Es ist Winter – Zeit zum Schrauben, Optimieren und Grübeln, ob man am alten Auto bei dieser Gelegenheit nicht auch ein paar Dinge "auf einen modernen Stand" bringen könnte? Darf man oder sollte man sowas tun? Und wenn ja, was ist möglich?
Wir gehen dem Thema zusammen mit Stefan Mäder auf den Grund. Er ist Geschäftsführer von British Inter Cars AG in Täuffelen in der Schweiz. Sein Unternehmen beschäftigt sich nun schon in der dritten Generation mit britischen und anderen Klassikern, sei es mit der Wartung und Instandsetzung oder mit Restaurierungsarbeiten. Auch in der Teileversorgung und im Bereich klassischer Öle und anderer Betriebsstoffe engagiert sich Stefan Mäder seit vielen Jahren unter der Firma Products Solutions.
Ans Thema "Tuning" musste sich Mäder erst herantasten, wie er uns erzählt: "Früher war ich ein überzeugter Originalitätsfan. Doch mit den vielen Jahren Erfahrungen wurde mir bewusst, dass einige Hersteller oft nur halbherzige technische Lösungen gefunden haben, zum Beispiel zur Reduktion der Abgaswerte Ende der Sechzigerjahre oder bei Bremsen und Fahrwerk. Was damals akzeptabel war, können wir heute besser machen. Das würde ich aber erst mal als Optimierung bezeichnen und noch nicht als Tuning."
Der Übergang vom einen zum anderen ist natürlich fliessend. Man könnte beides unter dem Begriff "Modifikation" zusammenfassen. Nach solchen Anpassungen fragen Stefan Mäders Kunden jedenfalls immer öfter. Die Ansprüche an die Klassiker wachsen unter anderem deshalb, weil die Kluft zwischen dem Fahrverhalten klassischer und aktueller Fahrzeuge immer grösser und das Mithalten im Strassenverkehr damit herausfordernder wird.
Fahrbahnkontakt ist Sicherheit
In der Diskussion mit Stefan Mäder kommt immer wieder das Thema "Sicherheitsrelevanz" auf. "Ein Auto, das gut auf der Strasse liegt und zuverlässig bremst, ist einfach auch sicherer. Auch eine Pässefahrt macht bedeutend mehr Spass, wenn nicht vor jeder Kurve die Schweissperlen hervortreten." Oft braucht es nur aber wenig, um eine merkliche Verbesserung zu erzielen, gerade im Fahrwerksbereich. "Wenn man bei einem britischen Klassiker Polyurethan-Buchsen einsetzt anstelle der originalen, weichen Gummilager, sitzt das Auto bereits viel satter und straffer auf der Strasse."
Wer noch weiter gehen möchte, hat unterschiedliche Möglichkeiten – je nach Epoche, aus der das Fahrzeug stammt. Bis etwa in die Siebzigerjahre hinein wurden Autos so gebaut, dass sie sich im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen eher schwammig anfühlen. Neben dem bereits erwähnten Austausch der Fahrwerksbuchsen gibt es in so einem Fall auch die Möglichkeit, andere Federn und/oder hochwertigere Stossdämpfer einzubauen, die sich idealerweise in der Zug- und Druckstufe einstellen lassen. Hat ein Fahrzeug keinen Kurvenstabilisator, könnte gegebenenfalls einer nachgerüstet werden, um die Seitenneigung des Fahrzeugs bei Kurvenfahrten zu reduzieren.
Bei Fahrzeugen mit Speichenrädern lassen sich eventuell stabilere Exemplare mit mehr Speichen verwenden. Generell lässt sich auch mit breiteren Reifen eine bessere Kurvenhaftung erzielen. Hier gilt es aber zu klären, welche Dimensionen möglich und sinnvoll sind. Wer übers Ziel hinausschiesst, könnte sich über zu hohe Lenkkräfte ärgern. Ist ein Fahrzeug noch mit Diagonalreifen ausgerüstet, dürfte der Wechsel zu Radialreifen eine massgebliche Verbesserung bringen.
