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Fiat Barchetta – Einstiegsdroge

Erstellt am 12. März 2021
, Leselänge 5min
Text:
Simon Kwasny
Fotos:
Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s 
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FCA / Fiat / Stellantis / Werk 
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Archiv 
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Fiat kann auf eine lange Tradition im Bau von kleinen, günstigen und offenen Sportwagen zurückblicken. Modelle wie der 1200/1500 Cabriolet, 124 Spider, 850 Sport Spider oder gar der 508 Balilla Sport zählen bis heute zu den meist gefeiertsten Kreationen der Turiner.

Fiat 850 Sport Spider (1968) - der Spider hatte mit dem Coupé die Bodenplattform gemeinsam
Archiv Automobil Revue

Mit dem Barchetta wollte Fiat 1995 dieser Geschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Sportlichkeit auf Punto-Basis

Präsentiert wurde das kleine Cabrio auf dem Genfer Autosalon 1995. Er sollte vor allem dem erfolgreichen Mazda MX-5 die Stirn zu bieten. Doch auch den im Jahr zuvor herausgekommene Alfa Romeo Spider, den BMW Z3 oder die ebenfalls in Genf vorgestellten Cabrios MG F und Renault Mégane Cabriolet hatte er im Visier. Und sogar im eigenen Lager gab's Konkurrenz, denn auch den familientauglichen Fiat Punto konnte man als offene Version bestellen.

Fiat Barchetta (1995) - am Strand
Copyright / Fotograf: FCA / Fiat / Stellantis / Werk

Beim Vergleich des ADAC zwischen dem Barchetta, Alfa Romeo Spider, MG F und BMW Z3 schnitt der Bayer zwar am besten ab, doch war der Fiat immerhin Sieger der Herzen. “Den Kampf um den Lieblingsparkplatz in meinem Herzen hat zwar der Barchetta gewonnen - aber in Summe aller Eigenschaften ist der BMW Z3 unter diesen Roadstern das zur Zeit beste nach oben offene Angebot.”

Fiat Barchetta (1995) - die frühen Exemplare hatten die vier Streifen als Markenzeichen
Copyright / Fotograf: FCA / Fiat / Stellantis / Werk

Wenn man sich das überaus dynamisch anmutende Äussere des Wagens anschaut, ist es kaum zu glauben, dass der Barchetta auf dem pummeligen Kleinwagen Punto basiert. Um den erwünschten Sportwagen-Look zu erzielen, wurde der Radstand verkürzt und die Spur verbreitert. Ebenfalls wurden Lenkrad- und Sitzposition um 100 Millimeter nach hinten versetzt, was dem Barchetta eine lange Schnauze mit viel Überhang und ein sehr kurzes, knackiges Heck verschafft.

Fiat Barchetta (2000) - Lange Schnauze, kurzes Heck
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Mit 3916 mm Länge, 1640 mm Breite und 1265 mm Höhe ist der Barchetta ein sehr kompakter Sportwagen - eine Spezialität von Fiat.

Unter der Haube arbeitet ein drehfreudiger, quer eingebauter Vierzylindermotor mit 1747 ccm Hubraum aus denen er 131 PS bei 6300 U/min und 164 Nm Drehmoment bei 4300 U/min schöpft. Diese Kraft wird über ein manuelles Fünfgang-Getriebe auf die Vorderräder abgegeben. Bei 200 km/h ist Schluss und den Sprint von Null auf Hundert schaff er in 8.9 Sekunden. Laut Testberichten klingt der Vierzylinder sportlich und auch bis ins Cockpit dringt viel Motorsound hindurch.

