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Auto Union 1000 Sp - 2-Takt-Thunderbird “en miniature”

Erstellt am 20. Oktober 2012
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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“Autofahren in seiner schönsten Form ... als offener Roadster, als rassiges Coupé - dieses Fahrzeug hat das Temperament der Jugend und den Komfort der technischen Reife”, so texteten die Werber der Firma Auto Union, als sie 1957 den gerade präsentierten Sportwagen 1000 Sp - “Sp” stand für “Spezial” - im Verkaufsprospekt beschrieben. Elegant war er, sportlich, aber auch ziemlich teuer und exklusiv, und genau deshalb auch besonders erstrebenswert - bis heute.

Formschön mit Vorbild

Der 1000 Sp entstand im Auftrag von William Werner, einem Deutsch-Amerikaner in Diensten der Auto Union. Der Auftrag an Gestalter Josef Dienst war eindeutig: Ein Sportwagen mit schmissigen Linien musste her, aussehen solle er wie eine Bombe. Nicht zufällig schielte Dienst dann nach Amerika und nahm sich wohl die eleganten und gleichzeitig modernen Linien des Ford Thunderbird zum Vorbild.

Eine gewisse Ähnlichkeit kann man dem Auto Union denn auch nicht absprechen, obschon der ganze Aufbau zierlicher und die Front weitgehend eigenständig geriet. Die Heckflossen und die Gestaltung der Rückleuchten zeigten aber die amerikanischen Einflüsse deutlich und besonders die Silhouette der später erschienenen offenen Variante spiegelte das Vorbild gekonnt.

Die für die Zeit vergleichsweise ausladenden Dimensionen (4,17 x 1,68 x 1,33 Meter) gaben dem Designer allerdings auch den Spielraum, den es braucht, um ein elegantes Fahrzeug zu entwerfen.

Technisch eigenständig

Bei der Technik konnten die Ingenieure der Auto Union auf Bewährtes zurückgreifen, Motor, Fahrwerk und die übrigen technischen Komponenten taten bereits in den weniger sportlichen Schwestermodellen ihren Dienst. Die Auto-Union-Modelle wichen deutlich von der damals gültigen Standard-Bauweise (Viertakt-Motor vorne, Antrieb hinten) ab, waren doch alle DKW- und Auto-Union-Modelle frontgetrieben und der Motor verbrannte ein Gemisch aus Benzin und Öl.

Der Zweitaktmotor versprach vergleichsweise viel Leistung aus wenig Hubraum bei geringer baulicher Komplexität. Als Nachteil wurden ihm übel riechende Abgase, systembedingt hoher Verbrauch und fehlende Bremswirkung im Schiebebetrieb ausgelegt. Zum Zeitpunkt der Lancierung des 1000 Sp gab es nur noch wenige Fahrzeughersteller, darunter Saab, die dem Zweitaktmotor die Treue hielten.

Die Auto-Union-Männer aber wollten am einfachen Motorprinzip festhalten und entwickelten dieses stetig weiter. Im 1000 Sp sorgten ein Doppelvergaser und eine erhöhte Verdichtung für 55 PS, zudem sorgte eine Wasserpumpe für bessere Kühlung.

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Mit Freilauf

Um den 980 cm3 grossen Motor zu schonen, verfügten die Auto-Union-Modelle über einen Freilauf, der den Motor von der Antriebsachse entkoppelte und damit Benzin sparte. Dieses Prinzip wird heute wieder aufgenommen, man spricht neuzeitlich von “segeln”. Der Freilauf konnte ausgeschaltet werden, was besonders die sportlich orientierten Fahrer häufig taten.

1962 kam als weitere Innovation die Frischöl-Automatik dazu, die Öl bedarfsorientiert dem normalen Benzin beimischte, so dass man an der Tankstelle handelsübliches Viertakt-Benzin tanken konnte. Allerdings nahm die mit Bosch entwickelte Einrichtung ihre Aufgabe besonders im Winter und im Schiebebetrieb nicht immer optimal wahr, was zu Motorschäden führen konnte.

In Handarbeit gebaut

Die Firma Baur in Stuttgart übernahm die Fertigung der Stahlblech-Karosserien. Bis zu sechs Fahrzeuge konnten die fleissigen Schwaben pro Tag - weitgehend in Handarbeit - bauen, dazu war insgesamt ein Personalkörper von einigen Hundert Mannen nötig.

1957 wurde der elegante Wagen nach kurzer Vorbereitungszeit an der IAA in Frankfurt vorgestellt und mit Begeisterung empfangen.

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Exklusives Vergnügen

Billig könnte eine weitgehend von Hand erstellte Karosserie und die Modifikationen an der Auto-Union-1000-Basis nicht sein, so wurden denn auch in Deutschland 1957 DM 11’950 für das Coupé verlangt, da waren aber immerhin die Heizung, Liegesitze und etwa eine Scheibenwaschanlage schon inbegriffen.

In der Schweiz stand das Coupé 1959 mit CHF 14’500 auf der Preisliste, das “normale” Auto Union 1000 Coupé kostete dagegen nur CHF 8’600, eine Alfa Romeo Giulietta Sprint CHF 15’900, ein Simca Aronde Plein Ciel CHF 12’900 und der VW Karmann-Ghia geradezu bescheidene CHF 10’465.

