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BMW 2002 turbo - das Beste, was man aus Abgas machen kann

Erstellt am 6. Juni 2018
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
45
Bruno von Rotz 
6
BMW AG 
4
Balz Schreier 
1
Archiv 
25

Im Jahr 1973 war ein Turbolader noch ein ziemlich exotisches Hilfsmittel zur Leistungssteigerung, das primär im Rennsport, aber kaum je auf der Strasse eingesetzt wurde. Aber das war nicht der einzige Grund, warum man den BMW 2002 turbo so gross und auffällig anschrieb.

BMW 2002 turbo (1974) - kompakt und übersichtlich
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dynamische Sportlimousinen

Der BMW 2002 gehörte zu den sportlichen Limousinen, 1971 hatte man ihn mit einer Einspritzung von Kugelfischer mit 130 PS für die Konkurrenz fit gemacht.

BMW 2002 ti (1969) - nur durch die Typenbezeichnung am Kühler von den Geschwistern unterscheidbar
Archiv Automobil Revue

Doch die war leider schneller, zumindest was die Höchstgeschwindigkeit anbelangte. 200 km/h wurde zum Mass der Dinge und die Alpina-Version mit 155 PS lief locker 210 km/h. Da konnte BMW nicht zurückstehen.

Rennerprobt

Erfahrung mit leistungsgesteigerten Zweiliter-Motoren gab es bei BMW genug. Schliesslich hatte man den 2002 gekonnt mit einem Turbolader zwangsbeatmet und gegen 300 PS aus dem braven Vierzylinder herausgeholt. So gerüstet und mit dicken Kotflügelverbreiterungen versehen gewannen die Bayern die Europameister der Tourenwagen.

BMW 2002 Turbo (1974) - im Gruppe-5-BMW unterwegs
Copyright / Fotograf: BMW AG

Den Motor verbauten die Münchner dann im Experimentalfahrzeug BMW Turbo , das aber ein reines Showfahrzeug blieb.

BMW Turbo (1973) - als rollendes Versuchslabor von BMW
Archiv Automobil Revue

Um den Turbo-Motor im Alltag zu nutzen, waren schon noch einige Anpassungen und Optimierungen nötig, denn anders als im Rennsport, besteht der normale Strassenverkehr vor allem aus Teillast-Fahrern und Stop und Go.

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Zivilisierung

Die BMW-Ingenieure um Alex von Falkenhausen wählten eine Zweikammer-Turbine von KKK (Kühnle, Kopp und Kausch). Angetrieben durch die Auspuffgase wurde durch das zweite Schaufelrad Luft aus dem Filterkasten angesaugt und in den Motor geführt, wo sie mit dem Treibstoff aus der mechanischen Einspritzung zusammentraf. Um die Lebenserwartung des Motors in zivile Bahnen zu lenken, wurde die Verdichtung von 9,5 auf 6,9:1 reduziert.

BMW 2002 turbo (1973) - Blick auf und in den Turbo-Motor
Archiv Automobil Revue

Für den Einbau des Turbos musste natürlich auch die Auspuffanlage modifiziert werden, sowie das Ansaugsystem angepasst werden. Ein zusätzlicher Ölkühler sorgte neben dem vergrösserten Wasserkühler für gesunde Temperaturen. Ein Regelventil im Turbolader war dafür zuständig, dass der Ladedruck nicht über 0,55 atü stieg. Allerdings fanden Leistungsfanatiker schon bald die Stellschraube im Motorraum, mit der sich der Ladedruck erhöhen liess.

BMW 2002 turbo (1974) - 85 PS pro Liter Hubraum für den 170 PS starken Turbomotor
Archiv Automobil Revue

Das Ergebnis gab den Machern Recht. 170 PS leistete der Zweiliter-Turbomotor bei 5800 Umdrehungen, also 40 PS mehr als die eingespritzte Saugvariante. Das Drehmoment stieg um über einen Viertel. Dies erlaubte die Montage einer längeren Hinterachsübersetzung und ein in den unteren Gängen länger übersetztes Getriebe. Alternativ wurde ein Fünfganggetriebe angeboten. Allzuviele Extras gab’s ansonsten nicht, der turbo war weitgehend komplett ausgestattet.

Die Sache mit dem Schriftzug

Als erstes deutsches Serienfahrzeug mit Turbomotor wollte man die neue Technologie natürlich auch publikumswirksam dokumentieren und klebte seitliche Schriftzug aufs Auto, ergänzt um eine Turbo-Aufschrift am Heck. Und damit auch der Voranfahrende sofort erkenne, welche Rakete sich da im Rückspiegel nähert, liess Verkaufsleiter Bob Lutz auch noch seitenverkehrt gedruckte “2002”- und “turbo”-Schriftzüge auf den Frontspoiler anbringen.

