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Brüsseler Delikatessen – Zu Besuch in der D’Ieteren Gallery

Erstellt am 23. Mai 2022
, Leselänge 6min
Text:
Wolfram Hamann
Fotos:
Wolfram Hamann 
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Hispano-Suiza Tipo 49 (1929) in der D'Ieteren Gallery – Spanische Vorkriegs-Schönheit
Hispano-Suiza Tipo 49 (1929) in der D'Ieteren Gallery – Die Marke spielte damals in der Liga von Mercedes-Benz, Rolls-Royce und Co.
Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Edler Franzose
Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Karossiert von D'leteren
Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Mit ellenlanger Haube und roter Farbe ein toller Blickfang
Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Schultert gleich zwei Ersatzräder

Mit dem Namen D’Ieteren werden vermutlich nicht alle Leser etwas anfangen können, obwohl einige Marken dieses belgischen Konzerns wie bespielsweise Carglass ihnen bestimmt ein Begriff sind. Daher scheint eine knappe Einführung in die Firmengeschichte, die sich vom Kutschenzeitalter bis hin zur heutigen Elektromobilität erstreckt, unerlässlich. Im Jahre 1805 und somit noch vor der Gründung des belgischen Staates startete Jean Joseph D’Ieteren erfolgreich mit dem Bau von Rädern und Kutschen.

Bild Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlegte sich die Firma auf den Kutschenbau.
Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlegte sich die Firma auf den Kutschenbau.

Ende des 19. Jahrhunderts respektive zwei Generationen später begann die Firma auf dem Gelände des heutigen Firmenhauptsitzes im Brüsseler Stadtteil Ixelles mit dem Bau von Automobil-Karosserien. Damit war die Firma derart erfolgreich, dass 65 Prozent der Produktion des Jahres 1928 exportiert wurden. Nach der Weltwirtschaftskrise verlegte sich D’Ieteren ab 1931 auf den Import amerikanischer Wagen der Marken Pierce-Arrow, Auburn und Studebaker. Aufgrund geänderter, restriktiver Steuerbestimmungen für Importfahrzeuge lancierte D’Ieteren 1935 einen neuen Geschäftszweig und montierte während den darauffolgenden 35 Jahren aus angelieferten Komponenten in Belgien Studebaker-Fahrzeuge.

Bild Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Ab 1935 wurden Fahrzeuge von Studebaker in Belgien zusammengebaut.
Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Ab 1935 wurden Fahrzeuge von Studebaker in Belgien zusammengebaut.

Im Jahre 1948 schloss D’Ieteren einen Vertrag mit Volkswagen und führte so den Käfer exklusiv nach Belgien ein, kurze Zeit später kam Porsche dazu. In der eigenen Fabrik wurden zusätzlich über eine Million Käfer in Belgien gebaut. Zeitweilig besaß D’Ieteren sogar im Kongo eine Autofabrik, bis diese durch den Diktator Mobutu enteignet wurde. Später kam der Vertrieb der Marken NSU und Audi hinzu und heute ist D’Ieteren der belgische Generalimporteur für alle Marken des VW-Konzerns (inkl. Lamborghini und Bugatti) sowie für Yamaha-Motorräder. Nach einem temporären Engagement in der Autovermieter-Branche umfasst das Firmen-Portfolio neben der Automobilsparte derzeit unter anderem die weltweit agierende Firma Belron mit der bereits erwähnten Tochterfirma Carglass, eine Immobilienabteilung und die Papierwaren-Firma Moleskine.

Schatz im Hauptsitz

Die über zwei Jahrhunderte währende Firmentradition wird in der D’Ieteren Gallery am traditionellen Hauptsitz an der Rue du Mail in der belgischen Hauptstadt präsentiert. In dessen Schaufenstern stehen zeitgenössische Nobelfahrzeuge der Marken Porsche, Lamborghini und Bugatti, aber auch VWs "Einliter-Auto" in den Schaufenstern.

