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MG Midget - der Zwerg unter den Sportwagen

Erstellt am 11. Oktober 2018
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
38
Archiv Tom Tjaarda (SD) 
1
Archiv 
57

Wer sich in den 3,5 Meter kurzen und nur gerade 1,35 Meter schmalen MG Midget mit einem Radstand von knapp über zwei Meter zwängt, fühlt sich ein wenig an die kleinen Sportwagen der Vorkriegszeit erinnert, denn das Lenkrad sitzt direkt vor der Brust, die Sitzposition ist vergleichsweise aufrecht. Und wenn man losfährt, schützt einen nur wenig vom tosenden Windsturm, der einen erfasst.

MG Midget (1964) - Midget und Sprite unterschieden sich durch unterschiedliche Verzierungen und Details
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Vor gut 50 Jahren aber waren der MG Midget und sein Zwillingsbruder Austin-Healey Sprite der Einstieg in die Sportwagenwelt und damit überaus attraktiv. Und sie sind es noch heute.

Ein Radstand von knapp über zwei Metern

Zu verdanken war der Austin-Healey Sprite, der 1958 vorgestellt wurde, Donald Healey und seinen Söhnen Geoffrey sowie Brian. Entwickelt wurde der kleine Sportwagen auf Geheissen des British-Motor-Company Chefs Sir John Lord. Healey griff soweit wie möglich ins gut assortierte Teileregal, der Motor kam vom Austin A35, das Vierganggetriebe kam auch beim Morris Minor zum Einsatz. Zusammen mit einigen weiteren Komponenten von Morris und MG war die Basis gelegt, das Chassis selber war aber eine komplette Neukonstruktion und man liess sich durchaus von erfolgreichen Rennwagen inspirieren. So gebührt dem Sprite (englisch für “Kobold”) die Ehre, als erster selbsttragender britischer Sportwagen zu gelten. Während die Räder vorne einzeln an Trapez-Dreiecksquerlenkern aufgehängt waren, musste hinten eine Starrachse für die Radführung ausreichen.

Austin-Healey Sprite Mark II (1963) - Chassis, baugleich mit MG Midget
Archiv Automobil Revue

Über das Chassis wurde eine eng anliegende Karosserie geformt, deren auffälligstes Merkmal die auf der Motorhaube thronenden Scheinwerfer waren. Angedacht sollen damals Klappscheinwerfer worden sein, doch die Konstruktion erwies sich als zu teuer.

Austin-Healey Sprite Mark I (1958) - diese Perspektive war verantwortlich für den Übernamen "Froschauge"
Archiv Automobil Revue

Einen Kofferraumdeckel gab es nicht, die Türen waren kurz.

Ein Kobold für den Nachwuchs

Ab DM 6990 kostete der Sprite in Deutschland, CHF 7850 in der Schweiz. Ein Porsche 356 war doppelt so teuer und selbst ein BMW 600 erleichterte das Konto nicht viel weniger. Kein Wunder fand der Kobold auch hierzulande Freunde. 42 PS reichten bei 660 kg Leergewicht für durchaus sportliche Fahrleistungen, auch wenn 126 km/h Spitze heute nicht mehr allzu sportlich anmuten lassen. Reinhard Seiffert von Auto Motor und Sport jedenfalls hatte seine Freude am kleinen Sportwagen, zumal er mustergültig sparsam zu fahren war.

Vom Kobold zum Zwerg

Für die stetig anspruchsvoller werdenden Käufer anfangs der Sechzigerjahre erschien der Froschaugen-Healey, wie er bald genannt wurde, zuwenig modern, zumal Innocenti als Lizenzproduzent bereits 1960 gezeigt hatte, dass ein Sprite auch deutlich eleganter aussehen konnte. Tom Tjaarda hatte für Ghia eine moderne Cabriolet-Karosserie auf das Sprite-Chassis appliziert und sicherlich auch in Grossbritannien einigen Eindruck hinterlassen.

Innocenti 950 - hübsches Cabriolet am Genfer Autosalon 1961
Archiv Automobil Revue

Es wurde zudem entschieden, dass auch MG einen Einstiegssportwagen benötigte und bei Redesigns des Sprite nahm man gleich Mass am gleichzeitig entstehenden MGB, dessen Heckpartie sich adaptiert am Sprite wiederfand. Vorne integrierte man die Scheinwerfer in eine konventionelle Front mit Kühlergrill, fertig war der MG Midget, dessen Namen mit “Zwerg” übersetzt werden kann.

MG Midget (1961) - nur für zwei
Archiv Automobil Revue

Der überarbeitete Sportwagen, der noch immer denselben Motor wie vorher unter der Haube hatte, kam als Sprite Mk II und als MG Midget auf den Markt. Der MG war unwesentlich teurer als der Austin-Healey und die Ausstattung für den Preis überaus komplett.

Positive Testerfahrungen

Seine Domäne sei die Landstrasse, schrieb Hanno Parsifal damals in seinem Test für ‘hobby’. Und es sei für lang geratene Leute gar nicht so einfach, eine bequeme Sitzhaltung zu finden. Einmal drin könne man sich aber am rassigen Auftritt erfreuen, wenn auch die meisten Limousinen auf geraden Strassen schneller seien.

Mehr Leistung wünschte man sich schon damals, denn 133 km/h Spitze wirkten doch etwas schmalbrüstig. Sparsam war der Zwerg freilich geblieben, Parisfal kam mit 7,3 Liter pro 100 km aus.

