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Die Anti-Corvette Hudson Italia der Fünfzigerjahre

Erstellt am 8. Januar 2014
, Leselänge 4min
Text:
Werner Bartholai
Fotos:
Alejandro Rodriguez - Courtesy Gooding & Company 
5
Theo Civitello - Courtesy RM Auctions 
3
Archiv 
8

Ein Show-Car im Alltag bewegen? Früher war das möglich, zum Beispiel wenn man sich 1954 einen Hudson Italia bestellte. Viele hatten dazu allerdings nicht Gelegenheit, denn es wurden nur 25 Stück gebaut.

Hudson Italia (1954) - als Lot 049 angeboten an der Gooding & Company Versteigerung vno Scottsdale am 17./18. Januar 2014
Copyright / Fotograf: Alejandro Rodriguez - Courtesy Gooding & Company

Prestige-Problem

Hudson war einer der kleinen unabhängigen Autohersteller im Nachkriegs-Amerika. Während die grossen Drei auf den Automessen mit Traumwagen oder neuen Sportwagen wie der Chevrolet Corvette für Furore sorgten, hatte Hudson dem nichts entgegenzusetzen.

Zum Gegenangriff

Um Hudson verstärkt ins Rampenlicht zu rücken, entschied man sich, einen Sportwagen-Prototyp bauen zu lassen, der sich für den Boulevard, aber auch für Langstrecken-Rennen wie die Carrera Panamericana eignen sollte.

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Mit amerikanisch-italienischem Design

Frank Spring, der Chefdesigner bei Hudson, entwarf eine zukunftsorientierte Coupé-Karosserie, aber das Geld für den Bau eines Prototypen fehlte. So entschied man sich, mit  dem italienischen Karosseriebauer Touring Superleggera zusammenzuarbeiten. In enger Kooperation zwischen Carlo Felice Bianchi Anderloni, dem Chefdesigner von Touring, nahm der Wagen Gestalt an. Gemäss der damals modernen Superleggera-Bauweise bestand die Karosserie aus dünnen Aluminiumblechen, die über ein feingliedriges Rohrrahmengestell montiert wurden.

USD 28’000 soll der Prototyp gekostet haben, was man nur als sehr günstig betrachten kann, würde man heute doch über Millionen für einen ähnlichen Auftrag sprechen.

Hudson Jet Coupé Superleggera 'Italia', Touring (1953) - schmuck präsentiert
Archiv Automobil Revue

Das Ergebnis sah im Vergleich zu den sonstigen Hudson-Modellen aus wie ein Raumschiff aus der Zukunft. Flach und breit wirkte der Wagen und die vorderen Stossfänger bildeten in der Mitte ein umgekehrtes “V”. Lufteinlässe (für die Bremsen) über den Frontscheinwerfern und weit in das Dach hineingezogene Türen wirkten futuristisch. Besonders auffallend aber waren die beidseitig an der Flanke montierten drei Auspuff-Rohre, deren unterstes das Rücklicht beherbergte.

Gut angenommen

Des Publikumsecho auf die ersten Aufnahmen und Präsentationstermine des neuen Wagens waren sehr positiv.

Im September 1953 stand etwa folgende Notiz in der Automobil Revue: “Hudson Italia mit Karosserie Touring: Auf dem Hudson Jet hat die Mailänder Firma Touring im Auftrag des Fabrikanten ein sportliches Coupé entwickelt, das vom Frühjahr 1954 an in Serie gebaut werden soll. Einige Merkmale: 25 cm niedriger als Jet-Limousine, Türen ins Dach hineinverlängert, Heck-‘Rohre’ mit den Rückleuchten. Möglicherweise wird auch der Hornet-Motor eingebaut.”

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Vom Super-Jet zum Italia

Nach den positiven Rückmeldungen hatte sich Hudson entschieden, Touring Superleggera den Auftrag für 50 Autos zu geben. Ursprünglich sollte der Wagen “Super Jet” heisst, doch man entschied sich schon bald für die einfachere Bezeichnung “Italia”.

