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Bild (1/5): Ford Escort RS 2000 (1979) - das Sportgerät für den Breitensport (© Daniel Reinhard, 2017)
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    Ford Escort RS 2000 - der Sportliche mit der schrägen Schnauze

    29. August 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (33)
    Ford Motor Company 
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    Die Erdölkrise war überwunden, die Autofahrer waren wieder auf Leistung aus. Ford präsentierte 1975 den RS 2000 mit neuartiger Frontgestaltung. Lange Lieferfristen bewiesen, dass man damit richtig lag.

    Ford Escort RS 2000 (1979) - die schräge Front ermöglichte zusammen mit den Luftleithilfsmitteln einen um 16% verbesserten Luftwiderstand
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Acht Jahre seit dem Anfang

    Im geheimen Versuchszentrum im Nordosten Londons erhielten Presseleute anfangs 1968 zum ersten Mal den Ford Escort mit dem charakteristischen Kühlergrill, der an einen Hundeknochen erinnerte, zu Gesicht. Dass man den Wagen in Grossbritannien präsentierte, hatte gute Gründe, denn im Prinzip löste der neue Wagen damals den Ford Anglia ab, zudem erhielt er viele Technikkomponenten aus dem britischen Ford-Inventar.

    Ford Escort (1971) - Sportausführung
    © Zwischengas Archiv

    Allerdings hatten deutsche Ingenieure tatkräftig mitgearbeitet und beispielsweise darauf beharrt, dass der Schalthebel beim Fahren bewusst von Schaltebene zu Schaltebene geführt werden müsse, während die Briten sich ein saloppes schräges Durchziehen gewohnt gewesen waren. Daher erhielt der Rückwärtsgang nun auch eine Sperre, die durch Niederdrücken des Schalthebels überwunden werden musste.

    Der Tradition verbunden

    So richtig revolutionär war das neue Familienauto nicht, die Motoren konnten vom Cortina übernommen werden, die vorderen Aufhängungen taten in ähnlicher Form bereits bei Consul und Zephyr ihren Dienst, hinten setzte man weiterhin auf eine Starrachse mit asymmetrischen Halbelliptik-Längsfedern. Selbst der Name war nicht neu, denn schon 1956 hatte es einen Kombivariante des Anglia gegeben. Für den Einsatz als “europäisches Auto” allerdings erschien den Ford-Verantwortlichen “Escort” besser geeignet als “Anglia", schliesslich sollte der neue Wagen sowohl auf der Insel (Dagenham) als auch in Belgien (Genk) und in Deutschland (Saarlouis) gefertigt werden.

    Ford Escort RS 2000 (1973) - mit Zweilitermotor und spezifischer Bemalung
    © Zwischengas Archiv

    Für sportliche Fahrer offerierte man schon bald anspruchsvolle Sportmodelle wie den RS1600. Weil man aber auch im Breitensport erfolgreich sein wollte, kam 1973 der RS 2000 mit dem aus dem Ford Consul bereits bekannten Zweiliter-Pinto-Motor mit einer obenliegenden Nockenwelle und 100 PS bei 5750 U/min dazu.

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    Eckig statt rundlich - die zweite Generation

    1974 wurde dann die erste rundliche “Hundeknochen”-Generation des Escorts abgelöst durch einen deutlich kantigeren und etwas grösseren Escort, der sich technisch aber weitgehend am Vorgänger orientierte. Richtig gewachsen war er allerdings in den Abmessungen nicht, der Radstand betrug weiterhin rund 2,4 Meter, die Länge knapp vier Meter. Gewichtsmässig lag der Modell-“Aufpreis” bei rund 70 kg. Es blieb beim Heckantrieb und auch die Motoren änderten nur unwesentlich.

    Ford Escort RS 2000 (1975) - schon bald mit langen Lieferfristen
    © Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

    Auf die zweite Generation des RS 2000 mussten die Fans bis zum Genfer Autosalon im März 1975 warten, dort präsentierte Ford eine vor allem optisch eigenständige Sportversion mit dem bewährten Zweiliter-Motor.

    Die stossabsorbierende Front

    Ein schräg stehender Doppelscheinwerfer-Kühlergrill aus Polyurethan sorgte für ein ganz besonderes Erkennungszeichen.

