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Bild (1/1): Plymouth Barracuda V8 (1965) - dynamisches Coupé mit der Kraft aus acht Zylindern (© Bruno von Rotz, 2020)
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  • Plymouth Barracuda – der Anti-Mustang von Chrysler

    Erstellt am 16. April 2020
    Text:
    Bruno von Rotz
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    Ein paar Tage kam Chrysler Ford zuvor und war damit der eigentliche Begründer einer neuen Fahrzeugkategorie. Der Plymouth Valiant Barracuda (nach einem Raubfisch benannt) wurde am 1. April 1964 angekündigt, die (inoffizielle) Weltpremiere des Ford Mustang erfolgte bekanntlich am 12. April 1964 in Bern. Doch der Mustang gefiel dem Publikum besser, verkaufte sich achtmal häufiger und somit hiess die neue Fahrzeugkategorie fortan “Pony Cars” und nicht “Fish Cars”.

    Plymouth Barracuda (1964) - 'Surfside' - die Sonnenseite zeigend
    © Archiv Automobil Revue

    Präsentation (fast) in aller Stille

    Anders als Ford, das die Lancierung des Mustang zum weltumspannenden “Happening” machte, stellte Chrysler den Barracuda im Kreise der übrigen Modelle auf der New York Auto Show 1959 vor. Die Automobil Revue kommentierte damals:
    “Auf die diesjährige internationale New-Yorker Automobil-Show hat die Chrysler-Plymouth Division einen vollständig neuen Fahrzeugtyp herausgebracht, der vor allem auf die sportlich interessierte und jüngere Generation Amerikas abzielt und demnächst in Produktion gehen soll.”

    Die Zielrichtung war dieselbe wie bei Ford, im Unterschied zu den Gestaltern in Dearborn aber hatten die Chrysler-Designer deutlich weniger Freiheiten, denn als Plattform war der Chrysler Valiant gegeben und auch von den Karosserieteilen musste viele übernommen werden.

    Chrysler/Plymouth Valiant als Ausgangspunkt

    Bereits im Oktober 1959 hatte Chrysler als Antwort auf kompaktere Autos von AMC oder Volkswagen den Typ Valiant eingeführt. Der Valiant erschien fast gleichzeitig wie der Ford Falcon und der Chevrolet Corvair. Während das Design komplett neu und eigenständig geriet, wählte man als Basis bewährte Technik und Komponenten. Allerdings erhielt der als Limousine und kurz danach auch als Kombi angebotene Wagen eine selbsttragende Karosserie, was Ende der Fünfzigerjahre in den USA noch keineswegs üblich war.

    Chrysler Valiant (1959) - Vorstellung an der London Motor Show 1959
    © Archiv Automobil Revue

    Anfänglich diente als Antrieb ein Reihensechszylinder mit 2,8 Litern Hubraum, der mit einem günstigen Verbrauch (“30 miles to the gallon”) angepriesen wurde, aber Baujahr 1962 erhielt man den Valiant, der je nach Land als Chrysler, Plymouth oder einfach als Valiant verkauft wurde, auch einen grösseren Motor mit 3,7 LItern Hubraum.

    Für das Baujahr 1963 wurde das Design komplett überarbeitet und geglättet, die unorthodoxen Konturen verschwanden, der Valiant passte sich den Konkurrenten an.

    Plymouth Valiant (1963) - geglättetes Karosseriedesign
    © Archiv Automobil Revue

    Ab Baujahr 1964 nahm wahlweise ein neuer V8-Motor mit 4478 cm3 Hubraum Einzug unter der vorderen Motorhaube, fahrwerkstechnisch blieb man der bewährten Konzeption mit oberen Dreieckslenkern und einfachem Querlenker vorne, sowie der Starrachse mit Halbelliptikfedern treu. Geschaltet wurde über ein Drei- oder Vierganggetriebe von Hand, alternativ via die Torqueflite-Getriebeautomatik.

    Die Limousine war für amerikanische Massstäbe mit 2,69 m Radstand, 4,78 m Länge, 1,78 m Breite und 1,36 m Höhe immer noch kompakt, als Gewicht wurden 1210 kg (einfachste Ausführung) angegeben.