Fiat Barchetta (2000) - Der kleine aber spritzige Motor
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

So hatte auto motor und sport in deren Vergleich mit dem Alfa Romeo Spider folgendes über den Turiner zu sagen: “Im direkten Vergleich erscheint der Barchetta etwas polteriger - besonders mit geschlossenem Verdeck - hellhöriger. Der neue 1.8 Liter-Vierzylindermotor von Fiat, der seine Arbeit mit einem kernigen, niemals jedoch lästigen Klang untermalt, hat daran zweifellos einigen Anteil. Dank seiner Einlass-Nockenwelle mit Phasenverschiebung tritt der Vierzylinder schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig an und dreht bei Bedarf bis knapp über 7000 Touren.”

Fiat Barchetta (2000) - Die Instrumente erinnern an jene in Ferraris aus der Zeit
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Die Aufhängung besteht aus Querlenkern vorn mit MacPherson-Federbeinen und parallelen Schwingen mit Schraubenfedern und Stossdämpfern hinten.

Ferrari als Namensgeber und cleverer Illusionstrick als Designmerkmal

Der Name Barchetta bedeutet übersetzt so viel wie Schiffchen oder kleines Boot. Der Begriff kam zum ersten Mal beim Rennwagen Ferrari 166 MM Barchetta von 1948 mit offener Touring-Karosserie zum Einsatz.

Ferrari 166 MM (1949) - Probefahrt mit der Touring-Barchetta
Archiv Automobil Revue

Seither hat sich der Begriff als Bezeichnung für offene, italienische Rennwagen ohne hoch aufragende Windschutzscheibe etabliert.

Fiat Barchetta (2000) - Klein aber fein
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Der Fiat Barchetta kommt aber natürlich nicht einfach ohne richtige Windschutzscheibe daher. Dafür hat sich das Designteam eine interessante Lösung einfallen zu lassen, um zumindest die Illusion einer fehlenden Windschutzscheibe zu erzeugen. So gibt der Design-Chef Peter Davis in der auto motor und sport Nr. 5 von 1995 an: “Die Windschutzscheibe sollte so aufgesetzt wirken wie ein Segel, deshalb haben wir die kräftige A-Säule nicht nur hinter der Scheibe, sondern hinter einer schwarzen Folie verschwinden lassen.”

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Design in Eigenregie

Wie auch schon beim 1993 vorgestellten Fiat Coupé, vertrauten die Turiner auf die zeichnerischen Fähigkeiten ihrer eigenen Designabteilung mit dem schon kunstvoll klingenden Namen Centro Stile. Der Barchetta stammt aus der Feder von Andreas Zapatinas, welcher kurz darauf zu BMW abwanderte.

Fiat Barchetta (2000) - Die Türgriffe erinnern an italienische Sportwagen von früher
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Der Barchetta wurde beim Karosseriebauer Maggiora in Chivasso grösstenteils von Hand zusammengesetzt. Maggiora war unter anderem für die Fertigung des Alfa Romeo 2000 Touring, des Lancia Aurelia oder des Maserati Mistral zuständig.

Acht Sondereditionen und stetige Modellpflege

Fiat brachte insgesamt acht Sondereditionen des Barchetta heraus, wovon zwei sogar nur in limitierter Stückzahl produziert wurden (1998: Limited Edition; 1999: Limited Edition LE99; 2000: Lido, Riviera, Amalfi; 2001: Naxos, Milano; 2004: Adria). Diese unterschieden sich nur in Farbgebung der Karosserie, Innenausstattung oder dem Verdeck.

Ebenfalls wurde er stetig mit sanften aber notwendigen Anpassungen überarbeitet, wie zum Beispiel mit der Einführung des dritten Bremslichts im Jahr 2000. Die grösste Veränderung passierte 2003, als sowohl die Front als auch das Heck aufgefrischt wurden.

Fiat Barchetta (2003) - Strandszene
Copyright / Fotograf: FCA / Fiat / Stellantis / Werk

An der Technik änderte sich hingegen fast nichts. Ab Sommer 2000 wurde eine elektronisch gesteuerte Drosselklappe eingebaut, um die Abgasnorm Euro 3 erfüllen zu können.

