Zum 14. Mal fand in Schwetzingen die Classic-Gala vom 1. bis 3. September 2017 statt. Der herrliche Schlosspark bot einen mehr als königlichen Rahmen für die über 200 ausgestellten Fahrzeuge aus rund 120 Jahren Automobilgeschichte.
Kaum eine andere Veranstaltung kann mit derart generösen Platzverhältnissen aufwarten wie Schwetzingen. Wo anderswo Auto an Auto geparkt werden, gibt es im Schlosspark viel Platz zwischen den Fahrzeugen und breite Gehwege für die Besucher.
Vielfalt im Park
Einmal mehr hatte das Organisationsteam um Johannes Hübner die unterschiedlichsten Fahrzeuge zusammengetrommelt.
Vom Dampfauto (Stanley Steamer von 1919) bis zum Supersportwagen der Neunzigerjahre (Isdera Commendatore 112i von 1997) war alles vorhanden, was sich der Autoenthusiast wünscht. Und es gab auch manchen Wagen zu betrachten, den man vielleicht noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hat. Da war beispielsweise das Datsun 200 SX von 1978, das mit einem bizarren Styling auffiel, oder der kantige VW Variant aus Brasilien aus dem Jahr 1973.
Einen zweiten Blick war sicherlich auch der 1970 in Paris vorgestellte Sportwagen von Pietro Frua auf der Basis des Opel Diplomat wert. Schliesslich gilt er als Vorgänger des Bitter CD.
Beim entspannten Flanieren konnte man die unterschiedlichsten Fahrzeuggattungen betrachten und teilweise sogar fahrend beobachten.
Ferrari im Zentrum
Gleich beim Eingang wurden die 70 Jahre Ferrari gefeiert. Im Zentrum standen allerdings nicht zwei rote Exemplare, diese fanden sich rechts davon, sondern ein überaus rarer Ferrari 212 mit Vignale-Berlinetta-Karosserie aus dem Jahr 1951 und ein Ferrari 250 GTE, der bekanntlich einer von Enzo Ferraris Favoriten war.
Für Ferrari wurde eine eigene Concours-Klasse eingerichtet, die der 212 für sich entscheiden konnte.
Viel Arbeit für die Aussteller
Vor allem am Samstag setzte es viel Arbeit für die Aussteller, denn mehrere Wolkenbrüche zwangen immer wieder dazu, den Wagen zu schliessen oder zuzudecken und ihn abschliessend wieder abzutrocknen.
Die meisten Besitzer nahmen es locker und freuten sich jedes Mal, wenn die Sonne erneut schien. Und für die Fotografen offerierten die Wassertropfen schöne Motive.
Die zauberhaften Kleinwagen
Besonders beliebt bei den Besuchern sind jedes Jahr die Klein- und Kleinstwagen, von denen auch 2017 wieder eine ganze Schar den Weg nach Schwetzigen gefunden hatte.
Da gab es fast die ganze Garde der Kabinenroller - BMW, Heinkel, Messerschmitt, Fuldamobil, Zündapp Janus, etc. - zu bestaunen, aber auch die Miniaturen von Egon Brütsch, je eine Mopetta und einen Zwerg.
Das Schöne daran, die kleinen Autos standen nicht nur herum, sondern fuhren am Samstag und Sonntag um die Mittagszeit auch eine Runde durch den Park, fachmännisch kommentiert von Johannes Hübner.
So konnte man sie auch hören und riechen. In der Kolonne fuhren auch diverse Fiat 500 Varianten und ein Käfer mit, sowie die Tempo Dreiräder, der NSU Prinz, der Champion, der Goliath oder der Renault 4 CV.
Und die kompakten Autos wurden selbstverständlich auch juriert, im “Grossen Preis der Kleinwagen” schwang das Fuldamobil von 1953 oben auf, gefolgt vom Goliath Pionier von 1932 und dem Fiat 500 Weinsberg von 1939.
Eine Ode an Isdera
Eine Sonderausstellung wurde der Marke Isdera und ihrem Schöpfer Eberhard Schulz gewidmet. Zu sehen waren unter anderem ein Isdera 036i, ein Commendatore 112i und der Autobahnkurier, nebst Zeichnungen und Illustrationen aus der Hand Schulz’.
Der Isdera Commendatore 112i wurde mit dem Preis “Best Supersport after 1971” ausgezeichnet.
Die bessere Alternative zum VW Bus?
Fast in der Mitte des Schlossparks lief der Besucher an drei Exemplaren des VW-Bus-Konkurrenten Ford FK 1000, auch Taunus Transit genannt, vorbei. Die Bezeichnung FK stand damals für Ford Köln und 1000 kg Zuladung. Mit dem vorne eingebauten 1,3- und später 1,5-Liter-Motor war Ford sowohl schneller als auch praktischer als sein Konkurrent von Volkswagen, trotzdem lag der VW Bus in den Absatzzahlen vorne.
In Schwetzingen waren ein Pritschenwagen, ein geschlossener Bus und eine Camping-Version zu sehen.