BMW 2002 turbo (1973) - der spiegelverkehrte Schriftzug sorgte für Tumult - er war nur im Rückspiegel des Vordermanns korrekt lesbar und bedeutete, dass man Platz machen sollte - zu agressiv für die Zeit
Archiv Automobil Revue

So wurde der Wagen dann auch vor der IAA im Herbst 1973 präsentiert und prompt kam er den von der Energiekrise geplagten autokritischen Kreisen in den falschen Hals.

BMW 2002 turbo (1973) - der Massstab für Sportfahrer der Zeit - man beachte, dass hier der omminöse spiegelverkehrte Schriftzug auf dem Frontspoiler fehlt - gesehen auf der IAA 1973
Archiv Automobil Revue

So verschwand der Schriftzug, trotz des Widerstands von Lutz, wieder vom Frontspoiler, die Serienautos wurden ohne ihn ausgeliefert. Und auch auf der IAA stand er ohne den umstrittenen Aufkleber. Genauso wie auf den Bildern der massiven Werbekampagne zu Ende des Jahres 1973.

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Body Building

Dabei war auch ohne all die Schriftzüge sofort zu erkennen, dass hier ein besonders potentes Auto nahte. Schliesslich hatten die Bayern dem Turbo massige Kotflügelverbreiterungen mit auf den Weg gegeben, ergänzt um je einen Front- und Heckspoiler, der für weniger Auftrieb und vor allem gutmütigeres Verhalten bei Seitenwind sorgte. Unter den Radhäusern fanden nun 185/70 VR 13-Reifen auf 5,5 Zoll grossen Stahlfelgen Platz.

BMW 2002 turbo (1973) - ausgestellt an der IAA, der BMW-Überflieger
Archiv Automobil Revue

Beim Fahrwerk reichte die Straffung der Dämpfer und Stabilisatoren, um die Strassenlage an das erhöhte Temperament anzupassen, denn schliesslich bot der BMW 2002 mit rundum montierten Einzelradaufhängungen eine gute Basis. Sogar die hinteren Trommelbremsen liess man drin, immerhin waren sie etwas grösser dimensioniert, während vorne innenbelüftete Scheibenbremsen für standesgemässe Verzögerung sorgten.

Schneller als ein Porsche 911

7.1 Sekunden Zeit nahm sich der von Auto Motor und Sport getestete BMW 2002 turbo im Sommer 1974 für den Sport von 0 bis 100 km/h, bereits nach 18 Sekunden lagen 160 km/h an und kurz später lief der BMW 211,8 km/h (Spitzengeschwindigkeit bei 6500 Umdrehungen). Damit lag die zweitürige Limousine zwar minimal unter den Erwartungen des Werks, liess aber einen Porsche 911 bei Beschleunigen trotzdem im Rückspiegel immer kleiner werden.

BMW 2002 Turbo (1973) - 170 PS aus zwei Litern Hubraum
Archiv Automobil Revue

Gegenüber der Limousinenkonkurrenz hatte man mit dem 2002 turbo sowieso gute Karten, aber schliesslich kostete der Wagen auch DM 20’780 oder CHF 25’200, mithin also rund einen Viertel mehr als ein BMW 2002 tii oder eine Alfa Romeo 2000 Berlina.

Zudem verbrannte der Turbo immerhin 15,9 Liter Superbenzin pro 100 km (im Testbetrieb), was zu Zeiten, da der Benzinpreis fast wöchentlich anstieg, nicht gerade optimal war.

Nur kurze Zeit gebaut

So war denn dem BMW 2002 turbo nur eine kurze Zeit gegönnt, um sich - ausschliesslich in Silber oder Weiss gekleidet - in Szene zu setzen. Etwa 1670 Exemplare wurden von September 1973 bis Ende 1974 hergestellt, von den geplanten 5000 Einheiten war man da weit weg. Aber schliesslich rollte bereits der E21 (BMW 316 bis 320) an und da war man wohl bei BMW durchaus nicht unglücklich darüber, die Produktion des 2002 turbo zu stoppen.

Mit einer so kleinen Stückzahl, die beispielsweise gut mit der des Porsche 911 Carrera RS 2.7 vergleichbar ist, entstand eine Rarität, die heute bei Sammlern und Liebhabern sportlicher Limousinen sehr gesucht ist, was Preise im sechsstelligen Bereich belegen.

