20 Jahre Cayenne: Der „dritte Porsche“ als Erfolgsgeschichte

Erstellt am 26. Juli 2022
, Leselänge 6min
Text:
Porsche AG / ZG
Fotos:
Porsche AG 
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Porsche Cayenne (2002) - Porsche-Vorstände inpizieren den Cayenne im Entwicklungszentrum in Weissach
Porsche Cayenne (2002) - Beginn einer Erfolgsgeschichte - Cayenne E1 inmitten der damaligen Modellpalette
Porsche Cayenne (2002) - der Erstlang und sein Nachfolger von heute
Porsche Cayenne (2002) - die aktuelle Produktepalette neben dem Erstling E1
Porsche Cayenne (2007) - 26 Cayenne S Transsyberia wurden gebaut und 2007 und 2008 eingesetzt
Porsche Cayenne (2007) - als GTS - Sitzen wie im SUV, fahren wie im Sportwagen

Ferry Porsche sagte es bereits 1989 voraus: „Wenn wir ein Geländefahrzeug nach unseren Qualitätsvorstellungen bauten, und vorne steht Porsche drauf, würde es auch verkauft.“ Er sollte Recht behalten. Seit 2002 gehört der Cayenne zu den tragenden Säulen des weltweiten Erfolgs des Autobauers.

„Der Cayenne war und ist ein Zugpferd für unsere Marke, das in den vergangenen 20 Jahren viele neue Kunden und Fans aus der ganzen Welt zu Porsche gebracht hat“, sagt Detlev von Platen, Vorstand für Vertrieb und Marketing. In den 1990er-Jahren hatte Porsche weitreichende Entscheidungen zu treffen, um den Erfolg des Sportwagenherstellers nachhaltig zu sichern. Zu Beginn des Jahrzehnts befand sich das Unternehmen in einer der größten wirtschaftlichen Krisen seiner Geschichte: Man schrieb rote Zahlen und lieferte im Geschäftsjahr 1991/92 lediglich 23.060 Autos aus. Mit dem 1996 eingeführten Boxster begann Porsche, sich aus diesem Tief heraus zu manövrieren. Doch dem Management war schnell klar: Der legendäre 911 und das neue Mittelmotormodell allein würden das Unternehmen nicht in eine gesicherte Zukunft führen können. Pläne für „den dritten Porsche“ begannen zu reifen, wenngleich das Segment nicht auf Anhieb definiert war.

Bild Porsche Cayenne (2002) - die aktuelle Produktepalette neben dem Erstling E1
Porsche Cayenne (2002) - die aktuelle Produktepalette neben dem Erstling E1

Auf Empfehlung der US-Vertriebsorganisation beschloss man, statt des ebenfalls in Erwägung gezogenen Vans einen Geländewagen zu konstruieren. Diese Fahrzeuggattung lag in Nordamerika – damals Porsches größter Markt – besonders stark im Trend. Zudem hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking den aufstrebenden asiatischen Markt im Visier. Die Ambitionen waren von Beginn an hoch: Porsche wollte nicht nur ein markentypisch besonders sportliches SUV entwickeln, sondern den besten Wettbewerbern auch im Offroad Paroli bieten.

Projekt „Colorado“

Diese Mammutaufgabe wurde schließlich im Rahmen des intern „Colorado“ getauften Projekts gemeinsam mit Volkswagen angegangen und im Juni 1998 offiziell verkündet: Porsche Cayenne und VW Touareg sollten sich die Plattform teilen. Trotz der identischen Architektur setzte jeder Hersteller anfangs seine eigenen Motoren ein und erarbeitete eine eigene Fahrwerksabstimmung. Porsche verantwortete am zunächst streng geheimen Standort Hemmingen die Entwicklung der gemeinsamen Plattform, VW brachte sein Produktions-Knowhow für große Stückzahlen ein.

Noch im Jahr 1999 entschied man sich in Zuffenhausen für „Made in Germany“ und errichtete eine neue Produktionsstätte in Leipzig, die im August 2002 offiziell eingeweiht wurde. Das VW-Pendant, der Touareg, wurde im VW-Werk im slowakischen Bratislava produziert. Von dort wurde auch für den Cayenne die lackierte Karosserie zugeliefert, die Endmontage erfolgte in Sachsen. Sowohl die erste als auch zweite Modellgeneration des Cayenne – intern als E1 und E2 bezeichnet – liefen in Leipzig und später zusätzlich in Osnabrück vom Band. Mit Start der dritten Generation (E3) im Jahr 2017 verlagerte Porsche die komplette Cayenne-Fertigung nach Bratislava, um in Leipzig zusätzliche Kapazitäten für die Sportlimousine Panamera und das Kompakt-SUV Macan zu schaffen.

