Rétromobile 2012 - ein Fest für die Augen

Erstellt am 5. Februar 2012
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
95
Pieric Dupaquier 
2

Oldtimer-Messen sind ein Segen, denn sie erlauben es, sich auch in der kalten, salznassen Jahreszeit dem Hobby Oldtimer zu widmen. Allerdings muss eine wesentliche Charakteristik von Automobilen dabei ausblendet werden, denn die Fahrzeuge bewegen sich auf Messen bekanntlich nicht und auch die geliebten Auspufftöne erklingen nicht. Das ist natürlich schade, aber die Abwesenheit der Fortbewegung ermöglicht dafür eine umso genussvollere Beschäftigung und ein vertieftes Studium der Formen und Farben, der Technik und der Konstruktionen.

Jedes Jahr ein lohnenswerter Besuch

So ist es auch an der Rétromobile, der alljährlichen Oldtimermesse in Paris, die nicht nur Franzosen, sondern auch Deutsche, Engländer, Schweizer, Österreicher, Italiener, Japaner und viele andere Landsmänner (und -frauen) anzieht. Dass sich ein Besuch lohnt, war schon von den Ankündigungen und Vorschauen abzusehen.

Hersteller, Händler, Clubs und andere Institutionen und Individuen legten sich kräftig ins Zeug, um etwas besonderes zu bieten - mit Erfolg. Obschon kleiner, kompakter und damit übersichtlicher als etwa die Techno Classica, hatte die Rétromobile auch dieses Jahr wieder einiges zu bieten, speziell wenn man sich für französische Fahrzeugmarken und deren Erzeugnisse interessiert, obschon natürlich auch die Autos aus Italien, Deutschland und England bedeutungsvoll vertreten waren.

Viele Jubiläen

Wie immer wurden auch für die Rétromobile eine ganze Zahl von Jubiläen aus dem Hut gezaubert: Honda feierte 40 Jahre Civic, der MG B ist 50 Jahre alt und auch der Ferrari 250 GTO schaut auf eine ereignisvolle Geschichte von 50 Jahren zurück. Fast auf jedem Markenstand gab es etwas zu feiern.

Mercedes-Benz, der 300 SL und Le Mans

Die Stuttgarter stellten ihre Motorsporterfolge in Le Mans ins Zentrum, ein SSK stand neben einem 300 SL Prototypen und dem Sauber-Mercedes C9. Auch der 60. Geburtstag des 300 SL konnte gefeiert werden.

BMW und die sportlichen Automobile

Auch BMW gedachte seiner sportlichen Erfolge der Vergangenheit. Statt aber einmal mehr den BMW 328 zu bemühen, zeigte man den BMW 700 RS von 1961, den Brabham-BMW BT7 von 1965, sowie einen HH 49 Formel 2 von 1949. Und auch der BMW 2002 Turbo gehört heute zu den gesuchten Klassikern.

Peugeot im Zeichen der Zweier-Reihe

Grosse Stände in Paris haben natürlich die einheimischen Marken. Peugeot widmete sich der Generation 200, zeigte Fahrzeuge der verschiedenen Baureihen mit “20x” auf dem Typenschild. Zudem konnte unter anderem der Peugeot 402 Darl'mat Roadster von 1938 eingehend betrachtet werden. Diese Specials, die auf Peugeot-Komponenten aufbauten, konnten in den Dreissigerjahren sogar Erfolge bei den 24 Stunden von Le Mans verbuchen.

Citroën und die Kunst

Ganz anders stellte sich Citroën dar. Kreativität, Farbe und Form standen im Zentrum, markiert von einem auffällig bunt bemalten Citroën GS.

Drei Geburtstage bei Renault

Gleich drei Jubiläen feierte Renault: 110 Jahre Motoren-Exzellenz, 50 Jahre Alpine A110 und 40 Jahre Renault 5. Vor allem die Fans der flachen Sportflunder A110 dürften an den verschiedenen Exponaten - Rallye-Autos und Strassenfahrzeuge - ihre helle Freude gehabt haben.

Auf dem Stand von Lukas Hüni

Der beeindruckendste Händlerstand gehörte 2012 sicher Lukas Hüni. Was man an Fahrzeugen nach Paris gebracht hatte, hätte auch einem Museum zur Ehre gereicht. Besonders aufgefallen ist uns das Jaguar XK 120 Ghia Supersonic Coupé von 1952, eines von drei Exemplaren mit diesem wahrhaft wunderschönen, von den damaligen ersten Überschallflugzeugen beeinflussten Design. Der Wagen hat in den 60 Jahren nur 20’000 km zurückgelegt, ist dazu noch der einzige mit einer Conrero-optimierten Maschine ist, stand als Showcar in Paris (1954) und London (1954) im Zentrum und nahm später an diversen Concours d’Eleganze teil. Neben den Jaguar-basierten Supersonic-Modellen gab es bekanntlich auch solche auf Fiat-8V-Basis, während sich das Initialmodell Alfa-Romeo-Komponenten bediente.

