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Bild (1/5): Filmposter mit Clint Eastwood und dem Cadillac Series 62 von 1959 für den Film "Pink Cadillac" von 1989 (© Warner Brothers, 1988)
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    Cadillac Series 62 Convertible - Flossen-Hoch für Clint Eastwood

    22. Mai 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Warner Brothers 
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    Der Film “Pink Cadillac” aus dem Jahr 1989 gehört wohl nicht zu den Kultfilmen, die man einfach gesehen haben muss. Schliesslich spielte er in den Lichtspieltheatern nicht einmal die überschaubaren Produktionskosten von USD 19 Millionen ein. Mindestens Clint-Eastwood-Fans dürften aber trotzdem wissen, wovon die Rede ist, schliesslich spielte der amerikanische Schauspieler die Hauptrolle neben Bernadette Peters.

    Cadillac Series 62 (1959) - stand im Film-Rampenlicht
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Wobei, eigentlich hatte das Auto eine fast ähnlich grosse Bedeutung im Film und dem Titel entsprechend handelte es sich natürlich um einen rosa-farbenen Cadillac, genauer gesagt einen Series 62 Convertible aus dem Jahr 1959.

    1957 oder 1959?

    Das Drehbuch, geschrieben von John Eskow, verlangte für den 1989 lancierten Film allerdings einen Cadillac des Baujahres 1957. Tatsächlich gab’s die Series 62 bei der GM-Marke bereits seit dem Jahr 1940 (und bis 1964).

    Cadillac Series 62 Touring Sedan (1942) - einige Designelemente des Sondermodells "Duchesse" wurden hier übernommen
    © Copyright / Fotograf: Archiv Peter Ruch

    Über die Jahrzehnte änderte sich zwar das Design, die Grundkonzeption aber blieb dieselbe, also rund 3,2 bis 3,3 Meter Radstand, über 5,5 Meter Länge und 2 Meter Breite, mindestens zwei Tonnen Leergewicht und einen V8 unter der Haube, der die an einer Starrachse aufgehängten Hinterräder antrieb.

    Cadillac Series 62 Coupe de Ville (1949) - noch rundlich, trotz über 5,5 Metern Länge
    © Copyright / Fotograf: General Motors / GM

    Während die ersten Series 62, gezeichnet von Harvey Earl, noch an die Formensprache der Vorkriegszeit erinnerte, wurden die Konturen mit der zweiten und dritten Serie bereits deutlich schnittiger. Mit dem sich entwickelnden amerikanischen Geschmack passte sich auch das Design an, blieb aber rundlich und zeigte viele Chromakzente.

    Cadillac Fleetwood (1962) am Genfer Automobilsalon - schlichter geworden und mit kleineren Heckflossen ausgestattet
    © Archiv Automobil Revue

    Der grosse Bruch kam dann für das Baujahr 1959, als die sechste Generation anrollte. Bill Mitchell trieb die Flossen-Hysterie der Amerikaner auf den Höhepunkt und unterstrich sie noch durch zwei integrierte horizontal angeordnete Leuchten, die ähnlich einer Kanonenkugel eingefasst waren.

    Auto Motor und Sport kommentierte die amerikanischen Designtendenzen im Dezember 1958:
    “Andere, wie der Cadillac und Oldsmobile sehen aus, als ob sie in Cap Canaveral von Raketenspezialisten entworfen worden wären. Der Cadillac hat eine ganze Garnitur von Raketen-Verzierungen im Heck. Hinterkotflügel von Buick, Cadillac und Chevrolet sind geradezu furchterregend.”

    Die Automobil Revue drückte sich anlässlich einer ersten Sichtung in Paris 1958 etwas diplomatischer aus: 

    “Die neue Variante der GM-Serienkarosserie mit hinten rundherum geführten Fenstern, fast horizontalem Dach mit kleinem hinteren Vorsprung und der bei allen Modellen vorhandenen hohen Windschutzscheibe, die bis ins Dach hinein verlängert ist, bildet eine bedeutende Etappe im Karosseriebau und wird ohne Zweifel in Zukunft manchen Konstrukteur, der um eine neue Form ringt, zu ähnlichen Lösungen anregen. Ob das gleiche auch für die waagrecht verlaufenden hinteren Kotflügelflossen gilt, mit denen GM der heutigen Mode ohne direkte Kopie der Konkurrenz eine Reverenz erweisen konnte, darf man dagegen bezweifeln.”

    Cadillac Series 62 (1959) - mit derart grossen Flossen steht man immer im Rampenlicht
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Der Series 62 Cadillac des Baujahres 1959 war deutlich kantiger als seine Vorgänger, verfügte über grössere Fensterflächen und offerierte auf der technischen Seiten überdurchschnittlich viele Komfortattribute: Servobremsen, Servolenkung, Getriebeautomatik, elektrische Fensterheber sowie Dachbetätigung (beim Cabrio) und elektrisch verstellbare Sitze.

    Der V8-Motor war auf 6,4 Liter Hubraum angewachsen und leistete nun 325 PS. Mit exakt 3,302 Metern Radstand und 5,715 Meter Länge überragte der 59er seine Vorgänge knapp. Dies alles wollte bezahlt werden, 5500 amerikanische Dollar kostete das Luxusmodell. In der Schweiz stand dafür CHF 39’700 in der Preisliste, etwa gleich teuer wie ein Mercedes-Benz 300 SL Sport-Roadster.

