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Ford RS 200 - Evolution oder Revolution?

Erstellt am 3. November 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's 
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Bruno von Rotz 
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Christian Heuser 
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FabPetersson Fotografie 
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Ford Motor Company 
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Petra Sagnak / classiccar-photo.de 
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Daniel Fessl 
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RBHahn / Pressematerial 
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In der ersten Hälfte der Achtzigerjahre hatte nur derjenige in der Rallye-Weltmeisterschaft eine Chance, der mit einem leidlich als Strassenfahrzeug getarnten reinrassigen Rennwagen antrat. Peugeot, Lancia, MG und Audi hatten es gezeigt, Ford wollte nicht zurückstehen und so entstand der wohl extremste Strassen-Ford der Neuzeit, denn für die Homologation mussten auch 200 im normalen Verkehr einsetzbare Varianten gebaut werden, so wollte es das Reglement der Gruppe B.

Ford RS 200 (1986) - die Karosserie besteht aus Kunststoff
Copyright / Fotograf: Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's

Konsequenter Rennwagenbau

Um gegen Lancia und Peugeot antreten zu können, musste Ford kompromisslos vorgehen. John Wheeler entwarf ab 1983 ein 4x4-Antriebssystem nach Lizenz Ferguson, Tony Southgate, ein bekannter F1-Konstrukteur, konzipierte ein innovatives Fahrgestell und Filippo Sapino stylte bei Ghia die Kunststoffkarosserie. Die ganze Konstruktion wurde dabei der alleinigen Zielsetzung, ein siegfähiges Rallye-Auto zu bauen, unterworfen.

Ford RS 200 (1986) - Hauben hinten und vorne sind aufklappbar
Copyright / Fotograf: Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's

Das leichtgewichtige Chassis, das aus Stahl-, Alu- und Kunststoffelementen zusammengesetzt war, erinnerte tatsächlich an F1-Technologie. Die Komposit-Mittelzelle wurde vorne und hinten durch eine Stahlrohrkonstruktion verlängert, an der die Aufhängungen und die Antriebstechnik angebracht wurde. Die Räder waren rundum an doppelten Dreieckslenkern aufgehängt.

Der Motor wurde bei Cosworth vom BDA-Triebwerk abgeleitet. Der Hubraum des Vierzylinders betrug 1803 cm3 und leistete dank Turbolader im Strassensetup rund 250 PS bei 6500 Umdrehungen. Längs eingebaut verteilte der mit Trockensumpfschmierung ausgerüstete Motor seine Bärenkräfte über drei Differentiale auf alle vier Räder, wobei der Fahrer die Kraftverteilung per Hebel beeinflussen konnte, so dass schliesslich 100%, 63% oder 50% der Kraft auf die Hinterräder ging.

Ford RS 200 (1986) - so richtig gut zugänglich war der Motor ja trotz der grossen Klappe nicht
Copyright / Fotograf: Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's

Beim Karosseriedesign war Aerodynamik zwar ein Thema, doch am Luftwiderstandsbeiwert von 0.40 kann man ersehen, dass die Kühlung des lufthungrigen Turbomotors wichtiger war als eine hohe Spitzengeschwindigkeit. Optisch machte der Wagen aber durchaus einen durchaus gesellschaftsfähigen Eindruck, sah der eutlich gefälliger aus als andere Gruppe-B-Strassenfahrzeuge. Die aufklappbaren Hauben hinten und vorne sorgten zudem noch für einen gewissen Showcar-Effekt.

Serienevolution?

Um dem Reglement Genüge zu tun, mussten einige Teile der Grossserie entsprechen. So stammten Windschutzscheibe und Teile der Türen vom Ford Sierra, was man auf Anhieb kaum erratet haben würde.

Ford RS 200 (1986) - Ford-Serienbauteile lassen grüssen, der Hebel für die Kraftverteilung, die bei frühen Strassenexemplaren noch vorhanden war, fehlt hier
Copyright / Fotograf: Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's

Im Innern der Strassenversion waren dann noch weitere Serienelemente ersichtlich, so sah man Seitenverkleidungen, Knöpfe, das Tastenklavier der Mittelkonsole und auch andere Ausstattungskomponenten von deutlich günstigeren Ford-Serienmodellen.