Hudson Italia (1954) - als Lot 049 angeboten an der Gooding & Company Versteigerung vno Scottsdale am 17./18. Januar 2014
Copyright / Fotograf: Alejandro Rodriguez - Courtesy Gooding & Company

Der Ausrüstungsstandard konnte sich sehen lassen. Sogar ein Radio gehörte genauso wie Sicherheitsgurten und Kopfstützen zum Serienumfang. Man konnte nur eine Lackierung bestellen, nämlich crèmefarbig. Innen waren die Autos grossteils in Rot gehalten, als Materialien wurden Leder und Vinyl verwendet.

Grossserientechnik

Hudson sandte ganze Hudson-Super-Jet-Fahrgestelle nach Italien, wo sie von Touring dann karossiert wurden. Damit war der 3,3 Liter grosse Reihensechszylinder mit 114 PS gesetzt, genauso wie die hintere Starrachse und die vorderen Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreieckslenkern. Geschaltet wurde über ein Dreigang-Getriebe mit Overdrive.

Der Hudson Jet lieferte die technische Basis für den Italia
Archiv Automobil Revue

Immerhin senkte die Superleggera-Bauweise das Gewicht von 1270 auf knapp über 1200 kg.  Tatsächlich geriet das Italia-Coupé nämlich sogar sieben Zentimeter länger und fünf Zentimeter breiter als die Jet-Limousine, was aus heutiger Perspektive aber immer noch fast kompakte Ausmasse von 4,65 Meter Länge und 1,78 Meter Breite bedeutete.

Zu teuer

Leider geriet der in Italien handgefertigte Wagen trotz tiefer Stundensätze viel zu teuer. USD 4800 verlangten die amerikanischen Händler für das Schmuckstück, während die Chevrolet Corvette im ersten Jahr USD 3’523 kostete, der Nash Healey USD 4721 und der Kaiser Darrin USD 3668. Sogar einen Cadillac hätte man für deutlich weniger Geld kaufen können.

Vom September 1953 nahmen die Händler Bestellungen entgegen, doch es konnten keine zwanzig Kaufabsichten notiert werden. Kontraproduktiv war auch, dass Hudson im Januar 1954 ankündigen musste, dass man mit Nash zur American Motors Company fusionierte. Viele Amerikaner machten sich mit Recht um die Zukunft und die Wiederverkaufspreise der alten Modelle Sorge. So kam das Ende schneller, als es der herrliche Wagen verdient hatte.

Hudson Jet Coupé Superleggera 'Italia' (1954) - in ungewöhnlicher Farbkombination, wie ihn Liberace bestellte
Zwischengas Archiv

Insgesamt sollen 25 oder 26 Hudson Italia gebaut worden sein, rund 20 davon sollen überlebt haben. Einen ganz besonderen Italia in einer anderen Farbkombination bestellte sich übrigens Liberace. Der Wagen war innen schwarz und aussen silberfarben, zudem fehlten die Markenschriftzüge.

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Der verschwundene Convertible

Neben dem Coupé entstand bei Touring auch ein Mockup für eine Cabriolet-Variante. Mit flacher Frontscheibe und kleineren Türen sah dieser Designversuch noch wesentlich extremer aus als das Coupé und stand einem Autosalon-Traumwagen eindeutig näher als einem alltagstauglichen Serienfahrzeug. Es wurde denn auch nichts daraus und das Modell scheint verschwunden zu sein.

Zudem wurde als X-161 auch eine viertürige Limousinenversion entwickelt, doch auch hier blieb es beim Prototypenstadium, obschon der Wagen mit der stärkeren Hornet-Maschine sogar fahrbar war, optisch aber wohl weniger überzeugte.

Der in diesem Artikel portraitierte Hudson Italia wird am 16./17. Januar 2014 an der Versteigerung von Gooding & Company in Scottsdale als Lot 49 zum Schätzpreis von USD 400’000 bis 500’000 zum Kauf angeboten.

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