Bild Impressionen von der D'Ieteren Gallery – D'leteren-Hauptsitz an der Brüsseler Rue du Mail
Impressionen von der D'Ieteren Gallery – D'leteren-Hauptsitz an der Brüsseler Rue du Mail

Die Gallery ist kein reines Automuseum, weil sich die Geschäftstätigkeit der D’Ieteren-Gruppe nicht ausschließlich auf die Automobil-Branche beschränkte. Ferner werden die Exponate nicht nur ausgestellt, sondern durchaus noch an motorsportlichen oder automobilhistorischen Events bewegt. Auf 2’300 Quadratmetern werden knapp einhundert Automobile und einige Zweiräder gezeigt. Bei den Ausstellungsstücken handelt es sich um den kleineren Teil der privaten Fahrzeugsammlung von D’Ieteren. Kurvige Streifen an der Gebäudedecke fungieren als Zeitschiene und zeigen die jeweiligen Aktivitäten der Firma im Laufe der Zeit. Leider werden die Exponate zwar stimmungsvoll, aber letztlich doch etwas zu spärlich beleuchtet.

Von Kutschen und Karosserien

Beginnen wir also nun mit dem Rundgang durch diese beachtliche Sammlung. Für das Kutschenzeitalter sei hier stellvertretend der Nachbau einer eleganten zweisitzigen Tilbury-Kutsche, dessen Deichsel aus geschwungenem Bugholz geformt ist, erwähnt. Dem schließen sich eindrückliche Exponate aus der goldenen Zeit des automobilen Karosseriebaus an. Neben einem Hispano-Suiza Tipo 49 von 1929, dem ein Jahr zuvor von D’Ieteren karossierten Bugatti Type 44  und einem sportlich-eleganten Mercedes-Benz K kann auch der mächtige Torpedo "Baehr Patent" der belgischen Firma Excelsior aus dem Jahr 1924 bestaunt werden.

Bild Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Mit ellenlanger Haube und roter Farbe ein toller Blickfang
Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Mit ellenlanger Haube und roter Farbe ein toller Blickfang

Da es zu dieser Zeit selbstverständlich noch keine Klimaanlagen für Autos gab und Kurbelfenster kaum verbreitet waren, verschaffte ein besonders trickreicher Mechanismus die ersehnte Kühlung, was der freundliche Museumschef van Boeckel dem Autor anschaulich demonstrierte. Erst werden die Seitenfenster zusammengefaltet und dann nach unten geklappt, um schließlich hinter einer Klappe in der Tür zu verschwinden.

Bild Excelsior Torpedo Transformable Baehr Patent (1924) in der D'Ieteren Gallery – Einheimisches Produkt
Excelsior Torpedo Transformable Baehr Patent (1924) in der D'Ieteren Gallery – Einheimisches Produkt
Angebote eines Zwischengas-Händlers
Alfa Romeo Giulia 1600 Super (1971)
Alfa Romeo Giulia 1600 Super (1971)
Ferrari 599 GTB Fiorano F1 (2008)
Ferrari 599 GTB Fiorano F1 (2008)
Ferrari 456M GT (1999)
Ferrari 456M GT (1999)
Ferrari 308 GTS Vergaser (1978)
Ferrari 308 GTS Vergaser (1978)
055 451 01 01
Altendorf/SZ, Schweiz

Importiert von Übersee und aus Deutschland

Die 35 Jahre andauernde Liaison von D'Ieteren mit dem amerikanischen Automobilproduzenten Studebaker beziehungsweise ab 1954 Studebaker-Packard wird anhand einer Reihe von Fahrzeugen dargestellt. Darunter befinden sich unter anderem ein Studebaker EG Big Six von 1920 und ein prachtvoller Packard 640 Custom von 1929.

Bild Packard 640 Custom (1929) in der D'Ieteren Gallery – Imposantes Convertible
Packard 640 Custom (1929) in der D'Ieteren Gallery – Imposantes Convertible

Knapp vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden die beiden Commander-Varianten Sedan (1938) und Business Coupé (1940), ein gutes Jahrzehnt danach der Packard Convertible von 1955. Ein Exemplar des 50er Studebaker Champion Starlight, auch bekannt als “bullet nose”, fehlt ebenso wenig wie die Designikone Studebaker Avanti von 1963.

