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Bild (1/1): Rauchzeichen - Peter Lindner pafft wie ein Schlot und fährt wie der Teufel. (© Hallo Fahrerlager, 2015)
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    Born To Be Wild - Über die Jaguar-Legende Peter Lindner, seinen Partner Peter Nöcker und das Kennzeichen WI-PL 1

    2008
    Text:
    Rainer Braun
    Fotos:
    Hallo Fahrerlager 
    (8)
     
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    Unser Bericht stammt aus dem 2. Band von 2008 der beliebten Buchreihe “Hallo Fahrerlager“ von Rainer Braun.

    Wiesbaden, im Herbst 1962. Peter Lindner, 32, gilt um diese Zeit als Parade-Rennfahrer der hessischen Landeshauptstadt. Zum zweiten Mal hintereinander hat der smarte James Dean-Typ den Großen Preis der Tourenwagen über sechs Stunden am Nürburgring gewonnen. Wie ein Jahr zuvor schon das Int. 12 Stunden-Rennen und dazu die Deutsche Rundstrecken-Meisterschaft. Und das alles mit ein und demselben Auto – einem Jaguar 3.8 MK2, lackiert in klassischem „Brtish Racing Green“. Äußeres Erkennungszeichen ist das Nummernschild WI-PL 1, das zwischen 1961 und 1964 zum Qualitätsbegriff im internationalen Tourenwagensport wird. Und zum permanenten Botschafter für Lindners Heimatstadt Wiesbaden.

    Startduell - Böhringers Mercedes 300 SE im Clinch mit Lindners Jaguar MK2
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Lindners Partner bei den Langstrecken-Rennen am Ring und anderswo ist sein Düsseldorfer Freund Peter Nöcker, 34. Der ist ganz das Gegenteil des Wiesbadener Sunnyboys. Der Baustoff-Großhändler vom Rhein ist schnell, um ehrlich zu sein, der deutlich schnellere Teil des Duos. Weil Nöcker, nebenbei noch einer der Besten im Ferrari 250 GT, weniger Wert auf Showeffekte legt und stattdessen sauber und unglaublich präzise fährt, liegen am Ring schon mal zehn oder auch 15 Sekunden zwischen beiden. Wo Lindner sehr zur Freude des Publikums ganz bewusst breitseits um die Ecken geflogen kommt, verzichtet sein Partner auf solcherlei Späße und schont zudem noch Reifen und Material. Die beiden Peter zusammen, der eine still und fast scheu, der andere ein geborener Show-Typ und Frauenschwarm, ergeben aber ein wunderbares Dream-Team, das fast ungebremst von Sieg zu Sieg eilt.

    Dream-Team - Jaguar Duo Peter Lindner (links) und Peter Nöcker 1962 beim Tourenwagen GP am Nürburgring
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Wiesbaden – Frankfurt in 10 Minuten

    Der Auto-Salon Lindner ist eine feine Adresse in der Wiesbadener Tanusstraße, Ecke Röderstraße. Wie oft haben wir uns hier vorher schon die Nasen an den Scheiben des Ausstellungsraums platt gedrückt. Neben Jaguar gibt es Aston Martin und Lotus Cortina zu bestaunen. Peter Lindner ist offizieller Jaguar-Importeur für Deutschland mit weiteren Firmensitzen in Frankfurt und Düsseldorf. Während in Wiesbaden und Düsseldorf nur der Verkauf angesiedelt ist, gilt Frankfurt als das technische Zentrum mit Teilelager, Service und angeschlossener Rennabteilung.

    Hier, in der „Peter Lindner Racing GmbH“, werden die Rennautos gewartet und für den nächsten Start fit gemacht. Werkstattmeister Herrmann Simon, ein begnadeter Techniker, genießt Linders uneingeschränktes Vertrauen. Immerhin rennt der „WI-PL 1“-Jaguar schon drei Jahre lang ohne einen einzigen Motorschaden. Mit gleicher Hingabe kümmert sich Simon, der bei allen Lindner-Rennen persönlich vor Ort ist, auch um die beiden anderen Rennautos seines Chefs, einen dunkelgrünen Aston Martin DB4 und den traumhaft schönen Leichtmetall Jaguar E-Type in matter Silberlackierung.

