Sie sind beide rot, mit zwei Sitzen ausgestattet, sportlich und auffällig. Und sie stammen vom selben Autohersteller. Selbst die “Carrozzeria” ist derselbe.
Trotzdem sind der Alfa Romeo Giulia TZ1 und der Alfa Romeo SZ – das “Z” steht jeweils für Zagato – grundlegend verschieden. Also los zur Vergleichsfahrt.
Federgewicht
Die leichtgewichtige Türe mit filigranem Griff führt beim TZ1 in ein enges Cockpit mit einem riesigen Drehzahlmesser im Zentrum hinter dem Lenkrad. Die Geschwindigkeitsanzeige ist rechts ob dem Schalthebel angeordnet und war für die damaligen Käufer wohl eher von geringer Wichtigkeit. Mehr interessierten die Anzeigen für die Wassertemperatur, den Öldruck und die Öltemperatur, die um die Lenkachse verteilt sind.
Die Rundumsicht ist gut, die Sitze bieten guten Seitenhalt, Pedale und Schalthebel sind gerade richtig positioniert. Die Seitenscheiben sind als Schiebefenster ausgelegt, den Kurbelmechanismus wolle man sich sparen.
Gestartet wird per Zündschlüssel und sofort legt der Doppelnockenwellen-Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum los. Er ist kein Leisetreter und die Verbrennungstakte werden akustisch auch nicht durch Isolationsschichten gedämpft. Die Kupplung trennt sauber, die fünf relativ kurz übersetzten Gänge lassen sich präzise und mit geringem Widerstand wechseln. Dank nur 650 kg Leergewicht reichen die rund 112 PS für sehr sportliches Vorwärtskommen, während die vier Scheibenbremsen den Wagen problemlos wieder verzögern können.
Ein Leisetreter ist der TZ1 sicher nicht, auf übermässigen Federungskomfort ist er auch nicht getrimmt. Der Spass auf kurvigen Strässchen, die dank nur 151 cm Breite auch etwas enger sein dürfen, ist grenzenlos, die feinfühlige Lenkung und die tiefe Sitzposition tragen dazu viel bei. Aber gedacht war der TZ1 natürlich für den Erfolg auf abgesperrten Strassen.
Für die schnelle Runde
Erfolge im Rennsport standen bei Alfa Romeo Ende der Fünfzigerjahre hoch im Kurs, deshalb suchte man erneut die Nähe zu Elio und Ugo Zagato, als die neue Alfa Romeo Giulia entwickelt wurde. Ab 1959 wurde bei Zagato parallel ein Sportwagen entwickelt, der mit technischen Komponenten der Giulia für Rennsiege sorgen sollte. Ein tiefes Gewicht war dabei genauso zentral wie ein geringer Luftwiderstand. 1962 wurde am Turiner Autosalon ein Prototyp gezeigt, der dank Stahlrohrrahmen und aerodynamisch geformten Aluminiumkleid die Entwicklungsvorgaben erfüllen sollte.
Bis zur “Serienfertigung” war allerdings noch viel Arbeit nötig, denn erst mit verfeinerter Karosserie und Kammheck sowie modifizierten Aufhängungen konnte der Rennsportwagen überzeugen. 100 Exemplare des von Ercole Spada gezeichneten Coupés sollten gebaut werden, um die Homologation in de GT-Klasse zu sichern.
Ab Oktober 1963 konnte man den Sportwagen für DM 28'950 oder CHF 29'850 bestellen, viel Geld für ein spartanisch ausgestattetes Auto. Aber für die Strasse war der “Tubolare Zagato” auch gar nicht gedacht, die Rennstrecke war sein bevorzugtes Kampfgebiet. Klassensiege an der Targa Florio, in Le Mans und in Sebring bewiesen, dass die Konzeption stimmte.
Weil die Konkurrenz aber nicht schlief, Porsche etwa kam mit dem noch kompromissloseren 904 GTS auf den Markt, musste auch Zagato nachschärfen. Auf den TZ1 folgte der TZ2 mit noch flacherer Karosserie, tieferem Gewicht, mehr Leistung und ohne Kompromisse für einen allfälligen Strasseneinsatz. Nach 12 Exemplaren, die zusätzlich zu 112 TZ1 in Udine enstanden, war dann aber endgültig Schluss.
