Die Versteigerung im Dolder Grand Hotel ob Zürich am 1. November 2025 wurde mit grosser Spannung erwartet, immerhin war dies eine Premiere, denn erstmals brachte die noch junge amerikanische Auktionsfirma und Hagerty-Tochter Broad Arrow Autos in der Schweiz unter den Hammer.
Zur Steigerung der Bekanntheit hatte sich Broad Arrow Auctions mit der gleichzeitig stattfindenden Auto Zürich zusammengetan, wo sich Broad Arrow nicht nur auf einem Stand präsentierte, sondern mit dem Aufritt am Medientag auch für einen der Höhepunkte sorgte, also der Ferrari 275 GTB, der Jaguar D-Type und der Bugatti Chiron über die “Media Stage” rollten.
Die Versteigerung selber fand im gut gefüllten Ballsaal des Dolder Grand Hotels statt, die Autos konnten bis zur Aktion im Parkdeck P3 besichtigt und inspiziert werden.
Insgesamt 62 Fahrzeuge im Wert von rund CHF 34 Millionen waren es, die am 1. November 2025 unter den Hammer kamen. Im Schnitt waren sie 38 Jahre jung, fast die Hälfte (48 %) wurde ohne Mindestpreis angeboten.
Keine trockene Veranstaltung
Wer sich eine Klassikerversteigerung als eine langweilige Abfolge von aufgerufenen Lots und hochgetriebenen Preisen vorstellt, der fand im Dolder eine komplett andere Stimmung vor. Die Bieter und Zuschauer waren bester Laune, angefeuert durch markige Sprüche des Auktionators Thomas Forrester. Beisitzer Alain Squindo begrüsste die Besucher sogar in praktisch akzentfreier Schweizer Mundart und stelle alle Fahrzeuge zweisprachig (englisch und deutsch), sorgte dabei auch für manches Schmunzeln, etwa als er den Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 als “Banker's Hot Rod” bezeichnete.
Dass auch noch Champagner in Strömen floss und appetitliche Kleinigkeiten serviert wurden während der nicht ganz 3,5 Stunden dauernden Auktion, half der guten Stimmung zusätzlich.
85 Prozent verkauft
Von den 62 Fahrzeugen (darunter zwei verkleinerte Ausgaben und ein rollendes Chassis eines McLaren) konnten 53 (85 %) im Gesamtwert von rund CHF 22 Millionen (EUR 23,6 Millionen) während der Auktion verkauft werden, zwei Lots davon mit etwas Verzögerung nach dem Fallen des Hammers. Im Schnitt wurden pro Fahrzeug rund CHF 416'000 (EUR 445'000) bezahlt. Ein Wagen (BMW 327) war noch vor der Versteigerung zurückgezogen worden.
Vor allem europäische Autos bekannter Marken
Angeboten worden waren neun Ferrari, neun Porsche und je fünf Lamborghini und Rolls-Royce, sowie Autos von Jaguar, Alfa Romeo, Mercedes-Benz, Aston Martin, Bugatti, Lotus und McLaren mit mindestens zwei Fahrzeugen pro Marke. Alle übrigen Marken kamen maximal einstellig vor, am exotischsten muteten dabei Isdera/Sbaro, S.S. und Swallow an.
Während alle Ferrari vermittelt werden konnten, betrug die Verkaufsquote bei Porsche, trotz der Ansage von Squindo, dass Zürich ja eine “Porsche Town” sei, nur 56 %. Dahingegen fanden alle Jaguar und Alfa Romeo einen neuen Besitzer, bei Lamborghini und Rolls-Royce waren es 80 %.
Im Schnitt gingen die Bieter bis 76 % des mittleren Schätzwerts, die Unterschiede pro Marke waren gering, wobei Ferrari, Porsche und Lamborghini nach oben streuten.
Viel Interesse für den D-Type
Aus langjährigem Schweizer Besitz stammt das teuerste Auto im Katalog. Der Jaguar D-Type wurde 1995 von seinem heutigen Besitzer erworben und war im Vorfeld auf 5,25 bis 6,25 Millionen Franken eingeschätzt worden.
Beim Chassis XKD 551 aus dem Jahr 1956 handelt es sich um ein ungewöhnlich original erhaltenes Fahrzeug, bei dem praktisch alle Blechteile noch der Erstauslieferung entsprechen. Dass auch Motor und Getriebe dem Auslieferungszustand entsprechen liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass der Rennwagen in den Fünfzigerjahren nie im Rennsport eingesetzt worden war, sondern als Strassenfahrzeug genutzt wurde.
Wie würden die Bieter auf diesen “Rennwagen” mit fehlender Renngeschichte, aber unübertroffener Originalität reagieren? Bis CHF 4,6 Millionen gingen die Gebote, damit wurde der D-Type für CHF 5,181 Millionen (EUR 5,544 Millionen) inklusive Bieteraufgeld verkauft.