Diese Preisgestaltung verhinderte eine grössere Verbreitung. 5’004 Coupés wurden zwischen 1957 und 1965 hergestellt.

Stetige Weiterentwicklung

Ab Modelljahr 1962 gab es den 1000 Sp auch als Roadster, welcher ja schon im ersten Verkaufsprospekt zumindest zeichnerisch angekündigt worden war. Kurz vorher bereits waren die spitzen Ecken der Heckflossen abgerundet worden - die einzige wesentliche Design-Änderung in der gesamten Bauzeit. Bereits im Jahr 1959 hatte das Coupé von einem vollsynchronisierten Getriebe profitiert.

Ab April 1962 wurden Coupé und Roadster mit vorderen Scheibenbremsen ausgerüstet, gleichzeitig kam die bereits erwähnte Frischöl-Automatik dazu.

Nicht überzeugte Fachpresse

Die deutsche Fachzeitschrift Auto Motor und Sport unterzog das 1000 Sp Coupé im Jahr 1959 einem harten Test. Reinhard Seiffert konnte sich eine ablehnende Haltung zum Zweitaktmotors nicht verkneifen, obschon die Fahrleistungen des kleinen Sportwagens durchaus seine Zustimmung fanden. Den Sprint von 0 bis 100 km/h absolvierte der Wagen in 23 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 138 km/h erreicht. Über den Testverbrauch von 13,0 Liter pro 100 km für das fahrfertig 980 kg wiegende Fahrzeug konnte Seiffert allerdings nicht lachen, ein zweites zum Vergleich herangezogene Exemplar liess es denn auch mit ein bis zwei Litern weniger bewenden.

Voll des Lobes war der Testfahrer ob des guten Fahrkomforts und auch die überdurchschnittliche Strassenlage wurde positiv erwähnt.
“Wir bezweifeln daher nicht, dass die nur in beschränkter Stückzahl gebauten AU 1000 Sp Coupés ohne Schwierigkeiten ihre Käufer finden werden, denn für einen so schönen Wagen zahlt mancher gern einen guten Preis - zum Teil trotz, zum Teil aber auch wegen des Zweitaktmotors”, lautete der Schlusssatz im Test.

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Aus Fahrerperspektive angenehm

Heute geht man natürlich anders an ein Juwel wie den Auto Union 1000 Sp heran, als dies die Redakteure der Autozeitschriften früher taten. Das elegante Blechkleid wirkt zierlich und wohlgeformt. Das helle Interieur mit dem in Wagenfarbe gehaltenen Armaturenbrett gefällt. Die Bedienungselemente sind weitgehend dort, wo man sie erwartet.

Gestartet wird per Zündschlüssel und los geht’s mit dem “rätätäm-tätäm-tätäm”, dem typischen Zweitaktgeräusch halt.
Das Schaltschema der Lenkradschaltung ist anfänglich gewöhnungsbedürftig, das “H” ist sozusagen seitenverkehrt, der erste Gang links unten, der zweite links oben, usw.. Bereits zum Anfahren sind relativ hohe Drehzahlen nötig, man spürt, dass das Drehmoment mit 90 Nm schmächtig ist und in einer relativ spitzen Kurve bei 3’000 U/min anfällt.

Einmal in Bewegung geht es flott voran, man ist keinesfalls ein Verkehrshindernis. Solange die Drehzahl im oberen Bereich bleibt, ist die Dynamik ganz in Ordnung. Sobald man den Fuss vom Gas nimmt, tritt der Freilauf in Erscheinung. Die Drehzahl sinkt, das Fahrzeug aber wird kaum langsamer.  Drückt man auf das Gaspedal, dann vergeht eine Gedenksekunde, bis wieder Kraftschluss herrscht. Aber auch an diesen Effekt gewöhnt man sich schnell.

Die Schaltung geht leicht, der Wagen rollt bequem ab, die Bremsen packen zu, man fühlt sich wohl im kleinen Sportwagen. “Kenner fahren DKW” steht hinten auf der Heckscheibe, das hatte schon etwas.

Heute ein gesuchter Klassiker

5’004 Coupés und 1’640 Roadsters vom Typ 1000 Sp wurden hergestellt, nur ein kleiner Teil hat überlebt. Unfälle, Rost und Ersatzteilprobleme haben viele dahingerafft, die Übergebliebenen sind gesuchte Klassiker und werden von Marktbeobachter Classic Data auf Euro 22’500 (rund CHF 28’000) für Coupés in gutem Zustand eingeschätzt. Der Roadster wird rund 40% höher angesetzt. Perfekt restaurierte Exemplare können noch erheblich mehr wert sein.

Die Technik ist dank der Verwandtschaft mit den häufigeren DKW- und Auto-Union-Modellen kein Problem, Chrom-, Blech- und vor allem Interieur-Teile aber sind rar und oftmals sehr teuer.

“Von Könnern gebracht, für Kenner gedacht: Der Auto Union 1000 Sp - ein Automobil der Internationalen Extraklasse”, so stand es in den Presseinformationen des Jahres 1958. Dies können wir so stehen lassen.

Das für diesen Bericht portraitierte sorgfältig restaurierte 1000 Sp Coupé mit Jahrgang 1962 wird in der Auktion der Oldtimer Galerie Toffen am 1. Dezember 2012 versteigert.

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