Apropos lenken: Wer gerne um die Ecken räubert, freut sich gegebenenfalls über eine direktere Lenkung. Das wird zum Beispiel beim Jaguar E-Type gerne gemacht. Beliebt ist auch die Nachrüstung von Lenkunterstützungen, um die Lenkkräfte zu senken. Für viele Klassiker werden komplette Lenksäulen mit (zumeist elektrischer) Lenkunterstützung angeboten. So könnte dann das Fahrzeug auch wieder rückgerüstet werden, sofern ein neuer Besitzer mit stärkeren Oberarmen wieder das originale Lenkgefühl zurückhaben möchte.
Auch bei den Bremsen gibt es diverse Möglichkeiten. Hat ein Fahrzeug keinen Bremskraftverstärker, ist eventuell auch hier eine Nachrüstung möglich. Beliebt sind bei entsprechend geeigneten Modellen auch Umrüstungen von Trommel- auf Scheibenbremsen oder die Verwendung stärkerer Bremszangen. Aber schon qualitativ hochwertigere Bremsbeläge bringen eine höhere Bremsleistung. Und da lässt sich gegebenenfalls auch mit verschiedenen Reibwerten spielen. Stefan Mäder nennt ein Beispiel: "Ältere Amerikanerfahrzeuge haben oft die Tendenz zu überbremsen; das heisst, sie bremsen hinten zu stark. Da sollte man dann hinten Beläge mit einem tieferen Reibwert einsetzen."
Volle Leistung und noch mehr
Wir wollen aber natürlich nicht nur bremsen und lenken, sondern auch Gas geben. Und auch da – also leistungsmässig – lässt sich oft einiges aus einem Klassiker herausholen. Bevor aber schärfere Nockenwellen, andere Vergaser oder Luftfilter oder Sportauspuffanlagen bestellt werden, sollte man sich mal eingehend der vorhandenen Infrastruktur widmen. Stefan Mäder kann ein Lied davon singen: "Oft wird gleich mit einem Motortuning geliebäugelt. Zuerst sollte aber ein Motor erst mal sauber eingestellt werden. Die Kunden staunen dann manchmal, wie viel besser das Auto danach läuft. Schon eine gut funktionierende Zündung bringt einiges. Oft arbeiten Zündungen nicht mehr optimal."
Häufig wird letzteres auch nicht bemerkt. So kann zum Beispiel der Zündzeitpunkt im Leerlauf stimmen, aber im Teil- oder Vollastbereich danebenliegen, was aber oft nicht kontrolliert wird. Die meisten Möglichkeiten für eine optimale Zündeinstellung bietet natürlich der Einbau einer frei programmierbaren elektronischen Zündung.
Woran auch nur wenige denken: "Der Einsatz eines guten Rennsportöls bringt neben einem verminderten Abrieb nachweislich auch bis zu 7 % mehr Leistung.", weiss Stefan Mäder.
Sofern nach all diesen "einfachen" Massnahmen – zu denen natürlich auch eine saubere Vergasereinstellung mit einem Messgerät oder Colortune-Zündkerzen gehört – immer noch mehr Leistung erwünscht ist, kommt das klassische Motortuning ins Spiel. Das Spektrum reicht auch hier weit: Neben einer Anpassung der Steuerzeiten oder einer anderweitigen Zylinderkopfoptimierung kann auch eine Hubraumvergrösserung ins Auge gefasst werden. Je nach Budget und gewünschtem Einsatzzweck ist fast alles oder zumindest vieles möglich.
Wichtig ist: Die verschiedenen Tuning-Massnahmen müssen zusammenpassen. Will heissen: Es bringt wenig, einfach nur einen Vergaser zu tauschen und den Rest ausser Acht zu lassen. Und noch wichtiger: Das Auto sollte auch nach einer Leistungserhöhung ausgewogen sein. "Es muss alles zusammenpassen, also die Leistung, die Bremswirkung und das Fahrwerk. Und all dies erfordert enorm viel Erfahrung und ein Gefühl für das Zusammenspiel aller Faktoren!", fasst Stefan Mäder treffend zusammen.









































