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Bild (1/1): Mercedes-Benz 770 (1931) - auf dem Titel eines Ausstellungsheftes (© Daimler AG, 1931)
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90 Jahre Mercedes-Benz 770

Erstellt am 8. Oktober 2020
Text:
Daimler AG
Fotos:
Daimler AG 
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Mit dem Mercedes-Benz 770 „Großer Mercedes“ übernimmt die Marke 1930 – vor 90 Jahren – eine weitere Führungsrolle im Automobilbau.

Diese äußerst repräsentativen Fahrzeuge überzeugen mit außergewöhnlichen Fahrleistungen und einem überragenden Fahrkomfort. Für den standesgemäßen Antrieb der Baureihe W 07 sorgt ein Achtzylinder-Reihenmotor mit 7,7 Litern Hubraum.

Mercedes-Benz 770 (1931) - Pullman-Limousine von aussen
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

Der zwischen 1930 und 1938 gebaute „Große Mercedes“ bleibt hochexklusiv, in verschiedenen Ausführungen entstehen lediglich 117 Exemplare.

Abgelöst wird er von der Baureihe W 150 mit der identischen Modellbezeichnung 770 „Großer Mercedes“. Der W 07 ist ein Meilenstein in der Tradition von Automobilen, die zu den besten der Welt gehören – bis hin zu den heutigen Mercedes-Maybach S-Klasse Luxus- und Repräsentationsfahrzeugen.

Prunkvolle Exponate

Im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart-Untertürkheim sind gleich zwei 770 „Große Mercedes“ zu bewundern. Zum einen das 1932 als Sonderanfertigung hergestellte Cabriolet F von Kaiser Wilhelm II., der in jenen Jahren im niederländischen Exil lebt. Den Kühler ziert statt des Mercedes-Sterns das Hohenzollernwappen. Die Außenfarbe Marineblau ist des Kaisers Reverenz an die deutsche Seeflotte.

Mercedes-Benz 770 (1932) - im Mercedes-Benz-Museum
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

Direkt daneben steht die Pullman-Limousine des japanischen Kaisers Hirohito, die 1935 als eines der ersten Automobile überhaupt in beschusssicherer Sonderschutzausführung ausgeliefert wird. Eine mehrschichtige und dicke Verglasung der Seiten- und Heckscheiben sowie eine Panzerung von Dach und Türen sind Teil der Schutzmaßnahmen. Interessantes Detail: Beide Fahrzeuge gehören zu den wenigen W 07, die ohne Kompressor ausgeliefert werden.

Premiere in Paris

Der Mercedes-Benz 770 „Großer Mercedes“ wird im Oktober 1930 auf dem Salon de l’Automobile in Paris, der seinerzeit weltweit führenden Automobilausstellung, präsentiert. Das größte, schwerste und auch teuerste Modell des Mercedes-Benz Personenwagenprogramms sichert der damaligen Daimler-Benz AG eine Spitzenposition im internationalen Automobilbau. Ein zeitgenössischer Mercedes-Benz Prospekt lässt keinen Zweifel an diesem Anspruch und spricht vom „stärksten Personenwagen Deutschlands und einem der größten der Welt“.

Weiter heißt es: „Er ist der Wagen mit der besonderen Note, geschaffen für die verwöhntesten Ansprüche, für den Kreis führender Männer aller Länder, die stets die Forderung nach höchster Leistung und größtem Komfort erheben.“

Zwei Jahre Entwicklung

Nach zweijähriger Entwicklungsarbeit beschließt der Vorstand in einer Direktionssitzung am 6. März 1930, den W 07 forciert zur Serienreife zu bringen und die Nürburgring-Erprobung bis Ende Mai des Jahres abzuschließen. Am 6. Juni 1930 resümiert der neue Vorstandsvorsitzende Wilhelm Kissel: Die „Entwicklung eines neuen großen Wagens“ sei erforderlich gewesen, um wieder ein aktuelles Luxusklassefahrzeug im Modellprogramm zu haben.

Zu den selbst gesetzten Ansprüchen an die Konzeption des W 07 sagt Kissel: „Es ist selbstverständlich, dass dieser Wagen dem entsprechen muss, was man von Daimler-Benz verlangt.“

Acht- statt Zwölfzylinder

Anders als mancher Wettbewerber entscheidet sich das Team um den Leiter des Konstruktionsbüros Dr. Hans Nibel und Motorenentwicklungschef Albert Heeß nicht für ein Triebwerk mit zwölf Zylindern, sondern für einen Achtzylinder-Reihenmotor mit 7,7 Litern Hubraum. Seine Maximaldrehzahl liegt bei 2.800/min.

