    vm******:
    28.02.2019 (21:30)
    Ein Glasspar mit Ford Technik stand vor v i e l e n Jahren mal auf einer Oldtimermesse in der Schweiz zu Verkauf (glaube das war noch in Zürich)
    ak******:
    26.02.2019 (09:01)
    Ähnelt sehr am Woodill Wildfire, 1955, oder umgekehrt :-)
    Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
    26.02.2019 (09:20)
    Genau, selbe Karosserie (im Text nur kurz erwähnt). Gute Beobachtung!
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