Hockenheimring “Sachs-Kurve” - oder Kurven, die Geschichte schrieben!

Erstellt im Jahr 2017
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Hockenheim Ring GmbH 
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Archiv Reinhard 
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Überregional bekannt wurde die kleine Stadt Hockenheim durch den 1932 eröffneten 12 Kilometer langen Hockenheimring. Schon beim Eröffnungsrennen am 29. Mai 1932 wurden 45’000 Besucher gezählt.

Mehrfach umgebaut

1938 wurde die Rennstrecke zum ersten Mal umgebaut, zum sogenannten Kurpfalzring. Während der Wirtschaftskrise wurden für den Umbau Arbeitslose im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingesetzt.
Der zweite grosse Umbau wurde durch den Bau der Bundesautobahn 6 ausgelöst, die den damals bis zu den Häusern führenden Ring (Stadtkurve) komplett durchschnitt. Damals wurde noch im Gegenuhrzeigersinn, also gegen die übliche Rennrichtung gefahren. Der Start befand sich auf der heutigen Dragster-Piste und die Ostkurve war damals eine Linkskurve. Die Strecke führte bis in die Ortschaft Hockenheim hinein und dabei direkt am Friedhof vorbei.


Der Streckenverlauf des neuen Motodroms
Copyright / Fotograf: Hockenheim Ring GmbH

In zwei Jahren (1964 und 1965) wurde das so genannte Motodrom gebaut, in dem die Zuschauer, auf erhöhten Tribünen sitzend, grosse Teile der Rennstrecke überblicken konnten und noch immer können. Im Jahre 2002 kam es dann noch einmal zu einem grossen Umbau des damals noch rund 6,8 km langen Hockenheimrings, bei der auch die Strecke drastisch verändert wurde, da die langen Geraden und die Streckenlänge leider nicht mehr zeitgemäss erschienen, einerseits aus Sicherheits-, wie auch aus kommerziellen Gründen. Die Streckenführung des Grand-Prix-Kurses wurde um zwei Kilometer auf 4,8 km Länge verkürzt und die Zuschauerkapazität von 83’000- auf 120’000 Plätze erhöht. Ausserdem wurde ein Fahrsicherheitszentrum geschaffen, das heute vom ADAC betrieben wird.


Lokale Probleme sowie die Neuplanung der Autobahn machten die Veränderung des alten Hockenheimrings unumgänglich
Copyright / Fotograf: Hockenheim Ring GmbH

Auslöser dieser Maßnahmen war Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. Das Land Baden-Württemberg beteiligte sich mit rund 15 Millionen Euro am damaligen Umbau; seither führt die Rennstrecke den Namen Hockenheimring Baden-Württemberg. Weitere notwendige Umbaumassnahmen, insbesondere die längst überfälligen Verbesserungen der alten Zufahrten aus den Sechzigerjahren, sind aus finanziellen Gründen zur Zeit nicht realisierbar.

Das Motodrom aus fotografischer Sicht

In den “Kurvengeschichten” sollen auch immer die fotografischen Aspekte näher erläutert werden. 1966 wurde das "Motodrom", der langsame Innenteil der ansonsten sehr schnellen, damals noch 6,8 km langen Strecke, eröffnet. Die Idee vom Motodrom hätte eigentlich für weitere Rennstrecken Schule machen sollen. Man hatte den superschnellen Teil mit den beiden langen Waldgeraden und der Ostkurve als Kehre, dazu kam dann der langsame mit Kurven gespickte Teil für die Zuschauer und Fotografen. Von den grossen Tribünen hat man fast von überall einen kompletten Einblick ins Motodrom. In diesem Bereich fanden früher viele Zweikämpfe statt, während man sich auf den langen Geraden mit Hilfe des Windschattens dem Vordermann näherte. Die Sachs-Kurve direkt hinter der sehr nahe gelegenen Boxenanlage war und ist für die Fotografen seit dem Bau ein beliebter Punkt. In den Siebziger- und Achtzigerjahren, als die Tribünen noch komplett ausverkauft waren, hatte auch der Hintergrund seinen Reiz. Leider gibt es heute nur noch wenig Bewegungsfreiheit hinter den Zäunen und Werbetafeln. Einzig ein Podest erlaubt noch gute Bilder direkt in den Scheitelpunkt der Sachs-Kurve. Dazu kommt heute auch noch das Problem der aerodynamischen Autos hinzu, deren Linie leider nicht mehr wie gewohnt an den Innen-Curbs vorbeiführt.   


Die noch nicht vollendeten Türme von Dunlop und Continental bestimmten bereits das Bild. Dazwischen die Boxenanlage.
Copyright / Fotograf: Hockenheim Ring GmbH

Bruno Spengler (DTM Champion 2012) meint dazu: "Seit rund zehn Jahren fahren wir mit den DTM-Autos die weitere äussere Linie, weil man vom Radius her etwas schneller fahren und so die Aerodynamik vom Auto effektiver nutzen kann. Zudem ist der Neigungswinkel der Kurve aussen noch etwas steiler und als dritter Punkt kommt noch dazu, dass man mit dem weiteren Radius wesentlich weniger mit Untersteuern zu kämpfen hat. Ich glaube, dass die Sachs-Kurve wohl die einzige Kurve im Rennsport ist, die mit dem weiteren Weg schneller befahren wird, als auf der eigentlichen Ideallinie.”


Marco Wittmann im BMW M4 DTM auf der deutlich sichtbaren sehr weiten Linie
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Rallye-Cross Piste die sich seit zwei Jahren im Infield der Sachskurve befindet, hat natürlich weitere Fotopunkte vernichtet. Es ist kaum zu glauben, wie nahe man in den Sechziger- und Siebzigerjahren an den Scheitelpunkt stehen durfte, selbst auf der extrem gefährlichen Aussenseite sassen teilweise die Fotografen am Boden. Das einmalige Bild der vier Formel-2-Rennwagen zeigt diese Situation ganz deutlich.


Rennen durch die Sachs-Kurve Ende der Sechzigerjahre
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard
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Namensgebung

Wie kam die Kurve zu ihrem Namen? Auch wenn der Motorsport generell eine schnelllebige Angelegenheit ist, so zeichnet die Partnerschaft zwischen Sachs und dem Hockenheimring doch eine erstaunliche Langlebigkeit aus. Bereits seit dem Umbau des Rings in den Sechzigerjahren ist das Engagement von Sachs in Hockenheim sichtbar, ob mit dem Ernst-Wilhelm-Sachs-Haus, das mittlerweile als Pressezentrum dient, der Ernst-Wilhelm-Sachs-Strasse in Hockenheim oder der legendären Sachskurve im Motodrom.


Maxime Martin im BMW M4 DTM
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auch nach der Eingliederung von Sachs als Produktmarke in die ZF Friedrichshafen AG bleibt die Sachskurve natürlich weiterhin die Sachskurve. Sie braucht auch den Vergleich zu anderen legendären Kurven des internationalen Rennzirkus wie der Eau Rouge in Spa oder der Rascasse in Monaco sicherlich nicht zu scheuen.


Hart umkämpfter Rallye Cross Lauf
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dieser Artikel erschien im aktuellen  Zwischengas Jahresmagazin 2018   auf Seite 82

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ur******
24.07.2018 (08:55)
Antworten
Trotz Vettels Patzer am letzten Wochenende: Der legendärste Moment der Sachskurve bleibt dem Renault-5-Cup vorbehalten, als 1974 reihenweise die Autos durch die Gegend purzelten ...
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