Man darf es wohl so sagen: Die französischen Hersteller habe sich bisher nicht besonders damit hervorgetan, die Liebhaber und Hüter ihrer eigenen Vergangenheit mit besonderen Dienstleistungen oder gar Teilen zu unterstützen. Zur Rétromobile in Paris im vergangenen Februar aber lud Renault zu einer Pressekonferenz ein für die Lancierung ihrer neuen Plattform "The Originals Renault".
Was vordergründig erstmal eine Website und ein Logo ist – ein liegender Rhombus in Anlehnung an das Renault-Zeichen – , soll mittelfristig zu einem Ort werden, wo sich sowohl Garagisten und Teilehändler, wie auch die Oldtimerenthusiasten mit allen nötigen Dingen eindecken können, die es zum Betrieb eines klassischen Renault braucht.

Werkstatt-Netzwerk
Renault plant im Verlauf dieses Jahres erstmal in Frankreich rund 25 Servicestandorte des eigenen Vertreternetzes zu zertifizieren. Das Ziel wird es sein, 80 Prozent des französischen Territoriums abzudecken und jedem Sammler zu ermöglichen, einen Experten in weniger als 100 km Entfernung zu finden. Acht Spezialisten waren bei der Lancierung des Netzwerks im Februar 2025 bereits mit dabei. In absehbarer Zeit soll diese Adressliste auch im Ausland erstellt werden. Vorderhand noch auf Garagen beschränkt, die im Verbund der aktiven Renault-Vertreter eingebunden sind, könnten in Zukunft aber auch freie Werkstätten in den Genuss kommen, als The Originals Renault-Partner gelistet zu werden.
So zumindest hat es der Global Chief Marketing Officer von Renault, Arnaud Belloni, bei der Einführung im Februar 2025 formuliert. Dazu meinte er, dass man die Latte nicht übermässig hoch zu setzen gedenke, damit sich ein möglicher Partner qualifizieren könne. Damit meinte er nicht die Arbeitsqualität, sondern Kriterien bezüglich der Grösse und des Auftritt des Betriebes entsprechend dem aktuellen Corporate-Design der Marke. Oder anders formuliert: Wenn eine Werkstätte sich als ausgesprochener Spezialist für ein Renault-Modell oder für Alpine ausweisen kann, besteht eine Chance, dass sie in Zukunft über eine offizielle Renault-Plattform zu finden sein wird. Das könnte auch für Teilehändler gelten, die bisher mit Renault nicht im direkten Kontakt stehen. Inwieweit sich dies letztlich umsetzen lässt, bleibt dahingestellt. Das Renault hier die Initiative ergreift ist aber in jedem Fall höchst begrüssenswert.
Zertifikate und Bescheinigungen
Auf der neuen Renault-Website findet sich auch der Link zur Anfrage nach den Bauunterlagen und den originalen Spezifikationen aller von Renault und Alpine gebauten Autos, die älter als 30 Jahre sind. Darin ausgeschlossen sind Nutzfahrzeuge und die Wagen von Dacia. Inwiefern auch Modelle anderer Märkte abgedeckt werden, ist noch nicht schlüssig beantwortet. Man denke beispielsweise an eine Stufenheckvariante des Renault 5 wie sie in Spanien gebaut wurde, den Renault "Siete", oder gar an die IKA-Renaults aus Argentinien. Doch das ist vermutlich etwas gar viel verlangt. Laut Website wird aber deutlich, dass die Jeep-Modelle mit Renault-Motor aus der Zeit der Allianz mit AMC ebenso ausgenommen sind wie Renault-Derivate von Drittherstellern, Wohnmobile oder andere Fahrzeuge mit Renault-Antrieb. Die überwiegende Mehrheit an fraglichen Modellen ist aber abgedeckt.
Wer die genauen Spezifikationen seines Renaults aus den letzten 127 Jahren sucht, findet in den angebotenen Unterlagen nicht nur die wesentlichen Informationen, sondern unter Umständen mit dem genauen Auslieferungsdatum auch eine Hilfe wenn es darum geht, das Auto bei fehlenden Papieren wieder zulassen zu können. Ebenso mag es den Scrutineers für die FIVA ID-Card eine Hilfe sein, wenn sie auf die entsprechenden Papiere des Werks zurückgreifen können – von den Ämtern ganz zu schweigen. Diese Dokumente sind kostenpflichtig über die Website bestellbar.
Werkstattbücher und Ersatzteilkataloge
Eine andere, sehr gute Nachricht ist Renaults Mitteilung, dass für die wichtigsten Modelle künftig die gesamten, zum Teil mehrere hundert Seiten dicken Werkstatthandbücher online zu finden sind – und dies kostenlos! Wer also wissen will, wie die grosse Zerlegung eines Renault 5 Turbo vonstatten geht – und viel wichtiger: wie man ihn wieder zusammenbaut – findet die nötigen Handbücher unter diesem Link. Vorderhand ist das Gros der Unterlagen französisch. Die Abbildungen und Einstelldaten sind allerdings auch ohne Sprachkenntnisse hilfreich.
Nebst den Werkstatthandbüchern helfen dazu auch die Explosionszeichnungen in den ebenso vorhandenen, digitalisierten Original-Ersatzteilkataloge bei Arbeiten an folgenden Renault-Modellen: 4 CV, R4, R5, R6, R8, R10, R12, R14, R15, R16, Frégate, Dauphine, Caravelle, Estafette, Fuego und besagter R5 Turbo. Das alles ist gratis einsehbar und damit leicht zugänglich.
Museum und Archiv
Die umfangreichen Sammlungen aus dem Renault-Fundus werden bereits seit 2021 Stück für Stück auf The Originals Renault zugänglich gemacht. Es lassen sich ausgewählte Modelle abrufen, darunter beispielsweise Exoten wie den für den amerikanischen Markt bei AMC gebauten Renault Alliance auf Basis des R9 und verschiedene Concept-Cars. Das virtuelle Museum startet wie die Marke selbst mit dem Modell "A" von 1898. Zu den Bildern, Hintergründen und Informationstexten gibt es auch Soundbeispiele, etwa der Start des Motors oder – falls denn vorhanden – das Geräusch des Blinkers.
Über 2400 Laufmeter umfassen die Archivbestände von Renault. Dazu gehören 2200 Poster, 10'400 Entwurfzeichnungen, 32300 Modelle und Spielzeuge oder 700 Bücher zum Thema. Auch diese sollen in Zukunft digitalisiert und damit greifbar gemacht werden.
Wie es Renault-Marketing-Chef Arnaud Belloni in Paris zur Lancierung angetönt hat, wird die Herkunft und Erschliessung der Geschichte einer Marke vor dem Hintergrund zahlreicher Neueinsteiger im Markt künftig eine viel höhere Bedeutung haben. Und Renault spielt die eigene Vergangenheit aktuell mehr denn je – mit den neuen Modellen Renault 5 E-Tech dem gerade vor der Lancierung stehenden Renault 4 E-Tech, die stilistisch einen deutlichen Bezug zu ihren gleichnamigen Vorfahren nehmen.



























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