    Ford Escort RS 2000 (1979) - die Polyurethan-Front verbesserte die Aerodynamik, machte den Wagen aber auch deutlich länger
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    “Die neue Nase bringt eine erheblich bessere Aerodynamik und mehr Aufprall-Sicherheit; … wird sie bei einem stärkeren Aufprall beschädigt, ist die Reparatur einfach und preisgünstig - es wird einfach ein neues komplettes Frontteil an der Bugpartie angeschraubt”, erzählte der gebürtige Schweizer Robert A. Lutz, damals Vorstandsvorsitzender der Ford AG, damals der Presse.

    Heute sieht man dieses “Softface” eher mit gemischten Gefühlen, denn die damalige Beweglichkeit ist teilweise gewichen und Ersatzteile sind sowieso ein Problem.

    Funktional überzeugte das karosserieseitige Tuning aber durchaus, denn bei um 17 cm verlängerter Karosserie führte die neue Front zusammen mit dem Heckspoiler zu einem um 16 Prozent reduzierten Luftwiderstand. Wurde zumindest behauptet.

    Bewährte Technik

    Die Technik wurde verbessert, ohne neue Wege zu beschreiten. Der 1993 cm3 grosse Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle wurde durch Verbesserungen am Auspuffsammelrohr und neu abgestimmter Auspuffanlage auf 110 PS bei 5500 Umdrehungen gebracht. Der Hersteller stellte 180 km/h Spitze und eine Zeit von 9 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h in Aussicht.

    Ford Escort RS 2000 (1979) - dieser Vierzylinder tat auch in anderer Aufmachung im Ford Pinto Dienst
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Das Fahrwerk mit vorderen Einzelradaufhängungen und hinterer Starrachse wurde durch eine vorne montierte Querstrebe und hinten angebrachter zusätzlicher Schubstrebe optimiert. Niederquerschnittsreifen mit der Dimension 175/70 HR 13 wurden auf sechs Zoll breite Aluminiumfelgen aufgezogen. Die Ausstattung war komplett und sportlich ausgelegt.

    Geschmeidig, kräftig, robust

    Natürlich nahm sich die gesamte Autopresse den neuen RS 2000 vor, als man ihn nach Monaten des Wartens nach der Vorpremiere endlich in die Finger kriegen konnte. Die Automobil Revue berichtete im Mai 1976. 10,3 Sekunden hatte sich der Wagen für den klassischen 0-bis-100-km/h-Sprint genommen und bei 178 km/h war dem Escort der Schnauf ausgegangen. Auch Götz Leyrer konnte dem Escort in seinem Test für Auto Motor und Sport keine wesentlich besseren Fahrleistungen entlocken, 10 Sekunden und 178,2 km/h waren es bei der Fahrt durch das winterliche Deutschland.

    Insgesamt kam der RS 2000 aber gut an, so gut, dass man bereits im Februar 1976 von fast einjährigen Lieferfristen für den DM 13’795 oder CHF 16’450 teuren Wagen sprach. “Hart, aber sicher”, beschrieb Leyrer den schnellen Escort, “geschmeidig, kräftig und robust” nannte die AR die sportliche Limousine.

    Ford Escort RS 2000 (1975) - mit verlängerter Front für bessere Aerodynamik
    © Zwischengas Archiv

    Gelobt wurden die reichhaltige Ausstattung, der elastische und leistungsfähige Motor sowie die unproblematischen Fahreigenschaften. Kritik gab es für den schlechten Federungskomfort, den hohen Lärmpegel und das beschränkte Sitzangebot im Fond.

    “Diese sportliche Limousine möchte vor allem diejenigen Leute zufriedenstellen, die Wert legen auf gute Fahrleistungen und ausgewogene Fahreigenschaften und auch heute noch echte Freude am sportlich-rücksichtsvollen Autofahren empfinden. Der leistungsfähige, solide, qualitativ gut verarbeitete und mit überdurchschnittlicher Serienausstattung dotierte Ford Escort RS 2000 ist ein spritziger kleiner Mittelklassewagen, der zurecht auf ein gutes Kaufinteresse stösst”, resümierte die Automobil Revue.

    Auch für Sportfahrer

    Ab 1. Januar 1976 war der RS 2000 für die Gruppe 1 homologiert und Ford bot ein umfangreiches und sport-legales Tuningprogramm an, das u.a. drei verschiedene Hinterachsübersetzungen, ein kürzer gestuftes Vierganggetriebe, ein Sperrdifferential und einen dank Doppelvergaser-Anlage, anderer Nockenwelle und grösserer Ventile auf 135 PS gebrachten Motor beinhaltete.