    Augenschmaus - Der rechtsgelenkte Leichtmetall-Jaguar E 3.8 beim 1000-km-Rennen am Nürburgring 1964
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Fast täglich pendelt Peter Lindner zwischen seinen Betrieben in Wiesbaden und Frankfurt. Für die knapp 30 km lange Strecke braucht man über die Autobahn bei strammer Fahrt um die 20 Minuten, gerechnet von Stadtgrenze zu Stadtgrenze. Lindner feilt an immer neuen Rekordzeiten und hat tierischen Spaß daran, wenn er das in 10 Minuten oder knapp drüber hinkriegt – natürlich im Jaguar „WI-PL 1“, in vollem Renntrimm und mit „offenem Rohr“. Das konnte man damals noch machen, ohne gleich verhaftet zu werden…

    „Herr Lindner hat keine Zeit“

    Der „Wiesbadener Kurier“ ist die führende Tageszeitung der Landeshauptstadt. Zur Sportredaktion gehört auch Peter Weckerlein, ein fröhlicher Lockenkopf, für den ich so manche Motorsportgeschichte schreiben darf. Als ich ihm im November 1962 eine Lindner-Saisonbilanz vorschlage, kriege ich schon bald grünes Licht: „Schreiben Sie doch bitte so um die 100 Zeilen plus ein oder zwei Fotos“, lautet der Auftrag. Um möglichst schnell einen Gesprächstermin zu bekommen, mache ich mich gleich auf in Richtung Taunusstraße. Telefonieren ist sinnlos, man wird fast immer abgewimmelt.

    Im Ausstellungsraum treffe ich als erstes auf Chef-Verkäufer Jochen Lindenbaum, ein groß gewachsener, feiner Herr, graumeliertes Haar, Typ Sky du Mont. „Sie wünschen?“, fragt er borniert und zeigt sich keineswegs kooperativ hinsichtlich eines Termins. „Herr Lindner hat keine Zeit. Was glauben Sie eigentlich, wie viele von Ihrer Sorte jeden Tag zu ihm wollen?“ Dann dreht er sich um und lässt mich stehen. Also neue Strategie, ich postiere mich in sicherer Entfernung und warte geduldig, bis Lindner das Haus verlässt und sprinte sofort auf ihn zu. Wir kennen uns zwar flüchtig vom Nürburgring, aber so richtig zu ihm vorgedrungen bin ich noch nicht und ernst genommen hat er mich eigentlich auch nie. Seine freundliche Reaktion überrascht mich: „Kein Problem, kommen Sie morgen um zehn in mein Büro, ich gebe Ihnen eine halbe Stunde“, lautet sein Angebot.

    Pünktlich erscheine ich im Ausstellungsraum. Noch bevor Herr Lindenbaum neue Schwierigkeiten machen kann, sage ich ihm im Vorbeigehen, dass ich um zehn mit seinem Chef verabredet bin. Der Mann blickt mich fassungslos an, ich grinse frech zurück. Das Gespräch mit Peter Lindner dauert fast eine Stunde, geduldig beantwortet er alles, was ich wissen will. Zum Schluss stellt er eine Frage an mich: „Warum schreiben Sie manchmal so viel Blödsinn und sachlich Falsches über mich und meine Autos?“ Damit spielt er auf diverse Rennberichte an, die ich in Fachblättern wie „automobilsport“ oder „Powerslide“ platziert habe. Wir geloben beide Besserung – er will sich künftig mehr Zeit für Fragen an der Rennstrecke nehmen, und ich verspreche, meine Information über ihn nicht mehr über Dritte zu beschaffen. Er bringt mich sogar noch bis zur Tür am Ausgang, vorbei an meinem neuen „Feindbild“ Lindenbaum, den ich zum Abschied noch mal besonders triumphierend ins Visier nehme. Meine Lindner-Geschichte erscheint am 1. Dezember 1962 im Kurier.