Fiat Barchetta (2000) - Das Interieur mit Blechteilen in Wagenfarbe
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Der Neupreis lag 1995 bei ca. 38’000 DM in Deutschland oder rund 32’000 CHF in der Schweiz, abhängig von der gewählten Ausstattung.

Im Juni 2005 endete die Produktionszeit des Barchetta nach zehn Jahren. 57’521 Exemplare wurden gebaut. Keineswegs niedrige Zahlen, im Vergleich zu seinen Vorgängern 124 Spider und 850 Sport Spider aber fast schon eine Kleinserie. Vom 124 Spider wurden über die 19-jährige Bauzeit knapp 200’000 Fahrzeuge gebaut, vom 850 Spider waren es immerhin rund 120’000 Einheiten.

Einen offiziellen Nachfolger gab es nicht. 2016 liess Fiat jedoch die Bezeichnung 124 Spider neu aufleben. Der offene Sportwagen basierte technisch ausgerechnet auf dem Mazda MX-5 - einem der damaligen Hauptkonkurrenten des Barchetta.

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Der perfekte Einstieg in die Welt der italienischen Sportwagen?

Der Barchetta bietet eigentlich alles, wonach man bei einem italienischen Sportwagen sucht: Ein schnittiges Design, einen drehfreudigen Motor und einen nach Leidenschaft und “Dolce Vita” klingenden Namen.

Das “kleine Boot” macht sich aber noch durch ein für italienische Sportwagen eher untypisches Merkmal interessant - seinem günstigen Anschaffungspreis und, bei einem guten Exemplar, auch noch seinen niedrigen Unterhaltskosten.

Somit ist er ideal für alle, die sich den Traum vom italienischen Sportwagen erfüllen möchten, jedoch nicht zu tief in die Brieftasche greifen wollen oder können. Mit Technik aus den Neunzigerjahren ist er ebenfalls nicht gross anders zu fahren als moderne Autos, weshalb er sich auch toll als erster Klassiker für junge Menschen eignet.

Fiat Barchetta (2000) - Das abgeschrägte Bootsheck
Copyright / Fotograf: Tom Gidden - Courtesy RM/Sotheby’s

Wer sich nun die Finger nach dem spritzigen Barchetta leckt, sollte vom 17. bis 25. März 2021 einen Blick zur Open Roads March Versteigerung von RM Sotheby’s wagen. Dort wird nämlich der hier auf den Bildern gezeigte Wagen versteigert. Er ist in klassischer Farbgebung rot auf schwarz zu haben und präsentiert sich in sehr gutem Zustand mit lediglich 1110 Kilometern auf dem Zähler. Der Schätzwert liegt zwischen 10'000 und 15'000 britischen Pfund, also rund 11'645 bis 17'470 Euro, beziehungsweise etwa 12'930 bis 19'400 Schweizer Franken.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von jj******
19.03.2021 (17:38)
Antworten
Meine Barchetta fuhr deutlich über 200 km/h mit Laser gemessene 215 km/h , und ich glaube mich zu erinnern, dass eine Geschwindigkeit oberhalb der 200 auch in den Papieren stand, muss mal nachgucken. Das Verdeck blieb über 13 Jahre, bis zum Verkauf, vollkommen dicht, auch bei Starkregen. Sie war langstreckentauglich, bequem, außerordentlich fahrsicher, nur die Beschleunigung aus dem Stand erlebte ich als enttäuschend. Ich habe den Motor als gutmütig, aber alles andere als drehfreudig in Erinnerung, eher brummig wie die englischen. Meine Freunde nannten den Wagen wegen seines Zwergenformats das "Mäuseauto". Ach, und noch etwas: das Mäuseauto fraß Reifen und Bremsbeläge mit großem Appetit, war insofern nicht billig.
von ke******
16.03.2021 (21:59)
Antworten
Ich muss die Haltedauer in meinem Beitrag korrigieren: 1999 - 2011 ist richtig (Gesamtfahrstrecke ca. 90 tsdkm).
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