Die Briten sind schon zu beneiden, aber auch zu bewundern. Die Begeisterung paart sich mit Traditionsdenken. Und eine reichhaltige Motorsportgeschichte kann dem Inselvolk niemand wegreden. So feierte Silverstone den 50. Grand Prix anlässlich der Silverstone Classic. 1948 wurde erstmals ein Britischer Grand Prix auf dem schnellen Rundkurs (ca. 100 km) nordöstlich von London gestartet. Seither gehört die Silverstone-Strecke zu den berühmtesten Rennstrecken der Welt.
Am 25. bis 27. Juli 2014 wurde in 22 Rennen alles aufgeboten, was vier Räder hat, schnell ist und gut tönt. Die Startfelder waren gut gefüllt und von einer derartigen Reichhaltigkeit, dass mancher Veranstalter auf dem europäischen Festland darob wohl neidisch wurde.
Flammende Gruppe-C-Rennwagen
Ein Highlight des Wochenendes waren die beiden Läufe zur Group C Racing Serie, die Fahrzeuge wie den Mercedes Benz C11, Jaguar XJR8, Porsche 962, Nissan R90, Lancia LC2 und Sportwagen der Marken Gebhardt, Intrepid, Spice und Tiga zusammenbrachte, rund zwei Dutzend in der Zahl.
Nachdem Katsu Kubota auf dem Nissan R90CK zuerst in Führung gelegen hatte, übernahm Bob Berridge im Mercedes Benz C11 bald das Kommando und fuhr den Sieg schliesslich mit flammendspeiendem Auspuff und 25 Sekunden Reserve im Licht der untergehenden Sonne ins Trockene.
Im zweiten Rennen am Sonntag wurde der Mercedes Benz C11 von Bob Berridge erneut seiner Favoritenrolle gerecht und siegte, ohne die Führung je abgeben zu müssen. Auf Platz 2 lief mit deutlichem Abstand der Jaguar XJR8 von Justin Law ein, gefolgt von Steve Tandy auf dem Nissan R90.
Tür-an-Tür-Kämpfe bei den Tourenwagen
Mit Sir John Whitmore als Namensgeber war es schon klar, dass die Ford Lotus Cortina 50 Jahre, nachdem Jim Clark die Britische Tourenwagenmeisterschaft mit demselben Fabrikat gewonnen hatte, den Ton angeben würden. Und so kam es beim Samstags-Rennen denn auch, obschon natürlich eine ganze Reihe von Alfa Romeo Giulia Sprint GTA, BMW 1800 TiSA und Morris Mini Cooper S auf ihre Chance warteten, beim Wettstreit der Tourenwagen vorne mitzumischen.
Bis zu den obligatorischen Boxenstopps entspann sich ein Tür-an-Tür-Kampf der schnellsten Ford Lotus Cortina, erst eine Panne an Gordon Sheddens Wagen beruhigte die Szenerie. Am Ende durften sich Richard Meaden/Grand Tromans auf ihrem Ford als Sieger feiern lassen, gefolgt von Brown/Dutton auf einem weiteren Ford Lotus Cortina und Banks/Banks auf einem Alfa Romeo Giulia Sprint GTA.
Dreimal Formel 1
Liebhaber historischer Formel-1-Fahrzeuge kamen gleich dreifach auf die Rechnung.
In zwei Rennen fuhren die Teilnehmer der FIA Masters Historic Formula One Meisterschaft um Sieg und Niederlage. Die ausschliesslich mit Cosworth-3-Liter-Motoren befeuerten Monoposti fuhren aktiv in den Jahren 1971 bis 1985. Im ersten Rennen schien Pole-Position-Halter Michael Lyons einem sicheren Sieg im Hesketh entgegenzufahren, bis ihn ein mechanischer Defekt in der letzten Runde stoppte. So erbte Ollie Hancock im Fittipaldi F5A den ersten Platz, gefolgt von Martin Stretton im Tyrrell 012 und Christophe D’Ansembourg auf dem Williams FW07/C.
Im zweiten Rennen vom Sonntag konnten die begeisterten Zuschauen in wenigen Runden mehr Positionswechsel auf der Strecke beobachten als in der modernen Formel 1 in mehreren Rennen. Hancock, Stretton, Lyons, Hartley und D’Ansembourg überholten sich gegenseitig viele Male und erst gegen Ende des Rennens, nachdem einige Fahrzeuge schwächelten, konnte sich Martin Stretton auf dem Tyrrell 012 als Sieger durchsetzen, gefolgt von Steve Hartley auf dem Arrows A4, der die schnellste Runde fuhr, und Christophe D’Ansembourg auf dem Williams.
