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DKW - Totgesagte leben länger (Buchbesprechung)

Erstellt am 25. Mai 2018
, Leselänge 6min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Motorbuch Verlag (div. Bildautoren) 
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Motorbuch Verlag 
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Vor über 50 Jahren endete die DKW Produktion mit dem Auslaufen der Munga-Fertigung für die deutsche Bundeswehr. Das von DKW hoch gehaltene Zweitaktprinzip war an seine Grenzen gestossen. Markt und Kunde waren eine verwöhnte Gesellschaft geworden. Gerade noch rechtzeitig hatte die Auto Union das Ruder mit Hilfe von Daimler-Benz herumgerissen und produzierte nun Fahrzeuge mit Viertaktmotor, die unter dem Namen der Vorkriegsmarke Audi in den nächsten 50 Jahren eine kometenhafte Erfolgsgeschichte schreiben sollte.

Obwohl Mercedes-Benz als Besitzer der Auto Union für den DKW F102 einen Viertakter forderte, hielt die DKW Führung am Zweitakter fest. Das war das Ende. Aus dem F 102 wurde ein Audi mit bei Mercedes entwickeltem 4-Taktmotor
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Aber immer noch scheint die Geschichte von DKW zu wenig verblasst zu sein, als dass sich nicht ein Buch darüber schreiben liesse. DKW- und Auto Union-Kenner Frank Rönicke hat sich die DKW Geschichte nochmals vorgenommen.

Zum Thema DKW

Die Geschichte von DKW ist schon mehrfach erzählt worden. „DKW - die Geschichte einer Weltmarke“ von Siegfried Rauch, quasi ein Buch aus erster Hand, Rauch war jahrzehntelang bei  DKW in leitender Funktion. Oder „DKW-Automobile“ von Thomas Erdmann sind Standardwerke zur Typen- und Unternehmensgeschichte von DKW. Ehedem einmal die grösste Motorradfabrik der Welt und Vorreiter des Frontantriebs bei Automobilen gelten die Fahrzeuge von DKW als robust, innovativ und auch wenn es nicht immer so wirkt sogar als sportlich. Interessant zu sehen, ob das Buch von Rönicke einen weiteren Beitrag zur Fahrzeug- und Unternehmensgeschichte leisten kann.

Können kommt von kennen

Frank Rönicke kennt sich im Thema aus. Das ist die beste Voraussetzung für eine Monomarkengeschichte. Er kennt nicht nur die Fahrzeuggeschichte, sondern weiss auch um tiefe Hintergründe der Unternehmensgeschichte. Das zeichnet sein Buch aus, macht es spannend und abwechslungsreich und liefert damit tatsächlich viele ergänzende Einblicke in die Geschichte von DKW, die knapp nach dem 1. Weltkrieg mit der Motorradproduktion begann und deren Automobilfertigung kurz nach der Übernahme durch Volkswagen 50 Jahre später endete.

Ein Grundpfeiler des DKW-Erfolgs war der DKW-Kundendienst und die DKW-Werksschule. 1938 präsentieren sich die Mitarbeiter stolz an einem DKW F1-Fahrgestell.
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Innerhalb dieser 50 Jahre findet die Geschichte von DKW auf über 300 Seiten Platz. Und es ist nicht zu wenig. Wir hatten an anderer Stelle schon mal den Wunsch geäussert, dass die Publikationen von Rönicke durchaus mehr als 100 Seiten verdient hätten.

Zur Einteilung

Der Autor gliedert das Buch in zwei Teile: Zum einen die „DKW-Motorräder“, zum anderen die „DKW-Automobile“. Ein weises Vorgehen, weil der Leser so in den beiden grundverschiedenen unternehmerischen Geschäftszweigen bleibt und damit dem jeweiligen Thema auch über Entwicklungstendenzen, Sporteinsätze oder Kriegswirren bis zu den Protagonisten folgen kann. Die Motorradgeschichte kommt dabei auf einen Anteil von gut 160 Seiten, die Automobile werden auf knapp 100 Seiten abgehandelt.

Weltweite Erfolge auf zwei, drei und vier Rädern. DKW bewies seine Bedeutung im Motorsport und feierte zahllose Erfolge. Europameister 1937 Hans Schumann mit Schmiermaxe Julius Beer. Im Hintergrund Ewald Kluge
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

In einem Anhang werden zudem noch die DKW Motoren und Aggregate aufgeführt, das sind u.a. Feuerwehrmotoren oder anderweitige Einsatzmotoren. Ausserdem kommt Rönicke nicht umhin, die zahllosen Kopien von DKW-Motorrädern in aller Welt nach dem 2. Weltkrieg in einer ausführlichen Bildstrecke zu dokumentieren und zu kommentieren. Das wirkt alles in allem erstmal kompetent und komplett.

Das F8 Luxus-Cabriolet von 1938 war der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Frontantriebswagenentwicklung vor Ausbruch des 2. Weltkrieges
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Ein Buch für DKW-Kenner

Rönicke schreibt wovon er weiss - und er weiss eine ganze Menge. Sein Buch zeichnet wirklich die einerseits verdichtete Typengeschichte sowie die damit verwobene Unternehmensgeschichte aus. Selbst wer sich gut in der Materie von DKW und der Auto Union auskennt, kann hier noch einiges entdecken, entschlüsseln und profitieren.

