Er ist einer der Stars auf der IAA 1963 in Frankfurt: der NSU/Wankel Spider. Das eigentlich Sensationelle an dem offenen Zweisitzer ist dabei nicht seine schöne Formensprache – es sind vielmehr seine inneren Werte, die das Publikum begeistern. Herzstück des Sportwagens ist der weltweit erste Einscheiben-Kreiskolbenmotor in einem Serienauto. Audi Tradition stellt den NSU/Wankel Spider mit seinem neuartigen Antriebskonzept in dieser siebten Folge der Jubiläumsserie zur NSU-Modellhistorie vor.
Innovation und Wagemut: vom Drehkolben- zum Kreiskolbenmotor
Erstes Ergebnis der Kooperation von NSU und Wankel ist ein drehschiebergesteuerter 250er-Motorradmotor auf Basis der NSU-Modelle Lux und Max. Da sich Mitte der 1950er-Jahre ein starker Trend zum Automobil abzeichnet, konzentriert man sich bald schon auf die Aggregateentwicklung für Autos. Wankel hat mittlerweile das Motorenkonzept weitergedacht und als Drehkolbenmotor ausgelegt; in diesem rotiert ein spitzovaler Kolben in einem sich ebenfalls drehenden, nahezu kreisförmigen Körper. NSU erweitert den Vertrag mit Felix Wankel – Ziel der Zusammenarbeit ist jetzt die Entwicklung von Drehkolbenmotoren. Für sie ist die Abkürzung "DKM" gebräuchlich. Der 1. Februar 1957 ist dann ein großer Tag bei NSU in Neckarsulm: Auf einem Prüfstand läuft der DKM 54, der erste Drehkolbenmotor der Welt. Er besticht durch seinen ruhigen Lauf. Nach 15 Stunden auf dem Prüfstand treten jedoch erste Dichtungsprobleme auf. Und so kommen die NSU-Entwicklungsingenieure zur Überzeugung, dass das Motorenkonzept grundlegend überarbeitet werden muss.
Gutes Lizenzgeschäft für NSU: Wankelmotor wird weltweites Exportgut
Im September 1963, kurz vor der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, steht im Werk Neckarsulm für eine Stunde alles still. Der damalige NSU-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerd Stieler von Heydekampf stellt den Beschäftigten den "NSU-Spider" vor, wie er damals offiziell heißt. Der Applaus ist groß – die Erwartungen sind es ebenfalls.
Der neue Sportwagen ist ein absoluter Hingucker: Das Design der selbsttragenden Karosserie basiert auf einem Entwurf von Bertone. Auf der IAA wird der Wagen euphorisch gefeiert, vor allem wegen seines revolutionären Motors. Dieser ist leicht – mit Getriebe, Lichtmaschine und Anlasser liegt das Gesamtgewicht bei gerade einmal 125 Kilogramm. Er braucht wenig Platz und kann deshalb als Unterflurmotor im Heck eingebaut werden. Durch diese Konstruktion besitzt der sportliche Spider sowohl einen Kofferraum vorn als auch einen Kofferraum hinten. Schließlich läuft der neuartige Motor extrem vibrationsarm und laut NSU-Werbung so ruhig wie ein Sechszylinder. Bei vielen heißt das neue Aggregat künftig salopp einfach nur "Wankelmotor". Seine Vorzüge sprechen sich schnell herum, und bald schon erwerben namhafte Auto- und Motorenhersteller Lizenzen für die neue Kreiskolbenmotortechnik aus Neckarsulm – darunter General Motors, Daimler-Benz, Porsche, Nissan, Toyota und Toyo Kogyo, heute bekannt als Mazda.
Das Lizenzgeschäft ist für die Neckarsulmer einträglich – der Absatz des NSU/Wankel Spider hingegen läuft eher schleppend. Ab Herbst 1964 kann man den flotten Sportwagen in den Farben Alfarot oder Lilienweiß für rund 8500 Deutsche Mark kaufen. Bis Juli 1967 werden vom ersten Wankel-Auto exakt 2375 Exemplare gebaut. Mit einem weiterentwickelten Motor nach dem Wankelprinzip – dem Zweischeiben-Wankelmotor im NSU Ro 80 – unternimmt NSU 1967 noch einmal einen Anlauf, diese Motorentechnologie zu etablieren – allerdings ebenfalls ohne den erhofften Markterfolg. Heute hingegen sind die NSU-Automobile mit Wankelmotor auch aufgrund ihres Seltenheitswerts geschätzte Klassiker. Und sie erzählen immer noch von der Innovationsfreude der Traditionsmarke NSU. Diese Freude an Neuem, am Forschen und Entwickeln sowie am technischen Fortschritt ist auch in der aktuellen Sonderausstellung "Innovation. Wagemut. Transformation. 150 Jahre NSU" im Audi-Forum Neckarsulm und im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm zu sehen – noch bis 5. Mai 2024.










































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