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Herbert Müller “… alles zu langsam!” (Buchbesprechung)

Erstellt am 29. Mai 2021
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard) 
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Daniel Reinhard 
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Der Mann, den dieses Buch ehrt, war eine sehr spezielle Erscheinung. In Harald Lembkes "Heiteres Beruferaten" hätte man ihn kaum als Rennfahrer eingestuft, viel mehr als ein folkloristischer Musikmacher hinter einem "Schwyzerörgeli".

Siegfried Brunn erhält von Daniel Müller ein signiertes Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Sein Sohn Daniel – mittlerweile die optische Verkörperung des Berggeists Rübezahl – hat über rund sechs Jahre zusammen mit verschiedenen Helfern 380 Seiten erarbeitet und damit eine wirklich vollständige Biografie des Schweizer Ausnahme-Rennfahrers gestaltet.

Umfangreich

Wiederum ein ganz dicker Schinken, doch jede einzelne Seite gebührt dem Mann, der auf sämtlichen  Seiten zu sehen ist und in seiner erfolgreichen Karriere mit über 230 komplett verschiedenen Wettbewerbsfahrzeugen zu Rennen startete. Ganz egal ob im Porsche 917 oder im BMW 320 fuhr, er war mit allem sauschnell unterwegs und von all seinen Konkurrenten hochgelobt.

Schon früh auf vier Rädern unterwegs - Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard)

Herberts Kinderjahre verliefen glücklich. Er war das begüterte Büblein des erfolgreichen Unternehmers Arthur Müller (Metallveredelung) und bekam schon als Zweijähriger sein erstes Tretauto. Bereits als Siebenjähriger fuhr er den Buick seines Vaters in die Garage. Als der Wagen bei einem der ersten Versuche beim behutsamen Gasteben nicht über die Schwelle rollen wollte, trat Herbert etwas beherzter aufs Gas und schoss in die Rückwand. Zur Überraschung und Erleichterung des kleinen Herberts lachte der Vater nur.

Internationaler Palmares

Seine sportlichen Erfolge können sich international sehen lassen, denn er gewann zweimal die Targa-Florio (1966, 1973) und wurde in Le Mans (1971 und 1974) auch zweimal Gesamtzweiter.

Mit Lorbeer-Siegeskranz - Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard)

Mit seiner grandiosen Aufholjagd bei der Targa Florio 1969 wurde er zum italienischen Nationalhelden, als er nach einem nächtlichen Motorwechsel und Zündaussetzern am Vorstart, verspätet dem bereits losgefahrenen Feld hinterherjagen musste. Doch er überholte auf der engen Berg- und Talbahn in seiner ersten Rennrunde, mit dem noch schweren, vollgetankten Lola T70 61 (in Worten “einundsechzig") Konkurrenten und fuhr nahezu gleich schnelle Zeiten wie der in Führung liegende Porsche 908/2 von Mitter/Schütz. Nach drei Runden lag er bereits auf dem dritten Platz, aber in der vierten Runde kam leider das Aus, ein gebrochenes Radlager verhinderte ein weiteres Top-Resultat.

Besondere Geschichten am Rande

Wie in allen neuen Büchern sind die intimen Randgeschichten über die beschriebenen Personen heute von viel grösserer Bedeutung als all die dokumentierten Rennergebnisse.

Wie war der optische Gartenzwerg mit Kosenamen "Stumpen-Herbi" wirklich? Davon gibt es reichlich Anekdoten zu lesen, am Seitenrand jeweils mit einem blauen Balken vom Lauftext abgetrennt.

So musste er beispielsweise am 13. September 1959 mit dem Austin Healey Sprite in Mailand einem Radfahrer mit Chianti-Korbflasche ausweichen und landete daraufhin im Spital. Speziell ist auch die Geschichte, als sich der Anhänger mit dem ex-Heini Walter Porsche RSK auf dem Flüelapass selbständig machte. Und der Leser erfährt, wie Herbert seinen Konkurrenten Kauhsen/Steckkönig bei der Targa-Florio in Windeseile einen Kanister Benzin besorgte.

