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    Die Männer hinter der Nascar - Big Bill und Bill Jr. (Buchbesprechung)

    20. November 2015
    Text:
    Christoph Ditzler
    Fotos:
    Verlag / Christoph Ditzler (Repro) 
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    FENN-M&S 
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    Triumph Books 
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    7 Fotogalerie

    Die NASCAR (National Association for Stock Car Auto Racing) ist die grösste Geldmaschine im Automobilsport und eine der grössten im Sport der Gegenwart. Man spricht von einem Jahresumsatz von 2 Milliarden Dollar. Der Durchschnittswert eines NASCAR-Teams wird auf rund 140 Millionen Dollar geschätzt. Das liegt im Bereich des Fussballs (Soccer), aber einen Faktor 10 unter dem durchschnittlichen Wert der Teams der nationalen amerikanischen Ligen im Baseball (MLB), Football (NFL) und Basketball (NBA). Im Vergleich zum Eishockey (NHL) beträgt der Faktor ca. 2,5 (Quelle: Plunkett Research).

    Während die Formel 1 von Selbstzweifeln geplagt ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft sucht, scheint die Popularität der amerikanischen Gegenveranstaltung fast ungebrochen. Ein nicht zu unterschätzendes Problem in der Formel 1 ist die ungelöste Frage der Nachfolge von Bernie Ecclestone. Ob Ursache oder Folge, die Untätigkeit in dieser Sache deutet auf eine Paralysierung innerhalb der Gruppe der Entscheidungsträger hin.

    Die NASCAR wird ähnlich patriarchalisch geführt und das seit der Gründung im Jahre 1948. Es ist die Familie France, die heute in der dritten Generation die Zügel fest in der Hand hält. In der Reihenfolge sind das:

    • William Henry Getty France (Bill Sr., Senior oder Big Bill)
      President ab der Gründung am 21. Februar 1948
    • William Clifton France (Bill Jr.)
      President ab 10. Januar 1972
      Chairman of the Board/CEO ab 28. November 2000
    • Brian Zachary France
      Chairman of the Board/CEO ab 01. Januar 2003

    Seit 2000 besitzt die NASCAR ein Board of Directors, das vom Chairman (of the Board) geleitet wird, und das als Aufsichtsgremium fungiert. Der Chairman ist auch für die Strategie des Unternehmens verantwortlich (CEO). Das Tagesgeschäft leitet heute Brent Dewar als Chief Operating Officer (COO).

    Schaut man genau hin, so haben sich die Frances allerdings von Generation zu Generation und schrittweise aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Das begann bei Big Bill mit der Entscheidung, das Rennfahren aufzugeben und sich alleine als Promoter zu betätigen. Dann kam der Rückzug aus dem operativen Geschäft der NASCAR unter Bill Jr. Und heute lebt Brian France nicht einmal mehr am traditionsreichen Ort des Geschehens, Daytona Beach, sondern in New York.

    Es ist diese Fähigkeit der Mitglieder der Familie, sich den jeweiligen Herausforderungen zu stellen, die ihr die Position an der Spitze des Unternehmens über bald 70 Jahre gesichert hat. Es gibt dazu die folgende Charakterisierung:

    • Big Bill founded NASCAR [Big Sr. hat die NASCAR gegründet]
    • Bill Jr. built NASCAR [Bill Jr. hat NASCAR gross gemacht]

    Und Brian France? Sein Verdienst ist die „Chase“ und der Schritt zu einem Spektakel für alle (Amerikaner). Aber dazu später.

    Richard Petty, einer der Charaktere, die NASCAR als Fahrer zum Spektakel werden liessen (und mit 200 Siegen und 7 Meistertiteln zwischen 1964 und 1979 ein Autorität), sagte über die Frances: „All the right guys at the right time“ (Immer die richtigen Kerle zur richtigen Zeit). Oberflächlich sicher richtig, er unterschlägt damit aber, dass nicht nur die Patriarchen, sondern auch die anderen Familienmitglieder, und darunter vor allem auch die Frauen, eine wesentliche Rolle spielten und immer noch spielen.

    Über Big Bill ist im Frühling dieses Jahres die erste Biographie von H.A. Branham erschienen. Dieser hatte schon 2010 die Biographie von Bill Jr. veröffentlicht. Beide Biographien sind von NASCAR autorisiert und als Teil der NASCAR-Library publiziert worden. Das ist kein Wunder, denn Herb Branham ist seit 2001 NASCAR’s Direktor für geschriebene Kommunikation (director of written communications) und diese beiden Bücher sind somit Teil seiner täglichen Arbeit.

