Wer vor der Techno Classica in Essen noch nicht überzeugt war, dass sich die Messe zu Recht als Internationalste Oldtimer-Messe bescheibt, der konnte zwischen dem 26. und 30. März 2014 schnell eines Besseren gelernt werden.
Auf wenigen Quadratmetern konnte man drei oder vier Sprachen hören, die Aussteller kamen aus der ganzen Welt. Und die Techno Classica bot 27 Automarken die Bühne für historische Leistungsdemonstrationen von teilweise bisher noch nie gesehenem Ausmass. Dank umfangreichen Angebot und regem Kaufinteresse kam auch einiges an Umsatz zusammen, was im weiteren Sinne des Wortes zu einer Bombenstimmung führte.
Dass am Mittwoch und Donnerstag in Deutschland gestreikt und am Donnerstag in Essen zudem tatsächlich eine Bombe aus dem ersten Weltkrieg gefunden und erfolgreich entschärft wurde, beeinträchtigte die Messe nur am Rande. Das Besucherinteresse jedenfalls war ungedämpft, die Rekordzahlen vom Vorjahr wurden mit 190'000 Besuchern zumindest egalisiert.
120 Jahre Motorsport auf drei Ebenen
Mercedes Benz stellte für einmal alles andere in den Schatten. Eine derartig umfangreiche Sammlung historischer Rennwagen des Stuttgarter Herstellers hatte man bisher noch nie an einer Messe oder sonstigen Oldtimer-Veranstaltung sehen können.
Auf drei Ebenen wurden die Fahrzeuge präsentiert, mittels Treppen und Überführungen wurden die Zuschauer an den Rennwagen vorbeigeführt. 36 Monoposti, Sport- und Tourenwagen aus 120 Jahren Renngeschichte wurden in grellem Scheinwerferlicht gezeigt, die Strassenfahrzeuge mussten für einmal in den Hintergrund treten.
Jubliäum-Coupés und Cabriolets bei Ford
Einen wahren Jubiläumsreigen gab es auf dem Ford-Stand, der wie immer in Zusammenarbeit des Werks mit den Clubs organisiert worden war, zu feiern. 75 Jahre Ford Taunus, 50 Jahre Ford Mustang (T5), 50 Jahre Ford Taunus P5, 40 Jahre Ford Capri II und 30 Jahre Ford Escort Cabrio.
So standen denn auch viele Coupés und Cabriolets auf dem Stand der Kölner, darunter auch Raritäten wie ein Ford Eifel Gläser Roadster, ein Ford 20 M Deutsch-Cabriolet und mehrere originale Ford T5, wie der Mustang in Deutschland ja bis 1979 heissen musste.
50 Jahre Opel KAD
1964 präsentierte Opel mit dem Kapitän, Admiral und Kapitän eine komplett neue Baureihe, “KAD” genannt. Erstmals gab es eine Achtzylinder (aus amerikanischem Hause) in einem Opel. Die schnörkellos gezeichnete Opel-Oberklasse (A) kam im Markt gut an und wurde 1969 durch deinen noch glattfächigeren Nachfolger (B) mit aufwändiger Hinterachse nach dem De Dion Prinzip ersetzt. Insgesamt wurden von 1964 bis 1977 rund 150’000 KAD-Fahrzeuge gebaut, bevor die Baureihe dann durch den moderneren Senator beerbt wurde.
Mit einer kompletten Auswahl an elf A- und B-KAD-Fahrzeugen wurde das ganze Spektrum der Baureihe gezeigt und es kamen auch besondere Exemplare zum Zug, wie ein Polizeifahrzeug, das in der Schweiz seinen Dienst tat oder der Wagen, den man dem amerikanischen Präsidenten Gerald Ford (!) bei seinem Staatsbesuch in Deutschland zur Verfügung stellte.
Wende in der Modellgeschichte bei Volkswagen
VW nutzte den 40. Geburtstag des VW Golf, um jeweils Fahrzeuge mit Luft- und Wasserkühlung einander gegenüberzustellen, also etwa den Käfer mit dem Polo zu zeigen, dem VW 1600 Variant den Passat Kombi. dem Karmann-Ghia den VW Scirocco oder dem Käfer Cabriolet den offenen Golf gegenüberzustellen. Sogar zwei konzeptionell unterschiedlich aufgestellte Monoposti wurden gezeigt.
Käferfreunde konnten mit den Power-Käfern, angefangen beim Film-Käfer Herbie bis zum New Beetle RSI, begeistert werden. Und auch beim VW Bus gab es Jubiläen zu feiern, 65 Jahre beim T1, 35 Jahre beim T3.