Mercedes-Benz 770 (1930) - Demonstrationsmodell des Fahrerplatzes
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

Dieser M 07 leistet 110 kW (150 PS), und wenn der Roots-Kompressor beim vollständigen Durchdrücken des Gaspedals zugeschaltet wird, sind es 147 kW (200 PS). Bei einem Minderpreis von 3.100 RM kann der „Große Mercedes“ auch ohne Kompressor bestellt werden. Dafür entscheiden sich allerdings nur 13 der 117 Kunden. Von den beiden Zündkerzen pro Zylinder wird eine über Hochspannungsmagnetzündung und eine über Batteriezündung versorgt.

Aufwendige Konstruktion

Die Kraftübertragung erfolgt über ein Dreiganggetriebe, das durch ein nahezu geräuschloses Maybach-Schnellganggetriebe ergänzt wird. Es ist zu jedem der drei Vorwärtsgänge zuschaltbar. So stehen in der Praxis sechs Gänge zur Verfügung.

Geschaltet wird das Schnellganggetriebe ohne Betätigung der Kupplung über eine halbautomatische Saugluftschaltung, die per Lenkradhebel bedient wird. Die Handhabung der Vierradbremsen erfolgt mechanisch und wird durch eine Bosch-Dewandre-Servo-Bremse unterstützt. Der „Große Mercedes“ verfügt vorne über eine Starrachse aus einem Doppel-T-Profil und hinten über eine Starrachse in Banjoform. Die Zentralschmierung erfolgt vollautomatisch.

Die von der Fachwelt hochgelobte Abstimmung des eher konservativ ausgelegten Fahrwerks führt zu einem Optimum an Sicherheit und Komfort. Das Topmodell von Mercedes-Benz wird mit Holzspeichenrädern oder Drahtspeichenrädern geliefert, die für einen schnellen Wechsel mit Rudge-Schnellverschlüssen montiert werden.

Technische Daten (1930)

Achtzylinder-Reihenmotor, 7.655 Kubikzentimeter, Leistung: 110 kW (150 PS) oder mit Kompressor 147 kW (200 PS) bei 2.800/min. Kraftstoffverbrauch etwa 28 bis 30 Liter je 100 Kilometer, Tankinhalt 120 Liter. Höchstgeschwindigkeit mit aktiviertem Kompressor etwa 160 km/h, Gewicht des Fahrgestells: 1.950 Kilogramm, Gewicht komplettes Fahrzeug: 2.700 Kilogramm, Radstand: 3.750 Millimeter, Gesamtlänge: 5.600 Millimeter.

In Varianten

Die Karosserien des „Großen Mercedes“ werden im Sonderwagenbau im Werk Sindelfingen hergestellt. Die Endmontage und die Übergabe an die Kunden erfolgt in Stuttgart-Untertürkheim. Zunächst wird die insgesamt 42-mal produzierte Pullman-Limousine mit sechs bis sieben Plätzen angeboten.

Mercedes-Benz 770 Cabriolet B (1930) - an der Schönheitskonkurrenz von Baden-Baden
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

Die Cabriolets B, C, D und F sowie ein offener Tourenwagen ergänzen die Karosserieauswahl im September 1932. Hinzu kommen Aufbauten einiger privater Karossiers wie beispielsweise Erdmann & Rossi. Das Karosseriedesign ändert sich während der 1930er-Jahre hin zu immer flüssigeren Formen.

Teuer

Wie deutlich sich der W 07 vom allgemeinen Preisniveau abhebt, zeigt ein Vergleich: Die Pullman-Limousine mit Kompressor wird während der gesamten Produktionszeit von 1930 bis 1938 für 41.000 RM angeboten, der 1931 präsentierte 170 (W 15) dagegen für 4.400 RM.

Mercedes-Benz 770 (1931) - Innenraum einer Pullman-Limousine
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

Selbst der 540 K, der während der 1930er-Jahre ebenfalls viel zum Renommee von Mercedes-Benz beiträgt, kostet 1936 mit 22.000 RM nur etwas mehr als die Hälfte des „Großen Mercedes“.

Von der Presse gelobt

Das Fachmagazin „Motor und Sport“ urteilt in Heft 24/1932: „Im Gegensatz zu den bekannt gewordenen Ausführungen der Konkurrenz ist das Verhalten des Großen Mercedes bei allen Geschwindigkeiten unantastbar. […] Uns ist kaum ein Fahrzeug bekannt, das ein so gefahrloses Fahren mit schweren Karosserien bei der atemberaubenden Geschwindigkeit von 120 km/h zuließe [... und] spielend das D-Zug-Tempo einzuhalten befähigt ist.“

Mercedes-Benz 770 (1930) - vor einem Gebäude in Sindelfingen
© Copyright / Fotograf: Daimler AG

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