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Leichtfüssig

Das Design und die Grundkonzeption des BMW 2002 sind bereits über 50 Jahre alt, und dies hat durchaus viele positive Aspekte. So ist der Wagen mit 4,22 Metern Länge und 1,62 Metern breite kompakt, mit seiner tiefen Gürtellinie und den grosszügig verbauten Glasflächen ausserordentlich übersichtlich. A-, B- und C-Säule sind filigran und erlauben damit einen fast 360-Grad-Rundumblick. An die Notwendigkeit von Kameras hätte damals jedenfalls kaum jemand gedacht. Und auch Parkpiepser sind unnötig, notfalls kann man schliesslich auch noch die Türe öffnen beim Rückwärtsfahren.

BMW 2002 turbo (1974) - das Lederlenkrad und das rote Armaturenbrett unterschieden den Turbo vom normalen 2002
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Das Interieur des 2002 turbo unterscheidet sich nur durch Sportsitze und ein rotes Armaturenbrett von den anderen 2002-Modellen, zudem sorgen ein Lederlenkrad und eine Ladedruckanzeige für Abstand zu den günstigeren Versionen. Akustisch unterscheidet sich die Turbo-Variante zunächst auch kaum von seinen Geschwistern, erst wenn der Lader so richtig am Arbeiten ist, kommt das bekannte Turbo-Pfeifen dazu.

BMW 2002 turbo (1974) - ganz schön schwarz, das Interieur
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Reihenvierzylinder springt spontan an, das Sortierten der Gänge mit dem Schaltknüppel geht genauso leicht von der Hand wie die Bedienung der Pedalerie mit den Füssen. So richtig will man dem Wagen das Temperament gar nicht abnehmen, was aber am relativ späten Einsetzen des “zweiten Winds” liegt. Erst über 4000 Umdrehungen kommt der Turboeffekt voll zum Tragen und dann schiebt der BMW vehement nach vorne. Leise ist der Motor dabei nicht, als aufdringlich empfindet man die Geräuschkulisse aber auch nicht.

BMW 2002 turbo (1974) - mit gutem Fahrwerk gesegnet
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dank der Übersichtlichkeit und der grosszügig verfügbaren Leistung machen Strassen aller Art viel Spass und man gehört eigentlich immer zu den Schnellen. Natürlich merkt man beim Langsamfahren, dass der Lenkung eine Servounterstützung fehlt und wenn die Aussentemperaturen steigen, wird’s auch im Auto heiss, zumal die Kunstlederbezüge der Sitze keine Luft durchlassen. Aber ein bisschen Schwitzen im 2002 turbo gehört einfach dazu, schliesslich bewegt man ein Ausnahmemobil, das inzwischen 44 Jahre alt ist.

BMW 2002 turbo (1974) - die zusätzlichen Spoiler sorgten für mehr Abtrieb und weniger Seitenwindempfindlichkeit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mario Rall von der Zeitschrift Powerslide betrachtete in seinem Vergleichstest den 2002 turbo eher als die richtige Wahl für Leute, die vor allem einen schnellen Reisewagen mit guten Fahrleistungen und ausgesprochener Laufruhe suchten, während die Alternative von Alpina 2002 eher für den Sportfahrer konzipiert sei. Als Oldtimer jedenfalls können die gebotenen Qualitäten des 2002 turbo heute durchaus überzeugen, schliesslich hat ja nicht jeder die Nordschleife in Griffweite.

Wir danken der See-Garage Portmann für die Gelegenheit, den silberfarbenen 2002 Turbo fotografieren zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von wo******
12.06.2018 (19:56)
Antworten
War ein hammer Fahrzeug, hatten des öftern Turboladerschaden, ist dadurch passiert, dass immer Langstrecken gefahren wurde ( 500 bis 700 km).War das beste Fahrzeug ever!!
von he******
11.06.2018 (09:29)
Antworten
Toller Bericht und schöne Fotos vom legendären 2002 turbo. Dieses Auto war das erste Serienauto mit Turbolader und somit ein wichtiger Meilenstein für diese Technik.
Antwort von 219w105
14.06.2018 (13:18)
Schon mal was vom Chevrolet Corvair gehört? Der war mindestens zehn Jahre vorher der erste Serien-PKW mit Turboaufladung! Die erste Serie hatte 150 HP aus 2,4 Litern Hubraum; die zweite Serie ab 1965 gar deren 180 aus 2,7 Litern! Es waren 6-Zylinder-Boxermotoren.
Antwort von he******
14.06.2018 (16:28)
Ja von dem habe ich auch schon gehört..!
Stimmt, dann war der 2002 turbo das erste europäische Serienauto mit Turbolader. Einverstanden ?
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