Moderne Super- und Hypersportwagen mit unterschiedlich viel Erfolg
Im jungen Angebot im Dolder fand sich eine ganze Reihe von begehrten Hypercars und Supersportwagen, die noch keine 20 Jahre zählten.
Während der fast neue und noch keine 100 km gefahrene Aston Martin Vakyrie mit Baujahr 2024 für CHF 2,706 Millionen (EUR 2,896 Millionen) verkauft werden konnte, stiessen die beiden zumindest eingefahrenen Bugatti auf weniger Nachfrage.
Beim Veyron EB 16.4 von 2008 war bei CHF 1,25 Millionen Schluss (83 % des mittleren Schätzwerts), beim Chiron Sport von 2020 bei CHF 2,4 Millionen (79 %). Die Einlieferer hatten die Limite offenbar höher angesetzt, tatsächlich sind diese Autos ja aktuell ziemlich gefragt.
Ein Porsche 918 Spyder aus dem Jahr 2015 wurde für CHF 1,418 Millionen (EUR 1,517 Millionen) vermittelt, ein McLaren P1 von 2014 für CHF 1,109 Millionen (EUR 1,186 Millionen).
Nicht verkauft werden konnten der Porsche 935 von 2019 und der Lamborghini Reventón Roadster von 2010.
Solides Abschneiden der Superklassiker
Im Angebot von Broad Arrow in Zürich tauchten natürlich viele Superklassiker der Sechziger- bis Achtzigerjahre auf, sowie weitere aus den Epochen vor- und nachher.
Der Ferrari 275 GTB aus dem Jahr 1966 mit Leichtmetallkarosserie und kompletter Schweizer Geschichte erzielte in dieser Gruppe mit CHF 2,312 Millionen (EUR 2,474 Millionen) den höchsten Preis, auch wenn die Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden.
Während der Lamborghini Islero von 1969, eines von nur 225 Exemplaren der letzten Evolutionsstufe des frühen GT, für CHF 270'250 (EUR 289'168) einen neuen Besitzer fand, gelang dies dem Miura P400 von 1967 nicht, mehr als CHF 1,45 Millionen wurden nicht geboten.
Dafür konnte der fast fabrikneue Diablo von 1991 mit nur gerade 974 km auf der Uhr für CHF 445'000 (EUR 476'150) in neue Hände übergeben werden. Eine noch deutlich extravertierte Version ddes Diablo aus dem Jahr 1993 fand für CHF 355'000 (EUR 378'850) in eine neue Garage.
Für einen späten Maserati Khamsin von 1983 wurden CHF 106'375 (EUR 113'821) bezahlt, für einen Jaguar XJ 220 von 1994 CHF 445'000 (EUR 476'150).
Etwas unter den Erwartungen blieben der Ferrari 212 Europa als Coupé von Pinin Farina aus dem Jahr 1952, den immerhin Ingrid Bergmann gefahren hat damals. CHF 816'250 (EUR 873'388) erscheinen angesichts der Bedeutung und der Seltenheit dieses Autos fast schon wie ein Schnäppchen.
Ähnliches gilt es zum S.S. Jaguar 100 3,5 Liter von 1937 zu sagen, der für CHF 321'250 (EUR 343'738) vermittelt wurde.
Exoten und wählerische Bieter
Etwas schwerer taten sich die Exoten im Angebot. 2007 entstand in der École Espera Sbarro auf Basis des Fahrgestells eines 1991er Isdera Imperator 108i eine atemberaubend gezeichnete Barchetta, die als Sbarro Espera Turbo S20E im Jahr 2007 erstmals auf dem Genfer Autosalon zu bewundern war.
Ausgerüstet mit einem Fünfliter-Mercedes-V8, gekoppelt an ein Fünfganggetriebe, kann der neue Besitzer auf viele interessante Ausfahrten hoffen, zumal er mit CHF 103'500 (EUR 110'745) günstig zum Schweizer Einzelstück gekommen war.
Ebenfalls etwas unter den Erwartungen wechselte der umfangreich restaurierte Swallow Doretti aus dem Jahr 1954 die Hand, CHF 103'500 (EUR 110'745) kostete das Cabriolet.
Überraschend ausgiebig war der Bieterkampf um die Daimler DS420 Vanden Plas Limousine von 1970. Nach einem längeren Hin und Her konnte die neue (und einstige) Besitzerin den stattlichen Wagen für CHF 24'150 (EUR 25'841) (wieder) übernehmen.
Nicht zugeschlagen konnte der hochinteressante Rolls-Royce Phantom III als viertüriges Cabriolet von Voll & Ruhrbeck aus dem Jahr werden. Das Höchstgebot von CHF 170'000 für das Einzelstück erreichte den Mindestpreis nicht.