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    WI-PL 1 am Ring umjubelt

    Auch 1963 geht die Erfolgsgeschichte von Peter & Peter nahtlos weiter, Siege und Sympathien fliegen ihnen nur so zu. Zwischendurch braucht Peter Lindner aber auch immer mal wieder seine Soloeinlagen wie die Luft zum atmen. Entweder tobt er mit seinem Aston Martin wild driftend durch die Gegend und legt am Ring gleich in der ersten Runde den kompletten oberen Begrenzungszaun der Nordkehren-Böschung um (ohne dabei freilich die Führung zu verlieren). Oder er ärgert mit dem infernalisch schnellen, rechtsgelenkten Leichtmetall-E-Type die Werksautos von Ferrari und Porsche solange, bis die Kiste den Geist aufgibt. Egal was passieret, ob Sieg oder Niederlage - die Show macht immer nur einer, und der heißt Peter Lindner. Als sein Lieblings-Szenario habe ich in Erinnerung: Frisch frisiert auf der Motorhaube sitzend, ein Zigarettchen in der Rechten, Klickende Fotoapparate, schnurrende TV-Kameras, Mikrofone. Und natürlich Autogrammjäger. Solche Auftritte zelebriert er wie ein Filmstar, das taugt ihm und das Rennvolk liebt ihn dafür.

    Zum dritten Mal in Folge gewinnt der „WI-PL 1-Jaguar MK2“ das Int. 6 Stunden-Rennen und zum zweiten Mal die 12 Stunden, beides am Nürburgring. Erst 1964 gelingt es Mercedes, die Jaguar-Siegesserie beim Tourenwagen-GP durch Böhringer/Glemser im 300 SE zu stoppen. So wird das 12 Stunden-Rennen 1963 zum letzten, hochdramatischen Erfolg des legendären „WI-PL 1“. Wegen eines Hinterachsschadens müssen Lindner/Nöcker etwa zur Halbzeit in Führung liegend an die Box und verlieren bei der fälligen Reparatur knapp 40 Minuten.

    Dann klemmt sich zunächst Lindner hinters Lenkrad und startet eine furiose Aufholjagd. Quer und rauchend wirft er den Jaguar um die Kurven, das Fenster auf der Fahrerseite offen, den Kopf in Linkskurven halb draußen. Die Show ist perfekt: Jede Runde fährt er zwischen 20 und 30 Sekunden schneller als Spitze, manchmal auch mehr. Die Gejagten sind Paul Frère im Fiat 2300 S und Jochen Neerpasch im Volvo 122 S, denen allerdings auch etwa 70 PS auf den Jaguar fehlen. Die Fans draußen johlen und Lindner badet förmlich in der Anfeuerung der Massen. Dann hat er seine Maximal-Fahrzeit erreicht und muss das Lenkrad an Partner Nöcker übergeben.

    Seitenblick - Mit seiner typischen Kurven-Kopfhaltung zirkelt Lindner seinen Jaguar am Ring durch den Abschnitt "Kallenhard".
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Geradezu brav im Vergleich zu Lindner scheint der Düsseldorfer seine Runden zu drehen, und zumindest draußen auf der Strecke ist es deutlich ruhiger geworden. Nöckers Fahrstil ist so unauffällig wie er selbst, deshalb ist man nicht mehr so sehr auf ihn fixiert. Was da jetzt wirklich abgeht, belegen die Zeiten – sie liegen nochmals deutlich unter denen von Lindner. Nöcker klatscht eine Rekordrunde nach der anderen hin und taucht zu Beginn der letzten Runde zehn Sekunden hinter dem führenden Fiat 2300 S von Frère/Bianchi auf.

    Jetzt bebt der Nürburgring wieder, diese letzte Runde ist ganz großes Kino. Und als nach weiteren 10 Minuten und 34 Sekunden die Zielflagge fällt, kreuzt „WI-PL 1“ die Linie zwei Sekunden vor dem Fiat-Werkscoupé. Lindner gibt noch Stunden nach dem Triumph gestenreich Interviews, Nöcker hat sich schon längst aus dem Staub gemacht.