    Buch "Big Bill - The Live and Time of Nascar Founder Bill France Sr. - von den Anfängen der Nascar Stock Car Rennen
    © Copyright / Fotograf: Verlag / Christoph Ditzler (Repro)

    Stock car racing entstand in einer wilden Mischung aus Wirtschaftskrise, Alkoholverbot (oder hohen Alkoholsteuern) und der Verfügbarkeit von billigen Autos als Folge der Massenproduktion. Und alles das kam vor allem im Südosten der USA zusammen, insbesondere in North-Carolina und in Georgia. Der Alkohol, der sogenannte Moonshine, war ein Mais-Schnaps, der aus Mais-Maische und Zucker gebrannt und ohne Lagerung sofort verkauft wurde. Oft zur Verbesserung des Aromas bewusst oder aufgrund der Umstände unbewusst verunreinigt, konnte der Konsum von Moonshine tödlich sein oder schwere körperliche Behinderungen nach sich ziehen. Die verbotene oder unversteuerte Produktion von Moonshine war vor allem für die armen Farmer eine Möglichkeit, ihr Einkommen zu verbessern. Es ist diese Verschmelzung von Überlebenskampf der grundsätzlich ehrenwerten Rednecks und Auflehnung gegen das Establishment (Yankees), die ein wichtiger Teil des Mythos ist.

    Die Brennereien lagen in abgelegenen Gegenden und es war Sache der Fahrer (tripper), das Gebräu in die Städte zu bringen, gegen Polizei und Steuerfahnder. Der Wunsch der Transporteure, schneller als Polizei und Steuerfahnder zu sein, setzte ein schnelles Auto und gute Fahrkünste voraus. Ford lieferte ab 1932 dazu eine neue Waffe: den Ford V-8 (Model 18). Den öffentlichen Beweis der Fahrkünste führten die Tripper auf den Rennstrecken. Es entstand eine Rennszene, die sich mit modifizierten Serienautos auf unbefestigten Bahnen, in mehr oder weniger reglementierten Veranstaltungen austobte. Dazu gehörten auch Fahrzeugbesitzer und Tuner. Die Szene war weiss und männlich. Schwarze und Frauen bilden bis heute eine Minderheit. Stars wie Lloyd Seay und Roy Hall waren Tripper, also eigentlich Kriminelle und bewegten sich auch in den entsprechenden Kreisen. Seay wurde 1941 gerade einmal 21 jährig in einem Streit erschossen und sein Cousin Hall landete 1946 wegen Beteiligung an einem Bankraub im Gefängnis. (Die Details dieser Geschichte liefert Neal Thompson, Driving with the Devil, Crown Publishers, 2006). Noch in der Zeit von NASCAR musste einer der Stars der 50er Jahre und Sohn eines notorischen Moonshiners, Junior Johnson, wegen Hinterziehung der Alkoholsteuer für einige Zeit ins Gefängnis.

    Mehr als einmal verschwand der Promotor noch während des Rennens mit den Einnahmen und der angekündigten Börse für den Sieger und die Platzierten. Es war das Ziel der Gründung der NASCAR, in diesem Chaos Ordnung zu schaffen. Das begann nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1946.

    Bill France Sr. war Teil dieser Szene und zwar als Rennfahrer und Promoter. Er fuhr selbst für Raymond Parks, der zudem auch seine beiden Cousins Seay und Hall als Fahrer einsetzte. Als Promoter liess er die Rennen in Daytona Beach wieder aufleben, war aber im ganzen Süden aktiv. 1947 organisierte er eine eigene Meisterschaft, The National Championship Stock Car Circuit (NCSCC), nachdem ihm die American Automobile Association (AAA) die Zulassung verweigerte.

    Buch "Big Bill - The Live and Time of Nascar Founder Bill France Sr. - Fotus aus dem Leben
    © Copyright / Fotograf: Verlag / Christoph Ditzler (Repro)