Gänzlich anders kam der Talbot-Lago T26 Grand Sport von 1950 mit einer Barchetta-Karosserie von Motto daher. In schönsten Blau lackiert spannt dieser Wagen den Bogen zwischen Frankreich und Italien. Mit seinem 4,5-Liter-Sechszylinder-Motor und 210 PS, übertragen durch ein Wilson-Pre-Selector-Getriebe offerierte der Aluminium-Sportwagen hervorragende Fahrleistungen und glänzte mit einem eleganten Design.

Für die Freunde von rennsportlichen Automobilen hatte Lukas Hüni einen Delage 2LCV V12 2-Liter-Grand-Prix-Wagen von 1924 nach Paris gebracht. Miti diesem Wagen, es handelt sich um das dritte gebaute Fahrzeug dieses Typs, kann zum ersten Mal seit den Fünfzigerjahren wieder ein Delage 2LCV V-12-GP-Wagen in fahrbereitem Zustand gezeigt werden. Beeindruckend wie er heute ist, soll er auch vor vielen Jahren bereits Enzo Ferrari in seinem Motorenentwicklungsideen nachhaltig beeinflusst haben.

Die Engländer in Paris

Grosse Stände mit vornehmlich rennsportlich orientierten Fahrzeugen hatten die beiden Händler Hall&Hall und Fiskens. Die gezeigten Fahrzeuge repräsentierten nicht nur viel Motorsportgeschichte, sondern zeigten auch eindrücklich, wie schön Rennwagen der Vergangenheit sein konnten. Vom Auto-Union-Monoposto, über den Ferrari 206S bis zum Porsche 956 gab es Rennwagen verschiedener Epochen zu sehen.
Viele der bekannten Händler - Christoph Grohe, Klaus Werner, usw. - waren ebenfalls vor Ort und zeigten imposante Beispiele aus ihrem Angebot.

Collection Peter Mullin

Zum ersten Mal in Europa zu sehen war in einer Sonderschau eine Auswahl von Fahrzeugen der Peter Mullin Sammlung (Mullin Automotive Museum). Neben den Fahrzeugen von Delage, Talbot-Lago und Voisin fiel insbesondere der wahrhaft monumentale Dubonnet Hispano-Suiza H6C “Xenia” von 1938 ins Auge. Gebaut von Jacques Saoutchik verkörperte dieses Einzelstück mit Aluminium-Sechszylindermaschine, 160 PS und dem von Jean Andreau gezeichneten Aufbau viele zukunftsweisende Ideen von André Dubonnet. Mit seiner silber-glänzenden Karosserie und seiner aerodynamischen Form muss das Fahrzeug 1938 wie von einem anderen Stern stammend gewirkt haben.

Clubstände mit Accent

Naheliegenderweise sind es insbesondere die französichen Marken, die in Paris ihre Clubstände haben: Bugatti, Citroën, Delahaye, Hotchkiss, Simca, Talbot, Vedette oder Renault, um nur einige zu erwähnen. Aber natürlich wurden auch andere Marken durch Clubs vertreten und es erstaunt immer wieder, mit wieviel Liebe und Aufwand die Markenpräsenz gestaltet wird.

Amphibien-, Elektrofahrzeuge und weitere Raritäten

Kleine Sonderausstellungen wurden den Pionieren der Amphibien- und Elektromobil-Fahrzeuggattung gewidmet, wobei im Falle der Amphibienfahrzeuge “klein” relativ gemeint ist, denn eines der Exponate hatte wahrhaft riesige Ausmasse.

Zum ersten Mal an der Rétromobile zu sehen war ein Monica, aber auch das fast beiläufig geparkte Alfa Romeo Ghia Aigle Strandfahrzeug von 1956 zählt zu den absoluten Raritäten, genauso wie die Fahrzeuge von Konstrukteuren “sans patente”, über die wir bereits in einem Blog berichtet haben.

Versteigerungen von Artcurial und Bonhams

Zusammenfallend mit der Rétromobile fanden am 2. und 3. Februar 2012 jeweils am Abend bedeutende Auktionen von Bonhams und Artcurial statt, über die wir separat berichtet haben.

Epilog

Einen Messebesuch kann man mit dem Lesen eines Artikels und auch noch so vielen betrachteten Bildern nicht ersetzen. Einzig weiss man vielleicht nach dem Lesen dieser Zeilen, warum man doch hätte nach Paris reisen sollen. Die nächste Chance dazu gibt es in einem Jahr.

Bilder zu diesem Artikel

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