Jaguar-Aufmarsch
Im Namen der Jaguar-Sonderschau “Grace - Space - Pace” reihten sich links vom Eingang Sportwagen und Limousinen des britischen Herstellers auf, die es erlaubten die Modell- und Designentwicklung Schritt für Schritt nachzuvollziehen.
Auch diese Autos durften nach den Kleinwagen zur Parade durch den Park antreten.
BMW war bereits im Vorgarten des Schlosses vertreten und zeigte schöne Exemplare aus der hundert Jahren Firmengeschichte, vom Dixi, über 502 oder 1802, bis zu den Personenwagen der Neuzeit.
Schauen und schlemmen
In der grosszügigen Atmosphäre des Schlossparks kam vor allem am Samstag kein Dichtestress auf. Die Fahrzeugbesitzer hatten immer Zeit für eine kleine Auskunft und wer vom herumlaufen müde wurde, konnte sich an einer der verschiedenen Verpflegungsstände verköstigen lassen. Ob es ein dänischer Hot-Dog, ein französisches Crèpe oder eine Wurst im Biergarten war, das blieb jedem selber überlassen.
Auch Musik gab es an jeder Ecke und Kaffee sowieso, ob nun aus dem Kofferraum eines NSU-Fiat oder unter dem Regenschirm, wenn es gerade wieder schüttete.
Die Schönsten der Schönen
Fast schon als Nebenereignis gab es in Schwetzingen natürlich auch den Concours d’Elégance und eine entsprechende Wertung. Die Jury hatte es nicht leicht, denn es galt, Fahrzeuge miteinander zu vergleichen, die teilweise sehr unterschiedlich waren. Einige Klassen waren äusserst heterogen besetzt, da konnte schon einmal ein Austin-Healey Sprite auf einen Rolls-Royce treffen. Die Auswahl sei auch schon besser gewesen in Schwetzingen, kritisierte ein Concours-Teilnehmer.
Doch auch so gab es eine Vielzahl an Fahrzeugen, die einen Preis verdient hatten und es gab auch eine Vielzahl an Pokalen und Nennungen, über 120 in der Zahl. Darunter waren auch besondere Preise, die es nicht an jedem Concours gibt, etwa die Auszeichnung für die beste Eigenrestaurierung, die der Hanomag 10 PS “Komissbrot” erhielt, gefolgt von einem GAZ Wolga und einem Packard Patrician. Speziell auch der “Preis Ingenieux”, der an den Franklin 11 B von 1927 ging.
Als “Best of Show” wurde der Lancia Astura von 1939 mit Pinin-Farina-Cabriolet-Karosserie geehrt, gefolgt vom Rolls-Royce Phantom I Ascot Brewster von 1929 und dem Alvis TD21 Graber von 1962.
Die FIVA-Klasse A (bis 1904) gewann das Benz Velo von 1898, die Klasse B (1905-1918) der Adler von 1909, die Klasse C (1919-1930) der Rolls-Royce Phantom I Ascot Brewster von 1929, die Klasse D (1931-1945) der Lancia Astura Pinin Farina von 1939, die Klasse E1 (1946-1954) der Ferrari 212 Vignale von 1951, die Klasse E2 (1955-1960) der Chrysler Windsor von 1957, die Klasse F 1 (1961-1964) der Alvis TD 21 Graber von 1962, die Klasse F 2 (1965-1970) der Maserati Ghibli, die Klasse (1971-1990) der Maserati Ghibli SS und die Klasse H (ab 1980) ein Porsche 911 Speedster.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die Schau der amerikanischen Fahrzeuge, die auch mit einem eigenen Haupt-Preis gewürdigt wurde, dem "USCCC-Best of Show", den ein Lincoln Continental Mk V Coupé von 1979 gewann, gefolgt vom Packard 900 Light Eight Roadster Coupé von 1932.
Die Gesamtliste der Ergebnisse wird sicherlich schon bald auf der Veranstaltungs-Website aufgeschaltet und dort wird man auch über den Austragungstermin 2018 informiert werden, den man sich unbedingt in die Agenda pinseln sollte.
Neben den in diesem Artikel gezeigten ausgewählten Bildern, gibt es zwei zusätzliche Bildergalerien mit weiteren 200+ Fotos, einmal zu den Kleinwagen und dann zu den übrigen Fahrzeugen in Schwetzingen.

















































































































































































































































































































































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