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Audi quattro - Ur-Version mit maximalem Vortrieb

Erstellt am 17. März 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Audi AG 
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Audi Tradition 
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Bruno von Rotz 
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Audi Pressedienst 
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Unternehmensarchiv der Audi AG 
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Archiv 
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Der Audi quattro war 1980 nicht der erste vierradangetriebene Sportwagen, denn bereits 1903 bauten die Holländer den Spyker mit 4x4-Antrieb . Der quattro war auch nicht der ersten in Serie produzierte Gran Turismo mit vier angetriebenen Rädern, denn hier hatten die Engländer mit dem Jensen FF , den man ab 1966 kaufen konnte, die Nase vorne.

Aber der Audi quattro kann für sich in Anspruch nehmen, dass er dem Allrad-Konzept im Personenwagen-Alltag und im Rallye-Rennsport zum Durchbruch verholfen hat.

Audi quattro (1982) - ein kleines Küsschen zum Genüsschen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dabei war dieser automobile Meilenstein nicht strategisch geplant, sondern fast aus dem Zufall heraus entstanden.

Vom Iltis zum quattro

Mitte der Siebzigerjahre verblies ein gewisser Jörg Bensinger, Chef der Fahrwerksentwicklung, bei Wintertestfahrten von Audi seine Kollegen mit einem Auto, dem man jegliche Sportlichkeit absprechen konnte, dem VW Iltis. Auf rutschigem Untergrund konnte keiner der anderen Testwagen in Rovaniemi (Finland) mithalten. “So was müsste man in einem richtig starken Personenwagen haben”, dachte sich Bensinger beim Betrachten des Iltis-Antriebsstrangs.

Zurück in Ingoldstadt gewann Bensinger Walter Treser, Leiter der Vorentwicklung, als Mitstreiter. Die beiden gingen schnurstracks zu Ferdinand Piëch, wo sie mit dem Allradkonzept auf offene Ohren stiessen. Im Februar 1977 begannen erste Entwicklungen,  im November stand der erste vierradangetriebene Audi zur Probefahrt bereit, “A 1” genannt und optisch ein zweitüriger Audi 80 der vergangenen Generation. Ohne mittiges Differential und mit hinten umgedrehter Vorderachskonstruktion war der erste Prototyp noch relativ einfach gestrickt. Immerhin aber verhalf ein Turbomotor zu 160 PS, eine vielversprechende Perspektive.

Audi Quattro (1980) - Schnittzeichnung
Archiv Automobil Revue

Doch zuerst musste die Volkswagen-Spitze überzeugt werden, was mit ein paar vergleichenden Testfahrten aber problemlos gelang.
Ernst Fiala, der Technik-Chef bei VW, allerdings, vermeldete nach ausgiebigen Testfahrten mit dem Prototyp massgeblichen Nachbesserungsbedarf: “Da muss ein zentrales Differential rein”, soll er gesagt haben.

Als auch noch VW-Chef Toni Schmücker überzeugt war, wurde aus dem ursprünglich für limitierte Produktion gedachten Homologationsfahrzeug ein seriöses Serienauto.

Audi Quattro (1980) - Ur-Quattro-Premiere am Genfer Automobilsalon 1980
Copyright / Fotograf: Unternehmensarchiv der Audi AG

Im März 1980 dann stand der fertig entwickelte Audi quattro als Sensation auf dem Genfer Automobilsalon und die Audi-Vertriebsleute frohlockten: “Endlich haben wir unseren eigenen Porsche”.

Audi quattro (1980) - Fahrgestell mit permanentem Allradantrieb - Genfer Autosalon 1980
Archiv Automobil Revue

Der Allrad-Sportwagen

Aus den Versuchsträgern war ein “seriöses” Coupé geworden, befeuert von einem 2144 cm3 grossen Fünfzylinder mit Abgasturbolader, computergesteuerter Zündung und Ladeluftkühler. 200 PS bei 5500 Umdrehungen und 285 Nm bei 3500 Umdrehungen verhalfen zu tüchtig Vortrieb, unabhängig vom Strassenzustand und trotz des mit 1331 kg nicht zu vernachlässigen Leergewichts, wovon 75 kg den zusätzlichen Elementen des Allradantriebs zuzurechnen waren.

