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Goggomobil T600 und T700 - das fast vergessene Glied in der Glas-Kette

Erstellt am 30. Januar 2021
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv 
32

Zusammenfassung

Das “grosse” Goggomobil war einer der grossen Überraschungen an der IAA 1957 in Frankfurt. Der noch junge Autoproduzent Glas lancierte damit bereits seinen zweiten Coup und die Fachwelt applaudierte. Es zeigte sich allerdings, das der neue Wurf etwas vorschnell präsentiert und auch etwas zu früh – nun mit Heck- anstatt Frontantrieb – in die Serienproduktion übergeben wurde. Damit wurden nicht nur der Ruf, sondern auch die Marktchancen ramponiert, weshalb der Glas Isar T600/T700 nur gut sechs Jahre gebaut wurde. Dieser Fahrzeugbericht schildert die Geschichte des heute sehr raren Modells und zeigt es auf vielen historischen Abbildungen und in der Verkaufsliteratur.

Dieser Artikel enthält folgende Kapitel

  • Vorschusslorbeeren
  • Innovativer Fronttriebler
  • Mit Heckantrieb in die Serienproduktion
  • Gemisches Feedback
  • Nachschlag
  • Kein Erfolg für den Grossen …
  • … während der Kleine länger lebte

Geschätzte Lesedauer: 7min

Leseprobe (Beginn des Artikels)

Hans Glas hatte es schon früh erkannt. Mit zunehmendem Wohlstand würden die Autokäufer sich nicht mehr mit einem Kabinenroller, auch wenn er durchaus ausgewachsen war, begnügen, sondern nach einem “richtigen Automobil” streben. Und so präsentierten er und sein Sohn Andreas Glas auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im September 1957 als Überraschung einen grösseren Bruder zum Goggomobil. Dass Hans Glas über den richtigen Riecher für Konsumentenbedürfnisse verfügte, verdankte er nicht zuletzt seiner nicht immer einfachen Lebensgeschichte. Er war nämlich 1910 nach Kanada versetzt worden, um eine leitende Stellung bei der Massey-Harris Company einzunehmen. Dort wurde er dann vom 1. Weltkrieg überrascht und siedelte in die neutrale USA um. Beim Zusammenbruch seiner Hausbank verlor er alle seine Ersparnisse und musste von der Pike weg neu anfangen, zunächst als einfacher Arbeiter beim Landmaschinenhersteller McCormick, dann als Angestellter bei der Ford Motor Company und schliesslich als Abteilungsleiter bei der amerikanischen Bosch-Gesellschaft und als Production Manager bei der Indian Motorcycle Company. Innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt lernte er also nicht nur die ganze Breite der Fahrzeugindustrie und vieler Tätigkeiten darin kennen, sondern baute auch noch das Kapital auf, das es ihm erlaubte, die sich per 1920 in fremden Besitz befindliche väterliche Landmaschinenfabrik Glas zu übernehmen, welche er in der Folge stetig ausbaute.

 
7min
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Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ge******
18.02.2021 (17:29)
Antworten
Als ehemaliger Besitzer einer solchen "Rennsemmel" kann ich nur bestätigen, daß das Fahrverhalten auch damaligen sportlichen Ansprüchen genügte, mit 600ccm durfte man halt das Bremspedal nur selten einsetzen. Das Platzangebot war ganz erstaunlich, ich (1,93 m) konnte mit mehreren Personen auch Berge erklimmen! Der Motor hatte ja erhebliche Anleihen beim BMW 700-Motor genommen, es gab da eine Menge Gleichteile, da kam wohl aus der räumlichen Nähe. Genial war auch die vorn am Motor befindliche Eihnheit mit Starter, Lichtmaschine und Verteiler!
Danke für den umfassenden Bericht!
von sp******
11.02.2021 (14:54)
Antworten
Nachdem man das "grosse Goggomobil" mit einer Sammlung von gewaltigen Konstruktionsmängeln vorschnell auf den Markt geworfen hatte, so wurde der Motor nie richtig warm (außer in der Sahara), Punktschweißungen wurden auf Zug belastet, so daß der Motor nach unten rausfiel, einer Panoramascheibe, die genausowenig dicht war wie bei der Arabella, die Lenkgeometrie stimmte nie und nimmer, die zu flache und kleine Ölwanne verursachte Motorschäden - um nur einige der Übel aufzuzählen.
Nach der Ukonstruktion mit Mängelbeseitigung half das Umbenennen auf "Glas Isar" auch nicht mehr - der Ruf war zerstört, niemand wollte das Ding mit extrem mangelhaftem Rostschutz noch kaufen. Oft schafften die Fahrzeuge nicht mal den 1,TÜV ohne Blecharbeiten. Das war einer der "Fehler", welche letztendlich ins Aus führten: ganz starke Ideen und ganz schwache Umsetzung, lieber immer Neues anstatt Mängel beheben. Ich fahre leidenschaftlich gern GLAS 1304 TS, 5 Stück hatte ich, aber so richtig "fertig" waren die GLAS-Entwicklungen nie.
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