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Chevrolet Corvair 95 Rampside – die clevere Alternative zur VW Pritsche

Erstellt am 6. Februar 2021
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Simon Laufer - Courtesy RM/Sotheby's 
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General Motors 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Haben Sie nicht auch schon davon geträumt, mit dem Rasenmäher oder dem schweren E-Bike direkt ins Auto auf die Ladefläche fahren zu können. Chevrolet hatte Gehör für derartige Wünsche und brachte 1961 den Corvair 95 Rampside auf den Markt. Trotz interessanter Ansätze konnte sich der Pickup aber nicht wie erwartet durchsetzen.

Der überraschende Corvair

Als General Motors am 2. Oktober 1959 den Chevrolet Corvair als Limousine präsentierte, entpuppte sich die Konstruktion als sehr unamerikanisch.

Chevrolet Corvair (1960) - Längenvergleich zwischen Corvair und Impala Sport Sedan
Archiv Automobil Revue

Der Motor war im Heck angeordnet, die Räder rundum einzeln aufgehängt. Beim Antriebsaggregat handelte es sich nicht um einen der bewährten Reihen-Sechszylinder oder ein V8-Motoren, sondern um einen komplett neu entwickelten luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor.
Verpackt war die Technik in eine elegante, selbsttragende Karosserie ohne Flossen und das übliche Chrombrimborium.

Chervolet Corvair Monza (1962) - der Turbomotor mit 150 SAE-PS
Archiv Automobil Revue

Bereits 1960 ergänzte ein Coupé die Baureihe, ein Kombi folgte. Im April 1962 wurde auch ein Turbomotor mit 150 SAE-PS eingebaut, während die bisherigen 2,3-Liter-Aggregate sich mit 80 oder 102 SAE-PS zufrieden gegeben hatten.

L’Universelle

Anfangs der Sechzigerjahre war ein GM-Konzeptfahrzeug namens L’Universelle, gezeigt an der Motorama im Januar 1955 schon fast vergessen. Es war dies ein Mittelmotor-Van mit Cargotüren gewesen, der als kompaktes Nutzfahrzeug eine niedrige Ladefläche mit viel Stauraum hatte verbinden wollen.

GMC L'Universelle (1955) - mit faltbaren Seitentüren ("Cargo Doors")
Archiv Automobil Revue

Zu einer Serienfertigung kam es nie, aber bei den involvierten Designern hatte der Lösungsansatz immer noch viele Freude. Als der Corvair im Entstehen begriffen war, ergriff Designchef Harvey Earl die Chance und liess Carl Renner erste Skizzen eines Vans auf Corvair-Basis zeichnen.
Schliesslich liess sich das Harlow Curtice, der Verwaltungratspräsident von General Motors, von der Idee überzeugen.

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Von der Limousine zum Transporter

Im Herbst 1960 wurde der Corvair Greenbrier vorgestellt, von den Beobachtern damals als wichtigste Neuerung im Chevrolet-Bauprogramm beschrieben. Als Frontlenkerbus verfügte der Greenbrier über einen auf 241 cm (95 Inch) verkürzten Radstand und war insgesamt 456 cm lang, 178 cm breit und 174 cm hoch. Rechts und hinten gab es Doppeltüren für einen einfachen Zugang.

Chevrolet Corvair Greenbrier Sports Wagon (1961) - der Bus im Stile des VW-Bus
Archiv Automobil Revue

Als Nutzlast wurden eindrückliche 725 kg angegeben. Bis neun Personen konnten auf drei Sitzreihen mitgeführt werden, ohne die hinteren beiden Sitzbänke standen 4,9 Kubikmeter Stauraum zur Verfügung.

Chervolet Covair 95 Rampside (1961) - Blick auf die Fahrgestell-Plattform
Zwischengas Archiv

Die Technik stammte fast komplett von der Corvair-Limousine, als Motor wurde allerdings nur die schwächere Version mit 81 SAE-PS angeboten.
In den USA kostete der Greenbrier USD 2628, während dort für einen VW Transporter Bus USD 2277 bezahlt werden mussten. In der Schweiz lagen die Preise deutlich weiter voneinander entfernt, den Greenbrier gab’s 1961 für CHF 21’600, während man einen VW-Bus schon für CHF 9800 (bis CHF 11’800) erstehen konnte. Der Radstand der beiden Fahrzeuge war zufälligerweise identisch, mit seinem doppelt so starken Sechszylinder war der Chevrolet dem Volkswagen in den Fahrleistungen aber deutlich überlegen, während er bezüglich Nutzwert etwas im Nachteil war.