Audi quattro (1982) - mit 2,2 Liter-Fünfzylinder-Turbomotor und 148 kW/200 PS
Copyright / Fotograf: Audi AG

Die Journalisten rissen sich darum, den neuen Wagen zu testen, aber es verging noch eine ganze Weile, bis die Berichte in den Magazinen und Zeitschriften zu lesen waren.

Im Februar 1981 berichtete Auto Motor und Sport von ihren Erfahrungen. 7,4 Sekunden nahm sich der gemessene quattro, damals übrigens meist noch grossgeschrieben, für den Standardspurt von 0 bis 100 km/h, als Spitze wurden in Stuttgart exakt 222,2 km/h gemessen. Der Testverbrauch belief sich auf unbescheidene 16,6 Liter Super pro 100 km.

Audi Quattro (1980) - unterwegs
Archiv Automobil Revue

Zwei Monate später doppelte die Automobil Revue nach. Ihr Audi schaffte es sogar in 7,3 Sekunden auf 100 km/h und lief gar 224 km/h schnell. Als Testverbrauch wurden 16,4 Liter notiert mit Ausschlägen zwischen 10,5 bis 20,2 Litern. Interessant war die Teillast-Verbrauchskurve, die veröffentlicht wurde: Be konstant 80 km/h genehmigte sich der Audi quatto 7,7 Liter, bei 100 8,9 Liter, bei 120 10,5 Liter und bei 200 23,9 Liter des auch in den Achtzigerjahren immer teurer werdenden Benzins. Die eher durchschnittliche Aerodynamik war mit einem cw-Wert von 0,4 an dieser Verbrauchsorgie genauso beteiligt wie der schluckfreudige Turbo-Motor.

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Komfort und Sportlichkeit

Die Autotester waren nicht nur von den Fahrleistungen begeistert, sondern auch vom Fahrkomfort. “Federung und Dämpfung des Quattro sind ausgezeichnet aufeinander abgestimmt und stellen einen gelungenen Kompromiss für sportliche Fahrweise einerseits und komfortables Reisen andererseits dar. Eine ausgezeichnete Note verdient auch die Dämpfung der Motor- und Fahrgeräusche: Selbst bei Tempo 200 können sich die Passagiere ohne Mühe unterhalten”, schrieb die Automobil Revue. 

Audi quattro (1982) - Blick ins Cockpit des Serien-quattro
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und Auto Motor und Sport doppelte nach: “Auf winterlich feuchten Strassen erlaubt der permanent allradgetriebene Bajuware Kurvengeschwindigkeiten, die einigermassen ambitionierte Autofahrer faszinieren müssen. Dabei entwickelt der Quattro selbst bei zügiger Fahrweise in den meisten Radien kein erkennbares Eigenlenkverhalten. Nur in sehr engen Ecken schiebt der Audi nach Art frontgetriebener Autos über  seine eingeschlagenen Vorderräder zum Kurvenaussenrand. Und auf ein abruptes Entlasten des Gaspedals hin oder wenn gar in Kurven gebremst werden muss, schwenkt die Audi-Heckpartie sanft und gut beherrschbar nach aussen.”

Kein Wunder wählten Vielfahrer und Unternehmer den Audi quattro als Alltagsfahrzeug, nur der nicht variable Kofferraum von 335 Litern Grösse (VDA-Norm) zeigte sich hier als Nachteil, während die Hintersitze nicht nur Kindern zugemutet werden durften.

Kein Sonderangebot

Günstig war der Audi quattro allerdings nicht. DM 49’900 betrug der Listenpreis für den Audi quattro in Deutschland, 54’900 Franken waren es in der Schweiz. Ein Porsche 911 SC kostete etwa gleich viel, für den Alfa Romeo GTV 6 zahlte man knapp die Hälfte.