Bei Audi wurden 100 Jahre Rennsport gefeiert, angefangen mit dem Typ Alpensieger von 1919, über den Auto Union Typ A bis zum Imsa-Quattro von 1989. Ebenfalls sehenswert war der neu aufgebaute Wanderer Stromlinienwagen aus dem Jahr 1938.
Lamborghini feierte den 40. Geburstag des 350 GT und konrastierte das rote Ausstellungsmodell mit einem gelben Jalpa der Achtzigerjahre.
40 Jahre Turbo bei Porsche
Der Turbolader wurde bei Porsche zuerst im Rennsport eingesetzt, bevor er den Kunden im Heck der luftgekühlten Sportwagen ab 1974 ebenfalls angeboten wurde. Mit dem Porsche 917/30 bauten die Zuffenhauser im Jahr 1973 den damals schnellsten Rennsportwagen überhaupt und dominierten die CanAm-Serie.
Motorsport-Ehren bei BMW
Auch der Münchner Hersteller BMW erinnerte mit seiner Markenpräsenz in Essen an seine Motorsportvergangenheit. Unvergessliche Fahrzeuge wie der BMW 3.0 CSL, der M3 E30, der 1800 TiSA oder das 328 Touring Coupé liessen den Besucher durch die lange Renngeschichte der BMW Autos und Motorräder wandern.
Ergänzt wurde die Schau durch Strassen-Oldtimer und Youngtimer, durch BMW Isetta und 600 und das Glas Goggomobil T250.
Teil der BMW-Präsentation war auch der Mini-Stand, der an die Entwicklung des Ur-Minis erinnerte und diese aufgereiht in vielen Farben zeigte. Besonders hervorgehoben wurde dabei auch der Sieger der Rallye Monte Carlo von 1964.
119 Jahre Fahrzeugbau bei Skoda
Meilensteine der bis ins Jahr 1895 zurückreichenden Geschichte waren das Thema des Skoda-Standes, der Fahrzeuge der Vorgängermarken Laurin & Klement der Vorkriegszeit und Skoda-Personenwagen ab den Dreissigerjahren bis in die Achtzigerjahre zeigte. Interessante Modelle und Farbtupfer machten gerade diese Präsentation zu einem Highlight der Techno Classica.
Bei der VW-Konzern-Tochter Seat wurde der 30. Geburtstag des Modells Ibiza, das als erstes eigenständig und unabhängig von Fiat konstruiertes Modell gilt, zelebriert. Mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren wurde der Ibiza zum erfolgreichsten Seat-Modell aller Zeiten.
Jaguar mit Rennsportlegenden
Bereits in der Pressekonferenz zu Beginn der Techno Classica bekräftige Jaguar seinen Einsatz für die Besitzer älterer und jüngerer Modelle der Marke aus Coventry. Auf dem Stand wurden Sport- und Tourenwagen aus der reichhaltigen Renngeschichte gezeigt, darunter der Jubilar Jaguar D-Type, aber auch ein XJ-S Tourenwagen und der XJR-9 aus dem Jahr 1988.
Während auf dem Stand von Alfa Romeo vor allem ein herrlicher P2 bewundert werden konnte, gab es bei Citroën einen orangen Méhari und natürlich die Ente zu sehen, bei Peugeot stand die Coupé-Tradition im Zentrum der Präsentation.
Bei Volvo ging es rasant zu, wurden doch Renn-Tourenwagen aus verschiedenen Epochen aufgestellt, beim durch Ferrari-Händler Eberlein gestalteten Ferrari-Stand glänzten Sportwagen-Klassiker aus Maranello um die Wette.
Die Hersteller waren also gut und sehr professionell vertreten, erstmals offiziell zu Gast an der Techno Classica waren AC, Caterham und Zagato.
Zagato-Raritäten in der Sonderschau
Die SIHA-Sonderschauen bilden seit Jahren einen Höhepunkt der Techno Classica. In Erinnerung geblieben sind zum Beispiel die über 20 Pegaso-Sportwagen des letzten Jahres oder die eleganten französischen Karosserieschöpfungen im Jahr 2012.
Für das Jahr 2014 wurde eine Kollektion von Zagato-Fahrzeugen zusammengetrommelt, quantitativ nicht ganz so eindrücklich wie in den Vorjahren, trotzdem aber ein wahrer Augenschmaus. Nur selten kann man schliesslich Fiat 8V, Maserati A6G, Lancia Appia und Alfa Romeo 1900 SSZ in Zagato-Aufmachung an einem Ort vergleichen und gleich beide Varianten der Alfa Romeo Giulietta Tubolare Zagato - also der TZ und der TZ 2 - bestaunen.