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    Kein komplett neues Auto

    Für den neuen Barracuda wählte man also Valiant als Basis. Neben den technischen Komponenten wurden auch der Radstand, die Motorhaube, die Windschutzscheibe und die vorderen Dreiecksfenster, sowie Stossstangen und andere Kleinteile wiederverwendet, um die Investitionen für den neuen Wagen in Grenzen zu halten.

    Plymouth Barracuda (1964) - an einer Auto-Ausstellung
    © Archiv Automobil Revue

    Im Gegensatz zur Limousine aber verwendete das Coupé rahmenlose Seitenscheiben, die zusammen mit den versenkbaren hinteren Scheiben einen Hardtop-Look erzeugten. Auch die Grundabmessungen blieben gleich wie bei der Limousine, verbaut wurden der Reihen-Sechszylinder und der neue V8-Motor mit nominal 180 SAE-PS, der sein Gemisch über einen Carter-Doppelkörpervergaser erhielt.

    Heckscheibe als Alleinstellungsmerkmal

    Das Besondere am Barracuda war aber das Fastback-Heck mit einer riesigen 1,4-Quadratmeter-Heckscheibe, gemäss der Automobil Revue der grössten bis anhin verbauten. Diese war allerdings fest montiert, der Kofferraumdeckel fiel damit relativ niedrig aus und erschwerte das Beladen des Stauraums.

    Plymouth Barracuda (1964) - grosses Heckfenster und voluminöser Kofferraum, aber kleine Klappe dahinter
    © Archiv Automobil Revue

    Dafür konnte man die hinteren Seitenlehnen herunterklappen und eine Trennwand entfernen, womit eine riesige Ladefläche entstand, auf die auch ein Surfboard fast passte (wie die damalige Werbung gerne proklamierte).

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    Zuverlässige Alltagssportlichkeit

    Auch in Europa kam das je nach Land Chrysler oder Plymouth Barracuda genannte Coupé gut an. Schliesslich liessen die nicht überbordenden Dimensionen auch ein Parken auf hiesigen Parkflächen zu und auch auf der Passstrasse hielten sich die Komplikationen in Grenzen. Gerade in den Alpenländern liebte man die starken V8-Motoren. So fasste der österreichische Motor-Kurier die Fahreindrücke mit der 180-PS-Version im November 1964 wie folgt zusammen:
    “Es ist immer wieder dasselbe – sowie man einmal mit einem der großvolumigen starken Amerikaner fährt, verwünscht man unsere unglückliche Steuergesetzgebung. Diese geradezu bulligen US-Motoren haben natürlich viel für sich. Schließlich ist ihr Drehmoment — im Fall Chrysler Barracuda mit 36,0 mkg bei 1600 U/min – direkt sagenhaft. Man kann im vierten Gang im Schrittempo dahinschleichen, und wenn man draufsteigt, rührt sich sehr ordentlich etwas.
    Der Barracuda ist ein angenehmes Fahrzeug. Nicht ganz so groß wie die anderen Amerikaner und nicht so überladen, aber mit all jenen Attributen behaftet, die einen modernen Amerikaner ausmachen. Die Servobremse fährt sich gut. Begeisternd die Kraft in diesem Wagen. Angenehm das Getriebe, man kann über den Mittelschalthebel richtig umrühren. Die Synchronisation ist hervorragend. Die Beschleunigung des Barracuda ist so, daß es einen richtig in die gut geformten Sitze drückt. Aber diese Beschleunigung erfolgt so nebenbei, ohne daß man irgend etwas merkt. Lautlos, geschmeidig, fast katzenhaft. Nichts von einem Motorgeräusch, kaum Windgeräusche, und wer nicht will, kann das Schalten bleiben lassen, denn das Drehmoment dieses Motors ist so gewaltig, daß man tatsächlich kaum schalten muß.“

    Plymouth Barracuda (1964) - mit härteren Dämpfern und Rallye-Streifen konnte der Barracuda zum 'richtigen' Sportwagen aufgewertet werden
    © Archiv Automobil Revue

    Rico Steinemann, Rennfahrer und Journalist nutzte 1965 eine V8-Version mit Automatik für eine Reise über 17’000 Kilometer kreuz und quer durch Amerika. Und auch er zeigte sich angetan:
    “Auf der Fahrt war ich für vier Wochen oder 17’000 Kilometer. Fangen wir bei der Standfestigkeit an, denn ihr verdankte ich den reibungslosen Ablauf der Reise. Sie ist schlechthin begeisternd, denn trotz der unglaublichen Torturen, die der Barracuda in Colorado, Arizona und Mexiko über
    sich ergehen lassen mußte, waren ein defekter Scheinwerfer (Stein eines Vorderwagens) und eine Reifenpanne (Nagel) die einzigen Zwischenfälle.”