    Big Bill war ein Visionär, indem er auf dem Rennsport mit reinen Tourenwagen setzte (Fahrzeugen der Gruppe 1 in der Sprache der FIA), sogenannte „strictly stock cars“ (wobei stock car diejenigen Autos bezeichnete, die beim nächsten Händler im Schaufenster resp. im Lager standen). Es gelang ihm, alle wichtigen Personen am 14.-17. Dezember 1947 im Streamline Hotel in Daytona Beach zu versammeln und die Gründung der NASCAR zu beschliessen. Sein Plädoyer lautete: „Stock car racing has got distinct possibilities for Sunday shows and we do not know how big it can be if it’s handled properly … It can go the same way as big-car racing (Indianapolis). I believe stock car racing can become a nationally recognized sport by having a National Point Standing. Stock car racing as we’ve been running it is not, in my opinion, the answer … We must try to get track owners and promoters interested in building stock car racing up. We are all interested in one thing, that is improving the present conditions. The answer lies in our group right here today to do it” (Stock-Car-Rennen haben ganz besondere Möglichkeiten als Sonntagsvergnügen und wir wissen nicht, wie gross sie werden können, wenn sie richtig entwickelt werden … Sie können den gleichen Weg gehen wie die Rennwagen (Indianapolis). Ich denke, dass der Stock-Car-Rennsport mit einem einheitlichen Punktesystem ein national beachteter Sport werden kann. Stock-Car-Rennen wie wir sie bis heute betrieben haben, sind meiner Meinung nach nicht die Antwort … Wir müssen versuchen, die Streckenbesitzer und die Promotoren für den Aufbau des Stock-Car-Rennsports zu interessieren. Wir sind alle an einer Sache interessiert und das ist die Verbesserung der heutigen Situation. Die Antwort ist, dass unsere Gruppe das hier und heute tut).

    Die Gründung der NASCAR als private Firma erfolgte am 21. Februar 1948. Offiziell wurde allen Teilnehmern am Meeting im Streamline Hotel eine Beteiligung angeboten. Aber zu dieser Zeit war Geld knapp und nur die wenigsten wohnten in Florida resp. Daytona Beach, sodass nur Bill France (50 Anteile von 100), Bill Tutthill, ein Geschäftsmann aus New York, (40) und Louis Ossiezky, ein Anwalt und Berater von Bill Sr. aus Daytona, (10) übrig blieben. Später übernahm Ed Otto, selbst ein Promoter von Rennen und aktiv in der NASCAR, 20 Anteile von Tutthil und bei dessen Ausscheiden 1954 auch die restlichen 20. 1963 wurde Otto aus dem Unternehmen gedrängt und Bill France kaufte im die Anteile ab. 1971 starb Ossiezky und Bill France übernahm auch dessen Anteile. Er war ab dann alleiniger Eigentümer der NASCAR.

    Die Entwicklung von NASCAR läuft entlang von verschiedenen Trajektorien:

    • vom Sport des Südens zur Unterhaltung für die ganze Nation
    • die Entwicklung der Fan-Basis von den Arbeitern zu den Mittelklasse-Familien (und damit Verzicht auf die Anspielungen an die Moonshine-Vergangenheit)
    • vom dirt-track zur Renn-Arena mit sauberen Toiletten und Wickeltischen
    • von der Zuschauertribüne über die Fernsehübertragung zur internetbasierten Rundum-Unterhaltung
    • vom strictly-stock zum Quasi-Einheitsrennwagen, der mit den Autos auf der Strasse nur noch die aufgeklebten Kühlergrills und Markenembleme gemeinsam hat und technologisch als rückständig betrachtet werden muss

    Ein zentraler Faktor des Geschäftsmodells von NASCAR ist heute die Medienpräsenz und damit der Unterhaltungswert resp. die Spannung in den Rennen. Die Instrumente dazu sind einmal die Standardisierung der Autos und die Gelblichtphasen zur Neutralisierung des Rennens. Dazu kam ab 2004 die Einführung des Chase-Systems, eine Aufteilung der Meisterschaft in eine Playoff-Phase mit 26 Rennen. Die zwölf besten Fahrer kämpfen dann in der (aktuell gültigen) Chase (Jagd) während den verbleibenden zehn Rennen um die Meisterschaft, wobei sie zu Beginn alle auf 5‘000 Punkte gesetzt werden plus 10 Bonuspunkte pro Sieg. Alle anderen Fahrer sind von der Meisterschaft ausgeschlossen. Man wollte damit den fleissigen Punktesammlern, die in den Rennen deshalb bewusst wenig Risiko eingehen, das Handwerk legen (oder zumindest schwerer machen).