    Auftritt der Edel-Reservisten

    Eines der größten Lindner-Probleme ist die Starterzahl in der Tourenwagenklasse über 2500 bzw. später über 3000 ccm. Ob Langstrecken-Klassiker am Ring oder Sprintrennen auf Flugplätzen – von selbst wird die Klasse fast nie voll. Um gewertet zu werden und Meisterschaftspunkte zu erhalten, sind mindestens fünf gestartete Autos erforderlich. Da außer der „WI-PL 1“-Raubkatze bestenfalls mal ein Kunden-Auto des Frankfurter Nachtclubbesitzers Friedel Bryzmann oder des Pforzheimer Kaufmanns Roger Schweickert auftaucht, muss Lindner meistens selbst dafür sorgen, dass die fünf Autos an den Start rollen. Deshalb stehen in Frankfurt neben dem Superstar „WI-PL 1“ noch zwei weitere rennfertige Jaguar MK2 und zusätzlich zwei normale Straßenautos gleichen Typs als Klassenfüller in stand by-Position.

    Raubkatzen Armada - Um in seiner Klasse die Mideststarterzahl zu sichern, rückt der Jaguar-Importeur oft mit allen verfügbaren Autos an.
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Ist das Auffüllen der Klasse unumgänglich, werden die Lindner-Angestellten Klaus Vehling und Tilo Schadrack (der so nebenbei auch noch einen Lotus-Cortina ganz flott bewegt) in Marsch gesetzt. Die beiden Edel-Reservisten spielen ihre Rolle als „Rennfahrer auf Abruf“ sehr geduldig und professionell. Immerhin können sie sich öfter im Jahr auf kostenlose Rennteilnahme freuen. Obwohl die „Klassenfüller-Autos“ mit dem technischen Niveau des „WI-PL 1“ nicht mithalten können, langen die Reservisten bisweilen ganz schön hin und liefern auch schon mal einen Totalschaden ab. So wie etwa Vehling, der das Schwesterauto „F-PL 1“ beim 6 Stunden-Rennen 1963 am Ring in einen furchterregenden Trümmerhaufen verwandelt. Wegen eines Felgenbruchs biegt der MK2 unten in der „Fuchsröhre“ abrupt nach rechts ab und rasiert im Unterholz gleich mehrere Bäume. Wer das Auto später am Abschlepphaken sieht, mag nicht glauben, dass hier jemand lebend raus gekommen ist. Doch Glückspilz Vehling klagt lediglich über ein paar Prellungen. Wäre doch bloß Peter Linders fataler Unfall am 11. Oktober 1964 in Paris- Montlhéry nur annähernd so glücklich ausgegangen…

    Kleines Wunder - Aus diesem Jaguar-Wrack entstieg Lindner-Pilot Klaus Vehling beim Tourenwagen-GP am Ring unverletzt.
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager
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    Die Katastrophe von Paris

    Sonntag, 11. Oktober 1964. Es ist der letzte Tag im Leben des Rennfahrers Peter Lindner. Zusammen mit Peter Nöcker startet er im Leichtmetall-Jaguar E beim 1000 km von Paris in Montlhéry. Der silbergraue E-Type mit Startnummer 16 steht in Reihe fünf auf Position neun, davor ein Iso-Rivolta, daneben ein Ferrari 250 LM, dahinter ein Maserati und ein Porsche 904. Graham Hill und Joakim Bonnier im Ferrari 330 P haben Pole. Fast die gesamte Weltelite der Sportwagen-Piloten ist da: Scarfiotti, Rodriguez, Vaccarella, Mairesse, Patria, Pon, Linge, Mitter.