Auch die Grand-Prix-Wagen der Ära vor 1966 traten zu zwei Rennen am Samstag und am Sonntag an. Überschattet wurden diese Trophy Races vom tödlichen Unfall, den im historischen Rennsport sehr bekannten Denis Welch auf dem Lotus 18 am Sonntag erlitt. Welch war ein englischer Geschäftsmann, der dem Rennsport sehr zugetan war und der eine eigene Rennvorbereitungsfirma beass. Sein Lotus überschlug sich und er war vermutlich sofort tot. Bekannte liessen sich zitieren mit "er starb bei dem, was er am liebsten tat".
Das erste Rennen gewann Jason Minshaw auf einem Brabham BT4, vor Fairley auf Brabham BT11 und Horsman auf Lotus 18/21. Das zweite Rennen ging an an dieselben Leute, nur dass Miles Griffith auf Cooper T51 den dritten Platz von Horsman übernehmen konnte.
Die beiden Rennen der Grand-Prix-Wagen bis Jahrgang 1960 konnte Peter Walker auf Lotus 16 klar für sich entscheiden und trotz der Ausschreibung als Maserati Centenary Trophy kamen die Monoposti mit dem Dreizack weder im ersten noch im zweiten Lauf zu Siegeschancen. Immerhin konnte Tony Wood den Maserati TecMec in beiden Läufen auf Platz 3 fahren, während Julian Bronson den Scarab Offenhauser auf dem zweiten Platz hielt.
50 Jahre Ford Mustang
Zwei ganz besondere Rennen wurden mit der “Mustang Celebration Trophy” gestartet. Sie waren nämlich dem Ford Mustang gewidmet, der ja bekanntlich 50 Jahre alt geworden ist.
Im Feld tummelten sich neben vielen Mustangs allerdings auch andere Tourenwagen aus der Zeit, notabene die bekannt schnellen Ford Falcon, die dann auch den Sieg davon trugen. Leo Voyazides konnte vor Mike Gardiner im ersten Lauf gewinnen, gefolgt von Tom Roche auf einem Ford Mustang. Das Salz in der Suppe war allerdings Gordon Sheddon, der seinen Ford Lotus Cortina immer wieder an die Falcons heranbremste, am Schluss aber wegen technischer Probleme zurückstecken musste.
Im zweiten Rennen wollte sich Gardiner Revanche nehmen und es sah tatsächlich nach einem Sieg aus, den er aber mit einem Dreher in der letzten Runde vergab, so dass Voyazides seinen Erfolg wiederholen konnte. Platz 3 ging wiederum an Tom Roche.
Sportwagen der Fünfziger- bis Siebzigerjahre
Natürlich kamen auch die Sportwagen und GT-Fahrzeuge nicht zu kurz.
In der Sir Stirling Moss Trophy für Sportwagen, die vor dem Jahr 1961 gebaut wurden, siegten Jon Minshaw/Phil Keen auf einem wunderschönen Lister Jaguar Knobbly mit deutlichem Vorsprung vor Chris Ward auf einem Lister Jaguar Costin. An dritter Stelle im sehr gut besetzten Rennen, das mit legendären Sportwagenmarken nur so gespickt war, positionierten sich Nick Leventis und Bobby Verdon-Roe auf dem Ferrari 246S.
Bei den GT-Fahrzeugen bis Jahrgang 1965 konnte sich Sean McInerney auf dem TVR Griffith am reichlich mit Jaguar E-Types, Austin-Healeys, Cobras und Aston Martins, aber auch MGs, Porsches, Morgans und Lotus besetzten Rennen deutlich durchsetzen. Die Plätze 2 und 3 gingen dann an zwei E-Types.
Bei den FIA Masters Historic Sports Cars dominierten die Lola T70 das Geschehen.
Zwar gab es mit einigen McLaren, Chevron, Cooper, Porsche und Exoten wie dem Wolverine, dem Gipsy Dino P271 und anderen Raritäten durchaus Alternativen, aber mit der Geschwindigkeit der schnellen T70 konnte nur der Chevron B19 anfänglich mithalten. Als Martin O’Connell auf dem schnellen Chevron durch einen Zwischenfall gestoppt wurde, war der Weg für Leo Voyazides/Simon Hartfield frei, gefolgt von Jason Wright/Andy Wolfe und die Journalisten-Paarung Chris Harris/Richard Meaden. Für das Publikum attraktiv war insbesondere der Ferrari 512 S, den Jamie Campbell-Walter nach einem Dreher wieder gekonnt in die vorderen Ränge bewegte.
