Der auto-affine Besucher der IAA Mobility 2021 muss sich schon wundern. Wofür standen die drei Buchstaben “IAA” noch? Genau für Internationale Automobil Ausstellung. Nun, international ist die Messe zwar, aber eigentlich fast eher trinational, denn die meisten Aussteller scheinen aus Deutschland, China und der Schweiz zu stammen. Auch mit dem “Automobil” nehmen es die Messemacher nicht mehr so genau. Tatsächlich hat es an der IAA 2021 deutlich mehr Fahrräder als Autos. Das letzte “A” für “Ausstellung” stimmt zwar, aber im Vergleich zu vergangenen IAA ist die Fläche enorm geschrumpft und pro Aussteller wurden im neuen Messekonzept maximal 2000 Quadratmeter zugelassen. Da passen nicht allzu viele Autos drauf, wenn man auch noch Präsentationsflächen und Sitzgelegenheiten unterbringen will.
Die IAA Mobility ist denn auch mehr ein Kampf der Konzepte als eine Vergleichsschau der existierenden Automobile von heute. Während die zukunftsweisenden Premieren vor allem in den Messehallen der Münchner Messe gezeigt werden, gibt es über die Stadt verteilt weitere Ausstellungspunkte, wo man auch die eher für den Konsumenten gedachten Automodelle vorstellt.
Ohne Stecker geht’s kaum
Dass die meisten der gezeigten Automobile, egal ob sie nun aus Deutschland oder China stammten, mit Elektroantrieb ausgestattet sind, erstaunt sicherlich keinen mehr.
Dass aber selbst die gezeigten (wenigen) Motorräder und Roller Batterieantrieb haben, vielleicht schon eher. Dass auch Mobiltelefonanbieter wie Huawei ausstellen, passt zur Idee, dass ein Automobil eigentlich ein Smartphone auf Rädern ist.
Der gute alte Verbrennermotor ist aber noch nicht ganz verdrängt, einerseits zeigt Deutz einen Wasserstoffverbrennungsmotoren, andererseits bricht die Motorworld mit ihrer “IAA Heritage”-Halle eine Lanze für das Automobil, wie wir es halt immer noch kennen.
Altes Blech in Halle B4
Die “Motorworld IAA Heritage” in der Halle B4 wirkt ein wenig wie eine Messe in der Messe. Im Prinzip wechselt man das Zeitalter, wenn man von B5 (Fahrräder) oder B3 (Mercedes-Benz, Wey, etc.) in die Halle B4 tritt.
Der Look erinnert nicht ungewollt an eine klassische Oldtimermesse. Dies hat natürlich mit der Motorworld zu tun, die als Organisatorin auftritt.
Und es ist ein echtes Trostpflaster für alle automobil-begeisterten IAA-Besucher, die nach dem Durchschreiten der anderen Hallen kaum auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und klassischer Antriebstechnik gestossen sind. Davon gibt es in der Halle B4 dafür jede Menge.
Es könnte sogar behauptet werden, dass in dieser Halle mehr Autos stehen als im ganzen Rest der auf neun Hallen verteilten Messe, wenigstens annähernd.
Zu betrachten gibt es zahlreiche Mercedes-Benz, Ferrari, Alfa Romeo, Opel, Ford, Lamborghini, Porsche, Borgward, BMW, Jaguar und andere vergangener Jahrzehnte, aber auch zeitgenössische Supersportwagen- und Tuning-Kunst.
In der Mitte lädt ein gemütlicher Gasthof zum Bayrischen Frühstück oder auch einfach zum Umtrunk ein. Hier, aber auch generell in der Heritage-Halle wirken die Leute gut gelaunt und inspirierter als in den übrigen Hallen, so hat man zumindest das Gefühl.
Einen zweiten Blick lohnen sicher der Isdera Imperator 108i, der Patina-Opel Olympia Caravan oder die beiden Ford Taunus 17M.
Eine Augenweide ist auch der Ford Capri, der 1972 an der Olympia Rallye mitfuhr, samt dem Pressebus von damals. Die beiden werben für die nächstjährige Wiederaufnahme der Olympia-Rallye als Oldtimerveranstaltung zum 50. Geburtstag. Gefahren wird dann entlang der Originalschauplätze von Kiel nach München.
Und im Innern des Motorworld-Stand gibt es wohl auch den einzigen benzinbetriebenen Roller der Messe zu sehen, eine Lambretta.
Wer sich gerne aktiv betätigen möchte, dem sei ein 15-Minuten-Slot auf der Carrera-Rennbahn empfohlen. Schliesslich kann man sich nie zu jung fühlen …
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Der kleine Autosalon
Bisher dachte man ja immer, der Genfer Autosalon sei übersichtlich und die Stände kompakt, doch die IAA Mobility geht hier mindestens einen Schritt weiter. Der Fokus liegt auch bei den Autoherstellern auf den Konzepten, den Studien und dem Blick in die Zukunft.