    Und die Strassen in den USA waren damals keineswegs in bestem Zustand, Steinemann berichtete von schlaglochreichen Landstrassen, die er im Rallye-Tempo befuhr. Dabei musste er sich derweil mit der Getriebeautomatik begnügen. Für den Spurt von 0 bis 100 km/h stoppte Steinemann 13,9 Sekunden, während Paul Frère denselben Sprint mit der Viergangversion in 11,2 Sekunden geschafft hatte. Die Spitzengeschwindigkeit dokumentierte Steinemann mit 176 km/h.

    Zwar erkannte Steinemann auch einige Schwächen – Servolenkung zu indirekt, Nachsicht verlangende Bremsanlage –, insgesamt aber war sein Fazit positiv:
    “Als kompakter Amerikaner der sportlichen Kategorie hinterliess mir der Barracuda gesamthaft gesehen einen vorzüglichen Eindruck. Mit seinem Komfort und seiner Geräumigkeit einerseits und dem sportlichen Flair sowie den entsprechenden Motor- und Fahrleistungen anderseits, kommt er den Wünschen der Sportfahrer entgegen, die wegen Geschäft oder Familie Komfort und Innenraum benötigen. Darüber hinaus verleiht ihm die Anspruchslosigkeit und lange Lebensdauer einen hohen Gebrauchtwert.”

    Dass die typischen Barracuda-Fahrer durchaus leistungsorientiert waren, das zeigten auch die Verkaufsstatistiken. So wählten 90 % der Käufer des Baujahrs 1964 den V8-Motor.

    Mehr Power und die Formula S

    Bereits im November 1964 schob Chrysler eine schnellere Version des V8-Modells nach, nun 238 SAE-PS (bei 5200 Umdrehungen) stark.

    Plymouth Barracuda S (1966) - viel Chrom am Testwagen
    © Archiv Automobil Revue

    Der Hersteller selber bezeichnete den Barracuda „Formula S“ als das Auto mit dem besten Fahrverhalten, das Chrysler je gebaut habe. Härtere Federn und Stoßdämpfer, Querstabilisatoren, 5 1/2-Zoll-Felgen sowie speziell für den Wagen konstruierte Goodyear-Reifen derGröße 6.95-14 waren die Basis für dieses Handling-Wunder, mit dem Chrysler auch sportliche Erfolge erringen wollte.

    Den starken und auf 10.5:1 verdichteten V8-Motor mit Vierfachvergaser gab es zwar auch ohne das “S”-Paket, aber erst mit diesem harmonierte der Motor perfekt.

    Und trotz der gestiegenen Fahrleistungen wurde der starke Barracuda noch nicht einmal übertrieben durstig. Die Automobil Revue, die dem Barracuda S einen Lanstreckentest widmete und dabei 4000 km zurücklegte, kam auf 17,8 Liter pro 100 km im Schnitt, je nach Fahrweise liessen sich aber auch Durchschnitte zwischen 11,5 und 21,4 Liter pro 100 km erzeugen.

    Plymouth Barracuda (1966) - auf Testfahrt
    © Archiv Automobil Revue

    Der fahrbereit 1490 kg schwere Barracuda wurde in der Schweiz für CHF 23’750 verkauft. In Deutschland wurden DM 18950 verlangt für das Formula S Coupé. Dies war im Vergleich zur Konkurrenz (Fiat 2300 S Coupé DM 20’900, Porsche 901 DM 23’700, Mercedes-Benz 230 SL DM 20’500) günstig und etwa auf einer Ebene mit dem Ford (T5) Mustang.

    Schneller als ein Porsche?