    Die wichtigsten Meilensteine sind:

    Datum Meilenstein
    21.02.1948 Gründung der NASCAR
    1949 1. Saison noch mit Modifieds. Meister: Red Byron auf Ford V8 von Raymond Parks präpariert von Red Vogt
    1950 2. Saison und 1. Saison auf Basis Strictly Stock (Grand National Division). Meister: Bill Rexford auf Oldsmobile 88 von Julian Buesink (nach Bestrafung von Lee Petty wegen Teilnahme an Rennen ausserhalb von NASCAR)
    1959 Eräffnung des Daytona Speedway
    12.02.1960 Feature von CBS über die beiden Qualifikationsrennen zum Daytona 500 (erste TV-Produktion über ein NASCAR-Rennen überhaupt)
    1969 Eräffnung des Talladega Superspeedway
    1972 R.J. Reynolds Tobacco wird Sponsor der Grand National Division. Gefahren wird um den NASCAR Winston Cup (Reduktion auf 31 Rennen und nur auf befestigten Strecken)
    1976 NASCAR hat 1,4 Millionen Zuschauer
    18.02.1979 Erste TV-Live-Übertragung eines kompletten NASCAR-Rennens (Daytona 500) durch CBS
    1981 ESPN beginnt mit Live-Übertragungen von einzelnen NASCAR-Rennen
    1989 Jedes Rennen im NASCAR Winston Cup wird im TV übertragen (teilweise zeitversetzt). Die Verträge werden jeweils zwischen den Organisatoren der Rennen und den TV-Gesellschaften geschlossen
    06.08.1994 1. Brickyard 400 auf der Bahn von Indianapolis
    1995 Einführung von NASCAR.com als Joint Venture mit ESPN Internet Ventures
    1997 Live-Übertragung aller Rennen im Sprint-Cup in voller Länge von CBS, ABC, ESPN, TNN, TBS, NBC im TV.
    15.11.1999 Abschluss eines zentralen TV-Deals durch NASCAR mit Fox Sports, NBC und TBS über 2,4 Milliarden Dollar für 6 Jahre von 2001-2006
    28.11.2000 NASCAR etabliert ein Board of Directors. Bill France Jr. wird dessen Chairman, bleibt aber CEO. Die Funktion des President der Organisation übernimmt Mike Helton.
    2003 Gründung der NASCAR Development
    2004 Übernahme des Sponsoring der Grand National Division durch NEXTEL Telecommunications: NASCAR Nextel Cup ... Einführung des Chase-Formats.
    12.12.2005 Abschluss von TV-Deals mit Fox/Speed/FS1 und ESPN/ABC/TNT über 4,8 Milliarden Dollar für die Periode 2007-2014
    2008 Der Zusammenschluss von Nextel und Sprint führt zum NASCAR Sprint Cup
    23.07.2013 Abschluss von TV-Deals mit FSMG und NBC über 8,2 Milliarden Dollar für die Periode 2015-2025


    Dabei ist die Fokussierung auf den NASCAR Sprint Cup eigentlich falsch. Wie jede grosse Liga verfügt die NASCAR auch über diverse andere Ligen, die verschiedensten Gruppen auf verschiedensten Fahrzeugen Rennen anbieten. Auf nationaler Ebene organisiert die NASCAR noch die Xfinity Series (quasi die B-Liga) und die Camping World Truck Series für Pick-ups. Dazu kommen weitere 10 Serien.

    Dass es um die NASCAR immer wieder Gerede gab und gibt, liegt im System. Als kommerziell geführtes Unternehmen, das zudem von einer einzigen Familie beherrscht wird, sind Konflikte fast unvermeidlich. Ein wunderschönes Beispiel war das erste Rennen auf dem von der France-Familie gebauten Superspeedway von Talladega 1969. Es zeigte sich, dass die verfügbaren Reifen den hohen Geschwindigkeiten nicht gewachsen waren. Trotz Verzicht von namhaften Fahrern liess Bill Sr. das Rennen starten. Sicherheit und Unterhaltungswert standen hier ganz klar im Widerspruch, aber ein Warten auf neue Reifen, wie Richard „The King“ Petty als Sprecher der Fahrer verlangte, war für die Frances unvorstellbar. Die Lösung war ein vorgeschriebener Boxenstopp alle 25 Runden zur Kontrolle und ggf. zum Wechseln der Reifen.

    Heute ist es immer wieder die Frage, ob die häufigen Gelblichtphasen wirklich zur Sicherheit geschaltet werden oder mehr dem Unterhaltungswert der Rennen dienen. [Auf Wikipedia gibt es einen Eintrag unter dem Titel Kritik an der NASCAR (Critisism of NASCAR), die den ganzen Katalog behandelt].