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Zivile Strassenvariante

200 Exemplare der für den öffentlichen Strassenverkehr zugelassenen Zivilvariante wollte Ford ab 1985 an den Mann bringen. DM 140’000 nannte die Zeitschrift Auto Motor und Sport als Grundpreis, DM 175’000 erwähnte Rallye Racing, teuer war das Vergnügen, den damals wohl schnellsten Ford zu fahren, auf jeden Fall.

Ford RS 200 (1986) - rote Schaltensitze
Copyright / Fotograf: Patrick Emzen - Courtesy RM/Sotheby's

Mit 240 km/h reichte es dem Ford zwar nicht, gängigen Supersportwagen auf der Autobahn davonzufahren, doch mit einer dank dem niedrigen Leergewicht von ca. 1050 kg für damalige Verhältnisse fast konkurrenzlosen Beschleunigungskraft (0-100 km/h in ca. 5 Sekunden), die dazu noch fast unabhängig von der Strassenbeschaffenheit realisierbar war, kannte der RS 200 kaum Gegner auf offener Wildbahn. 

Während die Zeitschrift Auto Motor und Sport den Rallye-Strassenboliden als nur begrenzt gedämpften Wildfang beschrieb, der Motor wurde dabei schon im Leerlauf mit einem hechelnden Rennpferd verglichen, sprach Rallye Racing von einem elegant laufenden und lammfrommen Triebwerk. Am Fahrverhalten hatte niemand etwas zu kritisieren, zumindest nicht, solange die Kraftverteilung auf 37:63% (vorne/hinten) adjustiert war.

Offensichtlich gab sich Ford damals vorsichtig, denn der private Käufer sollte seinen RS 200 erst nach einem eintägigen Kurs erhalten, in dem er über alle Tugenden und Risiken orientiert wurde und mit einem mehrere hundert Seiten dicken Ordner für Bedienung, Nutzung und Unterhalt entlassen wurde.

Heisse Rallyeversion

Die Strassenvariante existierte aber nur, damit man davon die Rallyeversion ableiten konnte und die hatte es noch faustdicker hinter den Ohren.

Ford RS 200 (1986) - rallye-mässig unterwegs
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Hier durfte der Garret-AiResearch Turbolader die Luft nämlich mit 1,2 anstatt 0.8 bar in die Brennräume pressen, was dann trotz reduzierter Verdichtung für mindestens 380 PS sorgte. Gleichzeitig waren auch die Einflussmöglichkeiten des Piloten auf die Kraftverteilung grösser.

Zu spät und zu gefährlich?

Allerdings kam der RS 200 sehr spät, vermutlich zu spät, um grosse Erfolge bei Rallyes einzufahren. Ein dritter Platz bei einem WM-Lauf war das beste Ergebnisse und im Vergleich zur Konkurrenz fehlte dem Ford ein noch besseres Leistungsgewicht. Zudem war der RS 200 schwierig zu fahren, was mehreren Piloten, darunter Joaquím Santos und Marc Surer, zum Verhängnis wurde. Ende 1986 wurde die Gruppe-B im Rallye-Sport abgeschafft und damit konnte der Ford RS 200 sein Potential nie wirklich realisieren. Immerhin führten Einsätze im Rallyecross noch zu späten Erfolgen.

Ford RS 200 (1986) - in der Sonderausstellung "Let it B" mit Gruppe B Rallye-Fahrzeugen an der Schloss Bensberg Classics 2015
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wieviele wirklich gebaut?

Ob Ford damals wirklich 200 Fahrzeuge baute, ist unsicher. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wurden aber mindestens die Bauteile für 200 Exemplare gefertigt und so konnten auch nachträglich noch komplette Modelle aus diesen Teilen zusammengebaut werden.
RM/Sotheby’s versteigern am 10. Dezember in New York an der “Driven by Disruption” Auktion die Seriennummer 169, die gemäss Auktionskatalog das Werk erst 1994 verlassen hat. Angesichts der niedrigen Laufleistung von weniger als 2000 km und der vorhandenen US-Strassenzulassung darf man gespannt sein, wie hoch die Gebote für den zivilisierten Rennwagen gehen werden.

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