    Ford Escort RS 2000 (1976) - für den harten Rallye-Einsatz, komplett ab Werk Saarlouis für ungefähr DM 20'000 zu haben
    © Zwischengas Archiv

    Damit bot der Escort gute Chancen im Breiten-Rennsport. Und dies im Rahmen von überschaubaren Budgets. Kein Wunder wurden viele RS 2000 aufgerüstet und bei Slaloms, Bergrennen oder auf der Rundstrecke, aber auch auf Rallye-Pfaden eingesetzt (und heruntergeritten).

    Gut gerüstet

    Wie aber schlug sich der RS 2000 gegen die Konkurrenz? Die Zeitschrift Rallye Racing verglich ihn im März 1977 mit dem Opel Kadett GT/E von ähnlicher Konzeption und dem Audi 80 GTE, einer zukunftsweisenden Frontantriebslimousine.

    Fahrleistungsmässig gaben sich die drei Kontrahenten wenig, auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings zog der Escort gegenüber Opel und Audi den Kürzeren, wenn auch nur um maximal neun Zehntelsekunden. Er war auch der Schwerste von den Dreien, 925 kg wurden für den Escort notiert, 915 kg für den Opel und 855 kg für den Audi. Preislich lag der Ford mit nun DM 12’995 auf der Höhe des Opels, während der Audi einen Tausender mehr kostete.

    Die ADAC Motorwelt liess exakt dieselben Kandidaten zum Vergleich antreten und auch hier gab man dem Audi den Vortritt. Wer etwas Kerniges zum Zupacken möge, der sei beim RS richtig, fassten die ADAC-Leute zusammen. Dem RS 2000 war mit dem Fronttriebler ein harter Gegner erwachsen, der allerdings nur die Vorhut für einen Wagen war, der dem Escort das Leben richtig schwer machen sollte, den VW Golf GTI.

    Schon im Vergleichstest im Jahr 1976 notierte die ADAC Motorwelt:
    “Und der Golf GTI? Er sorgt für den Knalleffekt im PS-Blaskonzert. Nachdem wir den Golf GTI erst anschließend an diesen Test fahren konnten, sind wir sicher, daß er die drei Kandidaten ausgebremst hätte. Mit nur 780 kg und 110 PS ist er der temperamentvollste, untersteuert weniger als der Audi GTE, hängt noch besser an der Lenkung, läßt kaum Antriebseinflüsse zum Lenkrad durch und die Vorderräder kaum durchdrehen. Die Federung ist, ähnlich wie im Audi, wesentlich besser als im Escort und Kadett, und serienmäßig gibt's feinste Schalensitze.”

    So war es denn auch kein Zufall, dass der Nachfolger des Ford Escort RS 2000, der von 1975 bis 1980 rund 25’000 Mal gebaut wurde, ab 1981 schliesslich Frontantrieb aufwies, aber XR3 hiess, um in neue Horizonte aufzubrechen.

    Auch heute noch sportlich agil

    Auch 40 Jahre später beeindruckt das agile Handling und die nachwievor sportlichen Fahrleistungen des liebevoll restaurierten RS 2000. Zudem hat er vielen seiner Nachfolger eine stupende Übersichtlichkeit voraus. Mit 4,14 Metern Länge und 1,6 Metern Breite ist er äusserst kompakt, dank 935 kg Leergewicht fühlt er sich auch mit “nur” 110 PS behände an.

    Ford Escort RS 2000 (1979) - Schalensitze und ein sportliches Cockpit
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Und in den prächtigen Schalensitzen lebt man sich hinter dem lederummantelten Sportlenkrad mit Blick auf eine vollständige Uhrensammlung sofort ein und geniesst jeden Kilometer, aber vor allem jede Kurve, speziell dann, wenn das Heck ein wenig unruhig wird.

    Ford Escort RS 2000 (1979) - mit kreativem RS 2000 Schriftzug
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Dass man im Innenraum von einer knurrigen Klangkulisse unterhalten wird, dürfte kaum einen Fan heute mehr stören und dass es hinten an Raumgefühl fehlt schon gar nicht. Dafür sorgt die robuste Natur und die einfache Technik für Langlebigkeit, auch wenn manches Ersatzteil nur noch aufwändig zu finden ist.

    Wir danken dem Ford Escort Club Schweiz und dem Besitzer René Zangger des schönen Escort RS 2000 von 1979 mit Gruppe-1-Verbesserungen für seine Unterstützung.

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