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Fünf Evolutionsstufen

Es blieb nicht beim ersten Midget, bereits 1962 erhielten Sprite und Midget einen grösseren Motor mit 1098 cm3 Hubraum. 56 PS waren das Ergebnis, was gut tönte, aber inzwischen war mit dem ähnlich teuren Triumph Spitfire ein neuer Konkurrent aufgetaucht, der 63 PS in die Waagschale werden konnte.

MG Midget (1964) - Mark II - jetzt mit 60 PS aus 1,1 Liter Hubraum
Archiv Automobil Revue

Die nächste Überarbeitung kam im März 1964. Eine überarbeitete Hinterachse, etwa mehr Leistung, aber vor allem die Kurbelfenster und das überarbeitete Armaturenbrett wurden als Fortschritt empfunden. Mit 60 PS erreichten der Midget Mk II und sein Bruder Sprite Mk III nun 146 km/h (Werksangabe). Das Fahrverhalten zeigte sich verbessert, der Komfort gesteigert. “Motor, Bremsen, Lenkung und Strassenlage haben beim kleinen BMC-Sportwagen nunmehr ein willkommen hohes Niveau erreicht”, schrieb die Automobil Revuen nach einer Probefahrt.

MG Midget (1974) - für schöne Reisen zu Zweit
Archiv Automobil Revue

Eine mit Freude aufgenommene wichtige Verbesserung kam 1966 durch den Einbau des Motors aus dem Mini Cooper S. Dank nun 1275 cm3 gab es mehr Drehmoment, wenn der Leistungsgewinn nicht ganz so hoch war wie erwartet, 66 PS mussten reichen. Trotzdem stieg die Höchstgeschwindigkeit auf über 150 km/h.

1969 wurde der Wagen erneut verbessert, 1971 entfiel der Sprite. 1974 dann erhielt der Midget Gummistossstangen, um den amerikanischen Sicherheitsvorschriften zu genügen. Der letzte Zwerg verliess schliesslich im Frühjahr 1980 das Werk in Abingdon, einen direkten Nachfolger gab es nicht.

Mit insgesamt 354’875 gefertigten Fahrzeugen (Midget alleine: 226’535) darf man den kleinen Sportwagen aber sicherlich als einen Erfolgstypen bezeichnen.

Typ Hubraum Jahr von Jahr bis Produktion
Austin-Healey Sprite 948 1958 1961 48999
Austin-Healey Sprite Mk II 948 1961 1962 20450
MG Midget 948 1961 1962 16080
Austin-Healey Sprite Mk II 1100 1098 1962 1964 11215
MG Midget 1100 1098 1962 1964 9601
Austin-Healey Sprite Mk III 1098 1964 1966 25905
MG Midget Mk II 1098 1964 1966 26601
Austin-Healey Sprite Mk IV 1275 1966 1968 14350
MG Midget Mk III 1275 1966 1968 13722
Austin-Healey Sprite Mk V 1275 1969 1970 7421
MG Midget Mk IV 1275 1969 1974 86632
MG Midget (Gummi-Stossstangen) 1493 1974 1979 73899

 

Er-Fahrungen mit dem Zwerg

Ich war wohl etwa sieben Jahre alt, als ich zum ersten Mal in einem MG Midget sass. Meine sportliche Tante fuhr ihn, doch der nicht mehr ganz taufrische Geselle hatte seine Launen. Jedenfalls mussten wir auf einer 25-km-Fahrt zweimal Wasser nachfüllen, das sich in kürzester Zeit wieder in Dampf auflöste. Trotzdem prägte sich der weisse “Zwerg” in meinem Gedächtnis ein.

MG Midget (1961) - noch mit Steckscheiben, dafür mit nutzbarem Kofferraum
Archiv Automobil Revue

Rund 50 Jahre später wirkt der MG Midget noch viel zierlicher als damals. 1,35 Meter Breite und 3,5 Meter Länge, damit liessen sich viele städtische Parkprobleme lösen. Vor der Fahrfreude kommt der Einstieg, der bei offenem Dach zwar recht zügig gelingt, aber bei montiertem Zelt nach mehr Geschick verlangt. Die Beine haben dann aber erstaunlich viel Platz im kurzen Sportwagen.

MG Midget (1964) - Platz für zwei Personen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Sitzposition erinnert allerdings mehr an MG TC mit Vorkriegsgenen als an moderne Sechzigerjahresportwagen. Dafür liegt der Schalthebel gut zur Hand. Und über Luftmangel muss man sich nicht beklagen, erkennt man nach wenigen Metern Fahrt. Überaus handlich wirkt der MG Midget, wie sollte er auch anders mit knapp über 700 kg Gewicht.

MG Midget (1964) - zaubert Fahrerinnen und Fahrern ein Lächeln aufs Gesicht
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Fahrleistungen reichen aus, um auch heute noch auf Landstrassen Spass zu haben, vom Auspuff erklingt ein fröhlich-angenehmes Brummen. Man kann einfach nicht anders als grinsen, wenn man den “Zwerg” fährt. Und dieses Grinsen scheint sich auch auf die Umwelt zu übertragen, was kein Wunder ist, schliesslich ist man im MG eine öffentliche Figur, denn verstecken kann man sich darin nicht.

MG Midget (1964) - auch vor dem sportlichen MG hat der öffentliche Verkehr Vorrang
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt. 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Ga******
24.02.2019 (21:21)
Antworten
Ein super schöner erschwinglicher Cabrio .
Der ein tolles Fahrwerk hat und gute Laune macht.
von Volker aus Ratingen
22.10.2018 (21:52)
Antworten
Eime kleine Evolutionstufe hätte man noch anmerken können: Januar 1972 wurden die hinteren Radausschnitte rund.
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