Fiat Dino 2400 Coupé - Wiederauferstehung in Orange

Erstellt am 17. Juni 2016
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard 
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Archiv 
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Es bereitet Arbeit, Mühen und Sorgen, wenn aus einem drittklassigen Gebrauchtwagen ein Juwel erster Güte werden soll, zumal wenn es sich dabei um einen Fiat Dino handelt, für den Ersatzteile rar und die werksseitige Rostvorsorge zweitrangig war.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Der frisch ausgebaute Motor
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Vom Motor zum Auto

Um einen konkurrenzfähigen Motor für die Formel 2 homologieren zu können, musste Ferrari Mitte der Sechzigerjahren 500 gebaute Motoren nachweisen können. Für die kleine Edelschmiede war dies zuviel und so tat man sich mit Fiat zusammen, die durchaus Interesse an einem prestigeträchtigen Triebwerk zeigte.

Während Ferrari dann den Dino 206 GT (und später den 246 GT) mit zentral montiertem V6 entwickelte, konstruierte man bei Fiat je ein Coupé und einen Spider mit dem Motor vorne.

Zwei Varianten von zwei Designern

Auf dem Genfer Autosalon wurden Coupé und Cabriolet im März 1967 präsentiert und auf den ersten Blick hätte man kaum Gemeinsamkeiten erkennen können. Während der Spider bei Pininfarina entstand, der auch für ein abgewandeltes Coupé Entwürfe (und einen Prototyp) vorlegte, und ein kurviges Kleid erhielt, zeichnete Giorgetto Giugiaro bei Bertone eine betont schlichte Coupé-Karosserie, die aber sachlich viele Vorteile aufwies.


Fiat Dino Coupé (1967) - Grosstourenwagen von hohem Prestige
Archiv Automobil Revue

So konnten auf der Rückbank, auch dank des gegenüber dem Spider 27 cm längeren Radstands, auch zwei erwachsene Personen untergebracht werden, was das Coupé zu einem echten Viersitzer machte.


Fiat Dino Coupé (1968) - Platz für vier Personen
Archiv Automobil Revue

Das grosszügig verglaste Coupé wies auch einen grösseren Kofferraum auf als der Spider, war aber mit 4,51 Metern Länge und 17. Metern Breite immer noch ausreichend kompakt. Die aerodynamische Optimierung war Pininfarina beim Cabriolet allerdings etwas besser gelungen, erreichten doch die Stoffdach-Versionen höhere Endgeschwindigkeiten als das Coupé.


Fiat Dino Coupé (1968) - Lenkrad und Armaturenbrett der Zweiliterversion
Archiv Automobil Revue

Innen allerdings überzeugte die geschlossene Variante mit ihrem ausgeklügelten und wertigen Interieur deutlich mehr, was beim Spider denn auch früh zu einer Überarbeitung führte.

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Nach zwei Jahren umfangreich überarbeitet

Während der ersten zwei Jahre wurden selbsttragend konstruierten Coupés und Spider von einem zwei Liter grossen Aluminium-Motor angetrieben, der aber bereits 1969 einer 2,4 Liter grossen Graugussblock-Variante weichen musste, die aber die 19 kg Mehrgewicht durch 20 Mehr-PS und ein deutlich gesteigertes Drehmoment (22 anstatt 17,5 mkg) problemlos überkompensierte.


Fiat Dino 2400 Coupé (1969) - mit dem grösseren Grauguss-Motor
Archiv Automobil Revue

Gleichzeitig mit dem Motorentausch wurden auch das Fiat-Fünfganggetriebe durch eine Konstruktion von ZF und die bisher starre Hinterachse durch die unabhängigen Einzelradaufhängungen aus dem Fiat 130 ersetzt.

An der Karosserie änderte sich beim Coupé nur wenig, das Design blieb zeitlos.


Fiat Dino Coupé 2400 (1971) - 4,5 Meter lang
Archiv Automobil Revue

Die Anpassungen führten insgesamt zu einer besseren Alltagstauglichkeit und mehr Komfort für die lange Reise.

Das Familien Coupé

“2+2 - aber fast ein echter Vierplätzer”, schrieb die Automobil Revue anlässlich eines Kurztests im Jahr 1970. 210 km/h Spitze erreichten die AR-Tester nach drei Kilometer Anlauf, den Sprint von 0 bis 100 km/h absolvierten sie mit dem 1410 kg schweren Coupé in 8,5 Sekunden. Als Wendekreis massen sie 12,5 Meter (der kürzere Spider benötigte einem Meter weniger), und als Verbrauch notierten sie durchschnittlich 17,4 Liter pro 100 km.

Die Schlussfolgerungen am Ende des Artikels zeigten, dass die Redakteure viel für das Coupé übrig hatten: “Wenn man den kleinen, im Kurztest festgestellten Mängeln kein allzu grosses Gewicht beimisst, sieht man sich im Fiat Dino 2400 einer der schönsten Verwirklichungen eines Gran Turismo hoher Leistung gegen über. Sicher im Fahrverhalten und schnell über grosse Distanzen, bietet er seinem Besitzer das Privileg der grossen Fahrfreude in der Ambience des Ferrari-Motordroms.”

