Bereits zum elften Mal fand vom 3. bis 6. September 2015 das Arosa ClassicCar Bergrennen statt und einmal mehr war den Organisatoren das Wetterglück nicht ganz hold. Angetreten waren rund 160 temperatur- und nässefeste Rennfahrer mit ihren Sport- und Rennwagen, um sich mit der rund sieben Kilometer langen kurvigen Strecke zu messen.
Alte Strecke, neue Schikanen
Kaum etwas hat sich an der grundsätzlichen Streckenführung von Langwies nach Arosa geändert. Nachwievor führt der “Nürburgring der Alpen” in schnellen Geschlängeln und engen Spitzkehren von rund 1400 auf fast 1800 Meter.
Unterwegs gibt es das berühmte Bergabstück zu meistern, das wie in den vergangenen Jahren mit einer Schikane etwas entschärft wurde. Neu stellten sich den Fahrern auch im Zielbereich Streckenbegrenzungen in den Weg, was zu gesenkten Durchschnittsgeschwindigkeiten und einer Verlangsamung im Zielbereich führte, eingeführt wohl aus der Erfahrung vergangener Jahre.
“Ein paar Sekunden wird’s schon kosten”, meinte einer der Teilnehmer.
Wechselhaftes und kühles Wetter
Mehr als die Streckensicherung aber beeinträchtigte das Wetter die mutigen Piloten. Während es im Training am Freitag noch den ganzen Tag trocken blieb, erforderten die Rennläufe am Samstag bei sehr nasser Strecke einen feinfühligen Gasfuss. Am Sonntag dann war es zwar wieder trockener und hätte gemäss Wetterbericht auch niederschlagsfrei bleiben sollen, doch zwischendurch wurde die Strecke nass und es war mit Temperaturen um fünf Grad sehr kühl, was die Reifen nicht wirklich griffiger machte.
So liess denn auch der eine oder andere Spitzenfahrer, darunter auch Lokalmatador Roger Moser am Samstag, hie und da mal einen Lauf aus, wenn er sich seiner Sache sicher fühlte.
Und wer doch fuhr, hatte meist mit unterschiedlichen Streckenzuständen unten und oben zu kämpfen. Kühl bis kalt aber blieb es auch für diejenigen, die oben im Fahrerlager ausharrten, bei fünf oder weniger Grad Celsius war mancher froh, wenn er ins Gastronomiezelt einkehren gehen durfte.
Blechschäden
Die nicht einfachen Verhältnisse auf der Strecke und auch ab und zu technische Probleme führten leider zu einigen Missgeschicken. Am schlimmsten traf es einen Porsche-Fahrer, dem, nachdem er seinen Wagen in einer Spitzkehre parkieren musste, ein Austin-Healey fast unverzögert in die Seite knallte. Da denkt man, der Vorteil beim Bergrennen sei, dass man alleine auf der Strecke sei und dann wird einem das Auto vor seinen eigenen Augen onduliert. Glücklicherweise blieb es beim (teuren) Blechschaden und auch bei anderen Unfällen (u.a. Alfa Romeo, Mini) kamen keine Menschen zu Schaden.
Raritäten auf der Strecke und im Fahrerlager
Auch im Jahr 2015 hatte das Arosa Bergrennen wieder Fahrzeuge zu bieten, die man nicht überall sieht. Aufgefallen ist beispielsweise ein Aston Martin DB 2/4 Bertone Competition Spider aus dem Jahr 1953, eine Rarität mit attraktiven Kurven.
Ein weiteres Mal trat Urs Beck in seiner origionalen Shelby Cobra 289 von 1954 an während Toni Seiler wiederum der Kraft des Lola T70 Spyders Mk 2 von 1966 vertraute.
Begeisternd auf das Publikum wirkten die drei De Tomaso Pantera, die in verschiedenen Klassen angetreten waren.
Eher für Kenner war der Ardun Allard J2 aus dem Jahr 1951, der mit freistehenden Kotflügeln noch den Geist der Vorkriegszeit atmete, speziell der Healey X1 Red Bug aus dem Jahr 1946, den mancher Zuschauer sicherlich zum ersten Mal gesehen hatte.
Leider blieben doch einige gemeldete Fahrzeuge dem Rennen fern und auch Zumtobel und sein berüchtigt schneller Porsche Carrera 6 von 1966 nahmen 2015 nicht teil. Schade!
