Bernina Gran Turismo 2016 - historische Rennwagen im Nebel

Erstellt am 3. Oktober 2016
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Es war beinahe gespenstig, als die Stille der eingenebelten Bergwelt vom Stampfen eines Achtzylinders und vom Kreischen eines Kompressors durchbrochen wurde. Zu sehen war nichts, bis aus dem Nebel ein herrlicher Alfa Romeo 8C 2300 Zagato auftauchte und bald wieder im Weiss der feuchtkalten Wolken verschwand. Zu hören war er deutlich länger, als man ihn sehen konnte.


Alfa Romeo 8C 2300 Zagato (1932) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und das war auch mit den übrigen Autos so, die bei schlechter Sicht die Fahrt von La Rösa zum Berninapass Hospitz unter die Räder nahmen.

Es gibt nur wenige historische Bergrennen, die den Kampf um die Bestzeit stipulieren und gleichzeitig auf eine grosse Tradition zurückblicken können, Bernina Gran Turismo ist eine der Ausnahmen im Jahreskalender.


Maserati A6CGS/53 Fantuzzi (1954) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Am 1. und 2. Oktober 2016 war es zum zweiten Mal soweit, nicht ganz vier Dutzend Renn- und Sportwagen machten sich auf die fast sechs Kilometer lange Bergrennstrecke, um gegen die Uhr, aber noch viel mehr das Wetter zu kämpfen. Und dies praktisch fast ohne Zuschauer.

Fast wie damals

Schon 1929 gab es ein Rennen am Berninapass . Durchgeführt wurde es im Rahmen der St. Moritzer Automobilwoche, die rund drei Jahre nach der Öffnung des Kantons Graubünden für Automobile ins Leben gerufen wurde. Das ursprüngliche Bernina Bergrennen führte von Poschiavo  (1011 m) auf die Passhöhe. Die Rennfahrer bezwangen also rund 16,5 km Streckenlänge und 1216 Meter Höhendifferenz.


Austro-Daimler (1928) - Hans Stuck fuhr Streckenrekord beim Bernina-Bergrennen 1929
Zwischengas Archiv

Hans Stuck schleuderte seinen Austo-Daimler in 14 Minunten und 58,4 Sekunden über die nicht asphaltierte Strecke auf die Passhöhe und durfte sich damit “König der Bernina” nennen. Auf der Startliste tauchte übrigens 1929 auch ein Amilcar auf, und ein solcher wagte sich auch 2016 wieder ans Erklimmen der Bergrennstrecke.

Schnelle Bergrennstrecke

Auf rund 5,9 km windet sich die Bergstrasse kurvenreich von La Rösa zum Hospitz auf dem Bernina-Pass. Einige Spitzkehren drücken auf das Tempo, aber im Prinzip ist die gut ausgebaute Strecke recht schnell. Knapp über 100 km/h im Schnitt fuhren die schnellsten Rennteilnehmer und dies trotz nicht optimaler Sichtverhältnisse. Dabei legten sie 452 Höhenmeter zurück und der Motor musste bis zur Passhöhe auf 2328 Meter mit dem richtigen Gemisch versorgt werden.

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Zwei Teilnahme-Modi

Gefahren wurde entweder auf Bestzeit oder auf Gleichmässigkeit. Ein knappes Dutzend Teilnehmer wählte den rennsportlichen Modus, der Rest des Feldes versuchte identische Zeiten zu fahren und dabei die Richtgeschwindigkeit von 80 km/h für Fahrzeuge nach 1947, respektive 49,9 km/h für Autos bis 1946 nicht zu überschreiten. Die sich dabei ergebenden Richtzeiten von rund 4:45 respektive 7:56 Minuten erlaubten aber immer noch ein sportliches Fahren, Unterschreitungen wurden mit Strafpunkten geahndet.


Brabham BT-30 Formula 2 (1970) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Teilnahmegebühr betrug pro fahrenden Teilnehmer CHF 1850, worin auch einige Essen und natürlich die Preise inbegriffen waren. Kein billiges Vergnügen also, aber wann erhält man schon einmal eine der schönsten Passstrassen der Welt (fast) für sich alleine zur Verfügung?

Wetterpech

Leider stand auch die zweite Durchführung von Bernina Gran Turismo unter einem schlechten Stern, was das Wetter anging. Am Samstag betrug die Sicht nebel- und wolkenbedingt oft nicht einmal 20 Meter, die Strecke blieb vorwiegend feucht und glitschig. Am Sonntag waren die Verhältnisse nicht besser, das imposante Gebirgspanorama konnten die Teilnehmer nur für kurze Momente geniessen, wenn die Wolken zwischendurch einmal aufrissen. Und dies nach einer schönen Woche mit viel Sonnenschein.


Porsche 356 A Carrera (1956) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das kalte und feuchte Wetter verhinderte dann auch ein grösseres Zuschaueraufkommen. Die eigentlich vorgesehenen Gratis-Shuttles von den offiziellen Parkplätzen brauchten gar nicht zu fahren, sie wären schlecht besetzt gewesen. Einige wenige Besucher hatte es an der Strecke dann doch, trotz minimaler Propaganda hatten sie von Ort und Zeit gewusst und rechtzeitig zwischen zwei Rennläufen an der Strecke eingefunden.