Bild Porsche Cayenne (2002) - Porsche-Vorstände inpizieren den Cayenne im Entwicklungszentrum in Weissach
Porsche Cayenne (2002) - Porsche-Vorstände inpizieren den Cayenne im Entwicklungszentrum in Weissach

Seine große technische Bandbreite macht den Cayenne zu einem familientauglichen Reisefahrzeug, das gleichzeitig robuster Offroader und hochdynamischer Sportwagen mit typischer Porsche-Performance ist. Mit diesen Eigenschaften hat der Cayenne das Segment der Sport Utility Vehicle (SUV) in den vergangenen 20 Jahren geprägt. Dabei startete die erste Generation (E1) so selbstbewusst, wie man es von einem Porsche erwarten durfte: mit zwei V8-Zylinder-Motoren zur Auswahl. Im Cayenne S leistete der neu entwickelte 4,5-Liter-Motor 250 kW (340 PS), der Cayenne Turbo holte aus demselben Hubraum sogar 331 kW (450 PS).

Der Allrounder: Sportwagen und Offroader mit Langstreckenkomfort

Spitzengeschwindigkeiten von 242 beziehungsweise 266 km/h waren möglich – eine wichtige Botschaft an die Sportwagen-Stammkunden, deren Erwartungen auch hinsichtlich des Fahrwerks erfüllt wurden. Die Querdynamik wurde von neu eingeführten elektronischen Systemen bestimmt: Das Porsche Traction Management (PTM) verteilte die Antriebskraft standardmäßig im Verhältnis 62:38 zwischen Hinter- und Vorderachse. Zudem war das Antriebssystem über eine Lamellenkupplung variabel und konnte bei Bedarf zwischen 100:0 und 0:100 jedes Kraftverhältnis zwischen Vorder- und Hinterrädern darstellen.

Abseits befestigter Straßen konnte sich der Cayenne-Fahrer zusätzlich auf ein Untersetzungsgetriebe verlassen. Eine 100-Prozent-Längssperre verhinderte das Durchdrehen der Räder auch dann, wenn sie kurzzeitig vom Boden abhoben. So ausgestattet, stand der erste Geländewagen von Porsche schon bei Testfahrten in der Entwicklungsphase renommierten Offroadern des Wettbewerbs in nichts nach.

Bild Porsche Cayenne (2002) - Dünen-Erprobung im heissen Dubai - Härtetest für das Projekt "Colorado" anfangs der 2000er-Jahre
Porsche Cayenne (2002) - Dünen-Erprobung im heissen Dubai - Härtetest für das Projekt "Colorado" anfangs der 2000er-Jahre

Außerdem war der Cayenne der ersten Generation (E1) auch der erste Porsche mit dem neu entwickelten PASM. Das Porsche Active Suspension Management wurde zusammen mit der Luftfederung angeboten. Es regelt permanent die Dämpfkraft und bezieht den Zustand der Fahrbahn und den Fahrstil des Cayenne-Piloten in seine Berechnungen ein. Die Luftfederung half dem Cayenne auch im Gelände: Aus der ohnehin stattlichen Bodenfreiheit von 21,7 Zentimetern mit konventionellem Fahrwerk wurden mithilfe der Niveauregulierung innerhalb der Luftfederung bis zu 27,3 Zentimeter. Die Onroad-Performance optimierte Porsche Anfang 2006 mit Einführung des ersten Cayenne Turbo S, der durch seine für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Motorleistung aus dem 4,5 Liter großen V8-Biturbomotor aufhorchen ließ.

Bild Porsche Cayenne (2002) - Beginn einer Erfolgsgeschichte - Cayenne E1 inmitten der damaligen Modellpalette
Porsche Cayenne (2002) - Beginn einer Erfolgsgeschichte - Cayenne E1 inmitten der damaligen Modellpalette

Stetige Evolution

Die zweite Generation (E2) erlebte zur Gewichts- und Performanceoptimierung den Ersatz des Verteilergetriebes mit Geländeuntersetzung durch das heute noch im Einsatz befindliche Hang-on-Allradsystem mit einer aktiv geregelten Lamellenkupplung. Zudem führte Porsche im von Grund auf neu gezeichneten E2 den Hybrid- und den Plug-in-Hybridantrieb, diese Varianten verfügten über ein Torsen-Mittendifferenzial. Alle bestehenden Motoren gewannen nochmal zusätzlich an Leistung, bei um bis zu 23 Prozent niedrigerem Kraftstoffverbrauch. Blickfang im neu gestalteten Interieur war die nun ansteigende Mittelkonsole.

„Beim E3 war dann die Aufgabenstellung, die Spreizung weiter zu vergrößern“, erinnert sich Hans-Jürgen Wöhler, von 2013 bis 2020 Baureihenleiter der Porsche SUV, an die Entwicklung der dritten Cayenne-Generation. „Es ging um noch mehr Sportlichkeit, und höheren Fahrkomfort bei gleichzeitigem Erhalt der Offroadfähigkeiten. „Hierfür wurden speziell eine Dreikammer-Luftfeder und die Hinterachslenkung entwickelt. Der neue Aluminiumrohbau sparte Gewicht, was das Fahrzeug noch effizienter und agiler machte.