Bild Studebaker Champion Starlight Coupé (1950) in der D'Ieteren Gallery – Auch als "bullet nose" bezeichnet
Studebaker Champion Starlight Coupé (1950) in der D'Ieteren Gallery – Auch als "bullet nose" bezeichnet

Einen Großteil der Ausstellung beanspruchen die  Fahrzeuge des heutigen Volkswagenkonzerns und seiner Vorgänger. In dieser Abteilung gibt es allerhand Seltenes zu entdecken. Bleiben wir eine Weile beim Volkswagen Typ 1 “Käfer” sowie seinen Vorgängern und Derivaten. Neben einem Brezel-Käfer und einem Typ 166 Schwimmwagen von 1942 wird ein Nachbau des Prototyps "Serie 30" von 1937 gezeigt.

Bild Volkswagen Prototyp Serie 30 (1937) in der D'Ieteren Gallery – Die Namensgebung beruht auf der Anzahl Versuchswagen dieser Serie.
Volkswagen Prototyp Serie 30 (1937) in der D'Ieteren Gallery – Die Namensgebung beruht auf der Anzahl Versuchswagen dieser Serie.

Auch ein Buggy mit Ritter-Rüstung und natürlich ein Karmann-Ghia Typ 14 kann man begutachten. Daneben befinden sich die typischen Vertreter der Siebzigerjahre, VW Golf GTI und Scirocco.

Bild Volkswagen 1600 L (1972) in der D'Ieteren Gallery – Links daneben die Wilden aus den Siebzigern, Scirocco und Golf GTI
Volkswagen 1600 L (1972) in der D'Ieteren Gallery – Links daneben die Wilden aus den Siebzigern, Scirocco und Golf GTI

Exotische Prototypen und sportliche Schmuckstücke

Während man von einer belgischen Automobilausstellung einen Apal Coupé fast schon erwartet – und auch gezeigt bekommt – erstaunen den Besucher zwei Neretti-Sportwagen. Wenn man den vermeintlich italienisch anmutenden Markennamen rückwärts liest, geht einem sicher ein Licht auf. Roland D’Ieteren (1942 bis 2020) plante einen Sportwagen mit GFK-Karosserie auf der Basis des Käfers für eine Produktion in Mexiko. Das Projekt wurde nicht umgesetzt, es blieb bei einem einzigen Exemplar von 1964, dem Neretti I.

Bild Neretti I (1964) in der D'Ieteren Gallery – GFK-Unikat auf Käfer-Basis
Neretti I (1964) in der D'Ieteren Gallery – GFK-Unikat auf Käfer-Basis

Auch dem Neretti II war nicht viel mehr Erfolg beschieden. Von ihm entstand in Mexiko City zwischen 1970 und 1971 aber immerhin eine Vorserie von 15 Exemplaren.

Bild Neretti II (1970) in der D'Ieteren Gallery – Deutlich kantiger als sein Vorgänger, aber auch erfolgslos
Neretti II (1970) in der D'Ieteren Gallery – Deutlich kantiger als sein Vorgänger, aber auch erfolgslos

In der Nachbarschaft des exotischen Duos sind mehrere Porsche platziert. Und wer genau hinschaut, kann an der Flanke eines 356 statt des vertrauten Namens des Karosseriebauers Reutter die Aufschrift "Anciens Etablissements D’Ieteren Frères Belgium" neben einer stilisierten Kutsche finden. In den Jahren 1960 und 1961 baute D’Ieteren nämlich 724 Exemplare des 356 B Roadster. Neben zwei 911, einem 550 und einem Carrera 6 findet sich ein der britische Elva Mk 7, ein Rennwagen mit Porsche-Motor.

Bild Porsche 356 B Roadster (1961) in der D'Ieteren Gallery – Ein belgisches Exemplar
Porsche 356 B Roadster (1961) in der D'Ieteren Gallery – Ein belgisches Exemplar
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Vielerlei Raritäten aus dem Uni-VW-rsum

Auch die Vorkriegsära der Auto Union wird eindrucksvoll dargestellt. Neben den DKW-Modellen F 1 und F 5 sowie den Wanderer-Wagen W 23 und W 25 K wird ein Audi Typ SS “Zwickau" mit Reihenachtzylinder präsentiert.

