Bei trockenen und angenehmen Wetterbedingungen fand das Bergrennen Steckborn-Eichhölzli 2015 zum dritten Mal als Memorial für klassische Sport- und Rennfahrzeuge statt.
Vor 60 Jahren
Das erste Bergrennen Steckborn-Eichhölzli wurde im April 1955 durchgeführt. 120 Wagen waren damals gemeldet, Tausende von Zuschauern säumten die Strecke am Samstag bei den Trainingsfahrten und am Sonntag bei den Rennläufen. 3,5 Kilometer lang war die ursprüngliche Rennstrecke, die Höhendifferenz betrug 143 Meter.
Ein voller Erfolg also und trotzdem dauerte es bis 1962, bis das Bergrennen wiederum stattfand und zwar am “Weissen Sonntag”, was einige Steckborner wohl erzürnte. Jedenfalls sollte dann 45 Jahre Ruhe sein am Hang zwischen Steckborn und Eichhölzli, dann wurde erstmals ein Memorial für klassische Fahrzeuge organisiert. 2011 wurde der Anlass wiederholt und am 26. und 27. September 2015 wurde schliesslich zum Jubiläums-Bergrennen Steckorn eingeladen, 60 Jahre nach der ersten Austragung.
Wieder am Start
Es gab viele Parallelen zu den historischen Bergrennen, wenn auch auf eine Zeitnahme verzichtet wurde. Der Besucheraufmarsch war vor allem am Sonntag gross, rund 8000 Rennfans sollen es an beiden Tagen gewesen sein gemäss Organisator. Statt 120 Fahrzeugen waren 290 gemeldet, darunter auch viele Motorräder und ein umfangreicher Corso.
Die Strecke war zwar etwas kürzer als vor 60 Jahren, die Streckenführung hatte sich aber mit Ausnahme von einigen engen Schikanen kaum verändert. Man hatte an nichts gespart, um die Strecke so sicher wie möglich zu gestalten. Dicke Strohballen, Reifenstapel und Verlangsamungen dort, wo sonst zu hohe Geschwindigkeiten erreicht worden wären, minimierten mögliche Zwischenfälle und führten schliesslich zu einem unfallfreien Wochenende.
Die zwei Jaguar von 1955
Der Sieger im Jahr 1955 hiess Jaguar und genau dieses Fahrzeug, ein Jaguar XK 120 von 1950 mit Aluminiumkarosserie, kehrte 2015 wieder nach Steckborn zurück, gelenkt von Christian Jenny.
Und als hätte dies als Höhepunkt nicht gereicht, fand auch der damalige Zweite, ebenfalls ein Jaguar XK 120 aus dem Jahr 1950, allerdings mit Stahlkarosserie, nach Steckborn zurück und Georg Dönni in authentischer Kleidung bereitete die Fahrt im klassisch XK 120 sichtlich viel Freude.
Immer noch am Lenkrad
Es waren aber nicht nur Autos, die ein Wiedersehen mit der anspruchsvollen Bergrennstrecke feierten, sondern auch Fahrer. So trieb Anton Schai seinen Eigenbau von 1964 durch dieselben Kurven, die er 1955 noch mit einem Alfa Romeo gemeistert hatte.
Und er war nur einer von einer Handvoll Veteranen, die an den Berg bei Steckborn zurückkehrten.
Jockel im Opel
Viel Prominenz hatte sich in Steckborn eingefunden, der vielleicht prominenteste Fahrer war der Le-Mans-Sieger Jockel Winkelhock, der beherzt einen Opel Manta A aus dem Opel-Classic-Fundus die Strecke hochtrieb und die Veranstaltung von Herzen lobte. Es sei eine seiner Lieblingsveranstaltungen und er hoffe, dass er noch viele Male an den Bodensee zurückkehren könne, meinte er im Interview mit dem Streckensprecher.
Un er war natürlich nicht der einzige prominente Rennfahrer, der in den Thurgau gereist war, da waren auch Lienhard, Amweg, Hotz und viele andere.
Sympathischer Spatz
Vier Rennfelder zogen am Publikum vorbei, vom brachialen Vorkriegs-American LaFrance bis zu neuzeitlichen Supersportwagen gab es alles zu bewundern. Dazu kam ein umfangreicher Corso mit allerlei Besonderheiten, wie man sie nicht jeden Tag sieht, etwa einen Jawa 600 Roadster aus dem Jahr 1940 oder einen Spatz 200 von 1956. Diesen hatte Heinz Forster an seinem 11. Geburtstag erhalten, unfahrbar und restaurierungsbedürftig.
Es sollten noch viele Jahre vergehen, bis der Spatz in neuem Glanze wiedergeboren wurde. Forster hat ihm bis heute die Treue gehalten und erfreute das Publikum in Steckborn mit sympatischem Einzylinder-Zweitakt-Sound.
Keine Mühen gescheut
Einige der Teilnehmer hatten keine Mühen gescheut, um ihr historisches Rennfahrzeug dem Thurgauer Publikum zu zeigen. Kurt Hasler etwa war erst morgens um 2 Uhr am Sonntag früh vom Grossglockner Grand Prix zurückgekehrt und machte sich bereits in der Früh wieder auf, nach Steckborn zu fahren, um dort mit seinem Vorkriegs-Maserati-Monoposto zu fahren.
Nur zum Wechseln der Düsen (wegen der unterschiedlichen Höhe über Meer) reichte die Zeit, nicht aber zum Reinigen des von Nebel und Nässe gezeichneten Wagens.
Ein Dorf im Rennfieber
Man hatte das Gefühl, das ganze Dorf sei eingespannt und am Bergrennen beteiligt. Die Ladengeschäfte erzeugten Rennfeeling mit Modellautos und anderen Reminiszenzen aus alte Zeiten. In den Gassen wurden die Fahrerlager angeordnet, vor dem Schulhaus war der Vorstart.
Wer etwas zu verkaufen hatte, brachte ein Preisschild an. Und wer ein Haus direkt an der Rennstrecke besass, lud seine Freunde ein, setzte sich auf das Garagendach oder in den Garten, um das Treiben auf der Rennstrecke zu verfolgen.
Hoffentlich in vier Jahren wieder ...
Publikum und Fahrer waren sich einig, das Bergrennen Steckborn-Eichhölzli ist eine der sympathischsten Oldtimer-Veranstaltungen dieser Art, so dass man nur hoffen kann, dass vielleicht 2019 die nächste Austragung vorgesehen wird. Vorher aber wolle man nochmals über die Bücher gehen, erzählte der scheidende Präsident am Streckensprecher-Mikrofon. Dank schönem Wetter sei die Rechnung wohl 2015 aufgegangen, aber nicht immer sei einem die Witterung so hold wie dieses Jahr.
An dieser Stelle sei noch ein Kompliment an den Streckensprecher angefügt, der seine Aufgabe, die Besucher zu unterhalten und zu mobilisieren, wirklich ausgezeichnet machte.




























































































































































































































































































































































































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