Der Eleganzpreis "Best of Show", der jedes Jahr von einer internationalen Jury vergeben wird, ging allerdings nicht an ein Auto der Zagato-Sonderschau, sondern an ein Lancia Astura 4th Series Pinin Farina Cabriolet aus dem Jahr 1939 auf dem Stand der Lukas Hüni AG.
Wertvolle Autos, reger Handel
Die stetig steigenden Oldtimerpreise - gemäss VDA legten sie 2013 um 8,1 Prozent zu - waren natürlich an der Techno Classica ein grosses Thema. Man brauchte nur auf die Preisschilder der zum Verkauf stehenden rund 2’500 Fahrzeuge anzuschauen. Da waren fünfstellige Preisschilder zumindest bei den professionellen Händlern bereits in der Minderzahl, ein Dino 246 GT unter Euro 300’000 kaum mehr zu bekommen, ein Porsche 914/6 fast immer sechsstellig.
“Früher kamen wir hier mit unserem normalen Oldtimer- und Youngtimer-Angebot, heute bringen wir eigentlich nur noch unsere teuersten und edelsten Fahrzeuge nach Essen”, meinte einer der anwesenden Händler und verkaufte schnurstracks eine seiner Raritäten einem bekannten deutschen Musiker.
Jeden Abend herrschte reges Treiben. Verkaufte Autos wurden aus der Halle geschoben und durch andere Oldtimer ersetzt, die vorher in Warteposition ihrer Dinge geharrt hatten. Schon am ersten Abend stand auf manchem Wagen das Schild “Sorry, verkauft”. Es fehlte weder an interessanten Angeboten noch an Käufern mit grossen Brieftaschen.
Liebevolle Clubauftritte
Traditionell das Salz in der Suppe sind an der Techno Classica die Auftritte der rund Clubs, 220 an der Zahl im Jahr 2014.
Die vielleicht eindrücklichste Präsentation baute der Borgward-Club auf, der nicht nur eine Tankstelle samt Isabella zeigte, sondern auch noch einen Tankfahrzeug der Marke Borgward dazu. Mit viel Einsatz und Phantasie zeigten die Clubs ihre Schätzchen, seien es Fiat-600-Modelle im Eisbecher, Opel-Fahrzeuge als Kadetten auf dem Schiff, einen behaarten Buggy in der Mausefalle oder den Trabant vor dem Mauerfall.
Leistungsschau der Oldtimer-Branche
In 20 ausgebuchten Hallen zeigten 1250 Aussteller, was die Oldtimer-Industrie heute zu leisten in der Lage ist. Restaurierer, Händler, Zubehöranbieter, Veranstaltungen, Museen, Dienstleister, Literaturverkäufer, etc. präsentierten ihre Fähigkeiten und ihr Angebot in eindrücklicher Weise. Ob die Rechnung ob der nicht gerade günstigen Hallenpreise für alle aufging, ist nicht sicher, aber die meisten wollen auf jeden Fall im Jahr 2014 wieder dabei sein.
Und nicht immer stand der Verkauf im Zentrum, vielfach waren es auch die vielen Gespräche mit Geschäftspartner, Interessenten und zufriedenen Kunden, die eine Messeteilnahme zur sinnvollen Investition machten.





















































































































































































































































































































































































































































































































































Kommentare