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Felber FF Lancia - Spider im Concours-Anzug ohne Beta-Blocker

Erstellt am 21. Dezember 2013
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
29
Bruno von Rotz 
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Archiv 
38

Willy H. Felber, ein distinguierter Westschweizer, führte in den Siebzigerjahren die Firma “Haute Performande Morges” und importierte und verkaufte unter anderem Fahrezeuge der Marken Ferrari, Lancia und Panther.

Die Geschäfte liefen wohl gut und angesichts der wohlhabenden Kundschaft begann der automobilbegeisterte Felber eigene Wagen herzustellen.

Ferrari-Gene für den Erstling

Mit dem Felber (Ferrari) FF schuf Willy H. Felber für den Genfer Autosalon 1974 seine erste Kreation, die nach heutiger Begriffswelt wohl am besten mit Retrodesign beschrieben würde. Inspirieren liess er sich beim Bau des FF vom Ferrari 125 S von 1947.

Felber Ferrari FF (1975) - in violetter Lackierung auf einer zeitgenössischen Aufnahme
Archiv Automobil Revue

Angetrieben wurde der leichtgewichtige Sportwagen von einem Ferrari-Zwölfzylindermotor mit rund vier Litern Hubraum. Kosten sollte er 1974 90’000 Franken. Bereits 1975 vermeldete er sechs verkaufte Fahrzeuge, am Schluss sollen es sogar ein gutes Dutzend gewesen sein. Der deutsche Rennfahrer Harald Ertl beschrieb den Wagen in der Auto Zeitung als “reine Männersache”.

Lancia-Derivat mit D24-Anleihen

Weil Autos in der 100’000-Franken-Klasse nicht allzu einfach an den Kunden zu bringen waren, überlegte sich Felber, dass er mit einer günstigeren technischen Basis und grösserem Ausstoss zu attraktiveren Preisen kommen könnte.

Gedacht, getan. Er liess bei Panther Westwinds, bereits der FF Ferrari war dort entstanden, einen Sportwagen mit der Technik der Lancia Fulvia aufbauen. Die optischen Anleihen bezog man dabei beim Lancia D24, der in den Fünfzigerjahren an der Carrera Panamericana für Furore gesorgt hatte. Wiederum entstand das Karosseriekleid aus Aluminium-Blechen, die über einen Rohrrahmen gestülpt wurden.

Felber Lancia FF (1975) - hier ist die noch unbemalte Aluminium-Karosserie - vermutlich bei Panther Westwinds - zu sehen
Archiv Automobil Revue

750 kg Leergewicht wurden angestrebt, zusammen mit den 110 DIN-PS des Fulvia-1300-Motors sorgte dies für sportliche Fahrleistungen. Als Preis wurde 1976 33’700 Franken kommuniziert.

Felber Lancia FF (1975) - der fertige Wagen bei Felber
Archiv Automobil Revue

Es blieb aber beim Einzelstück, denn inzwischen zog Felber die neuere Beta-Mechanik der Fulvia-Technik vor. Zudem hatte er im Rahmen eines Einzelstücks, dem Felber FF Croisette, einem Sportkombi auf Ferrari-400-Basis begonnen, mit Giovanni Michelotti in Turin zusammenzuarbeiten.

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Mit Michelottis Hilfe wird das Entlein zum Schwan

Am Genfer Automobilsalon im März 1976 wurde der Felber FF Lancia Spider vorgestellt. Der Vorgänger war in der neuen Karosserie nicht mehr wiederzuerkennen. Michelotti hatte den Entwurf geglättet und geschickt moderne und historische Elemente gemischt.

Felber Lancia FF Spider (1976) - Giovanni Michelotti legte beim Design nochmals Hand an
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue schrieb:
“Der zweite Blickfang am Stand ist der FF Lancia Michelotti. Es handelt sich dabei um eine vom Lancia Beta abgeleitete Luxuslimousine mit Michelotti-Karosserie. In den wesentlichsten Zügen ist die Form unverändert geblieben, doch vor allem die Frontpartie, die entfernt an den früheren Alfa Romeo 2600 Sprint mit Zagato-Karosserie erinnert, unterscheidet sich deutlich vom Original. Das Interieur ist ausgesprochen luxuriös. Dieser FF Lancia Michelotti soll für rund 36 000 Franken zu haben sein.”

Im Herbst wurde der Spider dann am Autosalon von Turin ausgestellt. Jetzt wurden bereits grosse Pläne geschmiedet. Die Automobil Revue kommentierte:
“Die Stahl- und Aluminiumpressteile sollen bei Michelotti in Italien entstehen, während die Montage in einer jetzt im Bau befindlichen neuen Halle in Morges erfolgen soll. Felber rechnet mit einer monatlichen Produktion von zwei bis drei Wagen. Eine Anzahl des neuen Spiders ist von Käufern bereits fest bestellt worden. Das Modell 1600 soll ungefähr 38 000 Franken kosten. Es wird später auch eine Hardtopversion geben. Die Motorleistung kann frei gewählt werden: 1600/100 PS, 1600 FF/130 PS, 2000/119 PS, 2000 FF/140 PS oder auch 1300/82 PS.”

Felber Lancia FF Spider (1976) - am Autosalon von Turin im Jahr 1976
Archiv Automobil Revue

Wartungsfreundliche Grossserien-Technik

Technisch entsprach der FF Lancia Spider in vielen Komponenten dem Lancia Beta. Die Vorderräder wurden von McPherson-Aufhängungen mit unteren Dreiecksquerlenkern geführt, die Hinterräder ebenfalls einzeln durch zwei parallele Querlenker. Gebremst wurde über vier Scheibenbremsen, die selbstverständlich servounterstützt waren.

