Der VW 1500 S im (historischen) Test – grosses Kompromissgeschick der Wolfsburger
Zusammenfassung
1963 sah sich Volkswagen genötigt, sein Angebot an Mittelklasse-Wagen nachzubessern. Zwei Jahre zuvor hatte sich der 1500 ins Sortiment eingereiht, ein schlichter PKW, der eine Stufe über dem Käfer rangieren sollte. Reiz und Preis waren aber nicht ganz deckungsgleich und auch die Konkurrenz schlief nicht, also wurde der 1500 aufgepeppt. Er bekam ein “S”, Chrom, einen zweiten Fallstrom-Vergaser und 9 Mehr-PS verpasst, konnte das Image des etwas biederen Alltagswagens aber trotzdem nur bedingt abstreifen. Vielleicht war er einfach ein bisschen zu durchdacht, um bei der Käuferschaft echte Emotionen zu wecken… Der originale Testbericht zum VW 1500 S von damals wird von historischem Bildmaterial begleitet.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Das Schein-Paradoxon des zweiten Vergasers
- Wie scharf ist das "S"?
- Neutrales Fahrverhalten, trotz Heckmotor...
- Zögerliche Verzögerung und stattliche Ausstattung
- Frischer Wind
Geschätzte Lesedauer: 17min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Zwei Jahre Schonzeit gewährten die Wolfsburger ihren Konkurrenten, denn bislang war ihr 1500er zwar ein Faktor auf dem Markt, aber keine ernste Gefahr. Er war ein Auto für Pessimisten, die VW-Service und -Qualität über äußere Erscheinung und Fahrleistung stellen, denn abgesehen von diesen Eigenschaften und einer guten Straßenlage hatte zumindest die Limousine kaum Reize, die sie gegen das Publikum ausspielen konnte. Fahrleistung und Preis standen gar in einem gewissen Mißverhältnis, denn flinkere Autos waren weit billiger zu haben. Das hat sich nun mit einem Schlage geändert. Aus dem alten 1500er wurden zwei neue, die in zwei Preisklassen die Konkurrenz ernsthaft bedrohen. Der normale 1500 für 5990 Mark wird der kleinen Mittelklasse zu schaffen machen. Der 1500 S wird mit leichtem Leistungsvorteil und sportlichem Fahrwerk zur ernsten Gefahr für die „große" Mittelklasse. Aufgrund seiner Kraft verlieren sogar die Argumente gegen den geringeren Innen- und Kofferraum sowie gegen seine schlichte Erscheinung an Bedeutung.
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Bilder zu diesem Artikel

Während der ersten Motorreparatur wurde mir ein "normaler" VW 1500 als Ersatzwagen zur Verfügung gestellt. Dieser Wagen bereitete mir erheblich mehr Fahrfreude als der 1500 S. Zur gleichen Zeit testete die damalige deutsche Konsumentenschutz-Zeitung "DM" einen neuen VW 1500 S und stellte gravierende Mängel fest. Der VW-Konzern ging mit grossem juristischem Aufwand gegen die Zeitung vor, konnte aber die festgestellten Mängel nicht widerlegen. Die Angelegenheit endete meines Wissens mit einem Vergleich...
Mit Rückblick auf meine damaligen Erfahrungen mit dem VW 1500 S (ich verkaufte den Wagen nach 1 1/2 Jahren) muss ich noch heute feststellen, dass VW mit diesem "neuen" Modell ein höchst zweifelhaftes Produkt entwickelt hatte. Die Angestellten der AMAG waren mit dem neuen Doppel-Vergaser und dessen Einstellung stets in jeder Hinsicht überfordert.































































































































































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