Dodge Challenger R/T 383 SE - Muskeln, Existentialismus und amerikanisches Lebensgefühl

Erstellt am 8. Oktober 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
65
FCA - Fiat Chrysler Group 
42
Archiv 
2

War Kowalsky wirklich der letzte amerikanische Held, wie der DJ SuperSoul es verkündet? Im Film “Vanishing Point” (deutscher Titel: Fluchpunkt San Fransciso) aus dem Jahr 1971 überführt er einen weissen 70er Dodge Challenger R/T über 1600 km von Denver (Colorado) nach San Francisco (Kalifornien), oder er versucht es wenigstens. Die halbe Polizei ist ihm auf den Fersten, obschon er nichts Schlimmes verbrochen hat. Barry Newman mimt den schweigsamen Helden und während mindestens der Hälfte des Films ist das Stampfen des grossen V8-Motors zu hören.


Dodge Challenger 440 Magnum (1970) - im Film "Vanishing Point" aus dem Jahr 1971
Zwischengas Archiv

Und knapp 45 Jahren später sitze ich in einem ähnlichen Dodge Challenger R/T und geniesse dieses unendlich kraftvolle Achtzylindergrollen. Ich wechsle die Gänge mit dem “Hurst Shifter”, fast genau wie Kowalsky, und lasse mich vom drehmomentstarken 6,2-Liter-Motor in den Sitz pressen. Meine Hände umfassen das dünne Lenkrad, mein Blick streicht über den Tacho bis 240 km/h und den Drehzahlmessern, der bis 8000 Umdrehungen anzeigen kann. Im Gegensatz zu Kowalsky bleibe ich auch ohne "Speed" hellwach ....


Dodge Challenger R/T 383 Magnum (1970) - von den 4,86 Metern Länge stehen der Besatzung höchstens die Hälfte zu
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Zu spät gekommen?

Im Sommer 1969 wurden die ersten Fotos des neuen Dodge Challenger publiziert. Der Zweitürer, den es als Coupé und Cabriolet geben sollte, wurde als Antwort auf die Pony Cars Ford Mustang und Chevrolet Camaro positioniert. Den grossen Boom dieser Fahrzeugkategorie hatte man aber schon fast verpasst.


Dodge Challenger (1970) - als zweitürige Hardtop-Variante
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group

Der Challenger war eines von zwei Chrysler-E-Body-Autos, das andere hiess Plymouth Barracuda, welcher zu jenem Zeitpunkt bereits auf eine fünfjährige Geschichte zurückschauen konnte.

Der Dodge Challenger wies für amerikanische Verhältnisse kompakte Ausmasse auf, die Länge betrug 4,86 Meter, die Breite allerdings unbescheidene 1,93 Meter. Mit einer Höhe von 1,29 Metern waren Coupé und Cabriolet ziemlich flach geraten.

Das Design stammte von Carl Cameron, der bereits den Dodge Charger von 1966 gezeichnet hatte. Eine lange Motorhaube und eine kurze Kabine gaben dem Wagen ein kraftvolles Aussehen, das mit Doppelscheinwerfern und breiten Rückleuchten noch gewürzt wurde.

Angeboten wurde eine Vielzahl von Ausstattungsoptionen, mit denen Exterieur und Interieur beeinflusst werden konnten. Für gehobene Ansprüche gab es die “SE”-Ausführung, die ein Vinyldach, Ledersitze, usw. beinhaltete.

Das volle Konzert

Beinahe alle im Chysler-Regal verfügbaren Motoren wurden auch im Dodge Challenger angeboten. Das Spektrum begann mit einem 3,7-Liter-V6 und endete mit 7-Liter-Hemi-V8, der 425 PS lieferte. Zusätzlich gab es noch einen 7,2-Liter-Magnum-Motor als grössten V8.