    Mehr interessierte natürlich, wie sich der Barracuda S im Vergleich zur etablierten europäischen Konkurrenz schlug. Und da waren die Fahrleistungen durchaus auf Augenhöhe mit deutlich teureren Autos. So erreichte der von der Automobil Revue getestete Barracuda S 207.5 km/h Spitze, während damals für den Porsche 901 210 km/h, für den 230 SL 202 km/h und für das Fiat 2300 S Coupé 195 km/h notiert wurden.

    Auch beim Sprint von 0 bis 100 km/h sah der relativ schwere Amerikaner nicht schlecht aus. 10,5 Sekunden (gemäss AR-Messung) verglichen sich mit 8,7 (Porsche 901), 9,7 (Mercedes-Benz 230 SL) und 10,8 Sekunden (Fiat 2300 S). Im Vergleich zu diesen sportlichen Konkurrenten bot der Plymouth Barracuda aber ein überragendes Raumangebot und viel Komfort. Auch die Ausstattung, u.a. mit Drehzahlmesser, konnte überzeugen.

    Mit dem Fahrverhalten war die Automobil Revue allerdings erst nach einem Reifentausch zufrieden:
    “Die anfänglich montierten Reifen Goodyear Power Cushion des gewöhnlichen Typs gaben wohl einen weichen, gut gefederten Lauf, aber die Fahreigenschaften befriedigten erwartungsgemäss nicht. Der Wechsel zu Gürtelreifen – wir fuhren die Firestone Phönix – änderten den Wagen. Er wurde sportlicher, straffer und präziser, brach hinten nicht mehr aus, rutschte vorn nicht mehr weg und machte das Ausnützen der Leistung zum Genuss. Der Preis: rauheres Abrollen, mehr Karosseriegeräusche. Wir bezahlten ihn gerne. Nun entsprach das dank der breiteren Spur der rassig abgedeckten Räder sportlichere Bild der Wirklichkeit, und zur bullig-seidenen Beschleunigung eines grossen Amerikaners kam Härte und Spurtreue. Allerdings kommt er mit der starren Hinterachse und auch im Bremsen noch nicht an den besten europäischen Standard heran.”

    Road & Track beurteilte den Wagen wie üblich kritisch:
    “Allgemein gesprochen ist der Barracuda Formula S eine seltsame Mischung aus einigen ausgezeichneten und einigen weniger guten Eigenschaften. Er ist jedoch ein interessantes neues Auto, dessen Fahrleistungen gut sind und dessen Abmessungen den Fahrbedingungen, die man heute in Amerika vorfindet, gut angepaßt sind.  … Für jene Leute, die Spaß am sportlichen Fahren haben, aber aus familiären oder geschäftlichen Gründen vier Sitze und einen angemessenen Gepäckraum benötigen, ist der Barracuda sicherlich eine ausgezeichnete Kompromisslösung.”

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    Jährlich überarbeitet

    Wie für amerikanische Hersteller üblich wurde auch der Barracuda jeweils zu Beginn des neuen Baujahres leicht modifiziert. So änderte die Motorauswahl, zusätzliche Optionen wie Scheibenbremsen oder Klimaanlage kamen dazu.

    Plymouth Barracuda S (1966) - Barracuda-Emblem auf einem Testwagen
    © Archiv Automobil Revue

    Die Valiant-Schriftzüge verschwanden, dafür gab es 1966 neue Rücklichter und eine modifizierte Forntpartie. Auch das Interieur wurden leicht umgestaltet.

    Ablösung nach gut zwei Jahren

    Die ersten Baraccudas wurden im Mai 1964 verkauft, im Spätherbst 1966 bereits wurde ein komplett überarbeitete Version angekündigt, die zwar noch auf derselben Plattform aufbaute, aber mit neuem Styling und deutlich gewachsenen Dimensionen (Länge 490 cm, Breite 182 cm) antrat.

    Plymouth Barracuda (1967) - die neue Fliessheckversion wurde erstmals weltweit vertrieben
    © Archiv Automobil Revue

    Spätestens zu jenem Zeitpunkt war die Verbindung zum Valiant nur noch für Kenner sichtbar. Allerdings war auch die grosse Heckscheibe Vergangenheit.

    Von 1964 bis 1966 wurden 126’068 Barracuda der ersten Generation verkauft, kein schlechtes Ergebnis. Das beste Baujahr war 1965 mit 64’596 Verkäufen. Heute sind die frühen Coupés ziemlich selten geworden in unseren Breitengraden. Entsprechend werden sie bestaunt, wenn sie z.B. bei Oldtimer-Treffen erscheinen.