    Cadillac Series 62 (1959) - die Flossen sind hervorragende Peilkanten, die man auch gerne nutzt
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Offenbar überzeugte die 59-er-Variante die Filmemacher mehr als die 57-er-Version, denn als gedreht wurde, standen (vermutlich) drei spätere Versionen, in der richtigen Farbe bemalt, bereit. Die Filmemacher sprachen sich wohl für das schärfere Styling und die riesigen Flossen aus.

    Unterhaltsamer Action-Film

    Die Geschichte von “Pink Cadillac” ist schnell erzählt. Tommy Nowak, gespielt von Clint Eastwood, ist ein Detektiv, der auf Kaution freigelassene Personen sucht, wenn sie ihre Kaution verfallen lassen und nicht in Gefangenschaft zurückkehren.

    Lou Ann packt den 59-er Cadillac ihres Ehemanns aus, um damit abzurauschen - im Film "Pink Cadillac" von 1989
    © Copyright / Fotograf: Warner Brothers

    Lou Ann, dargestellt von Bernadette Peters, ist die Frau eines heruntergekommenen Ganovens, dem sie seinen 59-er Cadillac stiehlt und schliesslich herausfindet, dass sie auch noch eine Viertelmillion USD mitgehen lässt.

    eine Viertelmillion USD beginnt sich hier zu verflüchtigen - im Film "Pink Cadillac" von 1989
    © Copyright / Fotograf: Warner Brothers

    Diesem Geld sind die Gangster natürlich hinterher und Tommy Nowak, der sich natürlich in die hübsche Gangster-Braut verliebt, sieht sich üblen Schurken gegenübergestellt, um Lou Anns entführtes Baby von den bösen Jungs zu retten.

    in den finalen Szenen geht es dem Auto arg an den Kragen - im Film "Pink Cadillac" von 1989
    © Copyright / Fotograf: Warner Brothers

    Dass es vor dem Happy End noch einige dramatische Schiessereien und Autoverfolgungsjagden gibt, versteht sich von selber. Zumindest eines der drei Filmautos wird dabei hart herangenommen.

    Alles gut ausgegangen - im Film "Pink Cadillac" von 1989
    © Copyright / Fotograf: Warner Brothers
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    Unterwegs im “Pink Cadillac”

    Eines der drei Filmautos mindestens hat überlebt und einmal losgefahren, versteht man die diversen Schlenker, die Clint Eastwood im Action-Streifen parieren muss, sofort. Der Cadillac ist ein typischer Amerikaner mit weicher Federung und wenig feinfühliger aber umso kräftigerer Servounterstützung.

    Cadillac Series 62 (1959) - 6,4 Liter Hubraum, 325 PS leistet der V8
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die 325 PS nutzt man im Alltag kaum je, denn sanftes Gleiten liegt dem riesigen Auto deutlich besser als schnelle Kurvengeschlängel und scharfe Beschleunigungs- oder Bremsmanöver. Auffallen tut man im rosaroten Cabriolet auch ohne Quietschen und Dröhnen und der Ausblick durch die riesige (Vista-) Panoramascheibe oder über die scharfen Flossen hinweg ist schlicht atemberaubend.

    Cadillac Series 62 (1959) - Inteireur in Schwarz-Weiss
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Kaum weniger eindrücklich ist allerdings der Blick über das Armaturenbrett mit dem riesigen Breitband-Tacho und der herausquellen Zeituhr zur Mitte hin. Das Automatik-Getriebe wird per Lenkradhebel in die Gänge gebracht, alle Funktionsschalter sind beschriftet und geben kaum Rätsel auf.

    Cadillac Series 62 (1959) - lässt sich ohne jede Anstrengung fahren
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Und dass es Lou Ann im Film gut eine Nacht schlafend auf der vorderen Sitzbank ausgehalten hat, kann man ob der üppigen Innenbreite gut verstehen. Und seine Schuhe muss man als Cadillac-Besitzer ja nicht unbedingt an den Rückspiegel hängen wie Lou Ann im 90-Minüter.

    Während übrigens heutige europäische Autos bezüglich Aussenbreite locker mitgezogen haben, sind das 5,7 Meter Längenmass auch im Jahr 2018 noch immens.

    Eine Filmikone

    Der 59-er Cadillac Series 62 kann auf zahlreiche Filmauftritte zurückschauen, so etwa in “Wise Guys”, “Heartbreak Hotel”, “The Deer Hunter”, “Fandango” oder eben in “Pink Cadillac”, wo das hier gezeigte Chassis 59F043341 eingesetzt wurde.

    Cadillac Series 62 (1959) - Die gesamte Filmcrew und der Cadillac Series 62
    © Copyright / Fotograf: Warner Brothers

    Um farblich zu passen, wurde das vormals weisse Auto pink-farbig gespritzt. Im Jahr 1994 wurde der Wagen restauriert, 2013 die Dachhaut ersetzt. Im Februar 2014 versteigerte Bonhams den Wagen für EUR 62’100 (CHF 72’986) an der Rétromobile-Versteigerung in Paris.

    Impressionen von der Bonhams Versteigerung im Grand Palais am 6. Februar 2014
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Seither befand sich das Filmauto in den Händen eines Schweizer Sammlers, der nun Filmenthusiasten die Chance für die Übernahme des interessanten Wagens bieten will. Die Oldtimer Galerie Toffen wird den Cadillac an der Dolder-Versteigerung vom 16. Juni 2018 unter den Hammer bringen. Wer mit einem Kauf liebäugelt, sollte vielleicht vor dem Abgeben eines Gebots noch kurz Mass in der heimischen Unterkunft nehmen, der 5,7 Meter lange Caddy passt nämlich in keine Normgarage.

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