Heute gehören der TZ1 und der TZ2 zu den gesuchtesten Alfa-Klassikern und sind gern gesehene Startende bei Oldtimerrennen und -veranstaltungen.
«Your classic car, our reliable values.»
8855 Wangen SZ, Schweiz
- Automobil-Historiker
- Sachverständiger & Gutachter
Für die schnelle Reise
Nehmen wir im über 25 Jahre jüngeren Alfa Romeo SZ Platz. Dass dieses keilförmige Coupé nicht für die Rennstrecke gedacht war, zeigt sich bei der Ausgestaltung des Innenraums mit edlen Teppichen und viel Leder. Und alleine schon die Motorhaube scheint fast so schwer zu sein, wie der TZ1, so scheint es, als wir vor dem Start einen Blick auf den Busso-Sechszylinder werfen wollen.
Die Rundumsicht ist besser als erwartet und die Bedienung des inzwischen 36-jährigen Coupés stellt keine unüblichen Ansprüche. Gestartet wird wiederum per Schlüssel rechts vom Lenkrad und sofort erklingt der melodische Bariton des drei Liter grossen V6-Motors. Die Bedienungselemente sind gut erreichbar, die Pedale allerdings etwas nach links versetzt.
Dank Servounterstützung geht die Lenkarbeit leicht von der Hand. An Komfort mangelt es nicht, so lassen sich die Seitenfenster elektrisch absenken. An Stauraum für ein längeres Wochenende auch nicht, allerdings muss das Gepäck eher im Innern hinter den beiden Sitzen untergebracht werden, weil im Kofferraum dafür neben dem Reserverad eigentlich kein Platz ist.
Fahrverhalten und Fahrleistungen geben zu keiner Kritik Anlass, die schnelle Fahrt ist dem Coupé auf den Leib geschneidert. Vom Motor würde man sogar gerne noch etwas mehr hören.
Leuchtturmprojekt
Entstanden war der “Experimental Sportscar” (ES) mit drei Litern Hubraum (30) als Aushängeschild für Alfa Romeo. Mit ihm wollte man auch die Zusammenarbeit mit Zagato aufleben lassen. Die Designentwicklung wurde allerdings primär von Fiat-/Alfa Romeo getrieben, der Franzose Robert Opron gestaltete zusammen mit Antonio Castellana bei Fiat die progressive und auffällige Aussenhülle des Wagens.
Auch wenn das Coupé nicht so aussah, so konnte der cW-Wert mit 0.30 doch überzeugen, ergänzt um einen nicht sichtbaren “Ground Effekt” durch entsprechende Gestaltung des Unterbodens, der Querbeschleunigungen bis 1,6 g erlaubte.
Technisch basierte der ES 30 und extern auch SZ genannte Sportwagen auf dem Alfa Romeo 75, von dem man den Motor, das Getriebe und die Fahrwerkselemente übernahm. Die Karosserie bestand aus einem Metallskelett, das man in den Zagato-Werkshallen in Terrazzano di Rho in Handarbeit mit Kunststoffelemente, die bei OPAC entstanden, beplankte.
Vorgestellt wurde der Alfa Romeo SZ 1989 am Genfer Autosalon, die ungewöhnliche Karosserie spaltete die Alfa-Fangemeinde. Kein Wunder wurde der ES 30 auch “il mostro”, also Monster genannt.
1000 Exemplare sollten vor allem für den amerikanischen Markt entstehen, mit einem Grundpreis von DM 102'000 oder CHF 81'500 war das Coupé der bis dahin teuerste Serien-Alfa.
Viel schneller als der TZ1 war der SZ nicht, die Zeitschrift “ams” stoppte 7,5 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h und 235 km/h Spitze. Die gewogenen 1360 kg schmälerten die Vorwärtsdynamik ein wenig, ohne dass man deshalb unzufrieden sein musste, zumal Handlichkeit und Fahrverhalten überzeugten.
Knapp über 1000 Exemplare wurden bis 1991 auch tatsächlich gebaut, dann folgte zwischen 1992 und 1993 noch 278 deutlich teurere Cabriolet-Versionen namens RZ, die man auch in anderen Farben als Rot bestellen konnte.
