1000 km rennmässiges Sparen in Monza im Jahr 1983

Erstellt am 23. August 2013
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
28
Bruno von Rotz 
6

Im Jahr 1983 durchlief die 1982 neu formierte Gruppe C eine Durststrecke, da sich die teilweise finanziell sparsam ausstaffierten Teams auf Le Mans konzentrierten und Ford nach seinem Rückzug eine erhebliche Lücke offengelassen hatte.

So blieben für Monza nur noch Porsche und Lancia mit Werksteams übrig, doch der überraschend schnelle Lancia LC 2 sorgte (zu Beginn wenigstens) trotzdem für Spannung


Lancia LC2 (1983) - der Wagen von Patrese und Alboreto - 1000 km Monza 1983
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Eine lange 1000-km-Tradition

Die Vorläufer des 1000 km Rennens von Monza fanden als “Coppa Inter-Europa” bereits 1949 auf dem 6,3 km langen Rundkurs von Monza statt. Bereits 1954 wurden 1000 km gefahren,

1956 expandierte man auf den zehn Kilometer langen Rundkurs. Bis 1969 wurde weiterhin auf dem grossen Kurs gefahren, der auch das überhöhte Oval beinhaltete. 1966 baute man Schikanen ein, um die Geschwindigkeiten zu senken.

Ab 1970 wurde dann auf dem kürzeren Grand-Prix-Kurs ohne überhöhte Kurven gefahren, nun waren 173 statt 100 Runden nötig, um die 1000 km zu absolvieren.

Sparsamkeit gewinnt

600 Liter Benzin durften 1983 mit maximal fünf Tankstopps über 1000 km verbrannt werden. Dies löste Investitionen in elektronisch gesteuerte Benzineinspritzungen und die Drosselung der Motoren auf 550 bis 600 PS bei Porsche und ungefähr 600 PS bei Lancia aus. Während Porsche (bei den Werkswage) auf die Einspritzung von Bosch vertraute, tat im Lancia eine Lösung von Weber ihren Dienst.


Porsche 956 (1983) - Tankstopp und Flügelkorrektur bei Lammers-Needell-Lloyd - 1000 km Monza 1983
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard
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Schnelle Lancia LC 2

Im Training hatte der neue, erst kurz vorher vorgestellte Lancia-Gruppe-C-Sportwagen mit Ferrari-2.6-Liter-V8-Motor positiv überrascht. Piercarlo Ghinzani stellte den noch praktisch ungetesteten Boliden mit einer Zeit von 1:35,86 (Durchschnittsgeschwindigkeit 217,187 km/h) auf die Pole Position, 0,8 Sekunden schneller als Bob Wollek auf dem Joest-Porsche 956. Der zweite LC 2 erreichte Rang 5 im Training, dazwischen lagen allesamt Porsche 956.

Kurzes Feuerwerk

Vom Start weg zog der Lancia LC 2 unter Ghinzani vorne weg und fuhr sich in den ersten neun Runden einen Vorsprung von fast elf Sekunden heraus. Auf der Start-Ziel-Geraden erreichte er Spitzengeschwindigkeiten von rund 310 km/h. Dann passierte es, ein Hinterreifen platzte gerade bei der Vorbeifahrt an den Boxen. Ghinzani konnte immerhin den schlenkernden Lancia auffangen, musste aber noch eine ganze Runde auf der Felge absolvieren. Die Folgeprobleme zwangen ihn schliesslich nach mehreren Unterbrüchen in Runde 26 zur Aufgabe.


Lancia LC2 (1983) - die Folgeprobleme des Reifenschadens werden beim Wagen von Patrese/Alboreto begutachtet - 1000 km Monza 1983
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der zweite LC 2 kam durch, wurde aber häufig mit neuem Gummi ausgerüstet und lief auch nur auf sieben Zylindern, Platz 9 musste Anbetracht dieser Umstände als Erfolg gewertet werden.

Porsche-Dominanz


1000 km Monza 1983 - Siegerehrung mit Rolf Stommelen, Bob Wollek, Thierry Boutsen und Hans Heyer
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das Endergebnis der 1000 km Monza vom 10. April 1983 machte die Dominanz des Porsche 956 deutlich. Auf den ersten sieben Plätzen waren ausschliesslich diese Sportwagen aus Zuffenhausen zu finden. Sieger wurde allerdings nicht wie erwartet das Werks-Team sondern der Joest-956 mit Bob Wollek und Thierry Boutsen am Lenkrad. Ihre Durchschnitsgeschwindigkeit über die 1000 km betrug 192,89 km/h, 5 Stundne 12 Minuten benötigten sie für Gesamtdistanz.