Einstieg in die Fahrzeugproduktion 1922 mit dem SB-Elektrowagen in zweisitziger Ausführung. Das Fahrzeug gab es natürlich auch mit den kleinen DKW-Zweitaktmotoren
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Dabei beginnt Rönicke wie bei DKW üblich mit der Entwicklung des Dampf-Kraft-Wagens während des 1. Weltkriegs, der den aus Dänemark stammenden Unternehmensgründer Rasmussen autark von Mangelsituation beim Treibstoff machen sollte. Und der Fahrzeugmarke gleichzeitig ihren Namen gab. Schon die Informationen zu diesem Einstieg liefern einige wichtige neue Erkenntnisse, die in oben angesprochenen Büchern nicht so ausführlich ausgeführt werden. Und sind ein Beleg für die akribische Recherche sowie dem Wissensstand des Autors. Vergleichen mit den Wirrungen mancher Porsche-Bücher, insbesondere zum Ursprung des Unternehmens, bei dem man gleich Zweifel am Faktengehalt aller folgenden Seiten erhält, bildet der Einstieg hier die solide Basis  für ein vertrauensvolles Weiterlesen.

Angereichert mit viel Detailwissen

Auf dieser Grundlage geht es souverän weiter. Der Autor zeichnet die Entwicklung der Zweiradmarke DKW von den ersten Fahrrädern mit Hilfsmotor bis zur grössten Motorradfabrik der Welt in den 30er Jahren ausführlich auf. Dabei porträtiert er jedes Modell, liefert den Hintergrund für die technische Weiterentwicklung und hat an den richtigen Stellen eine Aufstellung der Typen mit den technischen Daten parat, womit eine gute Übersicht gewährleistet ist.

Mit Vorserienmodellen der DKW Schwebeklasse nahm die Auto Union bei der 2000 km Deutschlandfahrt 1934 teil. Nummer 538 kam mit fünf (sic) Stunden Vorsprung ins Ziel.
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Genauso verfährt Rönicke auch mit der Fahrzeugfertigung. Bereits die ersten Fahrversuche mit dem Elektromobil von Dr. Rudolf Slaby bilden den Ausgangspunkt für die Geschichte der DKW Automobile. Dieser schliesst sich dann die chronologische Entwicklung der Modelle vor und nach dem 2. Weltkrieg an. Stets gut im Text erläutert, mit zahllosen Bildern gut illustriert und dank aussagekräftiger Tabellen und Statistiken auch in sich gut abgerundet. Besonders stolz scheint Rönicke auch auf die motorsportlichen Erfolge von DKW zu sein, denn sowohl den Motorrädern als auch den Automobilen widmet der Autor hier durchaus einen wertvollen Teil seiner Aufmerksamkeit.

Teilnahme beim Rallye Monte Carlo
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Nicht zu unrecht, denn die DKW Erfolge waren beachtlich und sind in dieser Form auch nicht so einfach aus der Fachliteratur nachzuvollziehen. Gerade dieses Detailwissen zeichnet Rönickes DKW Buch geradezu aus.

Fazit

Frank Rönicke zollt einer längst untergegangen Marke seinen Tribut. Den Nimbus einer „legendären“ Marke nimmt er gerne in den Untertitel auf. Das ist auch nicht zu hoch gegriffen- insbesondere die Motorräder von DKW hatten vor dem 2. Weltkrieg in der ganzen Welt ein grosses Renommee. Das konnten sich auch die Automobile insbesondere als Pioniere des Frontantriebs in den 30er Jahren erarbeiten und dank der Auto Union mit innovativen Lösungen belegen.

Besonders der als Konkurrent zum KdF-Wagen entwickelte DKW F9 war seiner Zeit kurz vor der Serienfertigung 1940 weit voraus. Sein mühsamer Start n Ost und West wurde allerdings erst 10 Jahre später möglich, da war der anvisierte Konkurrent allerdings schon auf der Erfolgsspur. Dem Autor gelingt es, diese Mixtur aus Modell- und Unternehmensgeschichte leicht zu erzählen und umfassend zu dokumentieren.

Zweitakter bis zum bitteren Ende. Einstellarbeiten der Zündung am Dreizylindermotor des DKW Munga, der als letzter Zweitakter für die Bundeswehr von den Ingolstädter Bändern lief
Copyright / Fotograf: Motorbuch Verlag (div. Bildautoren)

Über 700 Bilder, einige davon schon aus älteren Publikationen zum Thema bekannt, reichern diese Markengeschichte deutlich an. Die Einteilung des Buches gepaart mit der chronologischen Abhandlung der doch komplexen Typen- und Unternehmensgeschichte liefert einen umfassenden Einblick in die Historie von DKW. An vielen Stellen wird diese Historien noch durch Kurzbiografien wichtiger Protagonisten angereichert. Alles in allem gelingt es Rönicke insbesondere aufgrund seines profunden Wissens zur Marke DKW auch 50 Jahre nach Auslaufen der Produktion einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Unternehmens beizutragen. Dafür sind € 39,90 gut angelegtes Geld für einen spannenden Lesegenuss zu einer längst untergegangenen aber immer noch nicht vergessenen Marke.   

Bildnachweis: Archiv Rönicke, Rasmussen GmbH, Peter Wenzel, Lothar Spurzem, Alvermann-Oldtimer, Oldtimerdienst Chemnitz, earlymotors.nl, Christian Zöttl, Heinz Herz, Unternehmensarchiv AUDI AG, Chr. Späth, Helmut Kraus, Eckhard Henkel, Ernie van der Merve, H. P. Seufert, Arthur Fenzlau.

Bibliografische Angaben

  • Titel: DKW  Die Geschichte einer legendären Marke
  • Autor: Frank Rönicke
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Motorbuch, 1. Auflage 2018 
  • Format:  Gebunden, 305 x 230 mm 
  • Umfang: 304 Seiten, 222 Farbfotos und 490 s/w-Abbildungen 
  • ISBN: 978-3-613-04053-3
  • Preis: € 39,90, 
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , online beim Motorbuch Verlag oder in der gut assortierten Buchhandlung

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