Der besondere Pickup

Parallel zum personenwagenähnlichen Greenbrier brachte die Nutzfahrzeugsparte von Chevrolet aber auch noch einen Transport-Van namens Corvan und einen Pickup namens Corvair 95 Rampside heraus.

Chevrolet Corvair Rampside (1961) - als Nutzfahrzeug
Copyright / Fotograf: General Motors

Der Pickup hatte seinen Namen von der herunterklappbaren seitlichen Rampe, die ein leichtes Beladen und Hochfahren auf den tiefliegenden mittleren Teil des Laderaums erlaubte.  Die Neigung der Rampe betrug dabei nur 22 Grad und sie wies eine Belastbarkeit von über 450 kg auf. Bezüglich Styling, Konstruktionsdetails und Nutzlast (über 860 kg) liess der Rampside die Konkurrenz hinter sich.

Chervolet Covair 95 Rampside (1961) - so leicht gelang es noch nie, den Rasenmäher einzupacken
Zwischengas Archiv

Im ersten Jahr wurden fast 11’000 Exemplare des Rampside ausgeliefert, doch schon im Folgejahr gingen die Verkäufe auf knapp über 4000 Stück zurück und dies obschon GM viel Überzeugungsarbeit für Corvan und Rampside leistete.

Chevrolet Corvair 95 Rampside (1961) - stark genug für einen Elefanten
Zwischengas Archiv

So liess man etwa einen Corvan mit einem Magneten hochheben und fallen, um die robuste Natur zu beweisen. Oder man liess einen 550 kg schweren Jungelefanten in den Rampside steigen.

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Der nie gebaute Rampside Van

Chevrolet Corvair "Corvan" - nie gebautDie Designer hatten auch die Idee, die praktische seitliche Rampe beim Van zu verbauen, doch in die Serie wurde dieser Lösungsansatz (leider) nicht übernommen. Die geschlossenen Varianten mussten mit den seitlich angeschlagenen Türflügeln auskommen, immerhin gab es sie beim Van aber auch auf der linken Seite.

Nicht erfolgreich genug

Nur vier Jahre lang wurde der Rampside gebaut, die Verkaufszahlen liessen keine andere Wahl als den Produktionsstop. Trotz seiner fortschrittlichen Konstruktion wies der Pickup eben auch Nachteile auf, so etwa der gestufte Ladeboden und das für einen Pickup-Truck ungewöhnliche Design.

Gleichzeitig schadeten negative Presseberichte über die Verkehrssicherheit der Corvair-Limousine dem Ruf des Rampside.

Selten in Europa

Während es durchaus einige Corvair Greenbrier nach Europa schafften, war der Export des Rampside und des Corvan nie ein grosses Thema. Und heute dürften man hierzulande einen Rampside seltener antreffen als einen Aston Martin DB4 GT oder einen Ferrari 250 GT SWB. Dabei wäre er für Freizeitsportler oder Hobby-Gärtner doch durchaus ein reizvolles Angebot.

Chevrolet Corvair 95 Rampside (1962) - nur 4,56 Meter lang
Copyright / Fotograf: Simon Laufer - Courtesy RM/Sotheby's

Der fotografierte orange-farbene Chevrolet Corvair 95 Rampside von 1962 wird zwischen dem 19. und 27. Februar 2021 von RM/Sotheby’s anlässlich der Open Roads Online-Versteigerung verkauft.

Chevrolet Corvair 95 Rampside (1962) - funktionales Cockpit
Copyright / Fotograf: Simon Laufer - Courtesy RM/Sotheby's

Der Wagen wurde in den USA komplett restauriert und weist auch eine Verfeinerungen von späteren Jahrgängen auf. Er fährt auf Schweizer Strassen und wurde zwecks Zulassung entsprechend angepasst.

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