Bild Wanderer W 23 (1937) in der D'Ieteren Gallery – Umgeben von weiteren Auto-Union-Erzeugnissen
Wanderer W 23 (1937) in der D'Ieteren Gallery – Umgeben von weiteren Auto-Union-Erzeugnissen

Glanzlichter der Auto-Union-Repräsentanz sind sicher die beiden Repliken der Rennwagen Wanderer W 25 Stromlinie und des Auto Union Typ A von 1934 mit 16 Zylindern. Bei den Nachkriegswagen finden sich unter anderem ein DKW Schnellaster, ein F 91 3=6 Sonderklasse Cabriolet von 1954, ein 1000 SP Roadster und ein Audi 60 L von 1972.

Bild Wanderer W 25 Stromlinie Replica (1938) in der D'Ieteren Gallery – Etwas eigenartiger Anblick
Wanderer W 25 Stromlinie Replica (1938) in der D'Ieteren Gallery – Etwas eigenartiger Anblick

Erfreulicherweise wird auch die Firma NSU dokumentiert. Neben einem Prinz III stehen ein Wankel-Spider und ein Ro 80 von 1974. Seat ist mit dem kleinen Sportcoupé 1430 Sport von 1979 vertreten. Auch tschechische Automobile bilden einen Teil der Ausstellung, präsentiert werden ein Škoda 422 Tudor von 1930 sowie ein Popular Cabrio von 1937.

Bild Seat 1430 Sport (1979) in der D'Ieteren Gallery – Kantiges Coupé
Seat 1430 Sport (1979) in der D'Ieteren Gallery – Kantiges Coupé

Der Bugatti Type 57 Aravis mit D’Ieteren-Karosserie von 1938 befindet sich neben einem Lamborghini 350 GT und einem Bentley S1 Continental Sports Saloon von 1956 in bester Gesellschaft.

Bild Lamborghini 350 GT (1964) in der D'Ieteren Gallery – Das erste Modell des italienischen Herstellers
Lamborghini 350 GT (1964) in der D'Ieteren Gallery – Das erste Modell des italienischen Herstellers

Wie bereits oben erwähnt, hat sich die Firma auch mit Zweirädern beschäftigt. Seines Seltenheitswerts wegen erwähnenswert ist der belgische Motorroller Piatti mit 125 Kubikzentimetern Hubraum, den D’Ieteren von 1952 bis 1954 vertrieb, wenn auch weitgehend erfolglos.

Bild Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Seltene Roller der Marke Piatti, die D'leteren von 1952 bis 1954 vertrieb
Impressionen von der D'Ieteren Gallery – Seltene Roller der Marke Piatti, die D'leteren von 1952 bis 1954 vertrieb

Für den Besuch der Gallery sollte man sich wegen der Qualität der Exponate und der historischen Bandbreite hinreichend Zeit nehmen. Mit Spannung darf auch die weitere Entwicklung der Firma beziehungsweise deren Ausstellung beobachtet werden. Da in Brüssel ab 2030 keine Dieselautos und ab 2035 auch keine Benziner mehr betrieben werden dürfen, setzt D’Ieteren vermehrt auf die Elektromobilität und betreibt am traditionellen Firmensitz in Ixelles ein großes Geschäft für Fahrräder.

Eine Besichtigung der D’Ieteren Gallery ist nach Absprache möglich.

Bild Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Karossiert von D'leteren
Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Karossiert von D'leteren

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Hispano-Suiza Tipo 49 (1929) in der D'Ieteren Gallery – Spanische Vorkriegs-Schönheit
Hispano-Suiza Tipo 49 (1929) in der D'Ieteren Gallery – Die Marke spielte damals in der Liga von Mercedes-Benz, Rolls-Royce und Co.
Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Edler Franzose
Bugatti Type 44 (1928) in der D'Ieteren Gallery – Karossiert von D'leteren
Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Mit ellenlanger Haube und roter Farbe ein toller Blickfang
Mercedes-Benz K 24/110/160 PS (1929) in der D'Ieteren Gallery – Schultert gleich zwei Ersatzräder
Quelle:
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von ne******
28.06.2022 (20:30)
Antworten
Ich könnte noch einige Fotos von der ersten Präsentation des von Crosthwaite&Gardiner gebauten Auto Union Typ A beisteuern.
Martin Schröder
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