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Bergrennen in zwei Phasen - Mythos Rossfeld Rennen (Buchbesprechung)

Erstellt am 18. November 2013
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Edition Snowfish 
(7)
 
7 Fotogalerie

2013 fand zum ersten Mal seit 1973 wieder ein Roßfeldrennen statt, im historischen Rahmen und mit Fahrzeugen, die bereits vierzig und mehr Jahre früher schon die sechs km lange Alpenstrasse mit 700 Metern Steigung bezwangen. Und fast perfekt im Timing erschien auch ein Buch über die historischen Roßfeldrennen mit der Mission, dem Mythos auf die Spur zu kommen. Hinzugefügt werden sollte hier noch, dass es im Jahr 1977 nochmals ein Roßfeldrennen gab, eines das selten erwähnt, aber im vorliegenden Buch natürlich auch nicht verschwiegen wird.

Mit Leidenschaft geschrieben

Das Buch “ Mythos Rossfeld Rennen ” wurde von Siegfried C. Strasser verfasst, einem Mann, der mit dem Motorsport schon seit Jahrzehnten verbunden ist. Angefangen hatte es im Jahr 1965, als er am Gaisbergrennen die Porsche 904 GTS von Stommelen, Greger und Weber vorbeidonnern sah. Und seither hat ihn der Virus nie mehr losgelassen. Beruflich unterrichtet er Englisch und Deutsch an einer technischen Schule in Salzburg, in seiner Freizeit aber frönt er dem Motorsport, fotografiert und schreibt über rasende Boliden und schnelle Rennfahrer.

Über die Rennen ...

Der Vorgänger des Roßfeldrennen hiess Salzbergrennen. Zwischen 1925 und 1928 wurde es jeweils auf einer Schotterstrasse zwischen Berchtesgaden und Obersalzberg durchgeführt. Als Fahrer traten Privatfahrer aus adligen Kreisen, reiche Unternehmer und Werksfahrer (in homöopathischen Dosen) an.

Zwischen dem letzten Salzbergrennen und dem ersten Roßfeldrennen sollten 30 Jahren vergehen. Von 1953 bis 1955 war die Roßfeldsraße gebaut worden und das 3 Millionen DM schwere Projekt schaffte die Voraussetzungen für moderne Bergrennen auf Asphalt.

Am 11. Mai 1958 erfolgte der Start zum ersten, am 12. Juni 1977 derjenige zum letzten Roßfeldrennen, in den Jahren 1962, 1972 und 1974 bis 1976 fielen die Rennen aus, so berichtet das Buch. Der Hauptteil des Buches mit fast 90 Seiten widmet sich den Bergrennen der Nachkriegszeit.

Buch "Mythos Rossfeldrennen" - viele Farbbilder von damaligen Teilnehmerfahrzeugen
© Copyright / Fotograf: Edition Snowfish

Während in den ersten vier Rennen die Sieger jeweils mit Porsche- oder DKW-Kraft fuhren, führte an Porsche in den Jahren 1963 bis 1966 kein Weg mehr vorbei. Die Jahre 1967 bis 1970 waren gezeichnet von superschnellen Rennwagen, aber auch mit immer höheren Risiken, was dann auch zum unglücklichen tödlichen Unfall von Scarfiotti im Jahr 1968 führte. Es war der einzige Tod eines Rennfahrers beim Roßbergrennen, nicht aber der einzige Todesfall, denn 1973 fiel ein Zuschauer einem schleudernden Tourenwagen zum Opfer. Dieser Vorfall läutete das Ende des Bergrennens ein, obschon 1977 nochmals ein letzter Versuch gestartet wurde.

... die Rennwagen ...

Natürlich stehen in einem Buch über ein Bergrennen die Rennwagen im Zentrum des Interesses. Auf reichhaltigem historischem Bildmaterial wird die ganze Vielfalt dargestellt, die die damalige Bergrennszenerie ausmachte, vom Steyr-Puch 600, über den BMW 700, das Goggomobil, über die verschiedenen Porsche- und BMW-Typen bis zu den Sportwagen von Ferrari und Maserati.

Buch "Mythos Rossfeldrennen" - auch die "normalen" Tourenweagen fehlen nicht im Buch
© Copyright / Fotograf: Edition Snowfish

... und über die Rennfahrer

Etwas besonders am Roßbergrennen-Buch sind sechs Kapitel, die Rennfahrer und Konstrukteure beleuchten. Den Anfang macht Alfred Hartmann, der Rennwagenkonstrukteur und einarmige Rennfahrer, der 1958 seine Klasse beim Roßfeldrennen gewann. Es folgt ein Kapitel über Edgar Barth, der in diversen Porsche-Fahrzeugen erfolgreich war. Natürlich darf Gerhard Mitter nicht fehlen, der einigen Roßfeldrennen seinen Stempel aufdrückte.

Buch "Mythos Rossfeldrennen" - Fahrerportraits
© Copyright / Fotograf: Edition Snowfish

Und naheliegenderweise werden auch Lodovico Scarfiotti, dem italienischen Bergkönig, sieben Seiten gewidmet. Dass auch Sepp Greger ein Kapitel erhielt, war selbstverständlich, denn tatsächlich startete er an jedem Rennen ab 1958 und zwar immer auf Porsche.

Den Schluss macht ein Kapitel über Hans und Bernd Buchwinkler, die eigentlichen Väter des Roßfeldrennens. Schön auch mal etwas über die Organisatoren und Hintergrundsleute zu lesen.

Und über die Zuschauer

Überhaupt strotzt das Buch nur so von Geschichten, Anekdoten und Erzählungen. Ein gutes Beispiel ist das Einführungskapitel, in welchem sich “ehemalige Buben (und Mädels)” an die Rennen erinnern. Zauberhaft!

Die harten Fakten

Natürlich werden im Buch auch die Ergebnisse der 19 Rennen minutiös dokumentiert, allerdings jeweils nur die ersten Drei jeder Rennklasse. Vollständige Start- und Ergebnislisten wurden - wohl aus Platzgründen - nicht abgedruckt.

Buch "Mythos Rossfeldrennen" - Ergebnislisten
© Copyright / Fotograf: Edition Snowfish

Nicht nur für Lokalpatrioten

Natürlich richtet sich ein Buch wie “Mythos Rossfeld Rennen” nicht zuletzt an die Leute, die an den historischen Rennen dabei waren oder sogar mitfuhren. Das mit Euro 29.90 preisgünstige Werk bietet aber eigentlich für jeden Fan des Bergrennsports eine unterhaltsame Lektüre und vor allem einen spannenden Bilderschatz an, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Mythos Rossfeld Rennen
  • Autor: Siegfried C. Strassr
  • Verlag: Edition Snowfish, Berchtesgaden
  • Auflage: 1. Auflage 2013
  • Sprache: Deutsch
  • Umfang: 192 Seiten, ca. 130 Schwarz-Weiss- und 55 Farb-Abbildungen
  • Grösse: 28 x 21,4 x 18,4 cm
  • ISBN-10: 3942431076
  • ISBN-13: 978-3-942431-07-1
  • Preis: Euro 29.90
  • Erhältlich: Im einschlägigen Buchhandel oder über amazon.de

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