An die Le-Mans-Rennen der Fünfzigerjahre erinnerte die Royal Automobile Club Woodcote Trophy, die Sportwagen vor 1956 offen stand. Jaguar, Cooper, Maserati, Lotus, Allard, Aston Martin, Ferrari, Tojeiro, Kurtis, Austin-Healey, Frazer Nash, RGS Connaught, AC und Lister hiessen die Marken im über 50 Wagen starken Starterfeld.
Es siegten Frederic Wakeman/Patrick Blaeney-Edwards auf einem Cooper T38 vor John und Gary Pearson auf einem Jaguar D-Type und Geraint Owen/Charles Knill-Jones auf dem brachialen Kurtis 500S.
Die RAC Tourist Trophy für historische Fahrzeuge vor 1963 schloss den Reigen der Sportwagen und GTs ab. Auch hier zeigte sich eine bunte Mischung an klein- und grossvolumigen GT-Fahrzeugen, darunter Exoten wie die Ginetta G4, der Jensen 541 R, der Morgan +4 Supersports, der Reliant Sabre Six oder der Turner Climax Mk II. Dazu kamen mehrere Lotus Elite, einige Aston Martin DB4, diverse Jaguar E-Typs und einige Porsche. Jackie Oliver und Gary Pearson konnten die Siegertrophäe nach einem eindrücklichen Rennen nach Hause nehmen, auf Platz 2 reihte sich James Cottingham auf einem Jaguar E-Type ein, Platz 3 ging an Matin Hunt/Patrick Blakeney-Edwards auf einer AC Cobra.
Unterhaltung am laufenden Band
Vier weitere Rennen mit Formel-Autos und zwei modernere Rennserien rundeten das Programm ab.
Das Formel-Junior-Feld mit 52 rasenden Hummeln konnte sich mehr als sehen lassen.
Als Sieger wurde zweimal Sam Wilson auf dem Lotus 20/22 abgewunken. Bei der klassischen Formel 3 setzte sich zweimal Nick Padmore auf einem March 783 durch, Martin Stretton nahm mit seinem Martini MK 39 jeweils den mittleren Platz auf dem Podium ein, gefolgt von David Shaw auf einem March 803B.
Stirling Moss, der in Silverstone viele Male gefahren ist und sich daran erinnerte, dass er hier wohl noch nie einen Unfall hatte, fuhr in zwei Demonstrationsläufen mit. Zuerst eröffnete er das Feld von 84 historischen Grand-Prix-Wagen, um den 50. Geburtstag des Grand Prix zu feiern. Dabei wurde er unter anderem von David Brabham begleitet, der in seinem Brabham BT 24 Seite an Seite mit dem alten Haudegen die Start-Ziel-Gerade heruntersauste.
Nach dem ersten Demonstrationslauf konnte Sir Moss die Fahrt im Maserati 250 F gleich fortsetzen, denn nun führte er ein Feld von rund 200 klassischen und modernen Maserati-Sport- und Rennwagen an, um den 100. Geburtstag der Marke aus Modena zu zelebrieren. Unter den Fahrern war auch Alfieri Maserati.
Die Engländer haben wieder mal gezeigt, wie man historischen Motorsport feiert.








































































































































































































































































































































































































































































































































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