    Die Herausforderung, der sich die Verantwortlichen der NASCAR (und der Formel 1 etc.) gegenübersehen, ist das Dreieck Business - Sport - Spektakel. Darin stecken viele Konflikte, aber auch gegenseitig sich verstärkende Effekte. Es braucht ein Gleichgewicht, das permanent justiert werden muss.

    Ein grundlegendes Konfliktfeld ist, dass die NASCAR nicht nur Promoterin ist, sondern auch als Regelgeberin und Regelhüterin fungiert. Das System scheint funktioniert zu haben und immer noch zu funktionieren, weil es immer mehr Gewinner als Verlierer gab. Vielleicht ist das die Leistung der Familie France. Leadership statt Governance? Zumindest eine interessante Frage.

    Dabei wird die Dominanz der Familie France untermauert durch den Besitz der International Speedway Corporation (ISC), die 1953 als Bill France Racing Inc. in Daytona gegründet wurde, 1955 in Daytona International Speedway Corporation (1955) und 1968 auf den heutigen Namen umbenannt wurde. Diese Gesellschaft baute 1957/58 den Daytona Speedway und damit ein Mekka im Welt-Motorsport. Später baute die ISC den Talladega Superspeedway in Licoln, Alabama und baute resp. kaufte weitere Rennstrecken. Wie verwoben die NASCAR und die ISC sind, zeigt sich am Festhalten an den Strecken von Sonoma, CA und Watkins Glen, NY, die heute noch die einzigen Strassenkurse im Sprint Cup sind, der ansonsten auf Ovalen ausgetragen wird. Diese beiden Strecken gehören (selbstverständlich) der ISC.

    Buch "Big Bill - The Live and Time of Nascar Founder Bill France Sr. - aus den Archiven der Nascar
    © Copyright / Fotograf: Verlag / Christoph Ditzler (Repro)

    Branham’s Biographien über Bill Sr. und Jr. sind nicht kritisch. Aber es sind auch keine Heiligenviten. Man könnte sagen, sie sind geputzt. Liest man sie (mit etwas Distanz) als Geschichte, wie das oben angesprochene Gleichgewicht immer wieder angepasst wurde/werden musste und wie diese Prozesse abgelaufen sind, dann sind sie richtig lesenswert. Tatsächlich ist die NASCAR die erste Rennserie in der Welt, die konsequent als Business geführt wurde. 1948 war die FIA noch ein Altherrenclub, der Rennsport und Geschäft für grundsätzlich unvereinbar hielt. Es brauchte in der Formel 1 einen englischen Occasionshändler, der das Geschäftspotential sah und ab ca. 1980 entwickelte.

    Ein letzter Punkt: Wenn man den Blick nur auf die Patriarchen der Familie France richtet, dann ist das nicht richtig. Tatsächlich spielen die Brüder und Schwestern sowie die Ehefrauen immer eine wichtige Rolle. Im Mythos der NASCAR ist es vor allem die Frau von Big Bill, Anne Bledsoe France, die für den Betrieb am Anfang eine einflussreiche Rolle spielte, zumal sie an der Kasse stand und das Geld der Firma verwaltete. Ihre Enkelin, Lesa France Kennedy, heute CEO der ISC, wird regelmässig als the most influential woman in sports business (die einflussreichste Frau im Sportgeschäft) geehrt. Die NASCAR ist eine Familienangelegenheit. Herb Branham’s Bücher erzählen diesen Teil der Geschichte selbstverständlich mit.

    Bibliografische Angaben

    • Titel: Big Bill: The Life and Times of NASCAR Founder Bill France Sr. (The first major authorized biography of NASCAR founder, Bill France Sr.)
    • Autor: H.A. Branham
    • Sprache: Englisch
    • Verlag: FENN-M&S
    • Auflage: 1. Auflage 2015
    • Umfang/Format: gebunden mit Umschlag, 165 x 225 mm, 368 Seiten
    • ISBN-13: 978-0-7710-1767-4
    • Preis: gebunden ca. Euro 28.00
    • Bestellen/kaufen: Online bei amazon.de oder im Buchhandel
    • Titel: Bill France Jr.: The Man Who Made NASCAR
    • Autor: H.A. Branham
    • Sprache: Englisch
    • Verlag: Triumph Books
    • Auflage: 1. Auflage 2010
    • Umfang/Format: gebunden mit Umschlag, 159 x 241 mm, 224 Seiten
    • ISBN-13: 978-1-60078-340-1
    • Preis: gebunden a. 24 Euro (Kindle eBook Euro 9.10)
    • Bestellen/kaufen: Online bei amazon.de (auch als Kindle eBook erhältlich) oder im Buchhandel

     

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