Dodge Challenger R/T 383 Magnum (1970) - der längs eingebaute V8-Motor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Darunter rangierte der 383-Magnum-V8 mit 6,28 Litern Hubraum und rund 340 PS, der die Basismotorisierung für das Modell “R/T” (für Road and Track, also Strassen- und Renneinsatz) war. Neben den genannten Motoren gab es noch einige mehr, auch die Vergaserbestückungen variierten.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Mercedes-Benz 250 SE Cabriolet Schweizer Auslieferung (1...
Mercedes 450 SEL 6.9 (1977)
Mercedes-Benz 300 SEL 4.5 (1972)
Opel Rekord P1 Ascona Schweizer Sondermodell (1960)
+49 6737 31698 50
Undenheim, Deutschland

Klassische amerikanische Muscle-Car-Technik

Gekoppelt waren die Motoren mit handgeschalteten Drei- oder Vierganggetrieben. Auf Wunsch gab es auch eine TorqueFlite-Automatik. Die Kraft wurde zur starren blattgefederten Hinterachse geführt, vorne waren die Räder einzeln aufgehängt. Von der technischen Konzeption unterschied sich der Challenger kaum von anderen Muscle Cars jener Zeit. Mit 1617 kg (Modell R/T 383, DIN-Messnorm) war er auch in derselben Gewichtsklasse.

Beeindruckende Fahrleistungen ...

Grosse Motoren, aufwändige Vergaseraufbauten und überschaubare Masse bedeuteten natürlich auch atemberaubende Fahrleistungen. Bereits der 6,28-Liter mit 340 PS war für den Standard-Sprint von 0 bis 100 km/h in rund 6,5 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 220 km/h gut. Die Automobil Revue jedenfalls notierte nach Fahrversuchen mit der 1970-er-Muscle-Car-Generation, dass für 20’000 bis 30’000 Franken Fahrleistungen geboten würden, die europäische Alternativen für dasselbe Geld nicht liefern würden.


Dodge Challenger (1970) - rasant unterwegs
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group

Im Film Vanishing Poing lässt sich übrigens ein Fahrer eines Jaguar E-Types, ausgerüstet mit Überrollbügel und Helm, auf ein Strassenrennen mit dem Challenger ein und endet prompt in einem Flussbett.

Die damals überdurchschnittlichen Dynamikwerte lassen sich auch heute gut nachvollziehen, wenn man sich erst einmal mit der eher für kräftige Waden geeigneten Kupplung angefreundet hat. Das Getriebe lässt sich sehr exakt schalten und der Vortrieb in den einzelnen Gängen erzeugt zusammen mit dem brachialen Sound Gänsehaut.

... und etwas wenig Bodenkontakt

Fordert das Kupplungspedal den ganzen Mann, so lässt sich das Lenkrad dank ausgeprägter Servounterstützung mit dem kleinen Finger drehen. Die Automobil Revue schrieb damals: “Mit 3 1/2 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag ist die Kugelumlauf-Servolenkung gerade richtig untersetzt; etwas zu leichtgängig, vermittelt sie deshalb nur wenig Bodenkontakt. Die Präzision ist gut und die Rückstellkraft befriedigend”.


Dodge Challenger R/T 383 Magnum (1970) - typisch amerikanische Cockpit-Architektur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Angesichts der damals kolportierten ausgewogenen und sicheren Fahreigenschaften hätte man sich wohl etwas mehr Fahrbankontakt gewünscht.
Kowalski, der übrigens ein 440 Magnum Modell fuhr im Film, kam mit dem Handling jedenfalls gut zurecht und verschiedene Szenen im Film zeigen, wie robust das Gesamtpaket gebaut war. Das Gros der Fahrstrecke bestand allerdings aus fast unendlich langen Geraden und dafür wurden die Muscle Cars damals ja auch gekauft.

Nur fünf Jahre

Der Absatz im ersten Jahr lief gut, immerhin 76’935 Coupés und Cabriolets des Baujahres 1970 konnten verkauft werden.