    Eine ganz besondere Geschichte

    Der fotografierte Plymouth Valiant Barracuda gehörte einst einem Blumenhändler, der dann auch einen Fleurop-Kleber auf die grosse Heckscheibe klebte. Und dieser blieb bis heute dort angebracht, zwar etwas ausgebleicht aber intakt, wie auch das ganze Auto ohne umfangreiche Restaurierungsarbeiten bis heute überlebt hat, sozusagen als Zeitzeuge der Anfänge des Pony-Cars.

    Plymouth Barracuda V8 (1965) - viel Drehmoment, Leistung aus dem Keller
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wir danken dem Besitzer Dieter Grauer für die Gelegenheit, den schönen Plymouth Barracuda fotografieren zu können. Lassen wir ihn doch gleich selber erzählen, wie sich sein Barracuda von 1965 anfühlt:

    "Das Fahren mit einem 55-jährigen Barracuda ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Fahrgefühl und Lenkung sind weich bis schwammig; Kurven wollen sorgsam, gleichsam mit Vorhalt angegangen werden. Bei zu hohem Tempo untersteuert der Wagen kräftig, mit entsprechender Karosserieneigung. Der Fahrkomfort ist mit der einfachen Blattfederhinterachse bescheiden und immer etwas schwammig, aber akzeptabel.

    Die Bremsen beissen kalt heftig zu (blockierende Räder), warmgefahren genügen sie, allerdings mit deutlich längerem Bremsweg als heute üblich. Vorausschauendes Fahren ist Pflicht.

    Trotz dieser technischen Limiten ist der Barracuda ein auch auf längeren Strecken angenehmes Reisefahrzeug. Das habe ich zweimal mit der Teilnahme am RAID (Basel-Paris und Gstaad-Cannes) erlebt. Eine Klimaanlage ist nicht vorhanden. Heiss wird es im Auto aber trotzdem nur selten, da die Windschutzscheibe relativ steil steht und im Fussraum einfache Lüftungsklappen den Fahrtwind zu den Beinen blasen. So ist die willkommene Kühlung auch im Hochsommer möglich, zumal in Verbindung mit den pfostenlos versenkten Seitenfenstern und angewinkelten Dreiecksfenstern. Ein Wärmesammler ist auf sonnigen Parkplätzen allerdings die damals grösste Heckscheibe eines Serienfahrzeuges, einmal in Fahrt ist dies aber kein Problem. Die kunstlederbezogenen Sitze sind frei von Seitenhalt. Die Lehne ist nicht verstellbar und der Vorklappmechanismus ungesichert. Praktisch ist dagegen, dass die Lehne der hinteren Sitzbank flachgelegt werden kann. In Verbindung mit der ebenfalls umlegbaren Klappe zum Kofferraum ergeben sich fast Kombiqualitäten. Zwei Erwachsene können bei Bedarf im Auto schlafen, allerdings gut einsehbar durch die enorm grosse Heckscheibe ...

    Der 4.5 Liter V8-Motor ist in Verbindung mit dem 4-Gang-Handschaltgetriebe (Hurst- Stockschaltung) ein angenehmer, stets zugkräftiger und zuverlässiger Treibsatz. Mit 180 SAE-HP war er damals die zweitstärkste Maschine. Der Verbrauch ist für einen damaligen V8 mit 15 bis 18 Litern eher hoch, aber akzeptabel (95er Normalbenzin genügt).

    Die übrigen Bedienelemente sind einfach, aber ausreichend. Heizung und Lüftung sind mässig, die Scheibenwischer zweistufig, die Fensterbedienung manuell. Das im Auto original verbaute Blaupunktradio tut seine Dienste der damaligen Zeit entsprechend etwas knisternd und krachend. Etwas Besonderes ist angebaute Kurzwellen-Empfänger, was dem Barracuda- Erstbesitzer, ein Zürcher Blumenhändler, offenbar ermöglichte, die Nachrichten von Radio Beromünster auch auf Auslandreisen zu hören ... "

    Plymouth Barracuda V8 (1965) - reinsitzen und losbrausen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

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