Alles Geschichten, die uns zum Schmunzeln bringen und die man sich in der heutigen, so perfekten Welt überhaupt nicht mehr vorstellen kann.

Chronologische Abhandlung

Jörg-Thomas Födisch zeichnet zusammen mit Rainer Rossbach die Geschichte chronologisch nach Jahren eingereiht des "Stumpen Herbi" in all seinen Facetten auf.

Unterwegs im Ferrari 250 GTO - Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard)

So zum Beispiel beginnt der Text zur Motorsport-Saison 1971: "Jahr eins nach Filipinetti. Wie im Herbst des Vorjahres angekündigt, ging Herbert Müller jetzt mit einem eigenen Unternehmen an den Start. Sein Team hiess nun "Herbert Müller Racing", der neue Partner war René Herzog, ein erfolgreicher Schweizer Tourenwagen-Pilot, und Müller machte der Presse gegenüber erste Andeutungen: "In der Garage Herbert Müllers stehen drei Ferrari 512S einen neuen Schweizer Rennstalls, der 1971 ins Renngeschehen eingreifen soll …

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Feuer

Marc Surer zitiert im Vorwort ein uraltes von Goethe wieder aufgewärmtes Sprichwort: "Ein gebranntes Kind scheut das Feuer" und spricht damit auf die beiden Feuerunfälle Müllers auf dem Nürburgring an. Den ersten hatte er mit sehr viel Glück überlebt, beim zweiten aber waren sämtliche Schutzengel im Urlaub.

Verbrannter Rennwagen - Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard)

Rückblickend schreibt Marc: "Zurück bleibt die Erinnerung an einen feinen Kerl und Fahrer-Kollegen von grossem Format. Ihm jetzt dieses Buch zu widmen, ist quasi eine Pflichtaufgabe, die hervorragend gelungen ist. Es beleuchtet die vielseitigen Facetten dieses Mannes mit Bürstenhaarschnitt  und rötlichem Bart, als Mensch, Unternehmer und Rennfahrer, der einmal von sich zum Thema Berufsbezeichnung gesagt hatte: " Ich bin Unternehmer, Autohändler und zugleich als Rennfahrer ein professioneller Amateur." Besser kann man diese Person nicht beschreiben.

Viel rares Bildmaterial

Wiederum sind natürlich auch in diesem von McKlein auferlegten Buch unzählige Fotodokumente aus verschiedensten Archiven zu bewundern. Als kleine Kritik am Rande sei hier das Verhältnis zwischen Auto- und Personenaufnahmen genannt, welches etwas einseitig geraten ist. Herbert war eine geniale persönliche Erscheinung mit einem wunderbaren Charakterkopf, der sich auch immer wieder mit verschiedenster Haarpracht präsentierte und bestimmt von den Fotografen gerne und oft fotografiert wurde. Die Bilder wären vorhanden gewesen!

In der Coba beim Bergrennen - Buch «Herbert Müller "… alles zu langsam!”»
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas/Daniel Reinhard)

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn es ist Sohn Daniel und den Autoren zu danken, dass sie ein weiteres tolles Buch publiziert haben, das uns an die Rennfahrer-Haudegen von damals erinnern lässt, die auf der Rennstrecke aber auch daneben für viele spannende Geschichten gesorgt haben.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Herbert Müller "… alles zu langsam!”
  • Autoren: Jörg-Thomas Födisch, Rainer Roßbach
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: McKlein Media GmbH & Co.KG // Edition Porsche Museum
  • Auflage: 1. Auflage Mai 2021
  • Format: Hardcover, 30 x 24 cm 
  • Umfang: 384 Seiten, 253 Fotos in Farbe, 257 in Schwarzweiss
  • ISBN-Nummer: 978-3-947156-33-7
  • Preis: EUR 79.00 / CHF 89.00
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , online im Shop von McKlein oder im gut assortierten Buchhandel

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