Dass bei BMW trotzdem ein 1602 von 1972 Platz auf dem übersichtlichen Stand gefunden hat, darf schon fast als Wunder gewertet werden. Bei den übrigen Autobauern taucht die Vergangenheit höchstens (wie bei Volkswagen) auf der Videowand (als vorbeihuschender Käfer) auf.
Die Menge der vertretenen Autohersteller lässt sich leider an zwei Händen zählen, die Japaner fehlen genauso wie die ganze Stellantis-Gruppe, die Briten oder die meisten Marken des Volkswagen-Konzerns. Selbst die Chinesen sind leider nur mit einem kleinen Teil ihres Portfolios vor Ort.
Einige interessante Neuheiten werden in München gezeigt, so bei BMW die Studie “i Vision CirCular” oder bei Mercedes-Benz das Konzeptfahreug “AVTR”.
Volkswagen stellt den ID.Life vor, Renault den elektrische Mégane.
Und dann gibt es da noch vereinzelte Chinesen, die durchaus interessante Produkte anbieten können, etwa den Ora Cat. Man beachte hier vor allem die “Rallye-Version”.
Auch die Zubehörindustrie ist vor Ort und zeigt Komponenten und stilisierte Automobile, aber wenig Konkretes für den Endkonsumenten.
Continental feiert 150 Jahre und präsentiert einen ziemlich anderen Volkswagen Bus T2.
Zweirad-Show?
Die IAA ist mehr Fahrrad- als Automesse, dies zeigt sich bei einem Blick in die Hallen B5 und B6, wo man nicht nur ein breites Ökosystem von Fahrradherstellern trifft, sondern auch auf zwei leider fast schon versteckte und kaum ausgeleuchtete Sonderausstellungen zur Geschichte des Rennrads und des Mountain Bikes (in Form einzelner Exponate), die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Fahrrad-Interessenten haben es sowieso gut, denn hinter der Halle 6 kann man dann gleich noch Testfahrten machen und so ein Gefühl für die potentielle Neuanschaffung erhalten.
Ob Buckelpiste oder flache Strecken, es ist alles vorhanden.
Dünner wird die Luft für Motorrad-Interessenten. Immerhin gibt’s ein paar elektrische Roller zu sehen, aber echte Motorräder sind kaum vorhanden.
Eine Ausnahme stellt Husqvarna dar, wo man die Studie einer elektrischen Pilen sehen kann.
Und dann gibt es noch den Stand eines deutschen Startups namens “Black Tea”, das ein Elektromoped im Scrambler-Look vorstellt. Der Name “Black Tea” führt dabei auf die Idee des “Café Racers” zurück.
Ist dies die Zukunft?
Man darf sich fragen, ob das Messekonzept, wie nun präsentiert mit der IAA Mobility in München, wirklich die Zukunft ist. Eine weite Anreise dürfte sich für die Journalisten kaum lohnen, zumal das meiste praktisch live via Internet verteilt wird. Der Konsument kann an der Messe kaum Autos finden, die er wirklich kaufen kann. Der Oldtimer-Enthusiast wäre mit einer reinrassigen Klassik-Messe vermutlich noch besser bedient.
Versucht man in München zu sehr, einen Spagat zwischen den unterschiedlichsten Ansprüchen zu machen? Hat man zuviel Angst vor der Klimabewegung, die mit Demonstrationen drohte? Mit der ständig präsenten Polizei-Präsenz lässt sich die Stimmung auch nicht verbessern und die Verteilung der Ausstellung auch in die Stadt hinein, macht die Sache nicht einfacher.
Fast wie damals?
Nun muss man ehrlicherweise sagen, dass man Messen mit Automobilen, Motorrädern und Fahrrädern auch schon früher hatte. Der Genfer Salon zeigte sogar noch Boote, dazu noch Camping und allerlei Zubehör. Ganz neu ist der Gedanke, verschiedene Themen zu mischen, also nicht. Allerdings hat die Angebotsvielfalt seit den Fünfzigerjahren drastisch zugenommen, gleichzeitig hat sich die Informationskultur verändert.
Wir sehen davon ab, ein Schlussverdikt zu fällen, schliesslich dauert die Messe noch einige Tage. Leser können ihre Eindrücke gerne per Kommentarfunktion ergänzen!









































































































































































































































































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