Der Lancia-Beta-Vierzylindermotor war quer eingebaut und hatte zwei obenliegende Nockenwellen
Archiv Automobil Revue

Der quer eingebaute Motor war wies zwei obenliegende Nockenwellen, die über Zahnriemen angetrieben wurden, auf und hatte einen Leichtmetall-Zylinderkopf.

Geschaltet wurde über ein Fünfganggetriebe.

Der Felber FF benötigte nicht mehr Wartung und Pflege als der Serien-Beta, was einen Ölwechsel alle 10’000 km bedeutete.

Der kommerzielle Erfolg bleibt aus

Obschon 2/3 Wagen pro Monat nur eine Kleinserie bedeutete, wären auf diese Weise doch immerhin 24 bis 36 Fahrzeuge pro Jahr entstanden. Wieviele es tatsächlich waren, ist heute nicht mehr klar. Bekannt sind mindestens zwei überlebende Exemplare, gesprochen wird von drei produzierten Spidern.

Übergang von der Eigenkonstruktion zum veredelten Standardprodukt

Felber begann sich nach den wohl nicht besonders einträglichen Eigenkonstruktionen verstärkt auf die Umarbeiten von Grossserienfahrzeugen zu konzentrieren.

Felber Excellence (1980) - als charmant präsentiertes Coupé
Archiv Automobil Revue

Die Modelle hörten auf klingende Namen wie Pascha (Buick Skylark), Excellence (Pontiac Firebird), Oasis (International Scout II) oder Rubis (Lancia/Autobianchi A112).

Bereits 1984 beendete Felber die Produktion von eigenen Fahrzeugen, 1991 wurde schliesslich die Firma (W.H. Felber Automobiles SA) liquidiert. Willy Felber verstarb im Jahr 2002.

Felber FF Lancia (1977) - die Karosserieform hat durchaus ihre Reize
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Einzelstück ohne Marotten

Das Fahrer mit dem raren Felber FF Lancia Spider macht keine besondere Mühe, geht erstaunlich problemlos vonstatten. Man erhält eigentlich nie den Eindruck, dass man in einem handgearbeiteten prototypenähnlichen Wagen sitzt. Die Ergonomie ist nicht schlechter als in anderen Fahrzeugen der Siebzigerjahre und es gibt auch keine Geräusche, die einen aufschrecken würden.

Felber FF Lancia (1977) - das Lenkrad wirkt so nostalgisch wie das ganze Auto
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Schlüssel gedreht und schon röhrt der Lancia-Motor los. Man hört ihn nicht zuletzt wegen der offenen Karosserie deutlicher als zum Beispiel im Coupé, aber angesichts der gediegenen Aussprache des Vierzylinders ist dies kein Nachteil.

Pedale und Schaltung funktionieren erwartungsgemäss, nur der grossgewachsene Mitteleuropäer fühlt sich etwas ausgestellt, da recht hoch sitzend.

Spritzig zieht der FF los, rund 120 kg weniger wiegt er als sein Beta-Coupé-Gegenstück. Bei 100 PS fällt dieser Unterschied ins Gewicht, aber auch in Kurven fühlt sich der Felber FF Lancia ohne überflüssige Pfunde handlich an.

Felber FF Lancia (1977) - … und auch das knackige Heck weckt keine Assoziationen
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Besonderheiten der Kleinserie

Dass man es mit einem mehr oder weniger individuell gebauten Einzelstück zu tun hat, merkt man weniger beim Fahren als beim Stehen. Der Zugang zum Motor ist sicher nicht optimal, der Kofferraum recht knapp angelegt. Das Dach erinnert eher an eine knapp sitzende Kapuze, in die Waschanlage fahren jedenfalls sollte man nur, wenn man die Badehose trägt.

Felber Lancia FF Spider (1977) - das geschlossene Stoffdach kann bezüglich Eleganz nicht ganz mit dem Rest mithalten
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aber wer möchte ein derart seltenes Auto schon einer Waschanlage überlassen? Der FF Lancia gehört ja auch nicht in den Pendlerverkehr, sondern eher an den Concours d’Elégance, wo seine Formen geschätzt und seine Seltenheit bewundert wird.

Eine besondere Bedeutung kommt dem gefahrenen Exemplar zu, denn es soll einige Jahre von Willy Felber persönlich benutzt worden sein. Wer möchte nicht einen Ferrari besitzen, den Enzo Ferrari gefahren hat.

Viel günstiger kommt man wohl nur selten zu einer wohlgeformten Sonderkarosserie, aber wer weiss, vielleicht hat ja auch deshalb jemand den Braten gerochen und den portraitierten Felber FF in der Touring Garage in Oberweningen gekauft.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ff******
24.12.2013 (22:41)
Antworten
Als Eigentümer des "Entlein", den Ur FF Lancia Spider aus 1975, freuen wir uns über Ihren Felber Bericht.
von la******
24.12.2013 (17:21)
Antworten
Interessantes Auto, meiner persönlichen Meinung nach nicht wirklich "schön" und ohne eigentlichen
"Markt", das bei genauerem Hinsehen doch hie und da einige Zuwendungen benötigt, bevor es am erwähnten "Concours d'Elégance" teilnehmen sollte ....
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