Dodge Challenger (1970) - die T/A-Variante als Homolgationsmodell für den TransAm-Einsatz
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group

Auf das Baujahr 1971 hin wurde der Wagen nur geringfügig verändert, so wies das Kühlergitter nun zwei eingelegte Rechtecke auf. Das Motorenprogramm wurde nur minimal angepasst, allerdings wurde die Verdichtung der Aggregate zwecks Entgiftung gesenkt, was auch die Leistung etwas beschnitt. Die Serienausstattung wurde umfangreicher. Mit nur 26’299 verkauften Fahrzeuge enttäuschte das zweite Baujahr.


Dodge Challenger (1971) - leicht modifiziertes Kühlergitter vorne
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group

Für 1972 erhielt der Challenger modifizierte Front- und Heckpartien. Das Cabriolet verschwand genauso wie die grossvolumigen V8 mit über sieben Liter Hubraum. Es war vorbei mit den Muscle Cars, der stärkste Challenger leistete 240 PS. Die Verkäufe lagen auf Höhe des Vorjahres.
Das Baujahr 1973 wies einige technische Modifikationen auf und auch an der Sicherheit wurde gearbeitet. So steigerte man den Insassenschutz mit Stahlplanken in den Türen. An den Motoren änderte sich wenig, der Verkauf blieb mit 27’930 Exemplaren hinter den Erwartungen.


Dodge Challenger (1973) - modifizierte Heckleuchten
Copyright / Fotograf: FCA - Fiat Chrysler Group

Kaum Anpassungen gab es für das letzte Baujahr 1974, die Stossfänger mussten nun den Aufprall mit 5 Meilen pro Stunde aushalten. Nach 11’354 74-er Modellen oder 164’437 Challenger über die fünfjährige Bauzeit war im April 1974 Schluss.

Der Dodge Challenger wurde nicht nur in den USA gebaut, sondern zum Teil auch in Rotterdam montiert. Auch die AMAG in der Schweiz fertigte Fahrzeuge des Chrysler-Konzerns, aber anders als von Wikipedia genannt keine Dodge Challenger, obschon einige dieser Wagen ein AMAG-Schinznach-Typenschild tragen.

Ein Ende mit Schrecken

Kowalsky rast am Ende des Films in seinem weissen Challenger mit über 100 Meilen pro Stunde in zwei von der Polizei aufgereihte Bulldozer. Hollywood-mässig explodiert der Wagen und geht in Flammen auf, “The End”.

“Unser” Challenger hatte ein deutlich erfüllteres Leben, steht besser da denn je, glänzt mit seinem “Plum Crazy Purple Metallic” Anstrich in der Sonne, lockt zu Ausfahrten auf unendlich langen Highways. Und bringt ein wenig jenes freiheitlichen Lebensgefühls zurück, für das Kowalsky im Film starb ...


Dodge Challenger R/T 383 Magnum (1970) - lange Türen, kurze Kabine
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Dodge Challenger des ersten Baujahres für eine Fotosession entführen zu dürfen. 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Multimedia

Empfohlene Artikel / Verweise

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 147 PS, 5211 cm3
Cabriolet, 220 PS, 5561 cm3
Coupé, 290 PS, 6276 cm3
Coupé, 375 PS, 7206 cm3
Coupé, 200 PS, 5899 cm3
Coupé, 265 PS, 5899 cm3
Pick-up, 83 PS, 3486 cm3
Pick-up, 95 PS, 3569 cm3
Coupé, 365 PS, 6980 cm3
Coupé, 239 PS, 5506 cm3
Coupé, 334 PS, 6276 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Zürich, Schweiz

044 463 68 10

Spezialisiert auf Chrysler, Dodge, ...

Spezialist

Mönchsdeggingen, Deutschland

09088920315

Spezialisiert auf Ford, Chevrolet, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.