Rennsportraritäten am Berg

Und sie, die Besucher, kriegten einiges zu sehen, was man nicht jeden Tag und selbst an grossen internationalen historischen Rennveranstaltungen oft nicht vorgeführt erhält. So tobten gleich zwei Porsche 908 in Spider-Konfiguration den Berg hoch, ein 908/2 von 1969 und ein 908/3 von 1970. Die Achtzylinder konnten ihr Talent wegen des schlechten Wetters allerdings nur in einem Lauf optimal ausspielen.


Porsche 908/3 (1970) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch andere Piloten offener Rennwagen litten unter den feuchten und kalten Wetterverhältnissen und waren froh, zwischen den Läufen Zuflucht im Bergrestaurant finden zu können. Ein Maserati A6CGS von 1953, ein Lister Costin von 1959, ein Cooper T33 von 1954 oder ein Ferrari 500 TRC von 1957 wären bei Sonnenschein sicherlich angenehmere Rennwagen gewesen.


Ferrari 500 TRC (1957) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Da hatten es die Fahrer der Coupés und Tourenwagen, darunter drei der seltenen Porsche 356 Carrera mit dem Fuhrmann-Motor, sicherlich etwas besser, dafür kämpften sie mit anlaufenden Scheiben und suboptimal reinigenden Scheibenwischern.

Überschaubares Fahrzeugfeld

45 Fahrzeuge waren gemäss Ausschreibung vorgesehen, die Zahl reduzierte sich bereits nach den Trainingsläufen und am Sonntag zählte man nach einigen technischen Ausfällen gerade noch 38 gezeitete Teilnehmerfahrzeuge. Dies war aber kein Grund für Langeweile, denn bezüglich Vielfalt und Qualität wurde einiges geboten.


Jaguar C Type (1952) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Am Start war zum Beispiel der Austin A35, der noch vor kurzem am Goodwood Revival um vorderste Plätze mitgefahren war, aber auch der Jaguar C Type, den man in Monaco und Le Mans hatte siegen sehen. Vom Brabham BT-30 Formel 2 bis zum ehemaligen Werks-Tourenwagen Ford Lotus Cortina wurde das ganze Spektrum geboten, das der historische Rennsport zu bieten hat.

Die Schnellen und die Gleichmässigen

Nur ein Lauf konnte wirklich schnell gefahren werden, entsprechend waren es dann auch die Zeiten des zweiten Rennlaufs am Samstag, die zum Entscheid der Rennklasse führten.


Porsche 908/3 (1970) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Gesamtsieger wurde Christopher Rendlen auf dem Porsche 908/3 von 1970, gefolgt von Christian Kleinguti auf dem Brabham BT30 von 1970 und Daniele Perfette im Porsche 911 T von 1971.


Porsche 911 T (1971) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Als Vierter brachte Chris Ward den Jaguar C-Type von 1952 ins Ziel, ihm folgten Reto Gansser im Porsche 911 Carrera von 1975 und Derek Hood im Ford GT40 von 1965. Da es fast soviele Klassen wie Teilnehmer in der mit 11 Fahrzeugen besetzten Rennkategorie gab, durfte sich fast jeder Pilot über einen Klassensieg freuen.


Amilcar CGSS (1928) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

In der Gleichmässigkeitswertung hiessen die Sieger W. Nützi / M. Forrer auf dem Amlcar CGSS von 1928, Marc Glänzer auf dem Lotus Elite, Ruedi Stoop auf dem Ford Falcon von 1965, Johannes Jäger auf dem Huron FF71 Formula F von 1971, Diego Schwarzenbach auf einem Volvo 123 GT von 1968 und Philip Mouser auf einem Ford Escort RS 1800 von 1974.


Ford Escort RS 1800 (1974) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Begeisterte Teilnehmer

Unabhängig von den gewonnen Preisen zeigten sich die Fahrer positiv beeindruckt von der gelungenen Veranstaltung. Natürlich hätten sich (fast) alle bessere Wetterbedingungen gewünscht, aber dies konnte man der Organisation ja nicht gut anlasten.

Das Wochenende verlief unfallfrei, nur gerade in den Demoklassen gab es kleine Zwischenfälle zu beklagen, somit war auch die Rennbehörde Auto Sport Schweiz sehr zufrieden und sprach der Organisation ein Kompliment aus.


Ford Capri (1975) - Bergrennen Bernina Gran Turismo 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

“Die Veranstaltung hat Potential, hier kann Grosses entstehen”, meinte denn auch ein sichtlich gut gestimmter Teilnehmer und man darf gespannt sein, wie das Bernina-Bergrennen im Jahr 2017 aussehen wird, wenn dann bis zu 80 oder 85 Fahrzeuge bei hoffentlich besseren Wetterbedingungen wiederum den Berg hochflitzen.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ne******
04.10.2016 (12:27)
Antworten
Mag der Nebel für die Teilnehmer wenig schön gewesen sein, mag er die Besucher abgehalten haben, für uns als Betrachter hat er auf jeden Fall sehr schöne und ungewöhnlchge Fotos gebracht.

Martin Schröder
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