Autos und Architektur - der etwas andere Blick auf unser Kulturerbe

Erstellt am 15. Februar 2018
, Leselänge 3min
Text:
Balz Schreier / Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
36
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Hans Gerber 
1
Staatsarchiv Bern - FN Winkler Ha 172 
1
Daimler AG 
1

Der Schweizer Architekt Le Corbusier schwärmte vom Autobau. Ein Auto war für ihn eine effizient hergestellte, auf das Notwendigste reduzierte Maschine. Anfang der Zwanzigerjahre, also vor rund hundert Jahren, stellte er die Frage, ob es nicht wunderbar wäre, wenn auch Häuser so modern gebaut wären wie Autos.

Le Corbusier brachte damit eine der Forderungen des Neuen Bauens auf den Punkt: Architektur sollte zweckmässig und standardisiert sein. So, wie Henry Ford 1913 die rationale Massenfertigung am Fliessband im Automobilbau eingeführt hatte, sollten auch Häuser und Möbel möglichst günstig und einfach hergestellt werden – dank Vorfabrikation in Serie. Nach dem Ersten Weltkrieg war schliesslich Sparsamkeit angesagt.


Mercedes-Benz 8/38 Roadster (1928) - vor einem Gebäude von Le Corbusier, aufgenommen im Jahr 1928
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Wie weit vorausschauend Le Cobusier und ähnlich denkende Architekten waren, zeigt sich vor allem dann, wenn man die damals gebauten Automobile vor Gebäuden des “Neuen Bauens” fotografiert, wie dies für eine Mercedes-Benz-Werbung im Jahr 1928 getan wurde. Formlich scheint das Gebäude dem Automobil meilenweit (oder besser jahrzehntelang) voraus zu sein.

Dieser Eindruck entsteht immer wieder, wenn man Architektur und das Automobil zusammenbringt.


Jaguar XK 120, vor einem der ersten Schweizer Motels, aufgenommen um 1955 in Losone (TI)
Copyright / Fotograf: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Hans Gerber

Dass man Gebäude oftmals als deutlich moderner empfindet als Autos aus derselben Zeit, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die Häuser immer sichtbar bleiben, während Automobile verschwinden und nur noch als Oldtimer ab und zu auf der Strasse auftauchen.


Jaguar XK 120 (1950) - dahinter ein Motel im Tessin
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Auto vor Architektur

Simon Bundi, Kurator im Emil Frey Classic Center bringt in der neuen Sonderschau in Safenwil die beiden Themen - Architektur und Automobil - zusammen.


Kurator Simon Bundi erörtert die Ziele der Ausstellung
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Den Anlass dazu lieferte das Europäische Jahr des Kulturerbes, das in der Schweiz vom Bundesamt für Kultur initiiert wurde. In der Sonderschau des Emil Frey Museums werden faszinierende Bauten zusammen mit Automobilen aus der Zeit gezeigt.


Vanden Plas Princess (1968) - geparkt vor dem Restaurant
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Mit viel Geduld und Hingabe wurden Autos aufgespürt, die auch auf den Fotografien damals gezeigt wurden. Es sollten exakt die Modelle sein, die auch auf den Bildern sind, unabhängig davon, ob es sich dabei von Emil Frey importierte/verkauften Marken handelte oder nicht. Dass trotzdem ein wenig Rücksicht auf die “Eigen”-Marken genommen wurde, kann man den Ausstellungsmachern nicht verübeln.

Architektur für das Auto

Was erwartet den Besucher der Ausstellung? Auf jeden Fall wird er auf spannende Architekturleistungen stossen, etwa auf die Grossgarage Schlotterbeck, wie sie einst in Basel stand oder auf den “Industriehof”, der einst Emil Frey als erstes Autohaus diente. Ein Highlight des Neuen Bauens war aber auch das Zett-Haus am Stauffacher, ein spektakuläres Gebäude mit geschwungener Fassade, einem Kino mit Cabrio-Dach und einer Tiefgarage mit Auto-Drehscheibe. Hier betrieb Emil Frey in den 1950er-Jahren eine Garage und bereitete die importierten Austin für die Ablieferung vor.  


Buick Skylark Sedan (1967) - vor der Raststätte Deitingen an der Autobahn Egerkingen-Bern
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

In den Fünfzigerjahren entstanden aber auch Tankstellen, Raststätten, Parkgaragen, Geschäftshäuser und andere Nutzgebäude, die architektonisch von sich reden machten. Und immer wieder wurden sie zusammen mit Autos in Szene gesetzt, wie es nun auch die Ausstellung in Safenwil tut.

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Eine Zeitreise

Man sollte sich ein bisschen Zeit lassen auf den beiden Stockwerken des Museums, um Architektur und Automobil auf sich einwirken zu lassen, die sorgfältig verfassten Erklärungstexte zu lesen und einzutauchen in die Welt von damals. Natürlich kann man auch über die Automobile, z.B. den Studebaker Avanti oder den Triumph Stag eine ganze Menge lernen.


Range Rover Monteverdi (1981) - rare frühe viertürige Variante, dahinter Niki und Marlene Lauda
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Interessant ist auch ein Blick auf die Werbebilder der Sechziger- und Siebzigerjahre, die Fahrzeuge und Gebäude effektvoll in Szene setzten. Vor allem ab den Sechzigerjahren präferierten die Werbefotografen oftmals historische Gebäude als Hintergrundmotiv anstellte der modernen Bauten aus Stahl, Beton und Glas, die damals ihren wohl grössten Boom erlebten.

Fast ständig geöffnet

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juni 2018 und während der üblichen Museums-Öffnungszeiten geöffnet. Am besten prüft man auf der Website des Emil Frey Classic Center , wann ein günstiger Zeitpunkt für einen Besuch ist und wie hoch die Eintrittskosten oder die Möglichkeiten für einen geführten Besuch sind.

Auf einen besonderen Tag sei aber schon aufmerksam gemacht: Am 13. Mai 2018 ist der internationale Museumstag und da gibt es auch einen Sonntagsbrunch im Classic Center.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ne******
20.02.2018 (14:49)
Antworten
Interessant ist der Vergleich der beiden Fotos Mercedes und Citroen. Während sich die Firma Daimler-Benz durch die moderne Architektur im Hintergrund und die "moderne Frau" im Vordergrund, ein modernes Erscheinungsbiuld (heute Image) geben möchte, ergänzen sich die Architektur und die damals als futuristisch empfundene Form der DS auf kongeniale Weise.
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