TZ1 von 1963 versus SZ von 1989
Die technischen Daten zeigen die Unterschiede zwischen den beiden unvergleichbaren Sportwagen:
| Alf a Romeo Giulia TZ1 | Alfa Romeo SZ (ES 30) | |
|---|---|---|
| Gebaut von/bis | 1963-1965/7 (TZ2) | 1989-1992/3 (RZ) |
| Motorlage | Front | Front |
| Motorkonstruktion | Reihen-Vierzylinder | V6 |
| Kühlung | Wasser | Wasser |
| Gemischaufbereitung | Vergaser | Einspritzung |
| Hubraum cm3 | 1570 | 2959 |
| Leistung (PS) | 112 | 207 |
| bei U/Min | 6500 | 6200 |
| Max. Drehmoment (Nm) | 132.4 | 245 |
| bei U/Min | 4200 | 4500 |
| Anzahl Gänge | 5 | 5 |
| Antrieb | Heck | Heck (Transaxle) |
| Aufhängungen vorne | Trapezdreiecksquerlenker | Querlenker |
| Aufhängungen hinten | Dreieckslenker | DeDion-Starrachse |
| Bremsen | Scheiben | Scheiben |
| Reifen | 155-15 | 205/55-16 / 225/50-16 |
| Gewicht (kg) | 650 | 1360 |
| Leistungsgewicht (kg/PS) | 5.8 | 6.6 |
| 0 - 100 km/h (s) | ca. 7 | 7.5 |
| Spitzengeschwindigkeit (km/h) | > 200 | 235 |
| Verbrauch Liter/100 km | 13.7 | |
| cW (Luftwiderstandsbeiwert) | 0.3 | |
| Länge (cm) | 395 | 406 |
| Breite (cm) | 151 | 173 |
| Höhe (cm) | 120 | 131 |
| Radstand (cm) | 220 | 251 |
| Neupreis | DM 28'950 / CHF 29'850 | DM 102'000 / CHF 81'500 |
| Produktion | 112 (+12 TZ2) | ca. 1000 (Coupés) |
Und dann kam da noch der TZ3
Mit dem Alfa Romeo SZ ist die Alfa-Zagato-Geschichte noch nicht fertiggeschrieben, denn 2010 erschien zum 100. Geburtstag von Alfa Romeo der TZ3. Dieser basierte allerdings auf einer Dodge Viper, fand optisch aber durchaus den Anschluss an den TZ1/TZ2, auch wenn er vom Charakter näher am ES 30/SZ lag.
“Z” für Zagato kann und konnte also sehr unterschiedliche Dinge bedeuten, reizvoll waren und sind aber sicherlich alle gebauten hier beschriebenen Sportwagen, halt jeder auf seine Weise.
Und gerade der Vergleich zwischen dem TZ1 der Sechzigerjahre und dem SZ der späten Achtzigerjahre zeigt, wie sich die Automobillandschaft und das Design in rund 30 Jahren entwickelte.
Die für diesen Bericht porträtierten Alfa Romeo Giulia TZ1 und Alfa Romeo SZ kommen am 30. Mai 2026 bei der Versteigerung der Oldtimer Galerie anlässlich der Swiss Classic World unter den Hammer. Interessenten haben in Luzern also die Wahl, welchem der beiden Sportwagen sie den Vortritt geben wollen. Aber am besten würde man sie gleich beide besitzen …





































































































































































































































































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