Zu den “kleinen Mängeln” zählten eine vergleichsweise schwach dimensionierte Kupplung, eine schwergängige Lenkung und Abstimmungsmängel an der Vorderachse. Insgesamt schlug sich der in Italien 4,3 Millionen Lire (ungefähr 31’000 Franken) teure Wagen aber hervorragend, Paarung von Leidenschaft mit Vernunft war geglückt.

Raritäten

7803 Dinos liess Fiat bei Pininfarina und Bertone bauen, das Coupé war mit 6220 produzierten Einheiten deutlich populärer. Die 2,4-Liter-Variante wurde allerdings trotz längerer Bauzeit (1969 bis 1973) weniger häufig gefertigt, 2550 Mal landete der grosse V6 im Coupé.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Einer der schönsten Bertone-Würfe
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Kein schlechtes Auto

Das blaue Fiat-Coupé mit dem Stoffinterieur war kein schlechtes Auto, doch über 40 Jahre und viele Kilometer hatten ihre Spuren auf und unter dem eleganten Bertone-Kleid hinterlassen. Langfristig (und sicherlich nicht primär ökonomisch) denkend entschied der Besitzer, dass nur eine Komplettrestaurierung diesem schönen Auto gerecht wurde und ihm ein zweites Leben schenken konnte.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Die Karosserie musste umfassend saniert werden
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Die Krux einer Restaurierung

Das Paradoxe an Totalrestaurierungen ist, dass der finanzielle Aufwand nur beschränkt vom Fahrzeug abhängig ist. Der manuelle Aufwand ist beispielsweise beim Fiat Dino Coupé ähnlich hoch wie bei einem Fiat Dino Spider und selbst ein Dino 246 GT wird nicht um Dimensionen mehr Arbiet geben. Die Wertnotierungen für diese Autos sind aber sehr unterschiedlich und jeder kaufmännisch denkende Besitzer würde von der kompletten Restaurierung eines Fiat Dino Coupés Abstand nehmen, zumal es nur etwa die Hälfte des Marktwerts des Spiders erreicht oder gar nur 10 bis 20% eines Dinos aus dem Hause Ferrari.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - Sorgfältiger Zusammenbau der neu verkleideten Teile
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Die Arbeitszeit der Spezialisten stellt den grössten finanziellen Brocken bei einer Wiedergeburt. Egal Fiat 124 oder Ferrari 250 GT, die Stunden gehen ins Geld. Natürlich sind auch Teile teuer und dies stimmt besonders für den Dino von Fiat, dessen Ersatzteile, sofern überhaupt verfügbar, vielfach auf Ferrari-Niveau gehandelt werden. Eine einzelne Nockenwelle notiert deutlich vierstellig und der Dino-Motor hat immerhin vier davon.

Wenn schon, dann schon

Der Dino 2400 wurde, wie die Bilder deutlich zeigen, in seine Einzelteile zerlegt, restauriert und wieder neu aufgebaut. Rund zwei Jahre nahm diese Totalrestauration in Anspruch. Das Fahrzeug befindet sich heute zur grossen Freude seines Besitzers in einem vermutlich weitaus besseren Zustand, als es die Werkshallen damals verlassen hatte.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - In diesem Interieur würde mancher gerne sitzen
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Über Kosten und Preise spricht niemand gerne, aber man kann versichert sein, dass für eine derart akribische Restaurierung fünfstellige Summen nicht ausreichen, zumal die Arbeit ja in einem Hochpreisland und mit grossem Qualitätsbewusstsein durchgeführt wurde.

Überzeugendes Ergebnis

Doch wenn sich der Besitzer in den neu auferstandenen orangen Sportwagen setzt, sind alle Sorgen und Ärgernisse vergessen. Besser dürfte sich kaum ein Coupé ab Werk angefühlt haben und schöner waren die Autos aus Turin sicherlich auch nicht.


Fiat Dino 2400 Coupé (1972) - unterwegs auf trockenen Landstrassen
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Reinhard

Und schliesslich hat dieses Fiat Dino 2400 Coupé nun eine faire Chance, die nächsten 50 Jahre ohne wesentliche weitere Eingriffe zu überleben, damit wären wir dann ungefähr im Jahr 2070 und kaum einer der heutigen Leser wird sich dann noch an diesen Bericht erinnern (können).

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von go******
22.04.2017 (15:10)
Antworten
Haben gerade ein Coupe fertiggestellt und arbeiten an einem Spider, in den langen Pausen wagen Ersatzteilmangels geht sich locker ein 124 CSA aus, der in 6-7 Wochen laufen soll.
willyIlly aus Wien
von pa******
21.06.2016 (18:07)
Antworten
Sehr schönes Fahrzeug und gut gelungen, aber....
Bitte das vordere Nummernschild gerade montieren !
Der Besitzer konnte es wohl kaum mehr erwarten endlich auf die Strasse zu kommen... verständlich ;-)
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