Und schon damals galt es, Komfort-Zubehör extra zu bezahlen: Die Klimaanlage kostete 2135 Franken, ein heizbarer Fahrersitz 230 Franken, der Tempo-Automat 515 Franken (DM 480) und das Aufstelldach gab es für 750 Franken (DM 785). Auch elektrische Fensterheber oder eine Heckscheibenwischanlage kosteten (in Deutschland) Aufpreis.

Für das viele Geld erhielt der Audi-Käufer ein Auto, das bis auf Spoilerwerk und ausgebeulte Kotflügel fast gleich aussah wie das halb so teure Audi Coupé GT5S. Innere Werte also mussten hier Überzeugungsarbeit leisten.

Namensstreitigkeiten

Eigentlich sollte der quattro ursprünglich ja “Carat” heissen, einer Abkürzung für Coupé-All-Rad-Antrieb-Turbo, aber zum Zug kam Walter Tresers Vorschlag “Quattro”, die italienische Zahl Vier. Dies führte dann allerdings später zu Auseinandersetzungen, denn Autos mit “Quattro” im Namen gab es bereits früher, zum Beispiel beim Maserati Quattroporte. Doch Audi liess sich den Namen patentrechtlich schützen, weil man nachweisen konnte, dass die zwei Silben in der Bevölkerung eindeutig mit dem Auto aus Ingolstadt verknüpft waren. Und so intervenierte man dann auch bei Ferrari, als die ihren 308 GTB/GTS Quattrovalvolve nannten.

Über die letzten 30 Jahre ist es den Audi-anern erfolgreich gelungen, die Zahl als Autogenre zu etablieren, man denke dabei nur an die Werbung mit dem Eskimo, der im Schnee spuren liest und bedeutungsvoll “Audi ... quattro” murmelt.

Erfolgreicher Urquattro

“Urquattro” wurde der 1980 präsentierte und ab 1981 zu kaufende Sportwagen natürlich erst nachträglich genannt. Bis 1991 wurden 11’452 Exemplare gebaut und damit Pionierarbeit für den permanenten Allradantrieb im Personenwagen geleistet. Während der zehnjährigen Bauzeit wurde immer wieder etwas geändert, so erhielt der quattro 1982 ein veritables “Mäusekino” mit Digitalanzeigen für Drehzahl und Geschwindigkeit.
1983 kam mit dem Sport quattro eine kurze Version als optimierte Basis für den Gruppe-B-Rallye-Sport.

Audi quattro (1982) - optisch nur geringe Unterschiede zum günstigeren "normalen" Coupé
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

1987 wurde der Motor überarbeitet, aber 1989 gab es sogar vier Ventile pro Zylinder (“20V”). In seiner Seele aber blieb sich der auch den jeweiligen Umweltvorschriften stets angepasste quattro immer treu. Und so liebten ihn auch seine Fans und sie tun es bis heute, denn als Oldtimer ist das schnelle Allradcoupé genau so beliebt und exklusiv wie damals als Neuwagen.

Ein ausführlicher Bericht zum Audi quattro Strassenauto im Vergleich zum Rallyefahrzeug mit Marcel Fässler als Testfahrer erscheint im Magazin SwissClassics Revue 48-2/2015 (ab 20. März 2015 am Kiosk).

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von re******
03.03.2020 (09:37)
Antworten
Eines der schönsten Autos von Audi. Während meiner Kfz-Gesellenzeit hatte ich das Vergnügen, einen defekten und von meinem Kollegen in Einzelteilen zerlegten Motor mit Neuteilen aufzubauen. Die abschließende Probefahrt blieb und bleibt in Erinnerung. Auch die kleinen Arbeiten an dem kurzen Quattro meines damaligen Chefs waren für mich echte Highlights. Viele Grüße an die Quattro-Fans.
von to******
27.03.2015 (20:25)
Antworten
War da nicht noch ein gewisser Lancia Integrale, der weiss nicht mehr wie oft Rally-Weltmeister wurde?
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