Bild Porsche Cayenne (2007) - als GTS - Sitzen wie im SUV, fahren wie im Sportwagen
Porsche Cayenne (2007) - als GTS - Sitzen wie im SUV, fahren wie im Sportwagen

Der E3 sollte aber auch im Bereich der Fahrerunterstützung durch viele neue Assistenzsysteme ein breites Angebot bieten“, sagt Hans-Jürgen Wöhler. Dafür integriert nun eine zentrale Steuereinheit alle Fahrerassistenzsysteme. Zudem erhielt das große SUV erhielt ein Update in punkto Konnektivität: Smartphone-Integration, WLAN, Bluetooth. Mit Einführung des dritten Cayenne 2017 verabschiedete sich Porsche darüber hinaus vom Dieselmotor und fokussierte sich stattdessen auf die Weiterentwicklung der Plug-in-Hybridtechnologie. Ein wichtiger Meilenstein war zudem die Einführung des noch sportlicher positionierten Cayenne Coupé – mit stark abfallender Dachlinie wie beim 911 – im Frühjahr 2019.

Neue Märkte, neue Kunden: Der Cayenne als Türöffner

Der Cayenne entwickelte sich schon kurz nach seiner Weltpremiere im September 2002 auf dem Pariser Autosalon zum weltweiten Erfolgsmodell – und übertraf auf Anhieb die Absatzerwartungen. Ursprünglich kalkulierte man mit 25’000 Auslieferungen pro Jahr. Verkauft wurden in den acht Modelljahren der ersten Generation 276’652 Exemplare, also knapp 35’000 Fahrzeuge pro Jahr. Inzwischen ist bereits der millionste Cayenne Geschichte – er lief im Sommer 2020 vom Band. Im Jahr 2021 wurden zuletzt weit über 80’000 Einheiten ausgeliefert.

Bild Porsche Cayenne (2020) - der einmillionste Cayenne rollt als karminroter GTS vom Band in Bratislava in der Slowakei
Porsche Cayenne (2020) - der einmillionste Cayenne rollt als karminroter GTS vom Band in Bratislava in der Slowakei

Für Porsche hat der Cayenne die wirtschaftliche Grundlage eines nachhaltigen Erfolgs geschaffen, ohne dabei die sportlichen Werte der Sportwagenmarke zu konterkarieren. „Mit dem Cayenne ist es uns erstmals gelungen, den Mythos Porsche erfolgreich auf ein völlig neues Marktsegment zu übertragen“, sagte Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, anlässlich der Weltpremiere der dritten Generation 2017 auf dem Dach des Porsche Museums. „Unser Sportwagen im SUV-Segment hat sich seit 2002 als Bestseller und Wachstumsmotor erwiesen. Mehr noch: Der Cayenne hat Porsche die Türen in viele neue Märkte geöffnet und ganz wesentlich zur Internationalisierung unseres Vertriebsnetzes beigetragen.“

Youngtimer Cayenne

Schon bald werden frühe Porsche Cayenne an Youngtimer-Treffen auftauchen, denn sie sind inzwischen 20 Jahre alt. So schnell vergeht die Zeit …

Bild Porsche Cayenne (2002) - der Erstlang und sein Nachfolger von heute
Porsche Cayenne (2002) - der Erstlang und sein Nachfolger von heute

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von az******
04.08.2022 (17:44)
Antworten
Ja, ein kommerzieller Erfolg war er schon. Aber hierzulande auch der Auftakt zu einer Polarisierung, die den vorher eher breit akzeptierten Hersteller in manchen Kreisen zu einem Synonym für Egoismus und Arroganz machte. Porsche legte den Grundstein zur SUV-Welle und damit auch zu einer unnötigen Leistungs-, Gewichts- und Grössenexplosion. Knapp zehn Jahre davor war die - aus heutiger Sicht harmlose - neue S-Klasse von Mercedes noch als „übergross“ und „arrogant“ bezeichnet worden. Heute ist der ganze Protz offensichtlich akzeptiert. Als Oldiefahrer kleinerer Fahrzeuge unter 100 PS und 4m Länge kommt man sich länger je mehr als „Störfaktor“ vor, was ich sehr bedaure. So gesehen finde ich den Artikel etwas gar unkritisch.
von do******
02.08.2022 (08:53)
Antworten
Ich hatte drei 911-er (2x911 S, 1 Carrera 2) und war lange ein absoluter Porsche Fan. Dann kam der "Laster", später noch mit Diesel (!!!). Mein Sympathiepegel rutsche in den Keller und war nach Erscheinen des Panamera bodeneben. Dank der neueren 911-er, Boxster und Cayman ist "meine" Porsche Welt wieder bestens.
Antwort von Reiffan
02.08.2022 (22:52)
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Für mich, als ehemaliger Besitzer von 924, 924S, 944S, 911, 911SC, 911 Carrera (letztere alles G-Modelle) war mit dem Erscheinen der Motorschaden-Generationen 996, 997, Boxster, Cayman und den Lastwagen, Porsche uninteressant geworden, Porsche stand für höchste Zuverlässigkeit und Qualität, mit Wiedeking kam die Sparschraube und damit Ramsch und fehlkonstruirte Motoren. Geben Sie mal bei Google den Begriff "Porsche Motorschaden" ein... da bekommen Sie in 0,6 Sekunden rund 5,4 Millionen Ergebnisse.
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