Dafür fand sich ein neuer Besitzer für den Lotus 22 von 1962, den einst Jo Siffert in Formel-Junior und Formel-1-Rennen (!) gefahren hatte. Mit CHF 86'250 (EUR 92'288) wurden allerdings hier die Erwartungen nicht ganz erfüllt.
Viele preiswerte Autos
Angesichts der Millionenwerte, die im Dolder verschoben wurden, könnte man zur Ansicht gelangen, dass die Veranstaltung nur etwas für die oberen Zehntausend gewesen war. Tatsächlich aber gab es nicht nur junge Bieter im Saal, der eine oder andere hatte vermutlich noch nicht einmal eine Fahrerlaubnis, sondern es gab auch preiswerte und günstige Fahrzeuge zu kaufen.
Für CHF 11'500 (EUR 12'305) erhielt man einen Fiat 500 L, CHF 13'800 (EUR 14'766) reichten für eine dreirädrige BMW Isetta 300 von 1959 und mit CHF 16'100 (EUR 17'227) konnte man bereit in einen ausgewachsenen Jaguar Mark X von 1962 einsteigen.
Einige der “No Reserve”-Fahrzeuge wurden deutlich unter den Erwartungen abgegeben, so kostete etwa der Alfa Romeo Giulietta Spider von 1956 nur CHF 40'250 (EUR 43'068), der Rolls-Royce Corniche II von 1988 nur CHF 52'900 (EUR 56'603).
Für CHF 54'625 (EUR 58'449) konnte man einen der raren Alfa Romeo 1300 Junior Zagato von 1970 kaufen, für CHF 33'350 (EUR 35'685) einen Lotus Esprit S2 von 1979.
Premiere geglückt
Auch wenn von den angepeilten CHF 34 Millionen nur 65 % realisiert werden konnten, darf Broad Arrow die erste Züricher Versteigerung als Erfolg verbuchen.
Innert relativ kurzer Zeit hat sich das Auktionshaus auch in der Schweiz als vertrauenswürdiger Partner für verkaufswillige Klassikerbesitzer und finanzkräftige Kaufinteressenten etabliert und man kann davon ausgehen, dass diese erste Versteigerung in Zürich nicht die letzte war.
Angebotene und verkaufte Fahrzeuge
Die folgende Tabelle listet alle angebotenen und verkauften Fahrzeuge mit Schätzpreisen, Höchstgeboten und Verkaufspreisen. Die Preis-Umrechnung erfolgte zum am Auktionstag gültigen Tageskurs. Alle Angaben ohne Gewähr.
| Lot | Fahrzeug | Jahr | CHF Est von | CHF Est bis | CHF HG | CHF VP | EUR VP | % Est | S |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 101 | Porsche Dakar Junior (Kinderauto) | 1984 | 30'000 | 40'000 | 13'000 | 16'250 | 17'387 | -53.57%
|
V |
| 102 | Williams FW14 (75 % Modell) | 1992 | 30'000 | 50'000 | 35'000 | 43'750 | 46'812 | +9.38%
|
V |
| 103 | McLaren MP4-12C Rolling Chassis | 2010 | 20'000 | 40'000 | 17'000 | 21'250 | 22'737 | -29.17%
|
V |
| 104 | Micro Microlino | 2025 | 25'000 | 30'000 | 13'000 | 14'950 | 15'996 | -45.64%
|
V |
| 105 | BMW Isetta 300 | 1959 | 20'000 | 25'000 | 12'000 | 13'800 | 14'766 | -38.67%
|
V |
| 106 | Fiat 500 L | 1971 | 10'000 | 15'000 | 10'000 | 11'500 | 12'305 | -8%
|
V |
| 107 | Swallow Doretti | 1954 | 125'000 | 150'000 | 90'000 | 103'500 | 110'745 | -24.73%
|
V |
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Legende: Spalte S = Status (V = Verkauft, N = Nicht verkauft, Z = Zurückgezogen, U = Unter Vorbehalt)
Est = Estimate/Schätzwert, HG = Höchstgebot, VP = Verkaufspreis
































































































































































































































































































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