Hilfsbereitschaft gross geschrieben
Es geht in Arosa sicherlich nicht nur ums Siegen, genauso gross werden nämlich Kameradschaft und Hilfsbereitschaft geschrieben, wie ein Beispiel eindrücklich zeigt. Claudia Franceschetti hatte mit ihrem Austin-Healey 100/4 BN2 Probleme, die sich bei einer ersten Untersuchung als Vergaserschwierigkeiten entpuppten. Die Diagnose war schnell gestellt, doch woher kriegt man in der Kürze für SU-Vergaser Ersatz?
Hans-Jörg Good hörte vom Malheur und vermeldete, dass er derartige Ersatzteile wohl bei sich zuhause (in Bad Ragaz) vorrätig hätte. Und er nimmt es auf sich, während des Abendessens nachhause zu fahren und nicht nur einen, sondern gleich zwei Ersatzschwimmer für die SU-Vergaser zu holen. Lange nach Eindunkeln macht sich Stefan Furter auf den Weg, den einen Schwimmer einzubauen, nur um alsbald zu merken, dass auch der zweite hin ist. Gottseidank hatte Good vorausgedacht und mit dem nun ebenfalls eingebauten zweiten Ersatzteil lief der Austin-Healey wieder wie vorher, Claudia Franceschetti konnte somit statt zuschauen auch alle Rennläufe geniessen.
Strahlende Sieger
Im Gegensatz zu den meisten anderen Oldtimer-Veranstaltungen aber bleibt Arosa ClassicCar aber trotz aller Kameraderie auch immer ein Rennen, bei dem es um Sekunden oder deren Bruchteile geht.
Roger Moser hatte auf seinem Martini-BMW Mk2B Formel 2 von 1983 wie im Vorjahr die Nase vorne und stellte mit 14:18.54 aus drei gezeiteten Läufen die Bestzeit auf.
Ihm folgte auf Platz 2 Toni Seiler auf dem Lola T70 Spyder Mk 2 von 1966, der natürlich damit auch seine Klasse gewann.
Platz 3 im Gesamtklassement ging an Arnold Luciano im Brabham BT 38 von 1971. Immerhin 21 von 24 gemeldeten Competition-Fahrern wurden gewertet, auch dies ein Achtungserfolg für Arosa.
In der “Classic Trophy” siegte der bereit erwähnte Hans-Jörg Good auf seinem Austin-Healey 100/6 BN4 von 1958. Gerade einmal drei Hundertstel betrug die Abweichung seiner zwei gleichmässigsten Läufe, da sieht man, dass Hilfsbereitschaft nicht auf Kosten der Ergebnisse gehen muss. Und gerade ihm gönnten sicher einige Teilnehmer im Publikum den Sieg.
Die “Sport Trophy” entschied Daniel Uebelhard auf dem Audi UrQuattro 10V von 1981 für sich. Er leistete sich sogar nur eine Abweichung von zwei Hundertstel.
Insgesamt 22 Fahrer erreichten am Wochenende Abweichungen unter einer Sekunde, die Konkurrenz lag also nahe beieinander.
Die kompletten Ergebnisse sind auf der Website von Arosa ClassicCar zu finden.
Gute Noten für Organisation
Mehrheitlich gute Noten verteilten die angetretenen Fahrer der Organisation, vor allem die “Hospitality” und die Betreuung kamen gut an, bei der Aufstellung für die Rennläufe am Samstag/Sonntag, die basierend auf den Zeiten des Freitagstrainings hätten passieren sollen, ortete man noch Durchsetzungs- oder Kommunikationsbedarf. Und für das Wetter konnte man das rührige Team um Markus Markwalder wirklich nicht verantwortlich machen.
2016 wird das Dutzend voraussichtlich am 1. bis 4. September voll, hoffentlich wird es dann ein wenig wärmer (und trockener) ...










































































































































































































































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