Porsche 956 (1983) - die Sieger Bob Wollek und Thierry Boutsen werden abgewunken - 1000 km Monza 1983
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf Platz 2 liefen Jacky Ickx und Jochen Mass auf dem Rothmans-Werks-956 ein, gefolgt von Stommelen/Schickentanz/Heyer auf dem zweiten Joest-Porsche. Platz 4 ging an Planenhorn/Barth/Lässig, Platz 5 an Fitzpatrick/Hobbs, Platz 6 an Lammers/Lloyd. Derek Bell und Al Holbert auf dem zweiten Werks-956 beendeten das Rennen auf Platz 7, nachdem bei ihnen die Defekthexe zugeschlagen hatte und ein Radträger inklusive Radlager ausgetauscht werden musste.

Und die anderen?


Porsche CK5 Kremer (1982) - die kleineren Teams fuhren hinterher, hier der Kremer CK5 und der ungebaute "alte" Lancia LC1
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit 19 Runden Rückstand ging der beste Nicht-Porsche auf Platz 8 ins Ziel. Dabei handelte es sich um einen von der Scuderia Sivama auf Gruppe C umgebauten Lancia LC 1 der Gruppe 6 aus dem Jahr 1982. Platz 9 nahm wie bereits erwähnt der zweite Werks-LC 2 mit Michele Alboreto und Riccardo Patrese ein, dann folgten vier Gruppe-B-Fahrzeuge, namentlich zwei BMW M1 und zwei Porsche 930.

Erwähnenswerte Ausfälle


Harrier RX83C Mazda (1983) - der kleine Harrier startete in der Gruppe C Junior, wo nur kleine Tanks erlaubt sind
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ein einziger Gruppe C Junior Wagen war am Start. Dabei handelte es sich um den Harrier RX83C mit Mazda-Wankelmotor. Als Gruppe C Auto war der Tank des sehr lauten Sportwagens auf 55 Liter begrenzt, die Anzahl der Stopps entsprach aber den Wagen der Gruppe C. So musste die Leistung auf 280 bis 310 PS gedrosselt werden, um mit der Benzinmenge durchzukommen. Doch nach 38 Runden war wegen eines verbrannten Rots Schluss.

Ebenfalls ausgefallen war der Kremer-Porsche CK5, der mit 935-Triebwerk in der Gruppe C am Start war. Wegen eines Öllecks war die Fahrt aber trotz guter Traininsleistungen nach 32 Runden zu Ende.

Von den 13 gemeldeten Gruppe-6-Autos gingen gerade einmal acht Fahrzeuge an den Start und nur einer, der Osella PA9/82 Carma wurde mit 133 Runden gewertet.

Fazit

Das Sparreglement und der Verzicht auf die Gruppe 6 in der Marken-Weltmeisterschaft machte die 1000 km Monza zu einem Zweikampf Porsche gegen Lancia, den die Italiener mit einem wenn auch schnellen, aber noch unzuverlässigen Rennwagen nie gewinnen konnten.

Für das Publikum waren die Folgen des limitierten Verbrauchs wenig attraktiv, mussten doch die Spitzenfahrer teilweise zurückstecken und sich überholen lassen. Dies betraf besonders den Werks-Porsche, der aus Vorsicht (?) zweimal eine Runde zu früh tankten und entsprechend in der zweiten Hälfte des Rennens Benzin sparen musste.


Porsche 956 (1983) - der Werkswagen von Ickx-Mass vor dem zweiten Werks-Porsche, beide mit Rothmans-Bemalung - 1000 km Monza 1983
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Ergebnisse des 1000 km Rennen in Monza 1983

Die folgende Tabelle zeigt die Top Ten des Rennens von Monza. Mit Ausnahme des Zehntplatzierten handelt es sich ausschliesslich um Gruppe-C-Sportwagen.

Rang Start-Nr Marke Typ Team Fahrer
1 11 Porsche 956 Joest Racing Bob Wollek (F)/ Thierry Boutsen (B)
2 1 Porsche 956 Rothmans Porsche (Werk) Jacky Ickx (B)/ Jochen Mass (D)
3 12 Porsche 956 Joest Racing Rolf Stommelen (D)/ Hans Heyer (D) / Clemens Schickentanz (D)
4 18 Porsche 956 Obermaier Racing Axel Plankenhorn (D)/ Jürgen Barth (D) / Jürgen Lässig (D)
5 16 Porsche 956 John Fitzpatrick Racing John Fitzpatrick (GB)/ David Hobbs (GB)
6 14 Porsche 956 Richard Lloyd Racing Jan Lammers (NL)/ Tiff Needell (GB) / Richard Lloyd (GB)
7 2 Porsche 956 Rothmans Porsche (Werk) Derek Bell (GB)/ Al Holbert (USA)
8 23 Lancia LC 1 Scuderia Sivama Duilio Truffo (I)/ Roberto Sigala (I)
9 4 Lancia LC 2 Martini Racing (Werk) Michele Alboreto (I)/ Riccardo Patrese (I)
10 88 BMW M1 Racing Team Jürgensen GmbH Edgar Dören (D)/ Heinz-Christian Jürgensen (D)

 

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