    Letzte Ausfahrt - Lindners Jaguar E-Type (Nr. 16) in der Startaufstellung zum 1000-km-Rennen von Monthléry.
    © Copyright / Fotograf: Hallo Fahrerlager

    Es läuft gut für die Jaguar-Besatzung. Bis zur 100. Runde, etwa eineinhalb Stunden vor Schluss. Was dann an der Boxenausfahrt passiert, schildert Augenzeuge Klaus Steinmetz, für Abarth damals als Technischer Leiter vor Ort: „Lindners Jaguar kommt, offensichtlich wegen einer gebrochenen Felge, was später auch offiziell bestätigt wird, quer zur Fahrbahn angeflogen, überschlägt sich mehrfach über den Boxenvorplatz und kracht seitlich in den auf Freigabe wartenden Abarth 2000 GT von Franco Patria. Die Unfallstelle ist ein einziges Bild des Grauens. Die drei für die Boxenausfahrt zuständigen Marshalls, die nur durch Strohballen gesichert waren, liegen leblos am Boden. Franco sitzt regungslos in seinem zusammengequetschten Auto und Lindner stirbt wenig später. Fünf Tote vor meinen Augen – es war das Schlimmste, was ich in diesem Sport jemals gesehen habe.“

    Thomas Fritz-Lindner, ein Neffe des populären Jaguar-Piloten, hat für ein Buch über seinen Onkel wichtige Fakten zusammengetragen und zahlreiche Wegbegleiter befragt. So wurde aktenkundig, was bis dahin kaum jemand wusste: Werkstattleiter Simon, in Paris wie bei jedem Rennen an der Seite seines Chefs, war der letzte Mensch, der mit Lindner bis wenige Augenblicke vor dessen Tod noch gesprochen hat. Von der Box aus eilte er die paar Schritte zum Wrack. Lindner saß noch im Auto und war nach Simons Schilderung direkt nach dem Unfall noch ansprechbar und äußerlich scheinbar unverletzt, klagte aber über starke Schmerzen. Offenbar mit letzter Kraft trug er seinem Chef-Techniker auf, „alle Sachen hier schnell zusammenpacken und nach Frankfurt zu schaffen“. Sekunden später schlägt sein Herz nicht mehr. Er ist nur 34 Jahre alt geworden.

    Wiesbaden trauert

    Mit Peter Lindner stirbt auch der junge Italiener Franco Patria, eines der größten Talente der 60er Jahre. Der 21jährige Abarth-Werkspilot stand auf dem Sprung ins Formel 1-Team von Ferrari. 1964, als sein Stern gerade so richtig zu leuchten begann, hat Patria das deutsche Publikum noch mit faszinierenden Abarth-Rennen in Mainz-Finthen, Wunstorf und am Norisring begeistert.

    Am 19. Oktober wird Peter Lindner auf dem Wiesbadener Nordfriedhof beerdigt. Eine unübersehbare Menschenmenge begleitet ihn auf seinem letzten Weg. Fürst Paul Alfons von Metternich hält für die nationalen und internationalen Motorsportverbände die Grabrede und würdigt nochmals den Menschen und Rennfahrer Peter Lindner. Die Landeshauptstadt Wiesbaden trauert um einen ihrer größten Sportler. Fast scheint es, als würde das hektische Leben in der Stadt für kurze Zeit stillstehen.

    Peter Nöcker nimmt, nachdem er den Tod seines Freundes einigermaßen verkraftet hat, zwar noch ein Porsche-Angebot als Werksfahrer an, empfindet aber keine rechte Freude mehr am Rennsport. 1966 fährt er seine letzte Saison, zieht sich danach ins Privatleben zurück und widmet sich verstärkt der Fliegerei. Seine Fluglizenz hat er erst mit 72 Jahren bewusst verfallen lassen („das ist so, als wenn du den Führerschein für immer abgibst“), aber den Golfschläger („in meiner besten Zeit hatte ich Handicap 7“) schwingt er noch viele Jahre.

    Anfang Oktober 2007 stirbt auch der zweite Peter des einstmals so stolzen Jaguar-Dream-Teams im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt Düsseldor

    Diese Geschichte stammt aus dem 2. Band von 2008 der erfolgreichen Buchreihe "Hallo Fahrerlager" von Rainer Braun. Derzeit sind noch Restbestände an Einzelexemplaren oder als Paket im Schuber verfügbar. Hinweis: Inzwischen ist das neue Buch „Hallo Fahrerlager Classic“ im Großformat 240 x 280 mit 300 Seiten und vielen neuen Episoden erschienen und ab sofort zu beziehen über hallo-fahrerlager.de .

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